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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2025

Melancholisch, nachdenklich und außergewöhnlich

Wo de lu - Mein Weg - Der blaue Keks
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V begegnet auf seiner Wanderung Kleine-Huan, die ihn für den von ihr erwarteten Ole hält. Auch wenn sie ihren Irrtum schließlich einsieht, begleitet sie V, der davon nicht sonderlich begeistert ist. Auf ...

V begegnet auf seiner Wanderung Kleine-Huan, die ihn für den von ihr erwarteten Ole hält. Auch wenn sie ihren Irrtum schließlich einsieht, begleitet sie V, der davon nicht sonderlich begeistert ist. Auf ihrer Reise begegnen sie Menschen, Schicksalen und Leben.

Jidi hat mit der Reihe „Mein Weg“ ein absolut außergewöhnliches Comicerlebnis geschaffen. Eindrucksvolle Bilder zwischen erschütternder Tragik und blendender Poesie führen den Leser in eine magische Welt, die das Leben in all seinen Facetten zeigt und den Leser nachdenklich zurücklässt. So gut wie jedes Kapitel hat eine ganz besondere Botschaft, die einen tiefen Eindruck hinterlässt. Besonders gefielen mir die Geschichten „Zeitunterschied“, die von der tragischen Unausweichlichkeit aneinander vorbeidriftender Menschen erzählt, und „Narben“, die von der erschütternden Hoffnung der Kriegsveteranen erzählt, dass ihr zerstörtes Leben kommende Generationen vor demselben Schicksal bewahren möge. Aber auch weniger heftige Themen werden in Szene gesetzt: Die Magie eines Nachtmarkts, in wirklich eindrucksvollen Farben, das Kommen und Gehen von Freunden – kein Thema, das Jidi nicht beeindruckend umsetzt und das in außergewöhnlichen und ausdrucksvollen Bildern.

Jedes Kapitel hat zudem ein sehr persönliches Nachwort der Autorin, das noch einmal ein ganz eigenes Licht auf das erzählte wirft.

Jidis Comic ist außergewöhnlich, beeindruckend und unvergesslich. Auch der 3. Band der 8bändigen Reihe überzeugt mit magischen Bildern und ergreifenden Geschichten.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Ein interessanter Blickwinkel auf bekannte und unbekannte Bücher

Schauplätze der Weltliteratur
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Die Beschäftigung mit Weltliteratur lohnt sich immer. Jeder Blickwinkel, jeder Aspekt kann uns eine neue Dimension der Geschichte erschließen. Dass der gewählte Schauplatz für eine Geschichte eine ganz ...

Die Beschäftigung mit Weltliteratur lohnt sich immer. Jeder Blickwinkel, jeder Aspekt kann uns eine neue Dimension der Geschichte erschließen. Dass der gewählte Schauplatz für eine Geschichte eine ganz besondere Rolle einnehmen kann, überrascht nicht. Ob das düstere Yorkshire Moors (Sturmhöhe), der Alexanderplatz (Berlin Alexanderplatz) oder die Alpen (Der Zauberberg), manchmal ist der Schauplatz wie ein weiterer Protagonist. John Sutherland hat eine Auswahl an bekannten und nicht ganz so bekannten Werken der Weltliteratur getroffen, erschienen zwischen 1817 und 2019, die er auf jeweils 2 bis 4 Seiten vorstellt, wobei er den Fokus auf ihren Schauplatz richtet. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass der Autor oft mehr wollte als der Platz zuließ: Das Buch und den Autor vorstellen, die Entstehungszeit und die Wirkung – da kam der Schauplatz und seine besondere Rolle für die Geschichte meistens zu kurz, zumal hier sehr viele Bücher vorgestellt werden.

Ich habe in diesem Buch viele wunderbare Geschichten entdeckt und wiederentdeckt. Besonders Emily Brontë, Lucy Maud Montgomery und Laura Ingalls Wilder haben mich fasziniert. Edith Wharton war für mich eine spannende Neuentdeckung.

Der Ansatzpunkt dieses Buches ist sehr interessant und verlockt dazu sich eingehender mit dem Schauplatz einer Geschichte als einem weiteren Protagonisten zu beschäftigen. Ich hätte mir einen beständigeren Fokus gewünscht – vielleicht weniger vorgestellte Bücher dafür mehr Platz für die vom Titel „Schauplätze der Weltliteratur“ suggerierte Analyse. Deswegen kann ich nur 4 Sterne für dieses sonst wunderbare und reich illustrierte Buch vergeben. Tolle Lesetipps, interessante Blickwinkel, aber die Schauplätze selbst kommen mir doch zu kurz.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Ein spannender Blick ins Mittelalter

Die Gerüche der Kathedrale
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Antwerpen war einst eine blühende Handelsmetropole und vielen Kirchen, religiöser Toleranz und unglaublicher gesellschaftlicher Vielfalt. Gemälde und schriftliche Zeugnisse, die heute allgemein bekannt ...

Antwerpen war einst eine blühende Handelsmetropole und vielen Kirchen, religiöser Toleranz und unglaublicher gesellschaftlicher Vielfalt. Gemälde und schriftliche Zeugnisse, die heute allgemein bekannt sind, geben ein nur ungenaues Bild vom Leben der Menschen Ende des 15./ Anfang des 16. Jahrhunderts wider, schon weil diese Zeugnisse oft erheblich jünger sind. Wendy Wauters nimmt den Leser mit und lässt ihn eintauchen in diese Welt, die einst Gegenwart war und heute so fern erscheint. Doch dann rückt uns das Leben der Menschen wieder ganz nah, denn immer wieder schlägt Wauters Brücken ins 19., 20. Und auch 21. Jahrhundert. Nicht von ungefähr werden Pest- und Corona-Zeiten miteinander verglichen und zeigen verblüffende Parallelen. Damit erscheint uns das Mittelalter trotz aller Fremdheit plötzlich sehr vertraut.

Anhand der Kathedrale von Antwerpen wird hier ein komplexes und in vielerlei Hinsicht sehr plastisches Bild der spezifischen niederländischen Handelsmetropole, aber auch der der Geschichte der Gesellschaft, politischen Ereignisse, Religiosität und der beindruckenden, komplexen Nutzung und Veränderung des Verständnisses von Kirchengebäuden. Das Leitmotiv, das den Leser durch das Buch führt ist der Geruch. Und ja, das bedeutet alles, was man sich darunter vorstellt: wie rochen die Menschen, die Straßen, die Kirchen? Welche Rolle spielte der Geruch im Alltag, im Selbstverständnis und im Glauben?

Ein umfassender, farbiger Bildteil, auf den im Text immer wieder Bezug genommen wird, illustriert die lebendig präsentierte Geschichte. Besonders interessant sind die Erläuterungen zu den Gemälden, die zeigen, dass Kirchen damals viel komplexer genutzt wurden als man heute annehmen würde.

Dieses Sachbuch lässt das Mittelalter auf vielerlei Arten lebendig werden. Ein durchaus anspruchsvolles Sachbuch, das es versteht, den Leser die Geschichte hautnah erleben zu lassen. Man steht neben der Hausfrau und dem Händler in der Kirche, umweht von Körpergerüchen, müffelnder Kleidung, Parfüms, Weihrauch und ausgestreuten Kräutern – von der Straße kommt der Duft von Pferden und Kot herein – ein stetes Kommen und Gehen von Händlern, Bettlern und Pilgern – man ist als Leser mittendrin.

Ein großartiges Sachbuch, das das Mittelalter lebendig macht!

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Spannende, afrikanische Fabeln

Unter dem Buyubaum
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Während die Patienten des Dr. White auf ihre Behandlung warten erzählen die afrikanischen Helfer Dr. Whites ihren Stammesgenossen Tierfabeln, mit denen biblische Lehren vermittelt werden. Die farbenfrohen ...

Während die Patienten des Dr. White auf ihre Behandlung warten erzählen die afrikanischen Helfer Dr. Whites ihren Stammesgenossen Tierfabeln, mit denen biblische Lehren vermittelt werden. Die farbenfrohen Geschichten von klugen und törichten Affen, von nimmersatten Schlangen und auch törichten Menschen sind nicht immer nur süß und harmlos, die Protagonisten gehen auch gerne an ihrer Selbstgewissheit, Dummheit und Arroganz zugrunde, wie es sich für eine gute Fabel gehört, aber immer ist die Botschaft der Geschichte klar verständlich. Die Geschichten sind witzig, spannend, bunt und lehrreich.

Ich hab das Büchlein sehr gerne gelesen. Es waren mal andere Fabeln als die hier in Europa so bekannten und ihr exotisches Setting macht einen nicht unerheblichen Reiz aus. Die christliche Botschaft ist nicht zu übersehen, aber sehr gut in die Geschichten eingebunden, die auch ohne christliche Interpretation mit ihrer Grundaussage funktionieren.

Ein niedliches Büchlein, das sich lohnt!

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Ein neues Abenteuer mit kleinen Schwächen

Flucht nach Kalifornien
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Als Old Shatterhand bei seinem Freund, dem Verleger Oliver Hartmann in New York besucht gerät er mitten in einen Mordfall. Der Westmann kann den Mord aufklären, doch dem Mörder gelingt die Flucht. Nur ...

Als Old Shatterhand bei seinem Freund, dem Verleger Oliver Hartmann in New York besucht gerät er mitten in einen Mordfall. Der Westmann kann den Mord aufklären, doch dem Mörder gelingt die Flucht. Nur kurze Zeit später kommen Old Shatterhand und Winnetou dem Flüchtigen auf die Spur, der als angeblicher Priester Indianerstämme um ihr Gold betrügt. Begleitet werden die Helden von Bertha Schneider, der Tochter des Mannes, der irrtümlich des Mordes beschuldigt worden war. Mittlerweile ist sie Nonne und will alles tun, um dem Mörder Vergebung zu bringen.

Der erste Teil des Romans erinnert an eine gute Agatha Christie-Geschichte. Ein spannender Kriminalfall mit ausgefeilter Detektivgeschichte Selbst die Flucht des Täters ist noch super inszeniert. Das sich daran anschließende Westernabenteuer beginnt ebenfalls gut, wird aber zäh sobald Bertha Schneider dazukommt, die mir mit ihrer dominanten und sehr nervtötenden Gutmenschenart auf den Keks ging. Außerdem ging die Motivation der Geschichte den Bach runter. Sowohl der Mord selbst als auch die folgende Geschichte schwächelte immer wieder, wenn es darum ging die Ereignisse zu verankern und zu begründen.

Damit landet dieses Buch bei 3 ½ Sternen mit Tendenz zu 4.

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