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Veröffentlicht am 30.04.2023

Authentische Romanbiografie

Sisi
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Karen Duves Romanbiografie "Sisi" beginnt zwanzig Jahre nach ihrer Heirat und umfasst etwa drei Jahre.
Ihre Lieblingsbeschäftigung sind inzwischen wilde Jagden, bei denen sie ihr außergewöhnliches Reittalent ...

Karen Duves Romanbiografie "Sisi" beginnt zwanzig Jahre nach ihrer Heirat und umfasst etwa drei Jahre.
Ihre Lieblingsbeschäftigung sind inzwischen wilde Jagden, bei denen sie ihr außergewöhnliches Reittalent zur Schau stellen kann. Als ihre achtzehnjährige Nichte Marie Louise am Hof erscheint, macht Elisabeth sie zu ihrer engsten Vertrauten - bis auf einmal auch Marie Louise Aufmerksamkeit vom männlichen Adel bekommt. Es beginnt ein intrigantes Spiel, um die junge Konkurrentin loszuwerden.

Ich gehöre zu den wenigen, die die "Sissi"-Filme mit Romy Schneider nicht gesehen haben, bin mir aber sicher, dass dieses Buch ein ganz anderes Licht auf die legendäre Kaiserin wirft: Keine Märchenprinzessin, die in einem Traumschloss wohnt, sondern eine höchst unzufriedene Frau mit narzisstischen und depressiven Zügen, die ständig im Mittelpunkt steht und deren Leben von allen kommentiert und kritisiert wird. Kein Wunder, dass sie sich wahnhaft um ihr Gewicht sorgt, dreimal am Tag ihre Taille messen lässt usw.
Duve zeichnet ein sehr authentisches Bild von Elisabeth und romantisiert dabei kein bisschen. Sie gibt ihren ambivalenten Charakter gut wieder und überrascht mit interessanten Details. Stellenweise wirkt die Kaiserin dabei sogar höchst unsympathisch - was aber in Anbetracht ihrer Vergangenheit kein Wunder ist. Apropos Vergangenheit: Man braucht nicht viel Vorwissen, um das Buch lesen zu können, ich würde aber empfehlen, zumindest einmal den Wikipedia-Artikel über Sisi zu lesen, um die Kontexte besser zu verstehen.
Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, sodass man das Buch trotz der vielen langen Namen, Adelstitel und historischen Berufsbezeichnungen flüssig lesen kann.
Ich persönlich konnte viel Neues lernen, nicht nur über den österreichischen Adel im neunzehnten Jahrhundert, sondern auch über die Epoche im Allgemeinen und zu guter letzt über Pferde - denn ein großer Teil dreht sich um Elisabeths Liebe zum Reiten. Aus diesem Grund hat sich die Geschichte für mich stellenweise ziemlich gezogen, nichtsdestotrotz gebe ich gerne ⭐️4/5⭐️.

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Veröffentlicht am 29.04.2023

Kindgerechter Naturführer

Mein erster Naturführer, Was fliegt denn da?
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Mit "Was fliegt denn da?" bringt Kosmos einen ersten Naturführer für Kinder ab vier Jahren heraus.
Das kleinformatige Büchlein passt wunderbar in jeden Rucksack und durch die kartonierten Seiten verspricht ...

Mit "Was fliegt denn da?" bringt Kosmos einen ersten Naturführer für Kinder ab vier Jahren heraus.
Das kleinformatige Büchlein passt wunderbar in jeden Rucksack und durch die kartonierten Seiten verspricht es die nötige Robustheit.

Insgesamt behandelt es sechzehn heimische Vogelarten, die man oft in der Naur beobachten kann.
Jeder Vogelart ist eine Doppelseite gewidmet, zu sehen ist jeweils ein großes, realistisch gezeichnetes Bild des Vogels (bzw. mehrere Bilder, wenn Männchen und Weibchen sich optisch unterscheiden), auf dem die drei prägnantesten Merkmale gekennzeichnet sind. In einem kurzen Fließtext erfährt man einige spannende Informationen über die Vogelart, außerdem gibt es noch einen kurzen Steckbrief, der über Größe/ Heimat/ Lieblingsfutter aufklärt.
Erwähnenswert finde ich die Größenvergleiche mit Obst: So können sich auch Kinder etwas darunter vorstellen.

Insgesamt ist es also ein wundervoll gestalteter Naturführer, geeignet schon für die Kleinsten, der aber auch einige interessante Informationen für Erwachsene bereithält.
Meine Tochter liebt es, Vögel zu beobachten und gibt ihr neues Buch darüber kaum noch aus der Hand.

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Veröffentlicht am 24.04.2023

Liebesgeschichte mit übernatürlichen Elementen

Als wir Vögel waren
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Der junge Rastafari Darwin beginnt in Port Angeles, Trinidad einen Job als Totengräber.
Als Yejides Mutter stirbt, wird sie in ein Familiengeheimnis eingeweiht und muss die Tradition weiterführen.
Es beginnt ...

Der junge Rastafari Darwin beginnt in Port Angeles, Trinidad einen Job als Totengräber.
Als Yejides Mutter stirbt, wird sie in ein Familiengeheimnis eingeweiht und muss die Tradition weiterführen.
Es beginnt eine magische Liebesgeschichte, die vom Schicksal vorherbestimmt war.

Ich habe mich über das ungewöhnliche Setting von "Als wir Vögel waren" sehr gefreut. Romane, die in der Karibik spielen, habe ich bisher eher selten gelesen - und auf einem Friedhof schon mal gar nicht.
Ohne viele Worte schafft Ayanna Lloyd Banwo ein atmosphärisches Bild vom emsigen Treiben in Port Angeles.
Generell schafft sie es gut, die jeweiligen Stimmungen auf die Lesenden zu übertragen und sie in die Geschichte hineinzuversetzen.
Ich mochte es, wie sie die Kontraste von Darwins und Yejildes Erziehung herausarbeitet: Für ihn steht das Leben im Vordergrund, für sie der Tod. Dieser Kontrast spielt im gesamten Verlauf eine große Rolle.
Die Autorin erzeugt viele Fragen, die den Spannungsbogen aufrecht erhalten, wie z.B. was es mit dem mysteriösen Vorarbeiter Erroll auf sich hat, wohin Darwins Vater vor vielen Jahren verschwunden und was zwischen Yejide und ihrer Mutter vorgefallen ist.
Angenehm fand ich auch, dass die Liebesgeschichte zwar eine tragende Rolle spielt, dennoch keinen zu großen Teil einnimmt oder durch kitschige Formulierungen zum Ausdruck gebracht wird.

Nicht so gut gefallen hat mir der (im Laufe der Seiten immer größer werdende) Anteil an spirituellen/ übersinnlichen Sequenzen. Ich habe nichts dergleichen erwartet und finde, die Story wäre auch gut damit ausgekommen, wenn die Mythen ebensolche geblieben wären und sich nicht bewahrheitet hätten.
Auch verlief mir das letzte Drittel des Buches etwas zu geradlinig, bis auf eine Kleinigkeit kam es mir zu reibungslos zum Ende.

Insgesamt also ein Roman, der vor allem durch seine mitreißenden Stimmungen und außergewöhnlichen Beschreibungen überzeugt, mir persönlich aber zu übersinnlich war - wer damit kein Problem hat, sollte ihn unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 19.04.2023

Spannend und zum Nachdenken anregend

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Großmutter Evelyn ist die letzte lebende Verwandte der 27-jährigen Hannah. Obwohl sie sie regelmäßig im Seniorenheim besucht, weiß Hannah kaum etwas über ihre eigene Familie. Deswegen überrascht es sie ...

Großmutter Evelyn ist die letzte lebende Verwandte der 27-jährigen Hannah. Obwohl sie sie regelmäßig im Seniorenheim besucht, weiß Hannah kaum etwas über ihre eigene Familie. Deswegen überrascht es sie auch, als sie einen Brief aus Israel findet, der Evelyn als Erbin von wertvollen, verschollenen Gemälden betitelt, die während des Nationalsozialismus eingezogen wurden.
Sie macht sich auf die Suche nach den Bildern - und nach ihrer Familiengeschichte.

Mit dem ungewöhnlichen Titel "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" hat Alena Schröder direkt mein Interesse geweckt. Ohne zu wissen, worum es geht, ahnt man doch direkt, dass Kunst hier eine Rolle spielt.
Und das tut sie auch: Die Suche nach den verschollenen Gemälden bietet eine spannende, informative Storyline. Sie formt aber nur einen Rahmen für die eigentlichen Themen des Buches; es geht viel um die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen zum Muttersein, zur Selbstverwirklichung und falschen Erwartungen.
Dies zieht sich in dem Roman über ganze vier Generationen von Frauen. Abwechselnd erzählt Schröder aus Hannahs Perspektive in der Gegenwart und Evelyns Mutter in der Vergangenheit, beginnend in den 1920er Jahren.
Beide Zeitstränge verlaufen chronologisch und zeichnen zusammen ein Familienbild voller Konflikte.

Schwere, geschichtliche Themen rund um den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg hat die Autorin geschickt in die Handlung eingewebt und es dabei geschafft, sich weder in historischen Details zu verlieren, noch sie unzulänglich zu thematisieren.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, er regt zum Nachdenken an, hat dabei aber trotzdem genug Inhalt, um die Spannung aufzubauen und zu erhalten. Er konnte bei mir jedoch keine tiefen Gefühle erzeugen, so richtig warm wurde ich mit den Figuren nicht.

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Veröffentlicht am 17.04.2023

Gute Grundidee - langatmige Umsetzung

Institut für gute Mütter
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Nach mehreren schlaflosen Nächten, Krankheiten und blankliegenden Nerven stürmt Frida kurzentschlossen aus dem Haus und lässt ihre achtzehn Monate alte Tochter allein, um ein paar Minuten Ruhe zu genießen.
Bei ...

Nach mehreren schlaflosen Nächten, Krankheiten und blankliegenden Nerven stürmt Frida kurzentschlossen aus dem Haus und lässt ihre achtzehn Monate alte Tochter allein, um ein paar Minuten Ruhe zu genießen.
Bei ihrer Rückkehr hat ein besorgter Nachbar bereits die Polizei alarmiert. Frida wird das Sorgerecht entzogen und sie muss für ein Jahr in das "Institut für gute Mütter", um es zurückzuerlangen.

In ihrem dystopischen Debütroman lässt Jessamine Chan die Protagonistin Frida den Albtraum eines jeden Elternteils durchleben. Ihr Trennungsschmerz hat mich dabei selbst tief getroffen und fast umgehauen, die Vorstellung, sein Kind durch einen einzigen Fehler zu verlieren und so viele Entwicklungsschritte zu verpassen, ist einfach grausam. Und Hand aufs Herz: Welches Elternteil handelt immer perfekt?

Nach einem packenden Start geht es meiner Meinung nach recht langatmig weiter und ich musste mich zwischendurch regelrecht zwingen, weiterzulesen.
Das Jahr im Institut hat weder Höhen, noch Tiefen, viele wichtige Themen - wie z.B. Rassismus oder ungleiche Behandlung von Vätern und Müttern - werden kurz angerissen, aber nicht vertieft und auch die Figuren blieben für mich wenig greifbar.
Eine Charakterentwicklung Fridas ist leider auch nicht zu sehen: Immer wieder beharrt sie darauf, dass sie nur "einen schlechten Tag" hatte und sieht den Fehler nicht so wirklich als ihren eigenen ein.
Die Beschreibungen der bedrückenden Gefängnis-Atmosphäre, sowie die KI-Puppen und die ambivalente Beziehung zu ebendiesen fand ich gut gelungen, konnten aber trotzdem nicht wirklich für ein höheres Spannungsniveau sorgen.

Im Nachwort schreibt Chan, dass sie ursprünglich nur eine Kurzgeschichte daraus schreiben wollte und das wäre für mich defintiv die bessere Umsetzung gewesen.
So hatte ich das Gefühl, dass diese wirklich interessante Grundidee unnötig in die Länge gezogen wurde, um Seiten zu füllen.

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