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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.02.2024

Brisant und aktuell

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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"Ihr habt aus mir ein Monster gemacht!"

Ich bin schon seit Jahren begeisterter Leser der Taunus-Krimis um das Ermittlerduo Bodenstein und Sander (Kirchhoff). Mit "Monster" beschert Nele Neuhaus uns nun ...


"Ihr habt aus mir ein Monster gemacht!"

Ich bin schon seit Jahren begeisterter Leser der Taunus-Krimis um das Ermittlerduo Bodenstein und Sander (Kirchhoff). Mit "Monster" beschert Nele Neuhaus uns nun den inzwischen 11. Teil der Reihe, die bereits im Jahr 2006 gestartet ist. Der aktuelle Roman, wie auch alle vorherigen Bände, erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte. Dennoch empfehle ich, alle Serienteile in der chronologischen Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Nur so lassen sich die zahlreichen Verknüpfungen und Hinweise auf ältere Fälle überhaupt erkennen, und diese dann inhaltlich einordnen. Auch die persönliche Entwicklung und der private Lebensweg der Charaktere hat während der vergangenen achtzehn Jahre viele Wendungen und auch so einige sehr schicksalhafte Momente erlebt.

"Monster" ist ein überaus aktueller und politisch brisanter Roman der versucht, eine Balance zwischen Recht und Gerechtigkeit zu finden. Dabei stehen höchst moralische Themen wie Vorverurteilungen, die Rechtmäßigkeit von Selbstjustiz, Ausländerfeindlichkeit und pietätlose Sensationsgier im Vordergrund. Gleichzeitig blickt die Handlung tief in menschliche Abgründe.

Die von Nele Neuhaus geschaffenen, handelnden Personen sind jederzeit glaubwürdig und angenehm individuell charakterisiert. Auch für einige der altbekannten Charaktere hält "Monster" absolut überraschende schicksalhafte Wendungen in ihrem Privatleben bereit.
Zudem wird der Spannungsbogen durch unerwartet eintretende Storywendungen durchgehend angenehm hochgehalten.

Fazit: Monstermässig spannend und (wie nicht anders erwartet) durchgängig unterhaltsame Krimikost auf höchstem Niveau.

Uneingeschränkte Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 31.01.2024

Ist Charakter Schicksal?

Die Insel des Zorns
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"Dies ist eine Geschichte für all diejenigen, die jemals geliebt haben."

Alex Michaelides wählt für seinen neusten Roman "Die Insel des Zorns" einen sehr originellen und zugleich interessant unkonventionellen ...


"Dies ist eine Geschichte für all diejenigen, die jemals geliebt haben."

Alex Michaelides wählt für seinen neusten Roman "Die Insel des Zorns" einen sehr originellen und zugleich interessant unkonventionellen Schreibstil.

Der Ich-Erzähler der Geschichte, Elliot Chase, ist auch gleichzeitig einer der Haupt-Protagonisten und erzählt uns Lesern, bei einigen Drinks an einer fiktiven Hotelbar, von den dramatischen Vorkommnissen auf der Insel Aura. Es geht ihm dabei allerdings nicht so sehr darum, akribisch einen Mordfall aufzuklären, sondern vielmehr versucht er zu erklären, wie es denn überhaupt zu einem Verbrechen kommen konnte.

Die intelligente Handlung wird dabei in insgesamt fünf Akte und unzählbar viele, oftmals extrem kurze Abschnitte unterteilt, gleichzeitig wird immer wieder mittels Rückblenden die Zeit zurückgedreht.

Die Anzahl der handelnden Personen bleibt insgesamt absolut überschaubar, alle Charaktere sind detailliert und mit Tiefe gezeichnet.

Das furiose Finale hat mich überzeugen können, der Weg dorthin überrascht und ist überaus wendungs- und extrem abwechslungsreich gestaltet.

Aber, was will dieser Roman nun eigentlich sein? Für einen Thriller (wie auf dem Cover angekündigt) ist er etwas zu spannungsarm, als klassischer Krimi geht er nicht durch und eine schnulzige Liebesgeschichte kann ich auch nicht erkennen.

Vielleicht ist es ja einfach nur eine unterhaltsame, spannende und auch höchst dramatische Erzählung: Mir hat das Zuhören dabei viel Spaß bereitet

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Wohlfühlerzählung

Was die Dünen verheißen. Die St.-Peter-Ording-Saga
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"Was interessieren mich denn andere?
Ich bin nicht andere, ich bin ich."

Endlich zurück in Sankt Peter Ording treffen wir, neben Sabine und Tom, viele alte Bekannte wieder. Fast zwanzig Jahre sind seit ...


"Was interessieren mich denn andere?
Ich bin nicht andere, ich bin ich."

Endlich zurück in Sankt Peter Ording treffen wir, neben Sabine und Tom, viele alte Bekannte wieder. Fast zwanzig Jahre sind seit den Ereignissen aus "Wo der Seewind flüstert" vergangen und eine junge Generation der Familie Hansen, mit ihren Träumen von Freiheit und weiter Welt, wächst heran.

Bei allen durchaus dramatischen und schicksalhaften Entwicklungen bietet der neue Roman von Tanja Janz ganz viel heile Welt und ein schon fast als naiv zu bezeichnendes, unbeschwertes Lebensgefühl.

Die Sprache ist sommerlich leicht, der Text angenehm flüssig zu lesen und viel zu schnell hat man das Ende dieses Romans auch schon erreicht.

Dass die Erzählung in weiten Teilen absolut vorhersehbar ist, schadet dem Lesevegnügen nicht im Mindesten.

Fazit:
Leseempfehlung für alle, die eine locker leichte Sommergeschichte mit viel Nordsee-Flair erleben möchten und die sich eventuell (so wie ich) gerne an das außergewöhnliche Lebensgefühl der späten siebziger Jahre erinnern: ABBA oder Pink Floyd?

Versprochen, wir sehen uns wieder:
"Was die Gezeiten versprechen".

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Veröffentlicht am 17.01.2024

Sachlich, wenig spannend

Die Spiele
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"Hoffnung war so etwas wie die Kakerlake unter den Gefühlen, einfach nicht totzukriegen."

Eigentlich als Kriminalroman auf dem Buch-Cover angekündigt, entpuppt sich der Roman "Die Spiele" von Stephan ...


"Hoffnung war so etwas wie die Kakerlake unter den Gefühlen, einfach nicht totzukriegen."

Eigentlich als Kriminalroman auf dem Buch-Cover angekündigt, entpuppt sich der Roman "Die Spiele" von Stephan Schmidt beim Lesen als eine recht spannungsarm geschriebene Erzählung ohne echte Höhepunkte.

Dennoch hat die Lektüre einige interessante und geschichtlich relevante Handlungsstränge zu bieten. Ich hatte bislang noch nie von den sogenannten "Madgermanes" gehört.
So werden in Mosambik rund 15.000 Vertragsarbeiter bezeichnet, die seit 1979 in der damaligen DDR arbeiteten. Sie wurden nach der Wende durch die Bundesrepublik ausgewiesen. Die DDR blieb diesen Arbeitern den größten Teil ihres zustehenden Lohns schuldig.

Aufgrund des sehr sachlich und ausgesprochen nüchtern gehaltenen Schreibstils benötigt es einiges an Konzentration um der verzweigten, zunehmend komplexer werdenden Handlung überhaupt folgen zu können.
Leider ziehen sich zudem einige Passagen enervierend langatmig dahin, die Erzählung kommt hier kaum voran.
Nur mit einer gehörigen Portion Geduld und Selbstdisziplin bleibt man bis zum Schluss dieses Romans dabei.

Da auch die handelnden Personen eher blass charakterisiert bleiben, fällt die Immersion mit der Handlung und eine Identifikation mit den Protagonisten deutlich schwer.

Fazit: Für einen Kriminalroman leider zu langatmig und dabei auch nicht wirklich spannend und überzeugend. Eine eher sachlich abgehandelte Mordermittlung. Schade.

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Veröffentlicht am 02.01.2024

Anstrengend anders, aber...

Die mörderischen Cunninghams. Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen (Die mörderischen Cunninghams 1)
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"Sie schreiben Bücher darüber wie man Bücher schreibt, die Sie nie geschrieben haben."

Eins mal gleich ganz deutlich vorweg: Dieses Buch ist anders und dieses Buch ist ziemlich anstrengend, aber...

Aber: ...


"Sie schreiben Bücher darüber wie man Bücher schreibt, die Sie nie geschrieben haben."

Eins mal gleich ganz deutlich vorweg: Dieses Buch ist anders und dieses Buch ist ziemlich anstrengend, aber...

Aber: wenn man sich darauf einlassen kann und sich ausreichend Zeit für die Lektüre nimmt, erlebt man vielleicht ein außerordentliches und gleichzeitig außergewöhnliches Lese-Abenteuer, weit ab vom allgegenwärtigem Krimi-Einerlei. Man muss es mögen...

Eigentlich ist dieser Roman ja auch gar kein Krimi, vielmehr möchte uns der Autor, Benjamin Stevenson, hier eine detaillierte Anweisung geben, wie man einen guten Kriminalroman schreibt. Klingt anders?! Wie bereits gesagt: ist es auch. Anders. Irgendwie. Schräg.

Die allesamt eigenwillig (aber irgendwie auch liebenswert?) ausgearbeiteten skurrilen Charaktere des Cunningham-Clans überzeugen durch tiefschwarzen (britischen) australischen Humor.

Dass die mitunter echt verwirrende und schräge Kriminalgeschichte am Ende dann doch weitestgehend lückenlos aufgeklärt wird und dabei keine offenen Fragen zurückläßt, ist schon überaus erwähnenswert, erstaunlich und beachtlich.

Lesempfehlung: wer sich an etwas Außergewöhnliches herantrauen mag, gibt den anstrengenden Cunninghams eine Chance, sie haben es irgendwie verdient.

Auf ein Wiedersehen im Orientexpress?
Eventuell? Wahrscheinlich eher nicht.

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