Ulrike Sterblich hat ihrer Fantasie mit “Drifter” freien Lauf gelassen, sich von keinen Normen einschränken lassen. Heraus kam ein herrlich verrückter Roman, dessen Grenzen zwischen Realität und Fiktion ...
Ulrike Sterblich hat ihrer Fantasie mit “Drifter” freien Lauf gelassen, sich von keinen Normen einschränken lassen. Heraus kam ein herrlich verrückter Roman, dessen Grenzen zwischen Realität und Fiktion verlaufen, mehr als einmal driftet die Handlung weit ins Skurrile ab.
Ihre schriftstellerische Eleganz, die vielen Geheimnisse und die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere lassen einen Sog entstehen, dem man kaum nachgeben kann. Eine absurde Situationskomik bietet dabei noch das besondere Etwas.
Manchmal hat mir der rote Faden gefehlt und ich habe nicht immer ganz verstanden, wohin die Handlung gerade läuft. Dennoch hat mich “Drifter” gut unterhalten und mal etwas Neues geboten. Ich empfehle den Roman allen Fans von Sven Pfizenmaiers “Und draußen feiern die Leute”. ⭐️4/5⭐️
Mit erzählerischer Wucht zeigt Mareike Fallwickl auf, was es bedeutet, in unserer Gesellschaft eine Frau zu sein. “Die Wut, die bleibt” ist aufwühlend, schonungslos und Augen öffnend. Allein der kurze ...
Mit erzählerischer Wucht zeigt Mareike Fallwickl auf, was es bedeutet, in unserer Gesellschaft eine Frau zu sein. “Die Wut, die bleibt” ist aufwühlend, schonungslos und Augen öffnend. Allein der kurze Prolog ist so knallhart, dass einem beim Lesen kurz die Luft wegbleibt.
Eine der größten Stärken des Romans ist meiner Meinung nach die absolut realistische Darstellung vom Muttersein mit Kleinkindern. Es gibt keine Romantisierung, man fühlt sich als Mutter einfach verstanden und ernstgenommen.
Zwischendurch sind die Grenzen zum Sachbuch fließend, vor allem wenn Lola zu ihren Erklärungen ausholt, hat man das Gefühl, man lese einen Feminismus-Ratgeber. So wirken die Dialoge etwas weniger authentisch, man wird aus dem Roman gerissen, dafür lernt man viel Neues zum Thema Emanzipation und wird zum Nach- bzw. Umdenken angeregt.
Die Charaktere fand ich leider etwas einsilbig, ich hatte öfter das Gefühl, jede*r ist ausschließlich da, um einen Zweck zu erfüllen und das wars.
Lolas Entwicklung ist für mich ebenfalls ein großer Kritikpunkt; zunächst habe ich mich gefreut, dass sie in einer Clique von etwa gleichaltrigen jungen Frauen einen neuen Safe Space findet, in welche Richtung sich die Gruppendynamik dann entwickelt, finde ich jedoch erschreckend. Als sie sich radikalisieren und gewalttätig gegenüber Männern werden, war das Verständnis für mich vorbei. Denn Gewalt ist niemals die Lösung gegen Gewalt.
Auch die Hetze gegen alle Männer war mir etwas zu verallgemeinernd. Für Gleichberechtigung sollten alle gemeinsam kämpfen und Frauen sich nicht gegen Männer verbünden. Denn geht es nicht genau darum, dass das Geschlecht keine Rolle spielt?
Dennoch ist “Die Wut, die bleibt” ein Roman, der eine unglaubliche Sogkraft entfaltet, mich berührt und zum Nachdenken angeregt hat und wahrscheinlich noch länger beschäftigen wird. ⭐️3,5/5⭐️
Ute Mank ist mit “Elternhaus” ein eindringliches Familienporträt gelungen. Denkt man zunächst, es ginge vordergründig um die Eltern und den Verkauf des Hauses, belehrt die Autorin einen schnell eines Besseren: ...
Ute Mank ist mit “Elternhaus” ein eindringliches Familienporträt gelungen. Denkt man zunächst, es ginge vordergründig um die Eltern und den Verkauf des Hauses, belehrt die Autorin einen schnell eines Besseren: Der ganze Roman dreht sich um die beiden älteren Schwestern Sanne und Petra, die kaum ein gegensätzlicheres Leben führen könnten. Die jüngste Schwester Gitti spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, bekommt aber leider sehr wenig Aufmerksamkeit.
Die Erzählung wechselt zwischen der Gegenwart und Erinnerungen an die Kindheit, die sich alle in besagtem Elternhaus abspielen. Mal sind sie nostalgisch, mal schmerzlich.
Schnell wird deutlich, dass die drei Schwestern seit frühester Kindheit feste Rollen einnehmen mussten und diese bis ins Erwachsenenalter beibehalten haben. Schon früh begann unter den Dreien ein Konkurrenzkampf. Schade fand ich, dass nicht wirklich deutlich wurde, was diesen hervorgerufen hat. Er gipfelt dann darin, dass die Schwestern als Erwachsene so gut wie keinen Kontakt mehr haben. Wie dieser Bruch zustande kam, wird auch nicht beschrieben.
Bei allen Frauen haben sich über die Jahrzehnte Gefühle angestaut, sodass der große Konflikt, der sie alle wieder zusammenbringt - der Verkauf des Elternhauses - eigentlich in einem riesigen Knall hätte enden müssen. Aber es gab keine Aussprache, keinen Streit, sondern genau wie die Jahre zuvor nur Schweigen.
Ute Mank hat mich mit ihrem Schreibstil und den facettenreichen, authentisch dargestellten Figuren absolut gefesselt - nur leider gab es mir insgesamt zu wenige Antworten, zu wenig Entwicklung bei den Protagonistinnen. ⭐️3,5/5⭐️
“Kalmann” bietet eigentlich das perfekte Setting für einen düsteren, nordischen Kriminalroman. Aber mithilfe seines eigenwilligen Protagonisten ändert Joachim B. Schmidt die Stimmung und lässt einen 34-jährigen ...
“Kalmann” bietet eigentlich das perfekte Setting für einen düsteren, nordischen Kriminalroman. Aber mithilfe seines eigenwilligen Protagonisten ändert Joachim B. Schmidt die Stimmung und lässt einen 34-jährigen isländischen Forrest Gump die Geschichte erzählen. Dessen Naivität lässt einen manchmal schmunzeln, seine Warmherzigkeit und sein Mut berühren einen und die Verspottungen der anderen machen wütend; kurz gesagt: Kalmann ist ein sonderbarer Geselle, den man schnell ins Herz schließt. Dennoch weiß man bis zur Auflösung nicht, ob man ihm trauen kann, denn neben seiner Gutmütigkeit neigt er zu Wutausbrüchen und man erfährt eben nur den Teil der Handlung, den er selbst preisgibt.
Trotz des eher simpel gestrickten Erzählers zeigt Schmidt in voller Bandbreite sein schriftstellerisches Können. Wortgewandtheit, treffsichere Formulierungen und ein dennoch angepasster Erzählton machen das Buch aus. Besonders gut gelungen sind auch die Darstellungen zwischenmenschlicher Beziehungen.
“Kalmann” ist ein spannender, warmherziger und zugleich intelligenter Krimi, der den “Dorfdeppen” zum ungewöhnlichen (Anti-)Helden macht und zeigt, dass man niemanden vorschnell verurteilen sollte. ⭐️4,5/5⭐️
“Die Tage des Wals” bietet eigentlich alles, was ich an einem guten Roman schätze: ein naturnahes Setting, eine Frauenfigur, die ihrer Zeit voraus ist, historische Ereignisse als Hintergründe. Der Schreibstil ...
“Die Tage des Wals” bietet eigentlich alles, was ich an einem guten Roman schätze: ein naturnahes Setting, eine Frauenfigur, die ihrer Zeit voraus ist, historische Ereignisse als Hintergründe. Der Schreibstil ist dabei sowohl rau wie das Leben auf der Insel, als auch behutsam und malerisch.
Dennoch war es mir von allem zu wenig; ich hatte große Probleme, Zugang zu den eigentlich interessanten Charakteren zu finden. Sie waren für mich nicht lebendig genug, um Emotionen für sie zu fühlen. Dies gilt sowohl für Manod, als auch für alle Nebencharaktere, die nur schemenhaft gezeichnet werden. Dabei hätte die Geschichte an sich genug Potential, um eine Reihe von Gefühlen zu erzeugen.
Dazu habe ich mich am Ende gefragt, was die Autorin mit dem Buch eigentlich erzählen möchte. Es wird so vieles thematisiert, aber nichts davon wirklich ausformuliert.
Dennoch war es interessant, etwas über die abgeschiedenen walisischen Inseln und ihre Bewohnerinnen zu erfahren - denn der Schauplatz ist zwar fiktiv, aber angelehnt an wirklich existierende Inseln, die in der Vergangenheit von Wissenschaftlerinnen absolut realitätsfremd dargestellt wurden. ⭐️3/5⭐️