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BienchenMaja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2022

Hochaktuell und hochspannend

Liquid
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2029: Die Biochemikerin Madeleine Alberti soll bei einem Bewässerungsprojekt in der Wüste New Mexikos mitarbeiten. Schon bald stellt sie jedoch fest, dass es sich bei der künstlich angelegten Agrarstadt ...

2029: Die Biochemikerin Madeleine Alberti soll bei einem Bewässerungsprojekt in der Wüste New Mexikos mitarbeiten. Schon bald stellt sie jedoch fest, dass es sich bei der künstlich angelegten Agrarstadt um etwas ganz anderes handelt. An diesem Ort wird mit einer neuen bargeldlosen Zahlungsmethode experimentiert, denn liquide Chips mit Kredit und Informationen über den Träger werden an mexikanischen Arbeitern getestet. Die sich ausgenutzt fühlende Madleine setzt sich umgehend mit Richard Weigelt, dem Geschäftsführer einer Initiative gegen das geplante Bargeldverbot, in Kontakt und sendet ihm unbemerkt ihre gesammelten Informationen zu. Doch schon bald ist Madleine in Gefahr und muss aus den USA fliehen, was ihr mit Hilfe eines mexikanischen Drogenbarons auch gelingt. Doch in Deutschland, ihrem Zielland, braut sich langsam eine gewaltige Hochwasserkatastrophe zusammen...

"Liquid" von Herbert Genzmer ist ein dystopischer Polit-Thriller über Macht, das Bargeldverbot und Kontrolle. Die Bargeldabschaffung ist ein sehr interessantes und vor allem hochaktuelles Thema, welches sich wie ein roter Faden durch den Thriller spinnt. Die im Buch enthaltenen dystopischen Szenen sind in einigen Ländern mittlerweile nicht mehr weit von der Wirklichkeit entfernt und bringen den Leser ins Nachdenken.

Der über die ersten Kapitel aufgebaute steile Spannungsbogen bleibt über weite Teile des Buches aufrecht, wodurch es nie langweilig wird. Außerdem liest sich das Buch sehr angenehm und flüssig. Die Ortsbeschreibungen sind so detailliert und anschaulich geschrieben, dass man sich neben den Protagonisten wiederfindet und zusammen mit ihnen in die kühle, verregnete Nacht starrt oder durch die erdrückende Hitze der Wüste New Mexicos flüchtet.
Es gibt mehrere Handlungsstränge, die mit Orts- und Zeitwechseln verbunden sind. Ich konnte mich jedoch stets recht schnell zurecht finden. Zum Ende hin gibt es noch einmal eine ordentliche Portion an Spannung. Das offene Ende ist passend und hat mir sehr gefallen.
Die Charaktere sind alle ziemlich oberflächlich dargestellt, was mir persönlich nicht viel ausgemacht hat, da diese Ungewissheit gut zur Komplexität und Undurchsichtigkeit des Themas passt. Außerdem war es so einfacher, mich mehr auf die Handlung und das Thema an sich zu konzentrieren, als auf die einzelnen Charaktere.

Insgesamt ein hochaktueller und hochspannender Thriller, der einem durchaus einiges zum Nachdenken mit auf den Weg gibt.

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Veröffentlicht am 19.03.2022

Ein Sommer der gelüfteten Geheimnisse

Schallplattensommer
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Die siebzehnjährige Maserati lebt zusammen mit ihrer Oma in einem kleinen Dorf, wo die beiden ein kleines Restaurant führen. Als eines Tages die alte Villa im Dorf von einer reichen Familie mit zwei Söhnen ...

Die siebzehnjährige Maserati lebt zusammen mit ihrer Oma in einem kleinen Dorf, wo die beiden ein kleines Restaurant führen. Als eines Tages die alte Villa im Dorf von einer reichen Familie mit zwei Söhnen gekauft wird, ändert sich alles. Denn die beiden Jungs beginnen, unangenehme Fragen zu stellen. Schon bald wird Maserati mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert, die sie zuvor immer gut verstecken konnte...

Gleich von der ersten Seite an wurde ich in den Band gezogen und habe Maserati bei ihrer Arbeit im Restaurant beobachtet - so als ob sie direkt vor mir stünde. Sie ist ein sehr außergewöhnliches, aber sympathisches und für ihr Alter sehr kluges Mädchen, das einige Geheimnisse zu verbergen hat. Diese werden nach und nach gelüftet, sodass das Buch bis zum Ende spannend bleibt.

Der klare, schnörkellose Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, so war das Buch innerhalb von wenigen Stunden verschlungen. Alina Bronsky schreibt sehr pointiert - kein Wort zu viel - und oft muss man zwischen den Zeilen lesen, um das Geschriebene vollständig zu begreifen. Erst am Ende ist mir so einiges klar geworden. Auch an Humor im typischen Alina-Bronsky-Stil fehlt es nicht.

Ein kurzer, zunächst unscheinbar wirkender Jugendroman über das Erwachsenwerden und die Überwindung von Ängsten, der trotz seiner Kürze sehr tiefgründig ist und einiges zum Nachdenken bietet - auch für die ältere Leserschaft.

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Veröffentlicht am 11.03.2022

Mit Herz und Humor in Schottland

Sehnsucht nach Rose Cottage (Herzklopfen in Schottland)
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Ellie verbringt die Sommer ihrer Kindheit im Bed & Breakfast "Rose Cottage" ihrer Tante Rose im schottischen Örtchen Fallbury. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag wird ihr Herz gebrochen: Ihre Eltern haben ...

Ellie verbringt die Sommer ihrer Kindheit im Bed & Breakfast "Rose Cottage" ihrer Tante Rose im schottischen Örtchen Fallbury. Doch kurz vor ihrem 14. Geburtstag wird ihr Herz gebrochen: Ihre Eltern haben sich dafür entschieden, nach Berlin zu ziehen und Ellie muss mit.
18 Jahre später: Kurz nach ihrer Trennung von ihrem langjährigen Freund Steven erhält Ellie einen Brief aus Fallbury. Er stammt vom Nachbarn ihrer Tante und Ellie erfährt, dass es nicht nur dem Rose Cottage sondern auch Tante Rose schon länger nicht mehr gut geht. Hals über Kopf fliegt Ellie nach Schottland und trifft dort unter anderem auf Graham, ihren Freund aus Kintertagen. Neben den Versuchen, das Rose Cottage und Tante Rose zu retten, muss Ellie auch mit ihrer eigenen Vergangenheit kämpfen.

Es handelt sich um einen sehr tiefgründigen Wohlfühlroman mit authentischen Charakteren, die sehr lebendig, mit Ecken und Kanten gezeichnet sind. Mit Ellie konnte ich mich gleich von Anfang an anfreunden und auch ihre etwas verschrobene Tante ist mir nach und nach ans Herz gewachsen. Obwohl sie eher schweigsam ist, findet sie für jede Situation die richtigen Worte und gibt Ellie die ein oder andere Lebensweisheit mit. Auch mir hat Tante Rose so einiges zum Nachdenken auf den Weg mitgegeben.
Der bildhafte, sanfte Schreibstil ist einfach nur wunderbar und bringt die Ruhe und Schönheit der Natur Schottlands direkt zum Leser. So konnte ich das Rauschen des Meeres an den Klippen mit eigenen Ohren hören und zusammen mit Ellie und Graham den leuchtenden Nachthimmel bewundern. An vielen Stellen konnte ich mit den beiden mitlachen und musste auch öfter einmal schmunzeln.
Auch wenn manches von Anfang an vorhersehbar ist, habe ich immer wieder einmal einen Überraschungsmoment erlebt. Das Buch ist alles andere als langweilig und besonders die Flashbacks aus Ellies Kindheit sind sehr spannend.

Alles in allem ein sehr tiefgründiger Wohlfühlroman, der mit Herz und Humor geschrieben ist und zum Nachdenken über das eigene Leben anregt.

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Veröffentlicht am 09.03.2022

Authentisch und fesselnd

Der Holländer
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Ein toter Wattwanderer wird auf einer Sandbank im umstrittenen deutsch-niederländischen Grenzgebiet aufgefunden. Seinem Mitwanderer gelingt es gerade noch so, das Festland zu erreichen. Der Tote ist Deutscher, ...

Ein toter Wattwanderer wird auf einer Sandbank im umstrittenen deutsch-niederländischen Grenzgebiet aufgefunden. Seinem Mitwanderer gelingt es gerade noch so, das Festland zu erreichen. Der Tote ist Deutscher, wurde aber von den Niederländern entdeckt und geborgen. Ein Streit zwischen den deutschen und niederländischen Behörden beginnt. Die deutsche Bundespolizei schickt den inoffiziellen Ermittler Liewe Cupido alias der Holländer, der schon bald ahnt, dass es sich hierbei wohl nicht nur um ein tragisches Unglück handelt...

Insgesamt war ich positiv überrascht von diesem Buch, denn der unscheinbare Titel und das Cover sind zwar passend, bewirken aber, dass man den Krimi deutlich unterschätzt und in mitten von anderen Büchern eventuell sogar übersieht.
Dieser eher ungewöhnliche Nordseekrimi ist sehr authentisch und spannend geschrieben. Der Schreibstil passt sehr gut zum Buch: klar und pointiert, kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig. Die Thematik des Wattwanderns, das gar nicht so ungefährlich ist wie ich immer dachte, ist sehr geschickt in die Geschichte verstrickt. Das unberechenbare Watt mit all seinen Gefahren wird authentisch und faszinierend beschrieben, darin spiegelt sich auch die Liebe und Verbundenheit des Autors zu seiner Heimat wider.

Die Kapitel sind eher kurz gehalten und wechseln immer wieder zwischen den Personen und Orten. Die Landkarte im Buchumschlag ermöglicht es, die wechselnden Handlungsorte mitzuverfolgen und nicht im Watt verloren zu gehen. Der Fokus liegt nicht nur auf den Ermittlungen, sondern auch auf dem Drum und Dran, den Gedanken, Gefühlen und auch der Vergangenheit der einzelnen Charaktere. Diese sind ebenfalls sehr authentisch, mit der ein oder anderen Eigenheit gestaltet. Cupio mit seiner ruhigen, bedachten Art, seinem feinen Gespür und seinem skurrilen Humor war mir auf Anhieb sympathisch.

Der fesselnde und authentische Erzählstil ist neben den überzeugenden Charakteren einer von vielen Gründen, diesen etwas anderen Nordseekrimi zu lesen.

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Veröffentlicht am 09.03.2022

Der letzte Sommertag

Man vergisst nicht, wie man schwimmt
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31. August 1999 - der letzte Sommertag. Der 15-jährige Pascal alias Krüger würde an diesem Tag am liebsten im Bett bleiben, doch sein Freund Viktor möchte vom Faulenzen gar nichts hören. Als die beiden ...

31. August 1999 - der letzte Sommertag. Der 15-jährige Pascal alias Krüger würde an diesem Tag am liebsten im Bett bleiben, doch sein Freund Viktor möchte vom Faulenzen gar nichts hören. Als die beiden gerade im Müller sind, klaut das Zirkusmädchen Jacky ein Nokia-Handy und auch Krügers Rucksack. Die furchtlose und lebensfrohe Jacky ändert Krügers Leben mit einem Schlag. Zusammen mit ihr erlebt Krüger einen abenteuerlichen letzten Sommertag.

Der Klappentext verspricht eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und auch Tod. Durch die geschickt eingefädelten Andeutungen hatte ich so meine Vermutungen, was die Handlung und Krügers Geheimnis angeht. Doch der Leser muss sich bis zum Ende gedulden, um die Wahrheit zu erfahren. Die erste und letzte Seite sind mit so einem steilen Spannungsbogen verbunden, dass ich gar nicht anders konnte, als das Buch am Stück durchzulesen. Immer als ich gedacht habe, die Handlung endlich durchschaut zu haben, kam eine neue Wendung, eine Überraschung.
Innerhalb der einzelnen Kapitel sind ab und zu ein mal von Krüger verfasste Kurzgeschichten enthalten, die dem Buch etwas besonderes geben. Auch der Epilog mit dem offenen Ende hat mir gut gefallen und hat die Geschichte wunderbar abgerundet.
Der Schreibstil und auch die Charaktere sind sehr authentisch gestaltet. Auch wenn die Protagonisten jugendlich sind, ist dieses Buch definitiv auch für ältere Generationen sehr ansprechend. Ich kann mir gut vorstellen, dass besonders jene, deren eigene Jugend in den 90er Jahren liegt, sich mit Krüger gut identifizieren können.

Alles in allem ein spannendes und unterhaltsames Sommerabenteuer für Jung und Alt!

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