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Veröffentlicht am 21.07.2023

Ihr Auftritt, Mister Quin!

Der seltsame Mister Quin 1
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Es ist ein Kommen und Gehen, erklärt in einer der Geschichten jemand dem erzählenden Mister Sattisway, und ja, auf den seltsamen und geheimnisvollen Mister Quin trifft das auf jeden Fall zu. Er scheint ...

Es ist ein Kommen und Gehen, erklärt in einer der Geschichten jemand dem erzählenden Mister Sattisway, und ja, auf den seltsamen und geheimnisvollen Mister Quin trifft das auf jeden Fall zu. Er scheint immer dann aufzutauchen, wenn unser kleiner, etwas versnobter, älterer, wohlhabender Mister Sattisway sich in einer seltsamen Situation befindet. Mal ist ein Mord geschehen, mal Einbrüche, mal wird erst etwas geschehen, mal scheint überhaupt nichts zu sein. Und dennoch: Wenn Mister Quin auftaucht, weiß Mister Sattisway, dass etwas im Argen liegt: Aber nicht mehr lange. Denn mit Hilfe von Mister Quins blitzgescheiten Fragen kommen Anwesende und Beteiligte auf die Spur von Verbrechen ...

Hier liegen die ersten vier Kurzgeschichten vor, die Agatha Christie mit diesem skurrilem Paar geschrieben hat. Da ist zum einen der seltsame Mister Quin: ein Sherlock Holmes, ein Richter, ein Gerechter, einer, der den Dingen auf den Grund geht. Immer höflich, zurückhaltend, zuhörend, Fragen stellend. Und sein Gegenstück, Agathas persönlicher Watson, der dank scharfsinniger Fragen scharfsinnige Gedanken wälzt und vom Beobachter zum Akteur wird. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich mit dem Sprecher klarkam, zu sehr klingt er im ersten Moment wie eine Mischung aus alt, bedächtig, ja, geradezu altmodisch. Aber nicht nur die Geschichten entwickeln ihren eigenen Charme, auch die Stimme des Sprechers tut es und nein, ich kann mir mittlerweile niemanden anders vorstellen, der das noch besser lesen könnte.

Und dann ist da am Ende nicht nur die Befriedigung, interessante Geschichten gehört und mitgerätselt zu haben; da ist auch das leise, feine Amüsement über die Namen der Protagonisten. Mister Harley Quin, der Harlekin, aber kein lächerlicher Geselle, sondern der, der der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Und sein Sidekick, der gute alte Mister Sattisway - Set this way, der immer dann außerhalb der Box, außerhalb der gesetzten Wege zu denken vermag, wenn der von ihm so geschätzte Mister Quin auftaucht. Ein rundum gelungenes Kurzgeschichtenvergnügen!

Veröffentlicht am 20.07.2023

Ben's cooking

Chef's Kiss
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Ben Cook hat soeben das College mit einem Abschluss in Literatur in der Tasche und zieht mit seinen besten Freunden in eine WG. Er braucht dringend einen Job, am besten einen, der gut bezahlt wird und ...

Ben Cook hat soeben das College mit einem Abschluss in Literatur in der Tasche und zieht mit seinen besten Freunden in eine WG. Er braucht dringend einen Job, am besten einen, der gut bezahlt wird und in dem er seine Fähigkeiten fürs Schreiben ausleben kann. Doch es ist wie verhext - egal, was er tut, niemand will einen Anfänger einstellen. Da stolpert er plötzlich bei einem Restaurant über eine Stellenanzeige, auch für Quereinsteiger. Und nicht nur das: Einer der Köche dort ist Liam, Liam mit seinem muskulösen Körper, den Tattoos, dem freundlichen Lächeln. Ben versucht sich als Koch und macht das gar nicht schlecht. Doch da sind immer noch seine Eltern, die sich für ihren Sohn etwas anderes wünschen, sowohl als Job als auch in einer Beziehung.

Wir haben hier eine sehr süße Geschichte vorliegen, bei der fast alle Charaktere megatolerant sind. Einerseits gefällt mir sehr gut, dass es so einen Zusammenhalt unter den (neuen und alten) Freunden gibt, andererseits gibt es da kaum Potenzial für Konflikte, und der Konflikt, der dann mal war, verpuffte ziemlich schnell. Ähnlich ist es auch mit den Eltern, da wäre weitaus mehr drin gewesen. Alles in allem ist es jedoch wirklich schnuckig gezeichnet und erdacht. Homophobe Personen sollten natürlich Abstand davon halten. Im Endeffekt ist das Buch genau so cute, wie es das Cover mit rosa Schweinchen andeutet: What you see is what you get.

Veröffentlicht am 16.07.2023

To kill Monsters

Only a Monster
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Joan verbringt ihre Ferien bei der Familie ihrer Mutter, die aus lauter exzentrischen Leuten besteht. Trotzdem fühlt sie sich bei ihnen wohl und geliebt. Was sie nicht weiß: Es sind alles Monster, die ...

Joan verbringt ihre Ferien bei der Familie ihrer Mutter, die aus lauter exzentrischen Leuten besteht. Trotzdem fühlt sie sich bei ihnen wohl und geliebt. Was sie nicht weiß: Es sind alles Monster, die Lebenszeit von Menschen stehlen, um damit Zeitreisen zu unternehmen. Was Joan auch nicht weiß: Ihr neuer Schwarm Nick, der sie soeben um ein Date gebeten hat, ist ein Monsterjäger. Noch weniger ist ihr bewusst, dass sie selbst halb Mensch, halb Monster ist und diese Tatsache dafür sorgen wird, dass ihre Welt und ihre Familie zerstört wird - es sei denn, sie bringt Opfer.

Ja, ich weiß nicht. Irgendwie hatte ich einfach mehr erwartet. Bis zum Schluss war mir nicht klar, warum sie sich Monster nennen. Sie sind "ganz normale" Menschen, die allerdings durch Berührung anderer Lebenszeit absaugen und dadurch Zeitreisen unternehmen können. Es gibt auch verschiedene Monsterfamilien, die aus welchen Gründen auch immer miteinander verfeindet sind und sich dann auch nichts dabei denken, sich gegenseitig umzubringen. Das ist irgendwie das größte Problem, das ich mit dem Buch hatte. Die Hintergründe werden nicht erklärt, es wird als "isso" gegeben. Möglicherweise wird das ja im zweiten Teil noch ausführlicher erläutert. Es gab so was ähnliches wie eine Dreiecksgeschichte, wobei mir Aaron geradezu als Draco-Malfoy-Abklatsch präsentiert wurde. Die Art, wie die Monster halt reisen, macht sie nicht sonderlich sympathisch, sodass es schwerfiel, mitzufühlen, wenn etwas passierte oder allgemein eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Alles in allem habe ich es nicht ungern gelesen, aber weitaus mehr Worldbuilding und auf gewisse Weise mehr Tiefe erwartet.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Nothing wrong with you

Was ist eigentlich dieses LGBTIQ*?
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Wir haben hier ein außerordentlich gutes, übersichtliches und kindgerechtes Sachbuch zum Thema LGBTIQ vorliegen, das auch Erwachsene lesen und verinnerlichen sollten. Dabei geht es um die Auseinandersetzung ...

Wir haben hier ein außerordentlich gutes, übersichtliches und kindgerechtes Sachbuch zum Thema LGBTIQ vorliegen, das auch Erwachsene lesen und verinnerlichen sollten. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit einem Thema, das zeitgenössischer und dringender nicht sein könnte. Die AutorInnen nehmen sich hier viel Zeit, um die Begriffe zu erklären. Was LGB bedeutet, wissen die meisten wahrscheinlich, bei T kommen sicherlich schon einige ins Straucheln und selbst viele gebildete Leute zucken mit den Schultern, wenn es um IQ geht.

Erstmal vorneweg: Alles ist okay. Du stehst als Frau auf Frauen? Ja, ist okay. Nichts falsch mit dir. Als Mann auf Männer? The same. Gleiches gilt, wenn du bi, pan, trans, inter bist. Niemand außer du selbst entscheidet über deinen Körper. Und das wird hier sehr schön zum Ausdruck gebracht. Aber nicht nur die verschiedenen Begriffe werden erklärt, auch Interviews mit Personen geführt, die aus ihren Erfahrungen zum Thema sprechen. Hier wird richtig gut Anstand und Toleranz vermittelt, aber auch nicht nur über Geschlechteridentität und Sexualität erzählt und erklärt, sondern auch über die Freiheit, das zu tun, was einem gut tut, solange man niemandem anders damit schadet. Eine Frau möchte sich nicht rasieren? Ja, dann ist das gut so! Ein Mann möchte ein Kleid tragen oder Nagellack? Bitte, sein gutes Recht. Das ändert nichts am Geschlecht, an der Sexualität, an der Persönlichkeit. Und wer das anders sieht, hat klar mehr Nachholbedarf in Sachen Intelligenz, Anstand, Moral und Toleranz als jede*r andere.

Ein empfehlenswertes Buch für offene Menschen und solche, die es werden wollen, und wie ich finde, eine sehr gute Schullektüre.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Basgiath

Fourth Wing – Flammengeküsst
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Violet Sorrengail ist die jüngste Tochter einer Generalin, klein, zierlich und leidet unter einer chronischen Krankheit, weshalb sie schwach und untrainiert ist. Dennoch wird sie von ihrer Mutter gezwungen, ...

Violet Sorrengail ist die jüngste Tochter einer Generalin, klein, zierlich und leidet unter einer chronischen Krankheit, weshalb sie schwach und untrainiert ist. Dennoch wird sie von ihrer Mutter gezwungen, am Auswahlverfahren zum Drachenreiter teilzunehmen, bei dem schon bei der ersten Prüfung viele Prüflinge sterben. Auch später noch ist die Verlustrate unter den zukünftigen Drachenreitern enorm hoch, denn nicht nur die Drachen sind tödlich, auch die anderen Anwärter bringen gern mal ihre Konkurrenten um. Doch am allerallerallergefährlichsten ist Xaden Riordan, der zwar Staffelführer ist, aber auch der Sohn eines hingerichteten Rebellen und der mit der Familie Sorrengail eine Rechnung offen hat. Violet versucht zu überleben, dabei wünscht sie sich so sehr den petite mort, seit sie Xaden das erste Mal gesehen hat ...

Mich hat die Leseprobe total angesprochen, denn schon da konnte man extrem mitfiebern, gerade der Lauf über den Viadukt war heftig, auch wenn da schon die ersten Fragen auftauchten. Und rein vom Schreibstil her hätte mich das Buch genauso hypen können, wie es anscheinend alle anderen hyped - nur dass ich irgendwann so viele unbeantwortete Fragen in Sachen Logik hatte, dass es mich einfach nur gestört hat. Es fängt schon mal damit an, dass man kein vernünftiges Worldbuilding erhält. Hier unser Königreich, da die anderen (die mit den Greifenfliegern statt Drachenreitern), seit 600 Jahren Krieg, so reicht. Okay? Mir reicht das nicht. Außerdem gab es mal eine Rebellion in diesem Königreich, die mal niedergeschlagen wurde und man richtete die Rebellen hin. Die Kinder der Rebellen wurden jedoch dazu gezwungen, Drachenreiter zu werden, weil ...? Ja, einige werden draufgehen und nichts mehr anzetteln. Aber die anderen? Die kriegen gleich mal eine mörderische Macht in die Hand, um sich zu rächen, wenn sie Bock haben? Wer bitte macht so was?

Weiter: Es herrscht seit vielen Jahren Krieg. Man braucht also jede Menge Soldaten, ob die jetzt auf Drachen sitzen oder zur Infanterie gehören. (Hier wird übrigens nie geschrieben, mit was die kämpfen: Die Drachenreiter besitzen Schwerter, Dolche, Magie und natürlich Drachenfeuer, aber wie weit sind die Infanteristen überhaupt? Haben die schon Musketen oder sonst was?) Trotz also der vielen Leute, die man für den Krieg braucht, werden hier am War College permanent die Besten der Besten niedergemetzelt: durch Drachen, durch Abstürze, durch andere Kadetten. Die Erklärung: Es gibt nicht genügend Drachen. Okay. Warum lässt man diejenigen, die nicht von Drachen gebunden werden, einfach zur Infanterie? Weniger Verluste, mehr Leute, die kämpfen können. Aber hey, warum sollten wir uns mit Logik aufhalten?

Violet ist eigentlich als Charakter sehr cool angelegt. Sie ist clever, weiß sich zu helfen, hat Mut und Moral. Eigentlich. Denn sobald sie Xaden erblickt, vergisst sie alles, außer "wie schöööööööööön" er ist. Sie sabbert, sobald er die Bühne betritt. Um ehrlich zu sein, von Xadens Eigenschaften habe ich nicht viel mitbekommen, weil Violet ihn nahezu aufs Äußere reduziert. Sie ist so geil auf ihn, dass er auch den Ententanz machen könnte und sie würde ihn immer noch bespringen wollen. Ich war auch mal 20 und bin mir sicher, dass ich im Falle von Lebensgefahr - egal wie heiß mein Gegenüber gewesen wäre - andere Probleme als meine Libido gehabt hätte. Aber so oder so: Nachdem beide endlich mal gemerkt haben, dass der/die andere das Nonplusultra der Weltgeschichte ist, wurde nur noch geschnulzt. Man hätte locker zweihundert Seiten kürzen können, ohne Informationsverlust zu erleiden.

Nachdem ich mich über 700 Seiten lang über mangelnde Logik, mega Rumgeschnulze und Violets Auserwähltenstatus (mit einem Drachen fängt sie gar nicht erst an) rumgeärgert habe und all diese wunderbaren Möglichkeiten, die hier liegengelassen wurden, ärgerte, verzichte ich wohl auf die weiteren Bände dieser Reihe.