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Veröffentlicht am 15.08.2023

Strigoi

Die Schwarze Königin I
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Um 1400: Der junge Vlad und die ebenso junge Königin Barbara treffen am Hof von König Sigismund in Buda aufeinander. Schon beim ersten Anblick wird beiden klar, dass sie mehr miteinander verbindet als ...

Um 1400: Der junge Vlad und die ebenso junge Königin Barbara treffen am Hof von König Sigismund in Buda aufeinander. Schon beim ersten Anblick wird beiden klar, dass sie mehr miteinander verbindet als reine Anziehungskraft, aber dass es ausgerechnet der Kampf gegen finstere Kreaturen - die Strigoi - handelt, können sie nicht ahnen. Dennoch werden sie über die Jahre alles dafür tun, um die Menschen vor der Dunkelheit zu bewahren, selbst wenn das bedeutet, dass Barbara tief in die Alchemie eintauchen und Vlad den Drachenorden anführen wird, der ihm den Beinamen "Dracul" verleiht ...

Heutzutage: Der junge Len macht eine Busrundfahrt, die ihn unter anderem nach Prag führt. Dort trifft er auf gruselige Wesen, eine Frau, die auf seltsame Art alterslos scheint und die unglaublich schnell nach einer schweren Verletzung regeneriert und erfährt, dass Omas Geschichten, dass er der letzte Nachfahre der Draculesti ist - jemand, der gegen die Blutsauger der Nacht kämpft - mehr Wahrheit als erwartet enthalten ...

Ich mag Heitz' Geschichten gern, denn er verbindet geschickt Geschichte mit Geschichten und hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Auch hier hat er mich mit dem Prolog und dem Beginn sehr schnell in den Bann gezogen. Tatsächlich bin ich zwar auch sehr angetan von seiner Interpretation, dass Vlad II., "DER" Urvater der Vampire, eigentlich ebenjene bekämpft hat (das Pfählen spricht für sich!), aber mir waren viele Ausführungen im Vergangenheitsstrang etwas zu ausführlich und eher wie eine Art Geschichtsbuch gehalten. Wesentlich spannender fand ich daher die Ereignisse, die in der Jetztzeit stattfanden. Für Vampirfans eine Warnung oder ein Versprechen: niemand glitzert hier.

Veröffentlicht am 12.08.2023

Alltagsrassismus

Weiße Tränen
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Wenn man sechzehn ist, hat sich die ganze Welt gegen einen verschworen. Zumindest empfindet das Lenny so. Zum Glück hat er gute Freunde, zum Beispiel Serkan und dessen Schwester Elif, die er schon so lange ...

Wenn man sechzehn ist, hat sich die ganze Welt gegen einen verschworen. Zumindest empfindet das Lenny so. Zum Glück hat er gute Freunde, zum Beispiel Serkan und dessen Schwester Elif, die er schon so lange kennt und die plötzlich neue Gefühle in ihm auslöst. Doch alles ändert sich, als Benjamin neu an die Schule kommt. Der Schwarze Jugendliche spricht Alltagsrassismus knallhart an, lässt sich nicht in Schubladen einsortieren, bringt die Theater-AG zum Kochen und zeigt die Denkweise eines beliebten Lehrers auf, der deutsche und weiße Kinder immer bevorzugt. Und plötzlich weiß Lenny nicht mehr, was er denken soll: Wie kann er ein Rassist sein, wenn doch sein bester Freund Türke ist?

Wow. Dieses Buch hat mich echt mitgenommen, aufgerüttelt, direkt ein bisschen durchgeschüttelt. Ohne erhobenen Zeigefinger und tatsächlich ohne, dass Benjamin überhaupt viel tut in diesem Buch, wird anhand von Lenny und seinem Entwicklungs- und Lernprozess auf kristallklare Weise gezeigt, wie extrem privilegiert wir sind, die wir weiß und deutsch sind. Was es bedeutet, eine andere Hautfarbe zu haben oder auch mit einer anderen (zweiten) Kultur aufzuwachsen, Anfeindungen ausgesetzt zu sein, benachteiligt zu werden, ohne dass sich jemand Gedanken darüber macht. Ganz besonders auch der positive Rassismus hat etwas in mir zum Klingen gebracht; dessen habe ich mich sicher nicht nur einmal schuldig gemacht. In diesem Buch wird so viel angesprochen, das man durchdenken sollte, macht es meiner Meinung nach zu einer perfekten Schullektüre mit Charakteren, wie sie überall und in jedem Umkreis auftauchen und mit denen man sich identifizieren kann.

Veröffentlicht am 09.08.2023

Camper

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Mit ihrem Wohnmobil ist das Ehepaar Jancke in Frankreich unterwegs, als sie in der Nähe von Dijon einen Wildunfall haben. Sie haben keinen Handyempfang und erreichen weder ADAC noch jemand anderes. Zum ...

Mit ihrem Wohnmobil ist das Ehepaar Jancke in Frankreich unterwegs, als sie in der Nähe von Dijon einen Wildunfall haben. Sie haben keinen Handyempfang und erreichen weder ADAC noch jemand anderes. Zum Glück steht plötzlich ein Abschleppwagen neben ihnen. Sie werden nie wieder gesehen.

Zwei Jahre später. Evelyn Jancke, die Schwester des Verschwundenen, ist forensische Psychologin. Sie arbeitet eng mit der Polizei zusammen, die auf der Suche nach einem Serienkiller ist, der auf Campingplätzen Leute ermordet. Als es durch einen Zeugen ein Phantombild gibt, auf dem sie ihren verschwundenen Bruder Fabian wiederzuerkennen glaubt, versucht sie, den Täter auf eigene Faust zu finden ...

Ich wollte das Buch lesen, weil ich die Leseprobe kannte und die wirklich atmosphärisch angelegt war. Aber was danach passiert ist? Keine Ahnung. Es kam mir vor, als hätte der Autor sowohl Lust als auch den Faden verloren. Wie in einem Kammerspiel bewegt sich Evelyn zwischen der Arbeit und ihrer Wohnung hin und her, ist ständig müde, hysterisch und allgemein unsympathisch und warum bitte musste sie als Psychologin angelegt sein, benimmt sich aber die ganze Zeit, als gehörte sie in eine psychiatrische Einrichtung, allerdings auf den Patientenstuhl? Dazu die Unlogik. Wenn sich ein Serienkiller auf Campingplätze im Norden konzentriert, sollte das die Polizei auch machen, oder? Aber nein. Es gibt anscheinend keine Awareness in der Bevölkerung, keine Polizeistreifen, keine Campingplatzbetreiber, denen mitgeteilt wird, dass man ein Auge auf irgendwelche Leute haben soll. Einfach nichts. Man überlässt die Urlauber einfach ihrem Schicksal.

Nicht zu vergessen die gelangweilte Art, in der zwei Drittel des Buches geschrieben wurde, die völlige Gleichgültigkeit dem eigenen Personal gegenüber, das wie Legomännchen mal auftauchten durfte und mal nicht, die banale und vor allem an den Haaren herbeigezogene Lösung, die plumpe Art, falsche Fährten zu legen. Ich hatte so gehofft, dass es sich bei dem Titel "Der Trip" einfach um einen schizophrenen Trip der Protagonistin gehandelt hätte, das hätte den Titel wenigstens noch erklärt, wenn auch nicht den Untertitel. So ergab die ganze Geschichte absolut keinen Sinn und kann nur als positiv vermerken, mich ursprünglich neugierig gemacht zu haben. 1.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 07.08.2023

Resteuropa

Der Vorweiner
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In einer nahen Zukunft ist von der Welt nicht mehr viel übrig. Resteuropa, Restrussland, Restchina werden die Länder genannt, die sich innerhalb der Grenzen befinden, die noch nicht vom Wasser überspült ...

In einer nahen Zukunft ist von der Welt nicht mehr viel übrig. Resteuropa, Restrussland, Restchina werden die Länder genannt, die sich innerhalb der Grenzen befinden, die noch nicht vom Wasser überspült worden sind. Man existiert nur noch so lange, wie es Daten über jemanden gibt. Stirbt jemand, wird seine Asche zerstreut und die gesamte Existenz aufgelöst. Die Oberschicht bezahlt die Niederschicht, um einfache Arbeiten ausführen zu dürfen. Gefühle sind beinahe nonexistent. Deshalb halten sich viele aus der Oberschicht sogenannte Vorweiner - Migranten, die beim Tod des Arbeitgebers bei dessen Beerdigung (Zerstreuung) weinen und die emotionale Trauer übernehmen. Die Oberschicht lässt sich operieren und operieren, die Niederschicht träumt vom Vorweinen. Und A wie Anna? Träumt von Blut wie B wie Bertha, ihre Tochter, davon, Zeit totzuschlagen.

Auch einen Tag nach Beendigung des Buches weiß ich noch nicht genau, was ich davon halten soll. Einerseits ist es einfach zu verstehen. Der Autor hält uns einen Spiegel vor, angeblich von einer nahen Zukunft, aber was hier passiert, sind schon schmerzhaft nahe Einschläge am gelebten Jetzt. Es ist absurd und skurril - kein Wunder, wir leben in einer absurden und skurrilen Zeit und die Wahrscheinlichkeit, dass sich das in den nächsten Tagen, Wochen oder Jahren ändert, tendiert gegen Null. Gleichzeitig ist die Geschichte schräg, brutal und manchmal sogar banal. Lakonisch und abgehackt. Sogar eklig. Und erwähnte ich schon überspitzt? Keine Lektüre, die wirklich Spaß gemacht hätte, aber das sollte sie gar nicht. Irgendwo im Klappentext steht preiswürdig - und preiswürdige Bücher sind nicht dafür ausgelegt, von der Masse gemocht zu werden. Ich glaube, ich habe die Intention des Autors verstanden, aber es gibt Dinge innerhalb der Geschichte, die ich nicht verstanden habe. Vielleicht muss man das aber auch gar nicht. So oder so: ein unbequemes Buch, eines, das zu nahe dran ist, um es genießen zu können.

Veröffentlicht am 05.08.2023

Wenn Nostalgie tötet

Prophet
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Irgendwo in England taucht plötzlich ein hellerleuchtetes amerikanisches Diner auf - doch niemand arbeitet darin, es gibt keinen Strom, keine Zufahrtsstraße. In seiner Nähe findet man in einem Feuer einen ...

Irgendwo in England taucht plötzlich ein hellerleuchtetes amerikanisches Diner auf - doch niemand arbeitet darin, es gibt keinen Strom, keine Zufahrtsstraße. In seiner Nähe findet man in einem Feuer einen toten Militärangehörigen und diese beiden ungewöhnlichen Ereignisse rufen auch ungewöhnliche Ermittler auf den Plan: Alan Rubenstein, der korrekte, zurückhaltende Offizier und sein chaotischer Partner Sunil Rao, der von allem eine Ahnung hat, nur nicht weiß, was Disziplin bedeutet. Sie müssen sich zusammenraufen, um eine Katastrophe, ausgelöst durch Geheimdienste und nach Weltherrschaft strebende Milliardäre, zu verhindern und das ist gleichzeitig für beide das Schwerste und Einfachste der Welt, denn sie kennen einander von verschiedenen Missionen gut - vielleicht zu gut.

Auch nach Beendigung des Buches bin ich mir nicht sicher, ob das Ganze ein absolut grandioser Wurf ist oder schon viel zu abgedreht, um noch ernstgenommen zu werden. Was sicher ist: Die Autorinnen können schreiben. Auch wenn ich manchmal keine Ahnung hatte, warum die Beteiligten so handelten, wie sie handelten, so war die unterschwellige Bedrohung durch Prophet ständig spürbar, ebenso die Skrupellosigkeit gewisser Behörden und Allianzen. Mit den Protagonisten haben sie ein Paar geschaffen, das allein durch ihre Charakterisierung und Dialoge zu fesseln weiß und auch wenn einiges schon arg übertrieben wirkte (ausgerechnet diese beiden haben völlig andere Reaktionen auf gewisse Dinge als alle anderen), so wirkte es natürlich gleichzeitig als Katalysator für alles, was nicht nur zwischen ihnen passierte. Ein Buch, das mir gefallen hat und ich mir durchaus als Miniserie bei Netflix vorstellen könnte.