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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2018

Gelungener Thriller

In den Fängen des Löwen
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Der junge und unerschrockene Ermittler Zack Herry hat es erneut mit einem grausigen Mord zu tun. Ein erst 10-jähriger Junge mit Migrationshintergrund und scheinbar ohne Familie wird einfroren durch den ...

Der junge und unerschrockene Ermittler Zack Herry hat es erneut mit einem grausigen Mord zu tun. Ein erst 10-jähriger Junge mit Migrationshintergrund und scheinbar ohne Familie wird einfroren durch den kalten Winter auf dem Schornstein einer lahmgelegten Fabrik entdeckt. Damit beginnt das Katz- und Maus-Spiel, denn der Täter, der sich selbst an "Löwe" bezeichnet, plant schon seine nächste mörderische Tat.

Nachdem ich schon so angetan war von dem ersten Band mit den Wölfen, konnte mich auch hier Zack nicht enttäuschen. Durch seine einerseits mutigen und waghalsigen Aktionen, rettet er vieles und findet nützliche Informationen zu den Ermittlungen, andererseits steckt in ihm eine gebrochene Seite, die ihn zu schädlichen Handlungen verleitet, inbesondere gegen sich selbst. Genau diesen Zwiespalt zwischen erfolgreichem Ermittler und drogenabhängigem Junkie liebe ich so an diesem Charakter. Seine innere Gebrochenheit wird zwischendurch sichtbar und dann möchte man ihn am liebsten nur in den Arm nehmen, weil es einfach so todtraurig ist, seine ganze Lage, seine Vergangenheit, dieses innere sehnsüchtige Bedürfnis nach Nähe und Liebe, die er so nicht durch seine zerrüttete Familie erfahren hat. Einfach herrlich! Die Kriminalgeschichte war durchaus interessant, allerdings nicht so spannend, wie erhofft, wenngleich die Auflösung mich überraschen konnte und definitiv nicht ersichtlich war. Das ist ebenfalls ein Merkmal dieser Reihe: Es gibt so viele versteckte Hinweise, die man sich als Leser kaum bis gar nicht zusammenreimen kann um so den Fall sofort zu durchschauen. Mittendrin geschieht noch etwas, was mich getroffen hat. Eine plötzliche schicksalhafte Wendung, die für viel Trauer und Mitleid sorgt und einen schalen Geschmack hinterlässt, trotz der Gerechtigkeitstat.

Der Hauptermittler konnte mich wie immer total überzeugen und in seinen Bann ziehen mit seiner traurigen, wie auch mutigen - oder leichtsinnigen - Art, die ihn für mich sympathischer machte. Ich freue mich schon auf einen weiteren Band von ihm!

Veröffentlicht am 24.11.2018

Gelungener Thriller, der alles notwendige hat

So still die Toten
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Ein neuer Killer ist aufgetaucht, der nur die Knochern seiner Opfer, kunstvoll drapiert, hinterlässt ohne irgendwelche Spuren. Detective Malcolm Kier beginnt mit seinem Partner die Ermittlungen und hat ...

Ein neuer Killer ist aufgetaucht, der nur die Knochern seiner Opfer, kunstvoll drapiert, hinterlässt ohne irgendwelche Spuren. Detective Malcolm Kier beginnt mit seinem Partner die Ermittlungen und hat auch schon jemanden im Visier, den sie letztes Mal nicht hinter Gittern bringen konnten. Doch das Muster der Tat passt nicht zusammen und so tappen sie lange im Dunkeln, bis sich die ganze verheerende Wahrheit am Ende offenbart...

Da mir die anderen Bände rund um die Ermittler nicht bekannt sind, stieg ich ohne Vorkenntnisse ein, hatte allerdings keine Schwierigkeiten den Handlungen zu folgen. Einige wichtige Ereignisse wurden ausführlich, aber nicht zu ausführlich, beschrieben und ermöglichten ein ausreichendes Hintergrundwissen,welches gerade für die aktuellen Ermittlungen von Interesse war. Die Sicht wird neben Malcolm, aus Sicht der Anwältin Angie, der Täter und eines Enthüllungsjournalistens geschildert und bildet so ein hervorragendes komplexes Bild der Geschehnisse. Die Geschichte ist undurchsichtig, mitreißend und lässt nach und nach einige Spekulationen bis hin zu harten Fakten zu. Doch das große Finale am Ende offenbart die ganze schreckliche und unglaubliche Wahrheit, die man so nicht hätte ahnen können, da sie so verschlungen und versteckt ist. Die Charaktere wurden gut und hinreichend gezeichnet um einen gewissen Eindruck zu bekommen, wenngleich mir Malcolm nicht so sympathisch war wie Angie, die eine zentrale Rolle spielt, genauso wie Vergangenes, denn damit hängt vieles zusammen und bildet ein einheitliches logisches Bild ab.

Die Auflösung ist unglaublich und ein echter Schocker, den man nicht so schnell vergisst.

Veröffentlicht am 24.11.2018

Überraschendes Ende

Der Insasse
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Nach dem folgenschweren Abend, an dem der 6-jährige Max unauffindbar verschwand, macht sich sein Vater Till auf eine Reise mit ungewissem Ausgang und schleust sich selbst, mithilfe eines Kumpels, in die ...

Nach dem folgenschweren Abend, an dem der 6-jährige Max unauffindbar verschwand, macht sich sein Vater Till auf eine Reise mit ungewissem Ausgang und schleust sich selbst, mithilfe eines Kumpels, in die Psychiatrie ein, in der auch der psychisch kranke Guido behandelt wird, der junge Kinder entführte und auf unheimlich kranke Art misshandelte und tötete. Denn Till ist sich sicher, dass auch mit Max Ähnliches passiert ist und fest entschlossen alle notwendigen Informationen aus Guido herauszubekommen, doch dann tauchen Ungereimtheiten auf, die Fragen zur Realität und Einbildung aufwerfen...

Das Buch ist atmosphärisch wunderbar ausgearbeitet. Man fühlt intensiv mit den armen Eltern und ihren Schicksalen mit und auch die Sicht des Täters wird eindrücklich und ausreichend geschildert, untermauert durch Tagebucheinträge, sodass auch dort eine gewisse Erklärung und Begründung bezüglich der Taten ersichtlich wird, wenn auch auf verstörende Weise. Die Ungereimtheiten sind verwirrend, aber an den richtigen Stellen eingesetzt und wirkungsvoll. Sie konnten mich um den Finger wickeln. Zwar hatte ich schon früh eine Vermutung bezüglich des Charakters Till, die sich anschließend auch bewahrheitete, aber doch ganz anders und umwerfender als gedacht. Wenngleich dieser Aspekt wohl ziemlich offensichtlich erscheint, ist es die Auflösung gar nicht und ich war am Ende ziemlich erstaunt und empfand das Leiden des Protagonisten als sehr hartherzig und brutal, auch wenn dieser das eher nicht so empfindet. Weniger gefallen hat mir ein korrupter Charaktere im Klinikalltag, der für mich den Anschein erweckten, es müsse unbedingt eine Autoritätsperson, der Menschen anvertraut werden, irgendwelche negativen Handlungen ausführen und diese Korruption, als Spannungselement, irgendwo auftauchen. Es wirkte zu gestellt, nicht überzeugend und total überflüssig, das es der Spannung nicht unbedingt zuträglich war.

Insgesamt ein solider Fitzek, der mich besonders am Ende vollkommen überraschen und mit atemberaubender Atmosphäre überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 19.11.2018

Ungewöhnliche Ermittlungen

Der Zorn der Einsiedlerin
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Der brillante und doch so ungewöhnliche Ermittler Adamsberg ist wieder da und löst beinahe mühelos unglaubliche Fälle. Nachdem einige ältere Männer an den Folgen des Bisses der Einsiedlerspinne verstorben ...

Der brillante und doch so ungewöhnliche Ermittler Adamsberg ist wieder da und löst beinahe mühelos unglaubliche Fälle. Nachdem einige ältere Männer an den Folgen des Bisses der Einsiedlerspinne verstorben sind, entbrennt eine hitzige Diskussion im Internet um die zunehmende Gefährlichkeit der Spinne, die eigentlich ziemlich scheu ist und nicht gerade durch aggressives Auftreten bekannt ist. Alle glauben an irgendwelche Mutationen oder Veränderungen des Giftes der Spinne, alle, bis auf Adamsberg, der handfesten Mord dahinter vermutet und sich mehr oder weniger allein auf die Erkenntnissuche hinter den mysteriösen Toden begibt, die ihn über ein ehemaliges Kinderheim auf eine unheilvollen Gruppe Jugendlicher, bis hin zu der Einsiedlerin bringt.

Bereits zu Beginn bemerkt man, dass Adamsberg eine Erscheinung für sich ist mit seinen unkonventionelle, ja beinahe übernatürlich anmutenden Methoden an Informationen und Erkenntnisse zu gelangen. Er kombiniert Fakten so erstaunlich schnell und ganz anders als die üblichen Ermittler, indem er durch "den Nebel sieht" und ist den anderen Ermittlern, mögen sie auch so redegewandt sein, dadurch weit voraus. Er hat definitiv Wiedererkennungswert und sticht durch seine besondere Art stark hervor. Die anderen Ermittler bleiben dadurch leider etwas blass und werde nur oberflächlich beschrieben, sodass ich zu ihnen keine Verbindung aufbauen konnte. Auch der Schreibstil ist ungewöhnlich in Bezug zur Wortwahl und der Inhalte. So erschien es mir manchmal nicht schlüssig und eindeutig warum sie auf gewisse Dinge zu sprechen kamen und wie über diese gesprochen haben. Das ist schwierig zu erklären. Ich weiß nicht ob es auf den originalen Schreibstil der Autorin zurückzuführen ist oder die Autorin da ihre Eigenheiten integriert hat, es ist teils anspruchsvoller geschrieben mit einigen Besonderheiten oder in meinen Augen unwichtigen Aspekten, die stark vertieft wurde. Dadurch entsteht ab und zu das Gefühl die Geschichte nicht komplett erfassen zu können. Die Kriminalgeschichte ist so ungewöhnlich und komplex, da es verschiedene Zeitebenen mit lange geplanten Handlungen beinhaltet, dass ich nie auf die komplette Auflösung gekommen wäre. Irgendwann hat man Vermutungen, aber die ganzen Verkettungen und Hintergründe so zu kombinieren, dass sie alles restlos erklären, ist schon erstaunlich und bewundernswert.

Veröffentlicht am 19.11.2018

Aufrichtig und ergreifend

Wenn Liebe nicht reicht
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In diesem autobiographischen Sachbuch beschreibt die Moderatorin und Schauspielerin Nova Meierhenrich einen schwierigen und sehr persönlichen Teil ihrer Vergangenheit, der ihre Familie und die Depression ...

In diesem autobiographischen Sachbuch beschreibt die Moderatorin und Schauspielerin Nova Meierhenrich einen schwierigen und sehr persönlichen Teil ihrer Vergangenheit, der ihre Familie und die Depression ihres Vaters eindrücklich und aufrichtig beschreibt. Dabei geht sie auf lange zurückliegende Erinnerungen an ein noch intaktes Familienleben ein und beschreibt langsam und schleichend die Verschlechterung der finanziellen Lage der Familie und dadurch auch den voranschreitenden Absturz ihres Vaters, dessen Gemütsverfassung und Krankheit zum damaligen Zeitpunkt kaum bekannt waren und es entsprechend kaum Beratungsangebote und Hilfen gab. Die Introvertiertheit der Familie und die gemischten Gefühle aus Sicht der Mutter und ihrer eigenen Sicht werden schonungslos und ehrlich erzählt, welches auch den Mut beinhaltet Abstand zu Menschen zu gewinnen, die dabei sind sich und andere mit in den Strudel der Depression zu ziehen, auch wenn das schwere Konsequenzen nach sich zieht. In einem weiteren Teil beschreibt sie, damals schon erwachsen und beruflich erfolgreich, wie sie eine Co-Abhängigkeit an der Erkrankung ihres Vaters entwickelte und ihr Leben dadurch negativ beeinflusst wurde. Einige Abschnitte oder Sätze sind unglaublich intensiv auf den Punkt gebracht und berichten ungeschönt mit erfrischender Klarheit über die emotional aufwühlenden und erdrückenden Erfahrungen. Allein schon der Titel fasst den Kernpunkt dieses Buches schmerzlich perfekt zusammen, da es vorkommen kann, dass es für einige Menschen (mit Depression) ab einem gewissen Zeitpunkt schon zu spät sein kann und selbst Liebe nicht ausreichend ist. Zu dieser Erkenntnis musste die Autorin auf schmerzhafte Art und Weise selbst kommen und dies ist wohl auch einer der Gründe warum dieses Buch entstanden ist.

Ein authentisches, emotionales, trauriges Buch über Depressionen, Liebe, Schuldgefühle und Selbstschutz, welches mich absolut überzeugend und tief berühren konnte.