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Veröffentlicht am 02.05.2022

Keine leichte Lektüre für Jedermann

Das Fundbüro der verlorenen Träume
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Dot ist Herz und Seele des Londoner Fundbüros. Es hat den Anschein als hätten das Gebäude und sein Innerstes nur auf Dot’s ungeplante Rückkehr aus Frankreich gewartet, um sie dort empfangen zu heißen, ...

Dot ist Herz und Seele des Londoner Fundbüros. Es hat den Anschein als hätten das Gebäude und sein Innerstes nur auf Dot’s ungeplante Rückkehr aus Frankreich gewartet, um sie dort empfangen zu heißen, wo sie sich kümmern sowie andere Menschen im Idealfall glücklich machen kann.
Im Zuge der Zeit drängen sich jedoch zu Dot’s Leidwesen Veränderungen im beruflichen und privaten Bereich auf, was ihre bislang zurückgezogene, sichere Welt ins Wanken bringt.

„Das Fundbüro der verlorenen Träume“ wirbt für sich in der Buchbeschreibung in meiner Wahrnehmung als ein Roman, welcher leicht, etwas oldschool, zu Herzen rührend, vielleicht etwas verschmitzt, „typisch englisch“ und mit gesichertem Happy End daherkommen möchte.

Doch entwickelt sich die Handlung völlig anders, als von mir durch das Schnuppern in die Leseprobe erwartet. Die Geschichte „dahinter“ ist gut, fesselnd und berührend, allerdings von einer Schwere und sich vom Fundbüro wegbewegend. Der im Klappentext erwähnte Mr. Appleby fällt leider „nur“ hinten runter. Gerade diese Geschichte hätte für mich, eben mit Bezug zum Fundbüro, Potential für die von mir erhoffte Erzählung haben können.

Helen Francis Paris hat mich gut unterhalten. Es gab im Zuge der Ereignisse einige Längen und Episoden, welche ich in ihrer geschilderten Ausführlichkeit ermüdend fand. Insgesamt ein guter Plot, welcher im Grunde gut ausformuliert ist. Nur sind geschürte Lese-Erwartung und tatsächlich zu Lesendes m. E. sehr weit voneinander entfernt. Von daher sicherlich kein Buch für Jedermann.

Das hübsche Cover mit einem Fundstück findet seinen Bezug im Buch durch Mr. Appleby.


Helen Francis Paris, Das Fundbüro der verlorenen Träume, Roman, Paperback, dtv Verlagsgesellschaft, 15,95 €, 368 Seiten, Erscheinungstermin 16.03.2022

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Veröffentlicht am 02.05.2022

Tiefwasser ohne Tiefgang

Tiefwasser für Nordstrand
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Eine gemütliche Kutterfahrt mit der Sirius mündet in einer Rettungsmission, welche ungeahnte Konsequenzen für alle Beteiligten haben wird. An vorderster Stelle mit dabei der pensionierte Anwalt Jan de ...

Eine gemütliche Kutterfahrt mit der Sirius mündet in einer Rettungsmission, welche ungeahnte Konsequenzen für alle Beteiligten haben wird. An vorderster Stelle mit dabei der pensionierte Anwalt Jan de Fries, welcher mit sonniger Unbedarftheit in der Oberliga der Kriminalität für Recht und Ordnung sorgen möchte.

„Tiefwasser für Nordstrand“ ist ein eigenwilliger Kriminalroman, dessen Hauptakteur immer wieder von einem Unglück in das nächste stolpert und scheinbar gar nichts dazulernt bzw. in den vergangenen 8 Fällen keine unfallvermeidenden bzw. lebensschützenden Erkenntnisse hat hinzugewinnen können. Fixpunkt in seinem Leben ist der großartige Motte, sein treuer vierbeiniger Gefährte.

Dirk Trost offeriert einen „anderen“ Kriminalroman jenseits der gängigen Massenware. Es gibt (klar!) Kriminalität, Lokalkolorit, Situationskomik, maßlose Übertreibungen und emsiges Kopfschütteln bei mir als Leser, weil es in der Fülle der Unwahrscheinlichkeiten für mich letztlich schlichtweg „too much“ und unglaubwürdig ist. „Natürlich“ gibt es kriminalistische Arbeit, insbesondere in der mehr oder minder engen bzw. geduldeten Zusammenarbeit mit der zuständigen Kommissarin Doro Oldenburg.

Für mich war es okay, dieses Buch zu lesen. Kein klassischer Kriminalroman, über weite Strecken unnachvollziehbar, so dass ich die anderen Fälle um Jan de Fries nicht lesen möchte.

Der geneigte Leser kann mit diesem Buch kurzweilige Lesezeit verbringen, sofern er sich nicht an Unlogik, Ungereimtheiten und / oder grobem Unfug stört.


Dirk Trost, Tiefwasser für Nordstrand, Kriminalroman, Taschenbuch, Edition M, 9,99 €, 363 Seiten, Erscheinungstermin 01.03.2022

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Was unter der Oberfläche lauert

Düsteres Watt
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Sylt. Sommer. Touristen, wohin das Auge blickt. Ein Event jagt das nächste. In den Wanderdünen wird eine Leiche gefunden. Das mysteriöse: der Tote ist ertrunken. Einige Tage später spült das Meer eine ...

Sylt. Sommer. Touristen, wohin das Auge blickt. Ein Event jagt das nächste. In den Wanderdünen wird eine Leiche gefunden. Das mysteriöse: der Tote ist ertrunken. Einige Tage später spült das Meer eine weitere Leiche an den Strand; die Frau ist verdurstet. Wer ist hier am Werk, erlaubt sich etwa ein Serienkiller einen „Scherz“?

Liv Lammers, die auf der Insel verweilt, um Ihren Urlaub mit Ihrem Sebastian zu verbringen, bricht selbstverständlich ihre ersehnte Auszeit ab, um gemeinsam mit den Kollegen der Kripo Flensburg zu ermitteln. Der Tote gehört entstammt einem alten Adelsgeschlecht; seine Frau, ebenfalls gehobener Herkunft, ist in der Politik tätig, so dass die Ermittlungen von Anbeginn unter den Argusaugen der Öffentlichkeit stattfinden. Als dann auch noch eine junge Frau verschwunden ist, geraten die Ermittler zudem unter Zeitdruck.

Dies ist der sechste Fall der Sylt-Krimis mit Liv Lammers. Mir sind die vorherigen Bücher nicht bekannt, was aber gar kein Problem darstellt, um mit den Akteuren vertraut zu werden. Der Plot bildet eine hervorragende Grundlage für einen gelungenen Kriminalroman, die Örtlichkeiten werden auch für Nicht-Sylt-Kenner gut und detailliert dargestellt. Die Protagonisten sind ansprechend gezeichnet, jeder in seiner Rolle gut besetzt.

Sabine Weiss lässt den Leser in die Abgründe der menschlichen Seele und die Boshaftigkeit von Patriarchen blicken. Hilflos muss ich miterleben, wie m. E. grausamstes Unrecht geschieht, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Diese Gelegenheit nutzt die Autorin, um auf zwei Probleme aufmerksam zu machen, die in der lebensrealen Öffentlichkeit eher verschwiegen werden.
Aber es gibt auch Sonne, Wind und Wellen, Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt. Dies alles spielt angenehm im Wechsel miteinander, es gibt Spannung und Entspannung und ein leicht unerwartetes Finale.

Das Cover ist sehr ansprechend und passend für einen Insel-Krimi gestaltet, verschleiert jedoch trotz der dunklen Wolken das Böse zwischen den Buchdeckeln.

Lese-Empfehlung für Krimi-Fans.


Sabine Weiss, Düsteres Watt, Kriminalroman, eBook, Lübbe Verlag, 6,99 €, 400 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 25.03.2022

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Kurzes Buch, kleiner Inhalt

Waldinneres
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„Waldinneres“ erzählt die Geschichte eines Kunstwerks, welches bei der Flucht aus Nazi-Deutschland in die Schweiz gelangt. Dort gelangt es unabsichtlich, in die Hände des Fluchthelfers Hermann Messmer. ...

„Waldinneres“ erzählt die Geschichte eines Kunstwerks, welches bei der Flucht aus Nazi-Deutschland in die Schweiz gelangt. Dort gelangt es unabsichtlich, in die Hände des Fluchthelfers Hermann Messmer. Dieser schwört sich, den Besitzer ausfindig zu machen und das Bild bis dahin aufzubewahren. Die Zeit verstreicht ungenutzt, so dass das kleine Bild in einem Bankschließfach in Vergessenheit gerät. Im Zuge einer Kontenklärung der Schweizer Bank fällt es unerwartet Hermanns Sohn Gottfried in die Hände.

Die historischen Gegebenheiten, das Kunstwerk, die Wege der Flüchtlinge und Fluchthelfer, die Verantwortung der Vergangenheit gegenüber; all dies hätte das Potenzial, um in einem Buch über ein kleines Stück Beutekunst - quasi nebenbei - unterhaltsam Geschichte zu transportieren. Stattdessen wird in sehr einfacher Sprache eine Handlung konstruiert, die weder den Kriegsflüchtlingen, einem echten Klimt, noch den Menschen, die bis heute hin Wiedergutmachung leisten möchten, in irgendeiner Weise gerecht wird.

Am Ende des Buches erfahre ich, welche Recherchen durch die Autorin im Zusammenhang mit der Entstehung ihres Debüt-Romans angestrengt wurden. Ich finde es schade, dass ich hiervon nichts im Buch selbst finde; in dem Buch erfahre ich fast nichts Neues über diese Zeit.
Die Handlung der Gegenwart plätschert dahin, es blitzt etwas Liebe auf und fast wird es noch kriminalistisch. Vielleicht wollte Subietas zu viel auf einmal?
„Natürlich“ ist es leicht, ein Buch, welches nicht den persönlichen Geschmack trifft, zu „Zerreißen“, obwohl frau selbst nie in der Lage wäre, ein gutes Buch zu verfassen. Allerdings empfinde ich drei Sterne als eine angemessene, durchschnittliche Bewertung, welche auch der Mühe der Autorin Rechnung trägt.

Das Cover ist schön gestaltet mit dem Klimt im Hintergrund und davor die Textbestandteile in passender, milder Kontrastfarbe.


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.

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Veröffentlicht am 18.03.2022

Die Familie als unausweichlicher Taktgeber

Der zweite Sohn
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Deine Familie ist bekannt und gefürchtet als Gangsterclan im australischen Liverpool. Du bist der Zweitgeborene, hast lediglich die Verantwortung für ein paar Fischgeschäfte, schwimmst unauffällig mit ...

Deine Familie ist bekannt und gefürchtet als Gangsterclan im australischen Liverpool. Du bist der Zweitgeborene, hast lediglich die Verantwortung für ein paar Fischgeschäfte, schwimmst unauffällig mit in der Familienhierarchie. Du bist glücklich verheiratet und hast einen Sohn. Da wird Dein Bruder erschossen. Die Familie fordert Satisfaktion. Dies ist Deine Aufgabe.

Das Problem: Johnny ist nicht davon überzeugt, dass der vom Vater Milan Beschuldigte wirklich hinter dem Mord am Erstgeborenen steckt. Immerhin gibt es auch in anderen Clans hochrangige Opfer, die Tode weisen offensichtliche Ähnlichkeiten auf. Wer will die Unterwelt „aufmischen“?!?

Zunächst kann Johnny seinen Vater hinhalten, sucht er doch den schmalen Grat zwischen der Erfüllung seiner Pflicht und Loyalität sowie seinem Wunsch, nicht zu töten. Schließlich präsentiert er seinem Vater einen ausgefeilten Plan, infolgedessen der mutmaßliche Mörder aller „Thronfolger“ seiner gerechten Strafe zugeführt werden wird. Durch die Entscheidungsmacht des willensstarken Vaters droht das sorgsam geplante Szenario zu zerfallen, aber letztlich drehen sich alle Rädchen der Handlung auf ihre richtige Position. Und doch bleibt Raum für Überraschung…

„Der zweite Sohn“ ist ein solider „Mafia“-Thriller. Der Autorin gelingt es, mich von Anfang an für dieses Buch zu begeistern, bringt mir die Protagonisten, das Leben im Einzugsbereich eines Gangsterclans, nahe und lässt mich neugierig im Buch voranstreben. Johnny ist mir sehr sympathisch und ich kann seine Zerrissenheit spüren, will er doch eigentlich „nur“ ein „normales“ Leben.

Für mich ein absolut gelungenes Debüt von Loraine Peck. Lese-Empfehlung!

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