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Veröffentlicht am 31.07.2025

Zerstörte Nester

Das Nest
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Das Leben von Fran an einem kleinen Küstenort verläuft ziemlich monoton; jeder Tag gleicht dem anderen. Die täglichen Pflichten als Ehefrau und Mutter scheinen sie immer mehr zu belasten. Auch die Aufgaben ...

Das Leben von Fran an einem kleinen Küstenort verläuft ziemlich monoton; jeder Tag gleicht dem anderen. Die täglichen Pflichten als Ehefrau und Mutter scheinen sie immer mehr zu belasten. Auch die Aufgaben rund um den Campingplatz, den Fran dort seit zwei Jahren betreibt, rauben ihr die Kraft und ihre wertvolle Zeit. Die Zeit, die sie lieber mit der Beobachtung der an der Küste lebenden Vögel verbringt. Denn Fran ist eine leidenschaftliche Vogelbeobachterin, die stundenlang dem Treiben der unzähligen Vögel zusehen kann. Fran hofft sehnlichst eine Zwergseeschwalbe entdecken zu können:
„Eine Zwergseeschwalbe zu sehen, würde diese Woche – nein, würde dieses ganze Jahr aufwerten.“ (39)

Bis dahin verläuft die Geschichte monoton; sehr ruhig erzählt die Autorin über Frans Alltag und ihre Liebe für Vögel. Obwohl hier und da Anmerkungen fallen, die ich zu dem Zeitpunkt nicht zuordnen konnte, empfand ich das Buch zuerst als nicht besonders interessant, fast langweilig.

Vieles ändert sich, als im Dorf, direkt am Frans Campingplatz, die reisenden Roma ihre Wohnmobile aufstellen. Die Roma bringen eine gewisse Unruhe mit sich, für viel Aufregung sorgt auch neue Lehrerin, die von den meisten Eltern sehr kritisch beäugt wurde.
Die Geschichte bekommt dramatische Züge, als plötzlich die unbeliebte Lehrerin verschwindet und später tot aufgefunden wurde. Gleichzeitig entdeckt man an verschiedenen Orten kleine Vögel mit abgetrennten Köpfen und auch die Kinder verhalten sich äußerst merkwürdig.

Ab diesem Moment konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Obwohl weiterhin ruhig erzählt, bekommt die Geschichte dramatische Risse, die Atmosphäre wirkt viel geheimnisvoller und bedrohlicher, und die Handlung wirft immer mehr Fragen auf.

Zum Schluss weckt die Geschichte viele Emotionen: überraschende Wendungen enthüllen zum Teil schockierende Geheimnisse. Der Mordfall wurde zwar aufgeklärt, die Auflösung wirkte jedoch ziemlich konstruiert. Auch Frans abschließende Entscheidung war für mich nicht nachvollziehbar. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen zugeklappt.

FAZIT: ein ruhiger, atmosphärisch dichter Roman über dysfunktionale Familien, über gefährliche Gerüchte, Vorurteile und Geheimnisse, über Nester, die man selbst zerstört.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Commissario Gallo erster Fall

Riviera Express - Dynamit in der Villa Nobel
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Mit dem Band „Riviera Express – Dynamit in der Villa Nobel“ eröffnet Stephan R. Meier die Krimireihe mit dem Commissario Tomas Gallo.
Ausführlich berichtet der Autor über den Commissario, erläutert ganz ...

Mit dem Band „Riviera Express – Dynamit in der Villa Nobel“ eröffnet Stephan R. Meier die Krimireihe mit dem Commissario Tomas Gallo.
Ausführlich berichtet der Autor über den Commissario, erläutert ganz genau seine Herkunft und den bisherigen Werdegang. Genauso umfangreicht stellt er die übrigen Beamten des Teams vor und da er diese Beschreibungen immer wieder wiederholt, ziehen sich die Seiten des Krimis in die Länge.

Der Mordfall selbst ist spektakulär, doch die Polizei tappt lange im Dunkeln; es fehlen Beweise und Zeugen. Es ist schon bemerkenswert, dass der Commissario den Fall lösen kann.

Interessant erzählt der Autor über das Leben auf der schönen Riviera und ihre Sehenswürdigkeiten. Er vermittelt viel Wissenswertes über die Villa Nobel und das Leben von Alfred Nobel und seiner Familie.

Fazit: ein interessanter Fall, die Handlung nicht zuletzt durch viele Wiederholungen in die Länge gezogen.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Stimmungsvolle Spannung

Schattengrünes Tal
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Ein kleiner idyllischer Ort im Schwarzwald. Ein glückliches Ehepaar: Simon und Lisa, gut situiert, mit großem Freundeskreis, von allen beliebt und respektiert.
Ein altes renovierungsbedürftige Hotel, ...

Ein kleiner idyllischer Ort im Schwarzwald. Ein glückliches Ehepaar: Simon und Lisa, gut situiert, mit großem Freundeskreis, von allen beliebt und respektiert.
Ein altes renovierungsbedürftige Hotel, das Lisas Vater immer noch führt und davon träumt sein Sohn Felix würde es übernehmen. Und eine fremde Frau, Daniela, scheinbar hilfesuchend, die im Hotel eincheckt und es nicht verlassen will.
Das ist der Anfang der Geschichte und ihre wichtigsten Akteure. Zuerst sieht alles nach einem normalen Alltag aus, nach einem Leben mit üblichen Sorgen und Freuden. Dann nimmt die Geschichte ihren Lauf.
Die hilfsbereite Lisa sorgt und kümmert sich um Daniela, freundet sich mit ihr an und merkt nicht, wie die neue Freundin sie und ihre Umgebung manipuliert. Die alten Freundschaften bekommen Risse und ihre bisher harmonische Ehe droht zu zerbrechen.

Ein eindrucksvolles Bild eines idyllischen Ortes im Schwarzwald und seiner Einwohner zeichnet Kristina Hauf in ihrem neuesten Roman „Schattengrünes Tal“.
Anschaulich erzählt sie, wie die anfängliche idyllische Atmosphäre im Ort durch ein Netz aus Lügen und Intrigen zerstört wurde, wie langjährigen Freundschaften und harmonischen Beziehungen durch Geheimnisse und Manipulationen zerbrechen.
Auch die Konflikte in der Familie des Hotelbesitzers Carl, der sich hinter der Fassade der vergangenen Tage versteckt, seine Mitmenschen ausnutzt und belügt, fand ich sehr spannend. Besonders berührt hat mich das Schicksal von Margaret, die von Carl besonders ausgenutzt wurde.
„Schattengrünes Tal“ ist eine emotionale Geschichte, die abwechselnd aus Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt wurde. Sehr interessant fand ich die unterschiedlichen Sichtweisen aller Beteiligten auf die gleichen Ereignisse. Die gekonnt gezeichneten Charaktere wirken authentisch, real, überzeugend. Die ganze Geschichte, stimmungsvoll erzählt, wirkt lebensecht.
Mich hat „Schattengrünes Tal“ abgeholt. Es ist ein großartiger Roman, spannend bis zum Schluss, ein wahrer Lesegenuss!
Wärmstens zu empfehlen!!!

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Ein Neuanfang in einem verminten Land

Eine Welt nur für uns
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Das farbenfrohe Buchcover verrät den Schauplatz dieser Geschichte: Es ist die malerische Küste des Südfrankreichs mit ihrer wunderschönen Natur. Im Jahre 1945 ist die Stadt Hyéres an der Cóte d`Azur ein ...

Das farbenfrohe Buchcover verrät den Schauplatz dieser Geschichte: Es ist die malerische Küste des Südfrankreichs mit ihrer wunderschönen Natur. Im Jahre 1945 ist die Stadt Hyéres an der Cóte d`Azur ein vom Krieg zerstörtes, vom Besatzer vermintes Land und dennoch eine Heimat für alle Rückkehrer: für diejenigen aus der Kriegsgefangenschaft, für die Überlebenden der Konzentrationslager, für alle vor dem Krieg Geflüchteten.

Vincent, der Hauptprotagonist der Geschichte, kehrt nach zwei Wintern aus deutscher Kriegsgefangenschaft und sucht jetzt verzweifelt nach seiner großen Liebe Ariane.
Saskia, die Überlebende eines Konzentrationslagers, hat alles was ihr lieb war, verloren: Ihre ganze Familie und ihr damaliges Zuhause. Obwohl sie an das Ende des Krieges nicht glaubt, weil sie den Nazis nicht trauen kann, will sie in ihrer alten Heimat einen Neuanfang wagen.
Um an die Informationen über die verschollene Ariane zu kommen, schließt sich Vincent den Minenräumern am Ort an. In der Gruppe wurden auch die ehemaligen deutschen Besatzer eingesetzt, mit denen Ariane vor ihrem Verschwinden gesehen wurde. Einer von ihnen, Lukas, scheint viel mehr zu wissen, als er zugeben will.

Ein bewegendes Porträt der Nachkriegszeit an der Cóte d`Azur präsentiert Claire Deya in ihrem Roman. In einer ruhigen bildhaften Sprache erzählt sie über das Ende des Krieges in einem vom Besatzer verminten Land.
Aber nicht nur das Land war zerstört; es gab so viele zerstörte, zerbrochene Leben. Darüber erzählen die Geschichten von Saskia, Vincent, Lukas und den anderen Minenräumer. Sowohl die lebendigen Charaktere, wie auch ihre Schicksale wirken authentisch; wie die Autorin im Nachwort verrät, beruhen sie alle auf wahren Begebenheiten. Auch die im Buch beschriebene Minenräumung ist historisch belegt.

Die im Buch erzählten Geschichten bewegen zutiefst, und gleichzeitig lassen sie auf eine neue bessere Welt hoffen, eine Welt, in der Zusammenarbeit, Freundschaft und Frieden, Versöhnung und Vergeben, viel mehr als Krieg und Hass zählen.
„Eine Welt nur für uns“ habe ich mit großem Interesse gelesen. Das lehrreiche Buch bekommt meine wärmste Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Gute Unterhaltung!

Very Bad Widows
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Erstaunlich schnell erholt sich Marlene vom tragischen Tod ihres Ehemannes Daves. Nachdem ersten Schock scheint sie ihr Witwendasein beinahe zu genießen. Marlene verrät ihren Freundinnen Pam, Nancy und ...

Erstaunlich schnell erholt sich Marlene vom tragischen Tod ihres Ehemannes Daves. Nachdem ersten Schock scheint sie ihr Witwendasein beinahe zu genießen. Marlene verrät ihren Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa das streng gehütete Geheimnis ihrer Ehemänner: Jeder von ihnen hat eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen, die den Witwen ein komfortables Leben ermöglichen würde.
Die drei Freundinnen, mit ihrem bisherigen Leben und ihren lieblosen Ehen unzufrieden, wollen ihre Ehemänner loswerden und engagieren einen Profikiller. Doch die Frauen wissen nicht, dass ihre Männer schon seit langem eigene Pläne schmieden und auch jetzt nicht untätig bleiben.

Very Bad Widows ist eine Krimi-Komödie, die ich sehr gerne gelesen habe. Der tragische Tod eines der Ehemänner wirft viele Fragen auf. Auch das Verhalten seiner Freunde ist in diesem Zusammenhang ist sehr merkwürdig. Meine Neugier wurde geweckt: war es ein tragischer Unfall oder wirklich ein brutaler Mord?
Mit Vergnügen habe ich sowohl die verrückten Pläne der verärgerten Frauen, wie auch das seltsame Verhalten ihrer Ehemänner verfolgt. Vieles davon erschien mir unsinnig, sogar absurd, aber insgesamt sehr lustig. Bei dem abenteuerlichen Verwirrspiel aller Parteien (den angeheuerten Profikiller sollte man dabei nicht vergessen) konnte ich mich köstlich amüsieren.
Amüsant fand ich auch die Einblicke in das Eheleben und die jahrelangen Freundschaften der Protagonisten. Das Buch ist sehr unterhaltsam, witzig geschrieben und interessant.
Als eine leichte Sommerlektüre sehr zu empfehlen!

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