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AureliaAzul

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2019

Ein tödliches Ehepaar...

Meine wunderbare Frau
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Eigentlich sind sie ganz normale Eltern, die sich mühsam nach oben gearbeitet haben, in einigermaßen guten finanziellen Verhältnissen leben und zwei erfolgreiche Kinder haben. Doch hinter der Fassade geht ...

Eigentlich sind sie ganz normale Eltern, die sich mühsam nach oben gearbeitet haben, in einigermaßen guten finanziellen Verhältnissen leben und zwei erfolgreiche Kinder haben. Doch hinter der Fassade geht von ihnen eine tödliche Gefahr aus; denn sie haben ein tödliches Spiel erfunden, das eine eigene Dynamik entwickelt hat und nach mehr giert...

Der Schreibstil ist ungemein locker und einfach gehalten, sodass ich sehr schnell durch die Geschichte gekommen bin. Er fokussiert sich auf das Wesentliche, ohne zu viele unnötige Informationen zu geben, dadurch schreitet die Handlung schnell voran. Durch kleine Rückblicke werden einige vergangene Situationen geschildert, damit die Bedeutung für die Gegenwart erkenntlich wird. Für mich wirkten sowohl die Charaktere als auch der Verlauf der Geschehnisse dadurch authentischer und greifbarer, so als würden sie wirklich existieren. Die kleinen Details wurden hervorgehoben und bekamen einen Wert.

Der vermeintlich namenlose Ich-Erzähler, aus dessen Sicht alles geschildert wird, wirkte auf mich meistens wie ein einfacher Bürger, der nichts Böses im Schilde führt. Nur im Zusammenspiel mit seiner Frau ändert sich alles und sie bringt seine dunkle Seite zum Vorschein. Ich hatte erwartet, dass er stärker an den kriminellen Machenschaften beteiligt ist und nicht nur seine Frau, die ein doppeltes Spiel spielt und einige Informationen absichtlich verschweigt. Sie wirkte ziemlich verstörend,kalt, psychopathisch mit einer gewissen Gerissenheit und Intelligenz, was sie undurchschaubar machte und ein ungutes Gefühl bei mir auslöste, als umgäbe sie eine dunkle Aura, die man nur spüren kann, wenngleich sie nicht viel davon zeigt und es gut zu verbergen weiß. Da wäre es durchaus interessant gewesen, einen Teil der Geschichte aus ihrer Sicht zu erfahren.

Gegen Ende offenbart sich ein ziemlich guter, wenn auch irgendwie typischer, Twist, der den Spieß gehörig umdreht. Durch meine Erfahrungen des Thriller-Lesens habe ich diesen schon vorausgeahnt, kann mir jedoch vorstellen, das viele nicht damit gerechnet haben und dadurch überrascht wurden. Trotz allem hat mich die Lösung des Falles, Dank eines einzigen Details, doch ziemlich überrascht, gerade auch, weil es so ausweglos schien und dann alles doch anders endete, als es den Anschein hatte.

Fazit: Eine gut durchdachte Thriller-Geschichte mit einer unnahbaren Protagonistin und einer fantastischen unheimlichen Atmosphäre, die in einem verblüffenden Ende mündet und der Fantasie freien Lauf über den Fortgang der Geschichte lässt.

Veröffentlicht am 22.09.2019

Spannende Idee, fade Umsetzung

Das Mädchen Jannie
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Das junge Mädchen Jannie gehört einer Bettlerbande an. Nachdem sie nach einem missglückten Bettelversuch ihren Begleiter verliert, gelingt ihr die Flucht. Ein neues Zuhause findet sie bei Dieter, der sich ...

Das junge Mädchen Jannie gehört einer Bettlerbande an. Nachdem sie nach einem missglückten Bettelversuch ihren Begleiter verliert, gelingt ihr die Flucht. Ein neues Zuhause findet sie bei Dieter, der sich um seine bettlägerige Mutter kümmert und nebenbei blutige und brutale Thriller schreibt. Ganz besonderes Interesse hat er an Jannies erschreckender Lebensgeschichte und eifrig spannt er sie in seine Geschichten ein. Leider versteht Jannie die Kommunikationsversuche seiner Mutter nicht und erkennt nicht in welcher Gefahr sie schwebt...

Das Buch schildert die Geschehnisse aus den Perspektiven von Jannie, Dieter, Kommissar Klinkhammer, Gina - einer Rezensentin - und ihrem Mann Dominik. Die sich wechselnden Sichtweisen bringen viel Abwechslung und teilweise auch Spannung in die Geschichte. Der Anfang hat mir überraschenderweise sehr gut gefallen. Vor allem der Strang der Ermittler war fesselnd dargestellt und die Informationen rund um die Bettlerbande und die damit zusammenhängenden weiteren Gruppen organisierter Kriminalität haben meine Neugier und mein Interesse geweckt. Leider verwirrte mich der Strang im Laufe der Ermittlungen durch die zahlreichen Personenbeziehungen und Zusammenhänge, die komplexer und unübersichtlicher wurden. Dafür empfand ich andere Personen und ihre Teile als aufregender und habe diese mit Freude verfolgt.

Einige der Charaktere, wie Klinkhammer und Dominik, fand ich sympathisch, wenngleich ich ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen konnte. Andere, wie Dieter und Gina, seltsam und überzogen dargestellt. Die Mischung aus allen war durchaus passend und brachte Abwechslung.

Der Schreibstil ist weitestgehend angenehm, manchmal zogen sich nur einige Situationen, vor allem die zu Dieter und Jannie auf dem Hof. Dadurch verlor die Geschichte einiges an Spannung und wurde fad und zäh. Schade fand ich es, dass man nur wenig über die kriminellen Gruppen erfährt und wenn, dann auch nur durch Erzählungen von Jannie und durch die Ermittlungen, ohne dass jemand von ihnen direkt in Erscheinung tritt. Dadurch wirkte der ganze Hintergrund der Verbrechen blass und distanziert, wie eine fiktive Geschichte. Da hätte man definitiv mehr daraus machen können.

Fazit: Eine ungewöhnliche Idee, die auf durchaus innovative Art und Weise umgesetzt wurde. Dennoch fehlte mir oft die Spannung und der Reiz weiterzulesen.

Veröffentlicht am 20.09.2019

Dunkle Geheimnisse

Dunkelsommer
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Seit Lelles Tochter spurlos an einer Bushaltestelle verschwand, sucht er jeden Sommer, wenn es auch nachts hell ist, in allen verwinkelten Orten der waldreichen Gegend nach Spuren seiner Tochter. Er quält ...

Seit Lelles Tochter spurlos an einer Bushaltestelle verschwand, sucht er jeden Sommer, wenn es auch nachts hell ist, in allen verwinkelten Orten der waldreichen Gegend nach Spuren seiner Tochter. Er quält sich mit der beinahe versessenen endlosen Suche eines Verzweifelten, denn er gibt sich selbst die Schuld an dem Verschwinden seiner Tochter. Währenddessen zieht Meja mit ihrer unsteten Mutter ins Norrland und trifft dort auf einen jungen Mann, der mit seiner Familie abgeschieden auf einem einsamen Hof lebt. Dort macht sie eine folgenschwere Entdeckung...

Die Leseprobe konnte mich durch die Atmosphäre überzeugen. Dementsprechend ging ich mit hohen Erwartungen an das Buch heran. Die ersten 100 Seiten waren leider für mich ziemlich zäh, eintönig und langweilig. Es passiert kaum etwas, außer Lelles verzweifelten Versuchen etwas über seine Tochter Lina zu erfahren. Etwas Spannung brachte Meja in die Geschichte, deren Perspektive mit Lelles wechselte, sodass zwei voneinander unabhängige Geschichte erzählt wurden, die beiden in Norrland spielen. Nach und nach laufen die beiden Stränge zusammen und ab diesem Zeitpunkt wurde es sehr spannend und hat angefangen mir ziemlich gut zu gefallen. Einige wenige Abschnitte sind auch aus der Sicht des Opfers dargestellt und dadurch bin ich ziemlich früh auf den Täter gestoßen, den man aufgrund der gegebenen Informationen ziemlich schnell ermitteln konnte, finde ich. Nichtsdestotrotz habe ich nicht mit dieser Wendungen am Ende gerechnet, auf die anfangs nichts hindeutet.

Besonders fantastisch fand ich die dunkle, schwere Stimmung und die unheilschwangere Atmosphäre, die über der ganzen Geschichte liegt und das Unheil geradezu hinauf beschwor. Die Auflösung und die ganze schreckliche Offenbarung hat mich mitgenommen und mit Lelle mit fühlen lassen.

Fazit: Ein solider Spannungsroman, der subtile Spannung schafft, mich allerdings anfangs nicht begeistern konnte und eher fad war. Die Mitte und das Ende haben es dafür in sich und konnten auf ganzer Linie punkten.

Veröffentlicht am 20.09.2019

Das Geheimnis des Dämonenrauchs

Kingdoms of Smoke – Die Verschwörung von Brigant
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Fünf junge Menschen, in deren Händen die Zukunft ihres Landes und der ganzen Welt liegt. Prinzessin Catherine wird seit Jahren auf ihre Ehe mit dem Prinz des Nachbarlandes vorbereitet und fügt sich ihrem ...

Fünf junge Menschen, in deren Händen die Zukunft ihres Landes und der ganzen Welt liegt. Prinzessin Catherine wird seit Jahren auf ihre Ehe mit dem Prinz des Nachbarlandes vorbereitet und fügt sich ihrem Schicksal, bis sie eine furchterregende Entdeckung macht und feststellen muss, dass man sie nur benutzt und ausgenutzt hat. Der königliche Leibgardist Ambrose kämpft um eine Liebe, die nicht sein darf und ihn das Leben kosten könnte. Der einfache Diener March erfährt einige Wahrheiten über einen Krieg in seiner Heimat und fällt eine folgenschwere Entscheidung, die auf Rache beruht. Die junge Tash lebt mit ihrem Reisegefährten von einem Moment auf den anderen und macht ihr Geld mit dem verbotenen Dämonenrauch, bis sie auf eine verborgene Tatsache stößt, die alles verändert. Zu guter Letzt hadert Edyon mit seiner neuen Herkunft und seinem Schicksal. Ihnen allen steht ein Kampf bevor, der alles verändern wird...

Zu allererst muss ich Bezug auf das Cover bzw. den ersten Schutzumschlag nehmen, der sich ausfalten lässt und die komplette Karte des Reiches on großem Format darstellt. Es ist so liebevoll und wunderschön präsentiert, dass ich mich schon da in das Buch verliebt habe. Nicht nur im Äußeren ist das Buch toll, auch der Inhalt lässt das Fantasieherz höher schlagen.

Jeder der fünf Charaktere hat eigene Kapitel, aus deren Sicht geschildert, sodass der Leser zuerst viel über ihre derzeitige Situation erfährt und die wirtschaftlichen wie politischen Umfelde des jeweiligen Landes. Im Zentrum stehen die Länder Calidor/Abask, Pitoria und Brigant. Auch wenn fast alle Schicksale und Leben der Charaktere noch keine Kontaktpunkte miteinander haben, so führen die Entscheidungen jedes Einzelnen dazu, dass sie am Ende alle zusammenfinden und gemeinsam eine erstaunliche Entdeckung machen, die den Verlauf des herannahenden Krieges komplett verändern könnte. Die Charaktere finde ich gut ausgearbeitet und sympathisch. Nur mit March hatte ich anfangs etwas gehadert, was sich gegen Ende allerdings legte. Die Unterschiede der Protagonisten machen das Verfolgen ihrer Entscheidungen und die Veränderungen ihrer Leben sehr spannend und abwechslungsreich.

Durch die zahlreichen Intrigen und verborgenen Geheimnisse ist es ungewiss, wie genau alles enden wird. Es ist so offen, dass alles geschehen könnte. Obwohl die Ideen an sich nichts Neues darstellen, habe ich mit den Personen mitgefiebert und bei einigen unerwarteten Wendungen gar nicht mehr an mich halten können und sofort weitergelesen, da ich einfach wissen musste wie es ausgeht. Das zentrale Element Krieg verspricht noch so einige aufregende Folgen und leider auch Verluste, weswegen ich mich schon sehr auf den Folgeband freue und mich auf einen epischen Kampf freue.

Fazit: Eine tolle High-Fantasy Geschichte mit unvorhersehbaren Ereignissen, aufregenden Wendungen und mutige starken Protagonisten. Ein Steigerung der Spannung ist noch möglich, weswegen ich dem Buch gute 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Vielschichtig

Der Sprung
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Eines Abends entdeckt eine ältere Frau jemanden auf dem Dach eines mehrstöckigen Hauses stehen, der ihrer Interpretation nach springen möchte. Durch den Anruf bei der Polizei wird eine Kette an Folgen ...

Eines Abends entdeckt eine ältere Frau jemanden auf dem Dach eines mehrstöckigen Hauses stehen, der ihrer Interpretation nach springen möchte. Durch den Anruf bei der Polizei wird eine Kette an Folgen ausgelöst, die weiter reichen als angenommen wird und Auswirkungen auf andere Personen haben; im Guten wie im Schlechten. Doch die drängendste Fragen sind: Will sie wirklich springen? Und falls ja, warum?

Das Buch gliedert sich insgesamt in drei Abschnitte, die jeweils die Perspektiven vieler verschiedener Personen schildern, die irgendwie mit der Frau Manu auf dem Dach zusammenhängen oder durch ihre Handlungen beeinflusst werden. Nicht zuletzt ist auch ein kleiner Teil aus Manus Sicht beschrieben.

Der Anfang und die zahlreichen Charaktere haben mir den Einstieg nicht leicht gemacht. Irgendwie waren die Protagonisten für mich nicht greifbar und überzeugend. Die ersten 60 Seiten waren eher ein Kampf, denn ein Lesevergnügen. Mit dem nächsten Abschnitt wurde es wesentlich besser. Ich konnte mich viel besser in die Figuren hineinversetzen, empfand ihre Lebensgeschichte und ihre Lebenssituation als interessant, tiefgründig und vielschichtig dargestellt. Erstaunlich war zu verfolgen wie genau sich die Folgen von Manus Handlung auf die anderen auswirken, ihre Leben beeinflussen und dem einen eine glückliche Wendung des Lebens bescheren. Dennoch hatte ich mir die Auswirkungen eindrücklicher vorgestellt. Es ist klar erkennbar, inwiefern sich etwas durch Manus Aktionen ändert, aber nicht weltbewegend genug - was vermutlich auch nicht die Absicht der Autorin war - und für mich nicht intensiv und stark genug. Da hatte ich mir größere Wirkungen vorgestellt, die eindeutiger sind und für immer in den Erinnerungen der Charaktere verbleiben würden - und in meinen. So ist das Buch ganz nett zu lesen und die Charaktere konnten mich auch überzeugen, brillant finde ich es - im Vergleich zu vielen anderen Lesern*innen dieses Buches - jedoch nicht, sodass es mir nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

Fazit: Ein interessantes Buch mit wohlwollenden, größtenteils lebensnahen und sympathischen Charakteren und einer tollen Grundidee mit "dem Sprung".