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Veröffentlicht am 27.03.2020

Die Wahrheit will ans Licht

Pandora
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Kommissar Hans-Joachim Stein kehrt 1948 nach Berlin zurück, um in der neu gegründeten Mord-Inspektion West seinen Dienst anzutreten. Seine berufliche Kompetenz hat er bei Scotland Yard gefestigt und erweitert, ...

Kommissar Hans-Joachim Stein kehrt 1948 nach Berlin zurück, um in der neu gegründeten Mord-Inspektion West seinen Dienst anzutreten. Seine berufliche Kompetenz hat er bei Scotland Yard gefestigt und erweitert, was ihm in seiner neuen Dienststelle, in der zum Teil noch der Wind des Nationalsozialismus weht, nicht nur Freunde macht. Insbesondere die Zusammenarbeit mit seinem Partner Max Wuttke leidet zunächst unter gegenseitigem Misstrauen, Vorurteilen und Alleingängen.

Bei Steins Eintreffen auf der Wache übergibt ihm seine Schreibkraft, Lore Krause, irrtümlich die Fallakte „Dalldorf“, die unmittelbar sein Interesse weckt. Es handelt sich um den Fund eines illegalen Grabes. Doch schon wird der Kommissar zum Schauplatz eines brutalen Mordes gerufen. Opfer ist der stadtbekannte Schieberkönig Braunke, was die Liste der potenziell Verdächtigen nicht verkürzt.

Ungeachtet jeglicher Versuche, insbesondere auch durch den aufbrausenden Polizeirat Krüger, die Ermittlungen im Fall Braunke zu untergraben sowie im Falle Dalldorf zu unterbinden, können die Polizeibeamten schließlich einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen herstellen und diese aufklären.

Liv Amber und Alexander Berg haben einen soliden Kriminalroman vor historischer Kulisse verfasst. Die Handlung schreitet gradlinig voran, ein wenig aufgelockert von privaten Nebenschauplätzen. Die geschichtlichen Gegebenheiten im geteilten Berlin von 1948 scheinen mir gut recherchiert und in den Handlungsrahmen eingeflochten. Der Plot nimmt mich für sich ein und zieht mich in seinen Bann. Es gibt keine Effekthascherei und auch keine dramatische Spannungskurve, was jedoch den Lesegenuss nicht mindert.


Amber & Berg, PANDORA – Auf den Trümmern von Berlin, Kriminalroman, broschiert, Droemer Verlag, 14,99 €, 448 Seiten, Erscheinungstermin 02.03.2020

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Veröffentlicht am 09.03.2020

Was lauert unter der Oberfläche?

Wenn das Eis bricht
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„In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – auf brutale Art ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen Fall – ...

„In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden – auf brutale Art ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen Fall – ungelöst. Hanne, die Profilerin von damals, soll deshalb ermitteln. Sie muss in die Vergangenheit eintauchen, dabei verschwimmt gerade ihre Gegenwart – sie fürchtet, an beginnendem Alzheimer zu leiden. Ihre Existenz bekommt zunehmend Risse, und die beiden Fälle verbinden sich auf ungute Weise. Kann Hanne sich selbst und ihren Erinnerungen trauen? Wann bricht das Eis, und was kommt darunter zum Vorschein?“ – Zitat Buchbeschreibung

Camilla Grebe hat einen Thriller verfasst, der sehr vielschichtig und für mich zunächst recht undurchsichtig daherkommt. Das Geschehen wird abwechselnd aus Sicht der Hauptprotagonisten erzählt. So gewinne ich nach und nach verschiedene Blickwinkel auf die Handlung.

Der Autorin gelingt es gut, die differenzierte Ermittlungsarbeit sowie die Lebensläufe der Akteure miteinander zu verweben. Es ist einfach stimmig, wirkt nicht aufgesetzt oder lückenfüllend, sondern ist wichtiger Bestandteil des Fortgangs.

Durch die dreigeteilte Handlung wird auch immer wieder die Spannungskurve unterbrochen, mein Fokus abgelenkt, bevor ich eines Gedankens hinsichtlich der Aufklärung des Falles habhaft werden kann. Andererseits bleibe ich gespannt, weil ich wissen möchte, wie es an dieser und jener Stelle denn jetzt weitergehen wird. Und als im Finale alle Fäden miteinander verknüpft sind, verändert sich das Gelesene und eröffnet eine neue Sichtweise.

„Wenn das Eis bricht“ ist der perfekte Titel für diesen Thriller, weil dies auf Hanne, Peter und Emma zutrifft...


Camilla Grebe. Wenn das Eis bricht, Psychothriller, Broschiert, btb Verlag, 15,00 €, 608 Seiten, Erscheinungstermin 10.04.2017

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Veröffentlicht am 09.03.2020

Kann es "perfekt" sein?

Eine fast perfekte Welt
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„Als Ester noch in Genua lebte, sehnte sie sich nach Sardinien zurück. Nach der wilden, steinigen Landschaft und dem ursprünglichen Leben im Dorf. Nun ist sie zurück in ihrer Heimat, doch die Sehnsucht ...

„Als Ester noch in Genua lebte, sehnte sie sich nach Sardinien zurück. Nach der wilden, steinigen Landschaft und dem ursprünglichen Leben im Dorf. Nun ist sie zurück in ihrer Heimat, doch die Sehnsucht ist geblieben. Ihrer Tochter Felicita soll es da besser ergehen – und tatsächlich findet sie ihr Glück. Im bunten Hafenviertel von Cagliari fertigt sie Schmuck aus Weggeworfenen und zieht ihren Sohn Gregorio groß – dem das Leben seiner Mutter bald zu eng wird.“ – Zitat Buchbeschreibung

Was würde für mich eine perfekte Welt ausmachen? Diese Frage zwingt sich mir auf im Zusammenhang mit diesem Buch. Gibt es diese „perfekte Welt“ überhaupt? Kann / darf es sie geben oder bleibt sie doch letztlich nur Illusion?

Ich begleite Ester, ihre Tochter Felicita sowie deren Sohn Gregorio auf ihren Lebenswegen. Es gibt immer wieder Wegkreuzungen, wo es gilt, wichtige Entscheidungen zu treffen. Daraus folgern Schritte, welche auch das Leben des persönlichen Umfelds beeinflussen werden. Jeder geht anders mit solchen Entschlüssen um. Einer findet sich ab, der Nächste freundet sich an, ein Weiterer wiederum liebt seinen eingeschlagenen Weg, egal wie es kommt.

Nun sind die drei Protagonisten ungeachtet der gleichen Abstammung absolut verschieden und ich kann im Ergebnis nicht sagen, welche Haltung zu einem Lebensweg nun die Beste sein mag. Dies ist auch nicht die Absicht des Buches. Mir persönlich gefallen die Person sowie der gewählte Weg von Felicita.

In schönen Bildern und Worten geleitet die Autorin mich durch die Handlung. Ich habe Sehnsucht, fühle den Strand, empfinde die unbeschwerte Stimmung, nehme andererseits die bedrückende Enge wahr und erlebe die Freiheit der Träume… Ich komme zu dem Ergebnis, dass „eine fast perfekte Welt“ schon sehr nah an wirklich, richtig gut sein kann!


Milena Agus, Eine fast perfekte Welt, Roman, gebundene Ausgabe, dtv Verlag, 20,00 €, 208 Seiten, Erscheinungstermin 24.01.2020

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Veröffentlicht am 25.02.2020

Was kostet Gerechtigkeit?

1794
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„Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher ...

„Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in ein Irrenhaus eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor.“ – Zitat Buchbeschreibung

Erik Drei Rosen wird vom Vater in Begleitung seines Vetters Johann Axel auf die Insel Barthelemi verbannt. Nach dem Tod von Bruder und Vater kehrt er in Begleitung seines väterlichen Freundes Tycho Ceton zurück nach Stockholm, um sowohl sein Erbe anzutreten, als auch seine große Liebe nach der langen Trennung zu heiraten. Die Ehe wird geschlossen, am nächsten Tag ist Linnea tot und Erik wird ins Tollhaus verbracht.

Nun lerne ich Jean Michael Cardell kennen, welcher, mit amtlicher Macht ausgestattet, den Todesfall im Hause Drei Rosen überprüfen und abschließend klären soll. Da er sowohl hinsichtlich seines Auftretens, seines Erscheinungsbildes sowie seiner Sprachgewandtheit nicht unbedingt dazu geeignet ist, Menschen zu befragen oder sich in gewissen Kreisen zu bewegen, findet er auf unkonventionelle Weise einen Partner in Emil Winge.

Die beiden Männer tauchen tief in den Untergrund Stockholms ein und müssen zum Teil weit über ihre Grenzen gehen, um diesen Fall aufzuklären. Der Täter ist geständig und doch besteht für Cardell auf direktem Wege keine Möglichkeit, seiner Habhaft zu werden, geschweige denn, ihn einer Gerichtsbarkeit zuzuführen. Letzten Endes scheint es Gerechtigkeit zu geben, doch sie ist viel zu teuer erkauft und kommt von unerwarteter Stelle.

1794 ist ein unkonventionelles Buch, kein richtiger Krimi, kein klassischer historischer Roman. Und doch erscheinen mir die Gegebenheiten dieses Jahres sowohl in Stockholm, als auch auf Barthelemi sehr gut recherchiert und schlüssig geschildert. Bei all dem Elend, dem Dreck, der Ungerechtigkeiten, der Willkür und Gewalt wünsche ich mir einen hellen Fleck, einen Sonnenstrahl, der mir das Herz zwischendurch etwas erwärmt. Und ich bekomme ihn. Doch auch die schönste Sonne muss untergehen…

1794 ist das zweite Buch aus der Feder von Niklas Natt och Dag. Die Unkenntnis von 1793 stellte für mich beim Lesegenuss kein Problem dar.


Niklas Natt och Dag, 1794, Historischer Kriminalroman, Klappenbroschur, Piper Verlag 16,99 €, 560 Seiten, Erscheinungstermin 03.01.2020

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Veröffentlicht am 05.02.2020

Der freie Wille

Eisige Dornen (Ein Nathalie-Svensson-Krimi 4)
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„In Ystad wird der Fußballstar Hendrik Borg tot in seinem Sommerhaus gefunden – auf seiner Brust liegt eine blaue Rose. Es scheint fast, als wäre er friedlich eingeschlafen. Doch ein natürlicher Tod kann ...

„In Ystad wird der Fußballstar Hendrik Borg tot in seinem Sommerhaus gefunden – auf seiner Brust liegt eine blaue Rose. Es scheint fast, als wäre er friedlich eingeschlafen. Doch ein natürlicher Tod kann schnell ausgeschlossen werden. Innerhalb von einer Woche kommt es zu weiteren Todesfällen. Der Täter hat alle Opfer mit einer blauen Rose versehen. Psychiaterin Nathalie Svensson soll mit ihren Kollegen von der Spezialeinheit die Jagd nach dem unkalkulierbaren Serienmörder aufnehmen. Was hat die Toten zu Lebzeiten miteinander verbunden? Warum mussten sie sterben? Und vor allem: Wo wird der Killer als nächstes zuschlagen?“ – Zitat Buchrücken

Bei „Eisige Dornen“ handelt es sich um den vierten Teil der Nathalie-Svensson-Krimireihe aus der Feder des Autors Jonas Moström. Ich weiß nicht, ob es an Unkenntnis der drei vorausgegangenen Bücher dieser Serie lag, aber ich hatte zunächst starke Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzukommen. Es gibt viele Schauplätze, sehr viele Protagonisten, manchmal wusste ich kurzfristig nicht, wo ich mich gerade innerhalb der Handlung befand. So in etwa der Hälfte des Buches hat sich für mich der Nebel gelichtet und im letzten Drittel kam auch die von mir erhoffte Spannung auf.

Nachdem Moström den Täter sowie das Motiv sehr lange geheim hält, verdichten sich schließlich die Indizien und ich kenne den Serienmörder. Trotzdem gelingt es dem Autor, die Spannung aufrecht zu erhalten, so dass ich das Buch gerne bis zur letzten Seite lese.

„Eisige Dornen“ ist ein solider Krimi mit fundierter Ermittlerarbeit sowie einem spannenden Finale. Aufgrund meiner Einstiegsschwierigkeiten kann ich jedoch leider nur drei Sterne vergeben.


Jonas Moström, Eisige Dornen, Kriminalroman, Taschenbuch, Ullstein Verlag 9,99 €, 528 Seiten, Erscheinungstermin 31.01.2020

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