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Veröffentlicht am 07.07.2018

Gehacked

Cat & Cole 1: Die letzte Generation
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Seit zwei Jahren lebt die siebzehnjährige Catarina allein, in einer mehr als dystopischen Umwelt. Weit dem Ausbruch eines Virus weltweit, bei dem Milliarden Menschen starben, gibt es nur noch Sicherheit ...

Seit zwei Jahren lebt die siebzehnjährige Catarina allein, in einer mehr als dystopischen Umwelt. Weit dem Ausbruch eines Virus weltweit, bei dem Milliarden Menschen starben, gibt es nur noch Sicherheit in gewissen Zentren unter der Erde - doch der geniale Wissenschaftler Lachlan, Cats Vater, hat ihr das Versprechen abgenommen, niemals in eines dieser Zentren zu gehen und sich auch nie von Cartaxus, dem Multikonzern, der diese sicheren Zonen betreibt, fangen zu lassen. Lachlan kann coden und genmanipulieren wie kein zweiter, deshalb wurden er und sein Assistent, Dax, schließlich doch eingefangen, nur Cat konnte entkommen. Doch eines Tages findet sie der superhochgezüchtete Soldat Cole, doch anstatt sie Cartaxus auszuliefern, ist er bereit, ihr zu helfen. Denn in Cats Genen ist der Schlüssel für die Medizin gegen das Virus versteckt, und nur sie beide können ihn entschlüsseln.

Im ersten Moment kann es sein, dass man sich ein bisschen in die Geschichte reindenken muss, zu fremd wirken all die scheinbar normalen Sachen wie Panels mit Apps in den Armen, Genkits, Codierern und was sonst noch. Doch wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, erscheinen diese technischen Feinheiten logisch, wie die normal entwickelte Fortsetzung all dessen, was wir jetzt schon besitzen. Ich weiß natürlich nicht, ob alles, was die Autorin beschreibt, so funktionieren kann, als ich mich das letzte Mal mit Genen und deren Manipulation beschäftigte, ging's da noch um Biounterricht und Mendelsohn, und Alter, ist der retro in dieser Geschichte! Für mich persönlich tat das keinen Abbruch, nachdem ich akzeptiert hatte, dass diese Dinge existierten, konnte ich mich absolut in die Handlung fallen lassen. Zum Glück weist der saudumme Titel Cat & Cole nicht auf eine süßliche Lovestory hin, auch wenn Liebe auftaucht. Stattdessen bekam man eine spannende, überraschende und auch neue Jugendbuchgeschichte präsentiert, die richtig Spaß und Lust auf den Nachfolger gemacht hat.

Veröffentlicht am 05.07.2018

Im Loch gelandet

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 15
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Wilde & Holmes haben einen neuen Fall. Dieses Mal müssen sie nach Übersee, auf der Spur eines Betrügers, der die königliche Familie ein bisschen über den Tisch gezogen hat. Ausgerechnet zum Klondike hat ...

Wilde & Holmes haben einen neuen Fall. Dieses Mal müssen sie nach Übersee, auf der Spur eines Betrügers, der die königliche Familie ein bisschen über den Tisch gezogen hat. Ausgerechnet zum Klondike hat er sich verzogen, und er ist zu einem berüchtigten Gangster aufgestiegen. Als die beiden Sonderermittler der Krone in Alaska eintreffen, werden sie nicht gerade mit offenen Armen empfangen, dafür mit einer oder zwei Fallen, die ihnen gestellt werden. Und plötzlich müssen sie nicht nur um ihr eigenes Überleben kämpfen. Zum Glück haben sie eine betrügerische Prostituierte und einen abgehalfterten Revolverheld an ihrer Seite.

Im Loch gelandet sind hier nicht nur Wilde und Holmes, sondern auch der Plot. Die Logiklöcher sind dieses Mal so groß, dass ganze Planeten darin verschwinden können. Fängt schon damit an, dass ausgerechnet Holmes sich auf den langen, beschwerlichen Weg nach Amerika macht. Warum sollte er? Ihm stehen genügend Männer und Frauen zur Verfügung, davon abgesehen bewegte sich Mycroft nur äußerst unwillig, wie jeder Sherlock Holmes Leser weiß, und selbst dann höchstens mal zum Diogenes Club. Dann denken sich die Verbrecher komplizierte Todesarten aus, anstatt einfach den Revolver zu betätigen. Und anstatt weiterhin alle zu erschießen, benutzen sie Dynamit, damit Wilde seine neuen Erkenntnisse an den Mann bringen können. Übrigens, Wilde. Bisher hatten wenigstens die Sprecher noch Spaß am Ganzen, hätte ich gedacht. Aber das hier war pure Verweigerung. Ja, es ist allgemein bekannt, dass Wilde schwul war, nein, es ist unnötig (und war bis jetzt auch nicht der Fall), dass man das stimmlich so übertreibt. Wozu Wyatt Earp eingeführt wurde, ist mir rätselhaft, genauso wie dieser ganze völlig überflüssige "Fall". Failed. Auf ganzer Linie. 1,5/5 Punkten wegen der meisten Sprecher.

Veröffentlicht am 30.06.2018

Zwei Schnüffler

Blutrote Provence
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Leclerc ist Kriminalbeamter im Ruhestand - nicht freiwillig! Zum Abschied schenkten ihm die Kollegen einen Mops namens Tyson, damit er wenigstens Spaziergänge unternimmt. doch er fühlt sich noch lange ...

Leclerc ist Kriminalbeamter im Ruhestand - nicht freiwillig! Zum Abschied schenkten ihm die Kollegen einen Mops namens Tyson, damit er wenigstens Spaziergänge unternimmt. doch er fühlt sich noch lange nicht bereit, aufs Abstellgleis geschoben zu werden. So kommt ihm ein Dreifachmord in der Nähe geradezu gelegen und ohne zu zögern, eilt er an den Tatort. Als er die Auffindesituation überfliegt, kommt ihm ein alter Fall in den Sinn, doch natürlich liegt die Lösung nicht gleich auf der Hand. Sein Mops und er beginnen zu schnüffeln, unterstützt von einer ehemaligen Kriminalpolizistin, die jetzt Streife geht. Mit dem Dreifachmord ist es in der Provence noch lange nicht getan - doch Leclerc und Tyson sind zwei zähe Hunde, die nicht so schnell aufgeben.

Manchmal, muss ich ganz ehrlich gestehen, ist mir der pensionierte Kriminaler schon ganz schön auf den Geist gegangen, und ich hatte gehofft, dass die Polizisten ihn ab und zu mal ernsthaft zurechtweisen, zumal er seinen Hund gern mal über Tatorte laufen lässt und sich einen Sch... um die Beweislage kümmert. Aber im Großen und Ganzen war es eine spannende Lektüre mit einem Seitenstrang die Polizistin betreffend, der auch nicht uninteressant war. Die typischen Beschreibungen der Provence waren vorhanden, und auch wenn mir der Täter ein wenig zu weit hergeholt vorkam (wie zum Teufel hat er einen Elitesoldaten überraschen können?), wurde ich gut unterhalten und bin nicht abgeneigt, weitere Abenteuer des Pensionärs zu lesen.

Veröffentlicht am 29.06.2018

Leichen im Keller

Der Kreidemann
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1986: Der zwölfjährige Eddie Adams und seine Freunde finden mitten im Wald ein totes Mädchen - erschlagen und zerstückelt. Ein Täter wird gesucht und schnell auch jemand beschuldigt - Mister Halloran, ...

1986: Der zwölfjährige Eddie Adams und seine Freunde finden mitten im Wald ein totes Mädchen - erschlagen und zerstückelt. Ein Täter wird gesucht und schnell auch jemand beschuldigt - Mister Halloran, der seltsame Albino. Bleich, dürr, nicht aus der Gegend stammend und Lehrer an Eddies Schule. Natürlich musste er es gewesen sein, hatte er doch ein heimliches Verhältnis mit dem toten Mädchen. Seiner Festnahme entzieht er sich durch Selbstmord, das reicht den Behörden. Doch Eddie kann nicht aufhören, an die gemalten Kreidezeichnungen zu denken, die ihn und seine Freunde zu dem toten Mädchen geführt haben.
2016: Der erwachsene Eddie erhält Besuch von ausgerechnet dem einen Freund aus Kindertagen, den er am wenigsten leiden kann. Doch der erklärt, er wüsste, wer das Mädchen damals wirklich umgebracht hat - bevor er jedoch Eddie mehr erzählen kann, stirbt er unter seltsamen Umständen. Eddie wird den Verdacht nicht los, dass das Verbrechen von damals noch immer sorgfältig von jemandem gehütet wird ...

Ich hatte mich richtig gefreut, diesen Krimi gelesen, weil ich die Leseprobe schon sehr gut fand. Ich mag es, wenn Kinder aus den Achtzigern in Sachen verwickelt werden, da ist alles noch irgendwie entschleunigt, keiner hat ein Handy, die machen Zeug zusammen, auf die wir heute kaum kämen. Und eigentlich hat mir sowohl das Geschehen in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gefallen, obwohl ich mit der Lösung am Ende nicht ganz glücklich bin. Ja, bestimmt ist das möglich, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht. Das Buch hätte auch ganz großes Kino sein können, wenn manche Sachen nicht ganz so oft wiederholt oder einiges gestrafft worden wäre. Mir zum Beispiel waren die luziden Träume von Eddie zu viel - es nimmt mir die Spannung und den beabsichtigten Grusel, wenn ich weiß, dass jemand träumt. Und dass so viele Leute sprichwörtlich Leichen im Keller haben ... muss man mögen.
Hervorheben muss ich auf jeden Fall die Leistung des Sprechers Devid Striesow, der die Geschichte mit großem Geschick und Talent gestemmt und sogar in meinen Augen aufgewertet hat.

Veröffentlicht am 27.06.2018

Die Prinzessin und die Kriegerin

Children of Blood and Bone
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Zelie hat ein hartes Leben. Als sie noch klein war, ist ihre Mutter ermordet worden, weil sie eine Magierin war und der Herrscher ihres Landes sich vor ihnen fürchtet. Mittlerweile ist die Magie gänzlich ...

Zelie hat ein hartes Leben. Als sie noch klein war, ist ihre Mutter ermordet worden, weil sie eine Magierin war und der Herrscher ihres Landes sich vor ihnen fürchtet. Mittlerweile ist die Magie gänzlich verschwunden. Jetzt ist sie siebzehn und auf der Flucht vor den Häschern des Königs, als ihr ausgerechnet dessen Tochter Amari vor die Füße läuft, die ebenfalls geflohen ist. In ihrem Besitz befindet sich einer von drei Artefakten, welche in der Lage ist, die Magie zurückzubringen. Ständig gejagt, ausgerechnet von Inan, dem Bruder Amaris und auf der Suche nach den anderen drei Artefakten, befinden sich Zelie, die Prinzessin und Zelies Bruder in einer grausamen Welt, in welcher jeder Schritt ihr letzter sein könnte.

Wow, welch Potenzial dieses Buch hat. Und doppelt Wow, wieviel Potzenzial hier verschenkt wurde. Richtig gut ist, dass man hier keine 08/15 Welt vorfindet, wie sie in jedem zweiten Jugendfantasybuch beschrieben wird. Hier ist westafrikanische Folklore in Action, das zumindest auf uns Europäer exotisch wirken dürfte. Auch die Message des Buches ist wichtig: Rassismus und Unterdrückung ist nicht hinnehmbar und man muss sich dagegen wehren. Doch gegen die Botschaft und die Exotik fallen sowohl Geschichte als auch Protagonisten ab. Natürlich ist klar, dass jemand wie Zelie nicht unbeschadet aus ihren Erlebnissen hervorgeht, doch die Frau hat mich einfach nur genervt. Die baut permanent Mist und wundert sich hinterher, warum ihr Bruder, der sich ständig für sie in Lebensgefahr begibt, sauer auf sie ist. Inan, der Prinz, lässt sich alle fünf Minuten was anderes einreden. Erst ist er der große Gegner, dann verliebt er sich in der Zeitspanne, in der ich kurz geblinzelt habe, dann wiederum ist er wieder der große Gegner. Die Prinzessin ist abwechselnd mega unnütz und mega tough. Richtig cool ist eigentlich nur Tzain, Zelies Bruder, und das reicht einfach nicht, um das Buch zu tragen, zumal es einige Logiklücken gibt, die unerklärlich sind. Zum Beispiel, dass mitten in einer Wüste, die so wenig Wasser hat, dass man ein Vermögen für einen Becher mit Wasser ausgeben muss, eine ganze Arena täglich (!!!) mit so viel Wasser fluten kann, dass sich da dreißig Schiffe drauf tummeln. Und in der Arena sitzen ringsherum Adlige, die zuschauen, wie sich die Schiffe gegenseitig mit Kanonen in Grund und Boden ballern, ohne dass diesen Adligen dabei was passiert. Aha. Nein. Echt nicht. Solche Patzer sind schon fragwürdig und unnötig. Leider ist das nicht das einzige Mal, dass die Logik zu wünschen übrig ließ um der Dramatik willen. Aus Sympathie für Botschaft und Idee gibt's 3,5/5 Punkten; die Story müsste sich jedoch in den Folgebänden um einiges steigern.