Profilbild von Book_Girly

Book_Girly

Lesejury-Mitglied
offline

Book_Girly ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Book_Girly über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Kann der Tod einfach über uns entscheiden, oder haben wir ein Mitspracherecht?

Windstärke 17
0

Nach „22 Bahnen“, das ich regelrecht verschlungen habe, musste ich natürlich sofort mit dem zweiten Band „Windstärke 17“ weitermachen. Umso mehr hat es mich enttäuscht, dass dieser Teil für mich leider ...

Nach „22 Bahnen“, das ich regelrecht verschlungen habe, musste ich natürlich sofort mit dem zweiten Band „Windstärke 17“ weitermachen. Umso mehr hat es mich enttäuscht, dass dieser Teil für mich leider deutlich schwächer ausfällt als sein Vorgänger.
Idas Wesensveränderung wirkt kaum begründet: Sie tritt undankbar auf, fast schon feindselig gegenüber Tilda – obwohl Tilda so viel für sie getan hat. Dieses Verhalten bleibt für mich ein komplettes No-Go, weil die erzählerische Herleitung fehlt. Stattdessen wirkt Ida riskant, sprunghaft und stellenweise auch narzisstisch, ohne dass man nachvollziehen kann, wie es dazu kommt. Auch die Handlung selbst fühlte sich für mich unrealistisch und sprunghaft an. Die Vorstellung, dass eine völlig fremde Familie Ida einfach für längere Zeit aufnimmt und sie sich dort sofort verliebt, erscheint mir eher unwahrscheinlich und schwer greifbar.
Erst das letzte Drittel des Buches konnte mich wieder etwas mehr abholen. Besonders der Aspekt rund um Mariannes Metastasendiagnose und Idas Gedankenwelt danach fand ich interessant und emotional nachvollziehbar. Das Setting generell an der Ostsee hat mir ebenfalls gut gefallen – ein kleiner, aber feiner Lichtblick.
Insgesamt bleibt Windstärke 17 für mich jedoch hinter 22 Bahnen zurück. Der grosse Zusammenhang fehlt, vieles wirkt unausgereift, und die Charakterentwicklung überzeugt mich leider nicht. Schade – ich hatte mir deutlich mehr erhofft.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Zwischen Leben, Tod und der Macht der Liebe

Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus
0

Das Leben nach dem Tod, eine queere Liebesgeschichte und viele Emotionen – einfach eine perfekte Mischung!
Ich habe das Buch an nur einem Abend verschlungen, und es hat mich tief berührt. In Everlove geht ...

Das Leben nach dem Tod, eine queere Liebesgeschichte und viele Emotionen – einfach eine perfekte Mischung!
Ich habe das Buch an nur einem Abend verschlungen, und es hat mich tief berührt. In Everlove geht es um Poppy und Ash, die sich auf einem Schulausflug kennenlernen. Aus anfänglicher Sympathie wird schnell eine grosse Liebe, die sich ganz natürlich und echt anfühlt. Doch das Glück der beiden währt leider nicht lange – Ash stirbt bei einem Autounfall. Was bleibt, ist eine Verbindung, die selbst der Tod nicht trennen kann. Ash versucht, einen Weg zu finden, um Poppy trotzdem noch einmal nahe zu sein.
Tanya Byrne erzählt diese Geschichte mit einer Feinfühligkeit, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Ihr Schreibstil ist emotional, poetisch und gleichzeitig leicht zugänglich. Schon nach wenigen Seiten war ich völlig in der Welt des Buches versunken – das Worldbuilding ist detailliert und gut vorstellbar. Ich mochte besonders, wie nahbar und sympathisch die Charaktere gestaltet sind. Sowohl Poppy als auch Ash wirken nett, mit echten Gefühlen, Unsicherheiten und Momenten, in denen man sich selbst wiederfindet. Dadurch war ich emotional sehr stark involviert, das ein oder andere Tränchen ist beim Lesen definitiv geflossen.
Der Klappentext ist treffend formuliert und weckt sofort Neugier, aber das Buch selbst übertrifft die Erwartungen die ich hatte. Everlove ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch eine berührende Erzählung über Verlust, Verbundenheit und die Hoffnung, dass Liebe sogar den Tod überdauern kann.
Ich würde das Buch allen empfehlen, die gerne emotionale, gefühlvolle Geschichten lesen, die ans Herz gehen.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Mutig, bewegend und sehr persönlich!

Amazonenbrüste
0

Amazonenbrüste ist ein sehr persönliches und mutiges Sachbuch, das stark an ein Tagebuch erinnert. Besonders der Einstieg hat mir gefallen, da man direkt in die Situation hineinkommt. So wird sehr eindrücklich ...

Amazonenbrüste ist ein sehr persönliches und mutiges Sachbuch, das stark an ein Tagebuch erinnert. Besonders der Einstieg hat mir gefallen, da man direkt in die Situation hineinkommt. So wird sehr eindrücklich spürbar, wie schnell und massiv eine Krebsdiagnose das Leben verändert.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zum Lesen. Im Besonderen die kursiven Passagen haben mir gefallen, da sie intime Einblicke in die Gedankenwelt der Autorin geben. Auch die Rolle des Umfelds wird schön dargestellt, es wird deutlich, dass Unterstützung durch Familie und Freunde entscheidend ist und man nicht sofort alleine „funktioniert“ nach so einem Schock.

Kritisch sehe ich nur wenige Punkte: Manche Szenen zu Beginn wirkten etwas klischeehaft, da sie sehr stark das gängige Bild von Krebspatientinnen bedienen und beispielsweise die typischen Baumwollmützen (sehr) negativ dargestellt werden. Ausserdem haben mich die türkischsprachigen Passagen stellenweise aus dem Lesefluss gebracht, auch wenn sie biografisch sinnvoll eingebunden sind.

Amazonenbrüste ist eine ehrliche, bewegende und mutige Schilderung, die zeigt, wie individuell der Umgang mit Krebs sein kann. Ich würde das Buch definitiv empfehlen, wer das Buch liest, sollte aber weniger ein klassisches Sachbuch mit medizinischem Fachwissen erwarten, sondern vielmehr eine persönliche und authentische Geschichte.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Besonders…?

22 Bahnen
0

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wo ich beginnen soll – dieses Buch hat etwas in mir gebrochen, aber zugleich auch geheilt. 22 Bahnen war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Obwohl der Roman einige ...

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wo ich beginnen soll – dieses Buch hat etwas in mir gebrochen, aber zugleich auch geheilt. 22 Bahnen war für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Obwohl der Roman einige Schwächen hat, hat mich Carolines Wahls Schreibstil vollkommen in seinen Bann gezogen und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Von Beginn an liegt über der Geschichte eine bedrückende, fast hoffnungslose Grundstimmung. Doch das Ende zeigt, dass man auch nach vielen schwierigen Erfahrungen nicht aufhören darf, an das Gute im Menschen zu glauben.
Was mich allerdings gestört hat, war die sehr unrealistische Darstellung von Armut. Es wirkte, als hätte sich die Autorin kaum mit dem Thema auseinandergesetzt und stattdessen auf einige bekannte Klischees zurückgegriffen.
Tilda war mir von Anfang an sympathisch. Ich mochte ihre rationale, manchmal fast nüchterne Art und fand ihr kleines Spiel mit den Einkäufen der Kunden sehr charmant – es passte perfekt zu ihrem Charakter. Viktor hingegen war mir eher unsympathisch. Ich konnte zwar nachvollziehen, warum zwischen den beiden eine Bindung entsteht, hätte mir für Tilda aber jemanden anderen gewünscht.
Eine klare Zielgruppe hat das Buch meiner Meinung nach nicht. Ich würde es jedoch allen empfehlen, die Lust auf einen Roman haben, der sich vom „gewöhnlichen“ Stil und Inhalt abhebt.
Alles in allem ist 22 Bahnen ein intensiver, berührender und hochemotionaler Roman, der einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Mutig, bewegend und sehr persönlich!

Amazonenbrüste
0

Amazonenbrüste ist ein sehr persönliches und mutiges Sachbuch, das stark an ein Tagebuch erinnert. Besonders der Einstieg hat mir gefallen, da man direkt in die Situation hineinkommt. So wird sehr eindrücklich ...

Amazonenbrüste ist ein sehr persönliches und mutiges Sachbuch, das stark an ein Tagebuch erinnert. Besonders der Einstieg hat mir gefallen, da man direkt in die Situation hineinkommt. So wird sehr eindrücklich spürbar, wie schnell und massiv eine Krebsdiagnose das Leben verändert.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zum Lesen. Im Besonderen die kursiven Passagen haben mir gefallen, da sie intime Einblicke in die Gedankenwelt der Autorin geben. Auch die Rolle des Umfelds wird schön dargestellt, es wird deutlich, dass Unterstützung durch Familie und Freunde entscheidend ist und man nicht sofort alleine „funktioniert“ nach so einem Schock.

Kritisch sehe ich nur wenige Punkte: Manche Szenen zu Beginn wirkten etwas klischeehaft, da sie sehr stark das gängige Bild von Krebspatientinnen bedienen und beispielsweise die typischen Baumwollmützen (sehr) negativ dargestellt werden. Ausserdem haben mich die türkischsprachigen Passagen stellenweise aus dem Lesefluss gebracht, auch wenn sie biografisch sinnvoll eingebunden sind.

Amazonenbrüste ist eine ehrliche, bewegende und mutige Schilderung, die zeigt, wie individuell der Umgang mit Krebs sein kann. Ich würde das Buch definitiv empfehlen, wer das Buch liest, sollte aber weniger ein klassisches Sachbuch mit medizinischem Fachwissen erwarten, sondern vielmehr eine persönliche und authentische Geschichte.