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Veröffentlicht am 03.06.2024

Tod durch KI?

Der 1. Patient
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Eine Routineoperation sollte für die erfahrene Chirurgin Sasha Müller kein Problem sein - wird es aber, als der Patient währenddessen völlig unerwartet verstirbt.
Als sie wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ...

Eine Routineoperation sollte für die erfahrene Chirurgin Sasha Müller kein Problem sein - wird es aber, als der Patient währenddessen völlig unerwartet verstirbt.
Als sie wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wird, wendet sie sich an den Strafverteidiger Rocco Eberhardt, welcher den Fokus auf etwas ganz anderes lenkt: Der OP-Plan wurde durch eine künstliche Intelligenz generiert und seine Mandantin hat sich gewissenhaft daran gehalten. Müsste nicht eigentlich die KI auf der Anklagebank sitzen?

“Der erste Patient” ist bereits der vierte Band aus der Krimireihe von Michael Tsokos und Florian Schwiecker. Wie die drei Vorgänger kann man ihn aber auch losgelöst von den anderen lesen.
Er besticht durch seine kurzen Kapitel mit vielen Orts- und Perspektivwechseln, welche für schnell aufkommende und anhaltende Spannung sorgen. Auch hier wird der Schwerpunkt wieder auf den Gerichtsprozess gelegt und auch hier sind diese Szenen wieder besonders gut gelungen. Durch die Expertise der Autoren sind sie realitätsnah dargestellt und doch für den Laien verständlich.
Strafverteidiger Rocco Eberhardt glänzt wie gewohnt durch seine klugen Einfälle und pointierte Fragen vor Gericht. Seinen “Kollegen” Justus Jarmer und die ganze Rechtsmedizin habe ich allerdings etwas vermisst. Sie finden hier kaum Erwähnung und spielen keine wichtige Rolle.

Die Besonderheit dieses Bandes ist wohl die Thematik: Der Einsatz von KI in der Medizin. Die Debatte darum wird ausführlich mit all seinen Pros und Kontras dargestellt und ich konnte viele neue Informationen daraus mitnehmen.

Eine große Schwäche hingegen ist meiner Meinung nach die Auflösung bzw. das Motiv. Dieses wirkt doch ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und nicht wirklich verständlich.

“Der erste Patient” ist für mich bisher der schwächste Band der Reihe, dennoch ein solider Justizkrimi, der wieder einmal ohne Nervenkitzel auskommt und seine Leser*innen doch temporeich in seinen Bann zieht.

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Veröffentlicht am 01.06.2024

Authentisch und sensibel

Nie, nie, nie
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Die Protagonistin in Linn Strømsborgs “Nie, nie, nie” ist Mitte dreißig und wusste schon immer, dass sie keine Kinder haben möchte. Der Roman befasst sich damit, wie ihr Umfeld auf ihre Entscheidung reagiert ...

Die Protagonistin in Linn Strømsborgs “Nie, nie, nie” ist Mitte dreißig und wusste schon immer, dass sie keine Kinder haben möchte. Der Roman befasst sich damit, wie ihr Umfeld auf ihre Entscheidung reagiert und behandelt damit ein wichtiges feministisches Thema.


Noch heute werden Frauen ohne Kinderwunsch gesellschaftlich unter Druck gesetzt, müssen sich absurde Vorwürfe anhören oder werden nicht ernstgenommen (“Du hast nur noch nicht den richtigen Mann getroffen.”). Dabei sprechen rational gesehen mindestens genauso viele Gründe gegen Kinder wie dafür - wahrscheinlich sogar mehr.


“Nie, nie, nie” beschreibt die Themen Muttersein und Nicht-Muttersein sehr authentisch, ungeschönt und sensibel, ist dabei aber angenehm wertfrei.

Die Protagonistin ist anderen Entscheidungen gegenüber tolerant, eine warmherzige und liebevolle Freundin, Partnerin und Tante (man muss keine Kinderhasserin sein, um sich gegen Kinder zu entscheiden) und ich mochte es, ihren Gedanken und Erzählungen zu folgen.


Der Roman folgt dabei nicht dem klassischen geradlinigen Aufbau einer Geschichte, sondern erinnert mehr an ein Journal, bestehend aus Gedanken der Protagonistin und dem Umgang ihres Umfeldes mit ihrer Kinderlosigkeit.


Der Schreibstil ist sehr einfach und die Abschnitte kurz gehalten, sodass man das Buch am liebsten in einem Stück weglesen möchte. Obwohl ich selbst Mutter bin und glücklich mit meiner Entscheidung, konnte ich alle Gedanken und Argumente dagegen gut verstehen und nachvollziehen. Es zeigt einem noch einmal auf, wie absolut selbstverständlich es für viele Außenstehende ist, das intime Thema Kinderwunsch anzusprechen und zu bewerten. ⭐️4/5⭐️


*Aus dem Norwegischen von Stefan Pluschkat

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Ruhiger Krimi

Der Buchhändler
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Um einen Neuanfang zu starten, zieht Erik Lange in eine bayerische Kleinstadt . Die Wiedereröffnung der Buchhandlung nehmen die Dorfbewohnerinnen als Anlass, den freundlichen Zugezogenen besser kennenzulernen.
Als ...

Um einen Neuanfang zu starten, zieht Erik Lange in eine bayerische Kleinstadt . Die Wiedereröffnung der Buchhandlung nehmen die Dorfbewohnerinnen als Anlass, den freundlichen Zugezogenen besser kennenzulernen.
Als dann ein kleines Mädchen verschwindet, misstraut jeder jedem, bis eine heiße Spur zu Lange führt …

Obwohl das Cover etwas anderes vermuten lässt, ist “Der Buchhändler” ein eher ruhiger Thriller. Ich mochte es sehr, wie erst die Figuren vorgestellt wurden und sich dann nach und nach Spannung aufbaut.

Als Leser
in weiß man, dass Lange unschuldig ist und dass nur eine Person aus einer bestimmten Siedlung als Täter*in infrage kommt. Agatha-Christie-mäßig lässt Petra Johann ihre Ermittlerinnen jeden einzelnen davon befragen und obwohl man so immer mehr Personen ausschließen kann, tappt man doch bis zum Schluss im Dunkeln, was Täter und Motiv angeht.

Das Ende kam dann sehr abrupt, was mich aber nicht gestört hat. Ich brauche keinen langen Epilog, mir reicht es, dass der Fall zufriedenstellend aufgelöst wurde.

Der Beruf des Buchhändlers ist absolut unwichtig für die Geschichte, Lange hätte auch jeden anderen Job ausüben können. Für uns Bücherwürmer ist es aber ein nettes Gimmick.

Für mich war es also ein durch und durch gelungener Thriller mit authentischen Figuren, der nötigen Spannung (ohne Nervenkitzel und reißerische Floskeln) und einigen Überraschungsmomenten. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 24.05.2024

Zu simpel

Das Licht in den Birken
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Nach über zwanzig Jahren kehrt Thea aus Portugal zurück in ihre Heimat in Norddeutschland, um mit der Vergangenheit abzuschließen.
Sie zieht auf Bennos Lebenshof für Tiere - und damit zu einem eigenbrötlerischen ...

Nach über zwanzig Jahren kehrt Thea aus Portugal zurück in ihre Heimat in Norddeutschland, um mit der Vergangenheit abzuschließen.
Sie zieht auf Bennos Lebenshof für Tiere - und damit zu einem eigenbrötlerischen Mittfünfziger, der eigentlich keine Menschen mag.
Als dann noch die junge Wanderin Juli dazustößt, entwickelt sich nicht nur eine zarte Freundschaft zwischen den dreien, sondern auch ein Zukunftsplan für den verschuldeten Hof.

Zunächst einmal liebe ich Geschichten, die aus verschiedenen Perspektiven die Lebensgeheimnisse der jeweiligen Personen erzählen. Wenn sie dann noch auf dem Land spielen, bin ich normalerweise restlos begeistert.
Trotzdem konnte mich “Das Licht in den Birken" so gar nicht überzeugen.
Fangen wir mit den Perspektiven an: Thea und Juli sind zwar sehr oberflächliche Charaktere, aber man nimmt sie der Autorin an. Die Figur Benno hingegen ist so gar nicht rund, seine Gedanken und Handlungen waren für mich nicht einfach nur unbegreiflich, sondern wirkten aufgesetzt und unnatürlich.
Die “Geheimnisse” sind allesamt sehr absehbar und bieten somit wenig Potential für Spannung. Genauso wie die komplette Handlung: taucht ein Problem auf, ist es auch schon wieder gelöst, wird sich gestritten, folgt direkt die Versöhnung. Zum Schluss ist alles rosarot und toll.
Aufbau und Komplexität der ganzen Story erinnern eher an eine “Bibi und Tina"-Geschichte, als an den Roman einer Spiegel-Bestseller-Autorin.
Unangenehm aufgestoßen sind mir außerdem die Klischeehaftigkeit sämtlicher Figuren, sowie spirituelle Gedanken und Handlungen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Zu guter Letzt hat mich die ständige Erwähnung von pastéis de nata wahnsinnig gemacht. Nur weil jemand in Portugal gelebt hat, muss er diese doch nicht dreimal am Tag backen und verzehren (und falls doch, muss das nicht ständig erwähnt werden).

Insgesamt kann ich den Roman also nicht empfehlen. Für einige mag es eine “Wohlfühlgeschichte” sein, für mich war es selbst als Sommerlektüre viel zu flach. ⭐️2,5/5⭐️

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Veröffentlicht am 19.05.2024

Seichte Sommerlektüre

Sommerschwestern
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Vier erwachsene Schwestern bekommen von ihrer Mutter eine rätselhafte Einladung nach Holland. Hier waren sie seit zwanzig Jahren nicht, seit dem Sommer, in dem ihr Vater tödlich verunglückte.
Mit gemischten ...

Vier erwachsene Schwestern bekommen von ihrer Mutter eine rätselhafte Einladung nach Holland. Hier waren sie seit zwanzig Jahren nicht, seit dem Sommer, in dem ihr Vater tödlich verunglückte.
Mit gemischten Gefühlen reisen die Schwestern an, neugierig und besorgt, aus welchem geheimnisvollen Grund die Mutter sie an den Ort ihrer Kindheit bestellt hat.

Monika Peetz' "Sommerschwestern" ist eine eher seichte Sommerlektüre. Wir erfahren die Geschichte hauptsächlich aus Yellas Sicht, die zweitjüngste der vier Schwestern und selbst Mutter von zwei kleinen Söhnen.
Sie ist auch am nahbarsten, denn die anderen Protagonistinnen sind sehr übertrieben dargestellt. Peetz wird auf den knapp 300 Seiten nicht müde, direkt zu schreiben, wie extrovertiert und wunderschön die älteste Schwester Doro ist, wie empathisch und rastlos Amelie und wie strukturiert und ordnungsliebend Helen. Damit auch die letzten Leser*innen begreifen, wie unterschiedlich die Charaktere sind. Dies empfand ich als sehr anstrengend.
Dafür spart die Autorin daran, etwas in die Tiefe der Figuren abzutauchen. Am Ende wird zwar alles so einigermaßen abgeschlossen, warum die Schwestern sich so verhalten, wie sie es tun, wird aber nicht deutlich.

Dafür haben mir die Beschreibungen Hollands sehr gefallen, gespickt mit niederländischen Ausdrücken und Eigenarten kommt schnell ein Urlaubsgefühl hoch und es fühlt sich an, als sei man selbst schon an diesem Ort gewesen.

"Sommerschwestern" ist also eine leichte Urlaubslektüre mit holländischem Flair, viel mehr aber auch nicht. Auch wenn Familiengeschichten mich eigentlich immer kriegen, hat mir hier einfach die Tiefe gefehlt.

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