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Veröffentlicht am 04.03.2018

Heißkalt

Fire & Frost, Band 1: Vom Eis berührt
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In einer Welt, in der sich besonders begabte Menschen - die Fire- und die Frostbloods - bekämpfen, ist Ruby eine der letzten Firebloods. Die Firebloods werden gnadenlos von den Soldaten des Frostkönigs ...

In einer Welt, in der sich besonders begabte Menschen - die Fire- und die Frostbloods - bekämpfen, ist Ruby eine der letzten Firebloods. Die Firebloods werden gnadenlos von den Soldaten des Frostkönigs gejagt, wenn man sie erwischt, landen sie im Gefängnis oder schlimmer noch, in der Arena des Königs, der zur Belustigung seines Volkes so etwas wie Gladiatorenkämpfe durchführen lässt. Ruby wird gefangengenommen, wobei ihre Mutter ums Leben kommt und sie darbt ein halbes Jahr unter grausamsten Umständen in einem Kerker vor sich hin, bevor ausgerechnet eine Gruppe Frostbloods sie befreit. Sie soll ihnen helfen, den Eisthron des Königs zu zerstören, denn in diesem soll eine dunkle Macht existieren, welche den Charakter des Königs zerstört.

Für einen Jugendfantasy mit starken Liebesgedönsanteil war die Geschichte nicht so schlecht. In die richtige Richtung ging schon mal, dass der Held nicht mega schön war, dass die Heldin nirgendswo anders mehr hinsehen konnte. Sein Gesicht war durch einen Mordanschlag vernarbt, andererseits habe ich seine Augenfarbe nicht verstanden. Da waren so viele Blautöne drin, dass seine Augen hätten flackern müssen wie ein Neonschild. Irgendein Humbug in Jugendfantasy muss wohl sein. Das Buch war gut geschrieben, die Handlung ging rasch voran, es war allerdings auch so durchsichtig wie eine geputzte Fensterscheibe. Auch moralische Dilemma wurden angeschnitten, hätten aber auch gern vertieft werden dürfen. Soweit ich verstanden habe, handelt es sich um eine Trilogie, allerdings könnte das Buch auch für sich allein stehen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 03.03.2018

Ach so!

Der Totengräbersohn: Buch 1
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In einer mittelalterlichen Welt lebt Farin, der Sohn des Totengräbers, in dem kleinen Nest Haufen. Sein Vater und er gehören zu den Verachteten, minder Wertgeschätzten ihrer Gemeinde, denn sie sind diejenigen, ...

In einer mittelalterlichen Welt lebt Farin, der Sohn des Totengräbers, in dem kleinen Nest Haufen. Sein Vater und er gehören zu den Verachteten, minder Wertgeschätzten ihrer Gemeinde, denn sie sind diejenigen, die sich um die Toten kümmern. Sie waschen, herrichten - und manchmal auch bestehlen. Was absolut verständlich ist, wenn man bedenkt, wie arm sie gehalten werden. Farin ist strickt gegen das Stehlen und deshalb will er das Amulett, das er bei der toten Gerlunda gefunden hat, ihren Angehörigen zurückgeben. Nur dass sie keine hat, dafür viele undurchsichtige Gestalten, die sich für sie oder besser: ihren Nachlass interessieren. Durch einen dummen Zufall verschmilzt das Amulett mit Farin, und er erkennt, dass er jetzt seinen Körper und seinen Geist mit einem Dämon teilen muss. Als wäre das nicht stressig genug, ist plötzlich ein skrupelloser Schlächter eines grausamen Ordens hinter ihm her, und dann nimmt ihn ausgerechnet Ritter Emicho als seinen Knappen an. Viel Stress, viel Ehr könnte man meinen, nur dass Farin von der Ehre nicht viel hat, er ist beschäftigt genug, sein Leben zu retten.

Neben Farin gibt es eine zweite Hauptfigur, Aross, ein Waisenmädchen. Noch ist nicht klar, ob und wann sie sich jemals begegnen werden, aber eigentlich ist das noch nicht so wichtig. Erzählt wird die Handlung in einer so modernen und schnoddrigen Art mit vielen Wortspielen und witzigen, spannenden und manchmal fast beängstigenden Erlebnissen, dass es einfach reicht, sich abholen zu lassen. Dazu kommt Robert Frank, der ganz offensichtlich mega Spaß am Lesen und Interpretieren der Figuren hatte. So ist das ein Hörbuch geworden, dem man gern lauscht und welches nur wenig unnötige Längen hatte - mit anderen Worten perfekt zum Autofahren und trotz Staus noch Fun haben.

Veröffentlicht am 02.03.2018

Ein Glas voller Steine

Ein mögliches Leben
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Franz und Martin machen sich auf eine Reise in die USA, doch eigentlich ist es eine Reise in die Vergangenheit von Franz. Der Alte, immer wieder ist es der Alte, um die 90 ist er jetzt, der die Impulse ...

Franz und Martin machen sich auf eine Reise in die USA, doch eigentlich ist es eine Reise in die Vergangenheit von Franz. Der Alte, immer wieder ist es der Alte, um die 90 ist er jetzt, der die Impulse gibt auf dieser Reise. Er will nach siebzig Jahren wieder die Gegend sehen, in welcher er in Kriegsgefangenschaft war, und Martin ... was will Martin, sein Enkel, eigentlich? Nicht viel, alles, das, was eigentlich jeder will. Wissen, was man will, erreichen, was man will. In seinem Fall ist das Judith, sein ONS, und Laura, das ONS-Ergebnis. Und diesen Fremden kennenlernen, diesen Alten, der sein Großvater ist. Auch eine Annäherung an Barbara, die Tochter des Alten, Martins Mutter scheint möglich, wenn Franz endlich die Erinnerungen zulässt, sich ihnen stellt.

Eine krasse Geschichte. Nicht weil sie so schreckliche Erlebnisse aus der Kriegszeit oder Gefangenschaft berichtet - im Vergleich zu den Lagern der Russen oder Japanern ist das in den USA ein Ferienaufenthalt. Es sind die Menschen, die uns begegnen, nicht nur Franz, Barbara und Martin, sondern vor allem die aus der Vergangenheit. Wenn sich selbst in Kriegsgefangenschaft die Nazis formieren und bis zum bitteren Ende und darüber hinaus an den Endsieg glauben. Wenn sie dafür prügeln, gar töten, und dieser völlig verkorkste Mannschaftskorpsgeist verbietet, den Amerikanern davon zu erzählen. Wenn selbst aus den wenigen "Guten" Mörder werden, wenn die Seele derjenigen, die noch "vernünftig" sind, schwarz wird und zu einer Mördergrube. Und all das erzählt in einer ruhigen, ungemein packenden Schreibweise, mit Sprüngen in Vergangenheit und Gegenwart, zu erkennen daran, dass die Vergangenheit im Präsens und die Gegenwart als dichterische Vergangenheit erzählt wird. Dieses Buch gehört so gar nicht zu meinem Beuteschema, eigentlich. Denn eigentlich ist es egal, weil es einfach nur gut ist.

Veröffentlicht am 28.02.2018

Der Dichter zweyter Streich

Die Affäre Carambol (Goethe und Schiller ermitteln)
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Goethe hat Schiller nach Franckfurt eingeladen, seine Heimatstadt. Schon die Reise dorthin steht unter keinem guten Stern, vier Kutschen brauchen sie wegen Defekten und Unfällen, und einen Tag zu spät ...

Goethe hat Schiller nach Franckfurt eingeladen, seine Heimatstadt. Schon die Reise dorthin steht unter keinem guten Stern, vier Kutschen brauchen sie wegen Defekten und Unfällen, und einen Tag zu spät erreichen sie ihr Ziel. Dann jedoch entwickelt sich ihr Aufenthalt zu einer angenehmen Erfahrung, bis zu dem Tag, an dem sie abreisen wollen. Genau dann bitten ein paar Stadträte um ihre Hilfe. Wie es scheint, versucht jemand, die Stadt mit aller Gewalt zu einem Krieg mit Napoleon zu zwingen, und das, obwohl sich Franckfurt durch seine Reparationszahlungen an Frankreich ohnehin nichts mehr leisten kann. Jemand geht über Leichen, skrupellos, und nur Goethe und Schiller scheinen in der Lage, ihn aufzuhalten. Schon bald befinden sich die Dichter in höchster Lebensgefahr.

Ich gehe nicht oft auf Cover oder Handling ein, aber in dem Fall mache ich eine Ausnahme. Das Buch ist klein und das Cover in einem altmodischen Stil gehalten, wie auch die echten Bücher der Dichter hätten aussehen können, finde ich eine coole Idee, zumal der Verlag ein Nachfolger von Cotta ist, dem Herausgeber sowohl Goethes als auch Schiller.
Wie auch im ersten Abenteuer um diese beiden wird hier zum Teil die alte Schreibweise beibehalten, auch der Stil ist ganz im Sinne des späten 18./sehr, sehr frühen 19. Jahrhunderts anzusiedeln. Dass ich nicht volle Punktzahl vergebe, ist dem Schluss geschuldet, der für mich ein wenig lahm gestaltet war, ansonsten wusste das Büchlein wieder sehr gut mit kurzen Kapiteln, aberwitzigen Geschehnissen und beiläufigen Informationen um die berühmtesten deutschsprachigen Dichter zu unterhalten.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Traue niemandem

Der Mond des Vergessens
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Nail ist ein Waisenjunge, der bei seinem gestrengen Mentor Shawcraft aufwächst. Tala und Jondralyn sind die Töchter eines in der Schlacht gefallenen Königs, deren Bruder Jovan sich zu einem Tyrannen entwickelt ...

Nail ist ein Waisenjunge, der bei seinem gestrengen Mentor Shawcraft aufwächst. Tala und Jondralyn sind die Töchter eines in der Schlacht gefallenen Königs, deren Bruder Jovan sich zu einem Tyrannen entwickelt hat. Dann gibt es noch Aeros, den Engelsprinzen, der mit seiner Streitmacht auf brutalste Art und Weise Länder überfällt und erobert. Während die Adligen ihre eigenen Ziele intrigant verfolgen, will Nail eigentlich nur anerkannt werden und das Mädchen küssen, in welches er verliebt ist. Doch die Eroberer machen auch nicht vor seinem Dorf halt, sie metzeln alles nieder und nehmen den Rest der Bevölkerung als Sklaven. Nail und ein paar der Dörfler können fliehen, doch das ist erst der Anfang einer Odyssee, deren Ausgang alles andere als in Stein gemeißelt ist, egal, was die Priester und Geistlichen dazu sagen.

Ich bewundere die Welt, die erschaffen wurde. Sie mag nicht megakomplex sein, man steigt schnell durch, aber sie hat Substanz. Jeweils vor den einzelnen Kapiteln gibt es Auszüge aus den verschiedenen religiösen Schriften, und man weiß, wer an was glaubt und was dieser Glaube aussagt. Womit ich jedoch gar nicht klar kam, waren eigentlich fast alle Protagonisten. Ich fand sie alle mega unsympathisch und gerade die, die als die wichtigsten vorgestellt wurden, mega dumm. Ständig wurde mir erzählt, wie stark und gut im Schwertkampf Nail ist - zwei Seiten weiter wird er gleich von zwei Dörflern per Schwert verprügelt. Jondralyn, so wurde mir mitgeteilt, sei mega schlau und voll die Schwertkämpferin - wieder zwei Seiten weiter lässt sie sich per Schwert von ihrem Bruder verprügeln, dem König, der wohl wenig Zeit zum Trainieren hat. Außerdem waren alle ihre Handlungen so dermaßen dumm und genau das Gegenteil dessen, was ein kurz mitdenkender Zeitgenosse tun würde, dass ich sie nur absolut nicht ausstehen konnte. Das galt für 90 Prozent aller Beteiligten hier, sodass mir am Ende eigentlich auch egal war, was aus ihnen wurde. Das bibelstarke Buch von fast 900 Seiten lässt sich schnell lesen, der Schreibstil ist angenehm, aber da mir das Schicksal aller so derart gleichgültig ist, werde ich die Nachfolger nicht lesen. 3,5/5 Punkten.