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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Kaum Spannung, viel Leerlauf

Dunkle Sühne
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"Man sieht eine Menge, wenn man selbst praktisch unsichtbar ist."

In "Dunkle Sühne", dem Auftakt einer neuen Thriller-Reihe von Karin Slaughter, erschüttert das plötzliche Verschwinden zweier Mädchen ...


"Man sieht eine Menge, wenn man selbst praktisch unsichtbar ist."

In "Dunkle Sühne", dem Auftakt einer neuen Thriller-Reihe von Karin Slaughter, erschüttert das plötzliche Verschwinden zweier Mädchen die amerikanische Küstenkleinstadt North Falls. Die Ermittlungen übernimmt Deputy Emmy Clifton; für sie wird der Fall persönlich, als sich herausstellt, dass eines der verschwundenen Mädchen die Stieftochter ihrer besten Freundin ist. Während Emmy versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens hinter der gutbürgerlichen Fassade der kleinen Stadt, in der jeder jeden zu kennen glaubt.

Der Thriller „Dunkle Sühne“ bietet wohl das, was man von Karin Slaughter auch erwartet: einen äußerst komplexen Kriminalfall mit zahlreichen, sehr vielschichtig gezeichneten Figuren. Leider verliert sich der Roman dabei schnell und immer wieder in seiner eigenen, zuweilen unnötig überzogenen Detailverliebtheit.

Der Einstieg in die Geschichte ist dabei zunächst durchaus vielversprechend, doch schon nach kurzer Zeit wird die Anzahl der eingeführten Charaktere unüberschaubar hoch, was eine Orientierung fast unmöglich macht. Gleichzeitig entwickelt sich aber auch die Handlung selbst nur zögerlich – stattdessen dominieren ausufernde Dialoge, spekulative Gedankenspiele und ständige "Was wäre eigentlich wenn"-Diskussionen. Wer auf einen Spannungsbogen hofft, wird enttäuscht: Der Fall wird seziert, nicht erzählt.

Der Erzählstil von Karin Slaughter ist sehr detailverliebt und verliert sich zu oft in der Tiefe. Der Inhalt ist verwirrend komplex, aber gleichzeitig dann auch redundant und leider wenig packend. Wer Krimis eher wegen der Spannung liest, wird hier wenig mitgerissen.

Das trifft letztendlich gar nicht meinen -zugegeben- persönlichen Geschmack, deshalb bleiben "nur" 3 von 5 Sternen: handwerklich solide, inhaltlich aber langatmig und schwerfällig.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Bewegende Zeitgeschichte

Der Sommer am Ende der Welt
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"Ich habe einen hohen Preis gezahlt, doch es reicht nicht. Es hat nie gereicht."

Als die Frankfurter Journalistin Hanna mit ihrer jugendlichen Tochter Katie für eine Recherche über die Geschichte der ...


"Ich habe einen hohen Preis gezahlt, doch es reicht nicht. Es hat nie gereicht."

Als die Frankfurter Journalistin Hanna mit ihrer jugendlichen Tochter Katie für eine Recherche über die Geschichte der Verschickungskinder auf die Nordseeinsel Borkum reist, ahnt sie nicht, wie persönlich dieser Fall werden wird. Ihre eigene Mutter hat als Kind in Nachkriegszeiten sehr traumatische Erfahrungen während einer Kur auf Borkum erlitten.

Hanna möchte einen Artikel über diese dunklen Kurheime schreiben; bei ihren Recherchen trifft sie auf den Inselarzt Dr. Ole. Dieser unterstützt sie bei ihren Nachforschungen; gleichzeitig gelangt Hanna überraschend in den Besitz des Tagebuchs von Luise, einer ehemaligen Kinderbetreuerin, das ihr konkrete Hinweise auf ein mutmaßliches Verbrechen liefert.

Der Autorin, Eva Völler, gelingt es in "Der Sommer am Ende der Welt" auf sehr eindrucksvolle Weise einen fesselnden Roman mit einem dunklen Aspekt deutscher Nachkriegsgeschichte zu verbinden. Sie erzählt dabei eine bewegende Geschichte über Schuld, Verdrängung und das späte Aufarbeiten lange vergessener Ereignisse.
Besonders berührt hat mich die Art, wie Völler die historische Realität und persönliche Schicksale miteinander verwebt. Der Roman thematisiert das Leid von vielen Kindern, die unter dem Deckmantel von Fürsorge in Kurheimen Gewalt und psychischen Terror erleben mussten. Die Autorin schildert diese Missstände schonungslos, aber mit dem nötigen Feingefühl. Dabei wirft sie auch die unbequeme Frage auf, warum so viele damals geschwiegen haben.

Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist gut gelungen, auch wenn man beim Lesen aufmerksam bleiben muss, um die Zeitebenen nicht durcheinander zu bringen. Die Figuren – allen voran Hanna und ihre Tochter Katie – wirken glaubwürdig, ihr innerer Wandel nachvollziehbar. Besonders gelungen ist auch die Atmosphäre: Das Inselleben auf Borkum wird lebhaft und anschaulich beschrieben.

Insgesamt ist "Der Sommer am Ende der Welt" ein emotional bewegender und einfühlsam geschriebener historischer Roman. Einziger kleiner Kritikpunkt: einige Entwicklungen in der Gegenwart wirken stark konstruiert, vor allem die etwas übertrieben emotionale und sehr "blumige" Liebesgeschichte, doch das kann den Gesamteindruck kaum schmälern.
Unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Hat alles, was ein Thriller braucht

Der Trailer
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"Meistens, eigentlich fast immer, war die naheliegendste Möglichkeit auch die richtige."

Vor fünfzehn Jahren verschwindet die Studentin Lisa Martin bis heute spurlos auf einem Campingplatz in den Bergen.
Die ...


"Meistens, eigentlich fast immer, war die naheliegendste Möglichkeit auch die richtige."

Vor fünfzehn Jahren verschwindet die Studentin Lisa Martin bis heute spurlos auf einem Campingplatz in den Bergen.
Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke greift die Geschichte erneut auf und sucht über einen True-Crime-Podcast nach weiteren Zeugen und neuen Erkenntnissen. Auf diesem Weg findet sie tatsächlich einen ehemaligen Augenzeugen: Wout Meertens, einen zwielichtigen Barbesitzer aus Köln, der vor fünfzehn Jahren ebenfalls zur gleichen Zeit auf dem Campingplatz war.

Frieda und Wout beginnen zunächst widerwillig zusammenzuarbeiten, um herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist. Dabei müssen sie sehr schnell feststellen, dass der Podcast viel mehr ins Rollen gebracht hat, als sie gedacht haben – neue Morde scheinen mit dem alten Fall verbunden.

„Der Trailer“ ist der fesselnde Auftakt zur neuen „Donkerbloem“-Trilogie von Linus Geschke, der mich von der ersten Seite an begeistert hat. Zwar dreht sich die Geschichte um ein eher düsteres und unbequemes Thema (abgründige Begierden jenseits gesellschaftlicher Normen), doch Geschke schafft es, dieses Setting glaubhaft und packend zu erzählen. Seine Figuren wirken dabei äußerst lebendig und echt, vor allem Frieda und Wout agieren jederzeit glaubwürdig. Eine Identifikation fällt leicht.

Die Sprache ist klar, der Stil flüssig, und die oft überschaubar kurzen Kapitel verleihen der Geschichte ein enormes Tempo, sodass man kaum mit dem Lesen aufhören kann/möchte.

Geschickt werden die verschiedenen Handlungsstränge mehr und mehr miteinander verwoben: die enorme Komplexität der Geschichte wirkt aber nie verwirrend, sondern sorgt für durchgehende Spannung. Gerade zum Ende hin legt der Thriller noch einmal deutlich an Tempo und Intensität zu und überrascht mit einer letzten Wendung, die das Gesamtbild stimmig abrundet.

Linus Geschke zeigt erneut seine ganze Klasse als Thriller-Autor und knüpft an seine besten Werke an. Sollte die Trilogie auf diesem Niveau weitergehen, wird sie zu einem echten Highlight des Genres werden. „Der Trailer“ hat mich absolut überzeugt, ein Thriller, der alles bietet: Atmosphäre, Spannung und viele überraschende Wendungen.

Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Mehr Krimi als Thriller

Ihr werdet sie nicht finden
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"Manchmal waren Berührungen wichtiger als Worte."

Jonas hat als Polizist vor sieben Jahren einen folgenschweren Fehler begangen: Nachdem seine Tochter Isabell spurlos verschwindet, tötet er im Affekt ...


"Manchmal waren Berührungen wichtiger als Worte."

Jonas hat als Polizist vor sieben Jahren einen folgenschweren Fehler begangen: Nachdem seine Tochter Isabell spurlos verschwindet, tötet er im Affekt den Mann, den er für den Täter hält. Isabell aber bleibt unauffindbar.

Heute, sieben Jahre später, arbeitet die junge Privatdetektivin Franca, an einem aktuellen Vermisstenfall.
Dabei entdeckt sie Hinweise, die mit Jonas’ Vergangenheit in Verbindung stehen. Anfangs misstrauisch, kommen beide dann einer Wahrheit näher, die tief in die Vergangenheit reicht. Gemeinsam beginnen sie, unzählige Puzzlestücke zusammenzusetzen. Dabei stoßen sie auf Zusammenhänge, die beide Fälle betreffen und auf eine Wahrheit, mit der keiner gerechnet hat.

Der Einstieg in den Thriller „Ihr werdet sie nicht finden“ hat mich unmittelbar gepackt. Die Geschichte startet mit viel Tempo in ein beklemmendes Szenario. Je weiter die Handlung dann allerdings voranschreitet, desto mehr weicht das anfängliche Gefühl der Spannung einer gewissen Ernüchterung.

Der Mittelteil zieht sich spürbar. Es wird viel und gerne nachgedacht, unendlich spekuliert, mitunter sogar philosophiert. Die Spannung, die ich nach dem vielversprechendem Auftakt erwartet hatte, blieb dabei leider größtenteils auf der Strecke. Keine überraschenden Wendungen, stattdessen eher ruhig und sachlich durchgeführte klassische Ermittlungsarbeit - mehr Krimi als Thriller.

Positiv fällt die Figurenzeichnung auf: Alle Charaktere wirken glaubwürdig und nachvollziehbar, besonders Franca wird authentisch gezeichnet.

Das Ende kommt eher durchschnittlich unspektakulär daher, tatsächlich ein wenig enttäuschend hinterlässt es keinen erinnerungswerten Eindruck.

Insgesamt bietet Andreas Winkelmann mit seinem neuesten Buch "Ihr werdet sie nicht finden“ eine handwerklich routiniert geschriebene und durchaus unterhaltsame Geschichte an, aber wer echte Thriller-Hochspannung und unvorhersehbare Wendungen sucht, könnte hier enttäuscht werden.

Schade – das Potenzial war da, gerade nach dem sehr starken Anfang, aber insgesamt für einen Thriller einfach nicht packend genug.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Glaubhaftes Szenario

Reset
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"Wie gewaltig eine Katastrophe auch enden mag, ihr Ursprung scheint immer klein und unbedeutend."

Im Jahr 2024 wird die Welt von einer Welle absolut perfekt inszenierter Falschinformationen überrollt: ...


"Wie gewaltig eine Katastrophe auch enden mag, ihr Ursprung scheint immer klein und unbedeutend."

Im Jahr 2024 wird die Welt von einer Welle absolut perfekt inszenierter Falschinformationen überrollt: Deepfake-Videos und gefälschte Nachrichten stürzen ganze Staaten ins Chaos. Keine Datenquelle ist mehr sicher, kein Kommunikationsmittel verlässlich. Der ehemalige US-Ermittler Valentine O’Brien wird nach Deutschland geschickt, um die Ursache dieser globalen Katastrophe zu finden. Gleichzeitig sucht er auch nach seiner verschwundenen Schwester und stößt auf eine Verschwörung, die weit über politische Manipulation hinausgeht.
Was ist Wahrheit, Realität, und was nur Illusion? Jeder Anruf, jede Nachricht, jede Information könnte manipuliert sein.

Die in Peter Grandls Thriller „Reset“ erzählte Geschichte bewegt sich auf mehreren Ebenen – sowohl geografisch als auch zeitlich. Der Wechsel zwischen zahlreichen Schauplätzen und einer Vielzahl an Figuren verlangt anfangs viel Konzentration. Die Orientierung fällt dabei schwer, da auch die einzelnen Protagonisten eher kühl und funktional charakterisiert sind. Eine emotionale Bindung entstand so für mich nicht; viele Figuren blieben distanziert, fast schematisch, und ich hatte Mühe, mich wirklich in jemanden hineinzuversetzen.

Mit zunehmender Seitenzahl entwickelt der Roman dann doch eine einzigartige Sogwirkung. Grandl versteht es, die Bedrohung durch arglistig manipulierte Wirklichkeiten glaubwürdig und erschreckend realistisch zu schildern. Die vielen Erzählstränge fügen sich allmählich zu einem Gesamtbild, das ebenso beklemmend wie spannend ist. Besonders stark ist die zweite Hälfte, in der sich die Handlung verdichtet und der Plot klarer, zielgerichteter und fesselnder wird.

Das Finale ist lesenswert konstruiert, dramatisch glaubwürdig und bringt den bis dahin recht komplexen Aufbau zu einem schlüssigen Ende.

Unterm Strich ist „Reset“ ein durchaus spannender und gut durchdachter Thriller, der seine Stärken allerdings erst nach und nach entfaltet. Wer bereit ist, sich auf die anfängliche Verwirrung einzulassen, wird mit einem intensiven Leseerlebnis belohnt.

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