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Löwen weckenNach einer langen Schicht im Krankenhaus überfährt Dr. Etan Grien einen illegalen Einwanderer.
Um seine Karriere nicht zu gefährden, begeht der Neurochirurg Fahrerflucht - denn dem Opfer kann ohnehin nicht ...
Nach einer langen Schicht im Krankenhaus überfährt Dr. Etan Grien einen illegalen Einwanderer.
Um seine Karriere nicht zu gefährden, begeht der Neurochirurg Fahrerflucht - denn dem Opfer kann ohnehin nicht mehr geholfen werden.
Am nächsten Tag steht dessen Witwe vor Griens Haustür. Sie zwingt ihn zu einem gravierenden Pakt.
Ayelet Gundar-Goshen hat mit “Löwen wecken” einen Roman geschrieben, der ein Psychogramm von gleich drei Personen liefert: dem Neurochirurgen Etan, dessen Frau Liat und der Witwe des Überfahrenen, Sirkit.
Geschickt beschreibt die Autorin, wie facettenreich jede ihrer Hauptfiguren ist, bewegt sich dabei intensiv in der Gedankenwelt und schildert alltägliche Situationen, um den Lesenden ein zutiefst menschliches Bild der Charaktere zu verschaffen.
Und dann reicht ein Entschluss, um dieses Bild zu zerstören, eine Entscheidung, die es wieder komplett verändert. Oft wird man vor die Frage gestellt, wie man selbst gehandelt hätte und oft muss man den Personen dabei folgen, wie sie moralisch fragwürdige Wege einschlagen.
Interessant ist auch, wie nach und nach mehr Verknüpfungen hergestellt werden; es beginnt damit, dass Liat als Polizistin mit dem Fall der Fahrerflucht betraut wird und endet damit, dass die halbe Stadt miteinander verwickelt ist.
“Löwen wecken” ist ein Roman, der zwar ein paar Längen hat, dafür aber sehr in die Tiefe geht. Ein Roman, der aufzeigt, dass eine Entscheidung alles verändern kann. Der die Lesenden an ihre moralischen Grenzen bringt und nicht so schnell loslässt. ⭐️4/5⭐️
*Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama