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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.12.2024

Meisterwerk

Haus voller Wolken
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Zitat:

„Dass er diese Demenz bekommen hat. Er hätte noch so viele Jahre vor sich haben können. Ich meine … klar im Kopf. Sie hat ihm sein Alter gestohlen. Einen Teil seines Lebens.“

So hat es mir gefallen:

„Haus ...

Zitat:

„Dass er diese Demenz bekommen hat. Er hätte noch so viele Jahre vor sich haben können. Ich meine … klar im Kopf. Sie hat ihm sein Alter gestohlen. Einen Teil seines Lebens.“

So hat es mir gefallen:

„Haus voller Wolken“ liegt schon eine sehr lange Zeit auf meinem SuB. Ich konnte erahnen, wie heftig die Thematik in diesem Buch sein wird. Und genau davor hatte ich Angst. Angst davor, was diese Geschichte mit mir machen würde. Jetzt, als ich das Buch gelesen habe, muss ich sagen, dass diese Angst nicht unbegründet war. Es gibt Bücher, die bleiben einfach in Erinnerung. Und dann gibt es solche, die Spuren hinterlassen. Die einen lange beschäftigen werden – Haus voller Wolken gehört ohne Zweifel in diese letzte Kategorie. Es fällt mir schwer, Worte für dieses Buch zu finden, und auch jetzt, während ich diese Zeilen ergänze, glaube ich nicht, dass sie der Geschichte gerecht werden können. Dennoch möchte ich es versuchen.

Schon die Ausgangslage dieses Romans lässt einen mit einem schweren Gefühl beginnen. Karsten, bei dem Alzheimer diagnostiziert wird, und sein Partner Roman, die gemeinsam versuchen, der Krankheit die Stirn zu bieten – das allein ist schon eine emotionale Achterbahnfahrt. Doch Jan Stressenreuter nimmt uns mit einer solchen Intensität auf diese Reise, dass es fast unmöglich ist, unberührt zu bleiben. Von Anfang an spürt man die ehrliche, rohe Emotion, die in jeder Zeile steckt. Es ist keine leichte Lektüre. Die Verzweiflung, die Verluste und die schmerzhafte Realität einer unheilbaren Krankheit sind nur schwer auszuhalten. Es gab Momente, in denen ich das Buch weglegen musste, weil die Gefühle, die es in mir auslöste, einfach überwältigend waren. Und trotzdem – oder gerade deshalb – konnte ich die Geschichte nicht loslassen.

Was das Buch besonders macht, ist die unbändige Liebe zwischen Karsten und Roman. Ihre Beziehung ist nicht nur ergreifend, sondern auch inspirierend. Trotz der unermesslichen Belastungen zeigt Jan Stressenreuter, was es bedeutet, für jemanden da zu sein – bedingungslos, bis an die Grenzen der eigenen Kraft und meist darüber hinaus. Die Sprache ist schnörkellos und unglaublich einfühlsam. Mit berührenden Bildern und leisen, humorvollen Momenten schafft es der Autor, das Unaussprechliche greifbar zu machen. Die Figuren sind authentisch, voller Tiefe und Emotionen, sodass man mit ihnen leidet, hofft, lacht und weint. Für mich, der ohnehin schon nah am Wasser gebaut ist, war dieses Buch eine echte Herausforderung. Ich habe geweint, so wie ich selten bei einem Buch geweint habe. Aber das alles spricht für den Autor. Für diese herausragende Geschichte. Diese Emotionen sind die größte Stärke des Romans.

Es ist tragisch, dass Jan Stressenreuter nicht mehr unter uns ist, denn seine Werke sind ein Geschenk. Haus voller Wolken ist nicht nur eine Geschichte über eine Krankheit, sondern auch über Menschlichkeit, Liebe und den unermüdlichen Kampf, niemals aufzugeben.

Es gehört zweifellos zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe – zum Besten, was die Literatur zu bieten hat. Ein Meisterwerk der Gefühle, das mich gebrochen hat und auch in Zukunft noch lange begleiten wird.

Dieses Buch ist ein absolutes Muss, für alle, die Literatur lieben, die bewegt, fordert und nachklingt. Es ist nicht nur eine Hommage an die Liebe, sondern auch ans Leben – selbst dann, wenn es zum Greifen schwer wird.

10/10 unbedingte Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Cozy Crime

Mord im Himmelreich
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Zitat:

„Thinking outside the box, hab ich schon immer gesagt, aber it doesn’t work in good old Germany.“

So hat es mir gefallen:

Das ist tatsächlich mein erstes Buch von Andreas Winkelmann – Asche auf ...

Zitat:

„Thinking outside the box, hab ich schon immer gesagt, aber it doesn’t work in good old Germany.“

So hat es mir gefallen:

Das ist tatsächlich mein erstes Buch von Andreas Winkelmann – Asche auf mein Haupt! Zugegeben, Camping ist jetzt nicht unbedingt meine Traumvorstellung von Urlaub, aber das Buch hat mich trotzdem überrascht: stimmungsvoll, cozy und herrlich unterhaltsam. Kaum hat sich Björn Kupernikus, der ehemalige Schauspieler, auf dem Campingplatz „Himmelreich“ eingerichtet, wird er schon in ein skurriles Abenteuer verwickelt. Was als idyllischer Ruhestand beginnt, nimmt eine unerwartete Wendung, als er einen kleinen Hund rettet – und mit ihm eine Leiche, die unter einem Paddelboard festgeschnallt wurde. Ab diesem Moment ist es vorbei mit der Ruhe.

Das absolute Highlight sind ganz klar die Figuren. Allen voran der schrullige, aber unglaublich charmante Kupernikus hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Seine humorvolle und gleichzeitig liebenswürdige Art macht ihn zu einem tollen Protagonisten. Besonders in Kombination mit Annabelle, der weitgereisten Künstlerin, die mit ihrem Wissen über die kuriosesten Dinge immer wieder punktet, entsteht ein herrlich lustiges und unschlagbares Duo. Die Chemie zwischen den beiden passt einfach und trägt die Geschichte fast im Alleingang.

Knallharte Wendungen oder spannende Thriller-Momente, die Winkelmann normalerweise liefert – ja, ich habe mich informiert –, gibt’s hier natürlich nicht. Und das ist auch gut so, immerhin sind wir hier cozy unterwegs. Dafür liegt die Stärke des Buches in der gemütlichen Atmosphäre, den charmanten Figuren und dem Humor. Das reicht mir völlig aus, um ein paar wunderbare Lesestunden zu genießen.

Einzig die gelegentliche Jugendsprache ging mir hin und wieder auf den Keks – vielleicht werde ich aber auch nur alt. Insgesamt ein rundum gelungenes Buch, das gehörig Lust auf mehr macht!

10/10 Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Anders als erwartet

Der Premierminister
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Zitat:

„In Wahrheit hatte ich mich jahrelang geweigert, jegliche Verantwortung für meine eigene Rolle in diesem Netz aus Lügen und Intrigen zu übernehmen.“

Darum geht’s:

Nach einem Bombenanschlag befindet ...

Zitat:

„In Wahrheit hatte ich mich jahrelang geweigert, jegliche Verantwortung für meine eigene Rolle in diesem Netz aus Lügen und Intrigen zu übernehmen.“

Darum geht’s:

Nach einem Bombenanschlag befindet sich Premierminister Marcus Valentine mit seiner Frau und fünf seiner engsten Mitarbeiter im Bunkersystem unter der Downing Street No. 10. Dann passiert es: ein Stromausfall. Als das Licht wieder angeht, ist Valentine tot. Und jeder seiner Untergebenen hätte ein verdammt gutes Mordmotiv gehabt.

So hat es mir gefallen:

Eins vorweg: Meine Erwartungen an das Buch waren völlig anders, als es sich letztlich herausstellte. Ich hatte auf politische Ränkespielchen gehofft und eher einen klassischen Polit-Thriller erwartet. Doch dem war nicht so. Das hat mich zunächst enttäuscht, dennoch habe ich mich richtig gut unterhalten gefühlt. Craig Oliver überrascht mit einem unerwarteten Genre-Mix, der eher in Richtung klassischer „Whodunit-Krimis“ à la Agatha Christie geht. Ich musste mich zwar aufgrund meiner Erwartungen umstellen, doch die Umsetzung war mehr als gelungen.

Die größte Stärke des Buches liegt in der geschickten Figurenzeichnung. Der Autor versteht es, die Gedankenwelt und die Motive der Figuren so zu präsentieren, dass ich mich regelmäßig dabei ertappte, Verdächtigungen anzustellen und sie auch wieder zu verwerfen. Jede Figur hat dabei ihren eigenen kleinen Abgrund, und die Enthüllung dieser Abgründe sorgt für durchgehende Spannung. Die Handlung baut sich mehr durch Dialoge und innere Monologe als durch Action auf – und das tut dem Buch sogar gut.

Wie erwähnt, ist die Charakterzeichnung gelungen, aber richtige Tiefe sollte man nicht erwarten. Ich hätte mir bei der ein oder anderen Figur gewünscht, sie genauer kennenzulernen. Außerdem sollte man sich darauf einstellen, dass man hier keinen rasanten Thriller vor sich hat, sondern ein eher gemächliches Buch.

Insgesamt ist „Der Premierminister“ ein spannender und stimmiger Roman, der gekonnt Elemente eines klassischen Krimis mit einem modernen politischen Setting verbindet. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, mehr von dem politischen Anteil zu sehen. Wer sich darauf einlässt, keinen typischen Polit-Thriller zu lesen, sondern eher einen Krimi à la Agatha Christie, wird bestens unterhalten.

8/10

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Grandios

#MaspalomasPride
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Zitat:

„Von außen will unsere Community immer akzeptiert werden, Akzeptanz von innen gibt es kaum.“

So hat es mir gefallen:

Es ist schon lange her, dass ich beim Lesen so herzhaft gelacht habe wie bei ...

Zitat:

„Von außen will unsere Community immer akzeptiert werden, Akzeptanz von innen gibt es kaum.“

So hat es mir gefallen:

Es ist schon lange her, dass ich beim Lesen so herzhaft gelacht habe wie bei diesem Buch.

MaspalomasPride ist ein urkomischer und farbenfroher Einblick in unsere queere Welt, der mich nicht nur zum Lachen gebracht hat, sondern auch zum Nachdenken.

Das Buch ist eine wilde Mischung aus schrillen und abgedrehten Erlebnissen, pointiertem Humor und sogar nachdenklicheren Momenten, die zwischen den Zeilen mitschwingen. Die Geschichte rund um vier Freunde, die zum Maspalomas Pride aufbrechen, sprüht geradezu vor Lebensfreude und Energie. Von absurden Missgeschicken bis hin zu herzerwärmenden Momenten der Freundschaft ist alles dabei.

Was dem Autor hierbei besonders gut gelingt, ist, Klischees und Stereotypen gekonnt und immer mit einem Augenzwinkern einzusetzen, um sie gleichzeitig zu bestätigen oder zu hinterfragen. Die Figuren sind zwar skurril, aber authentisch und liebenswert. Jede:r von ihnen bringt ganz eigene Stärken, Schwächen und Eigenheiten mit, die sie zu einem unverwechselbaren Teil des chaotischen Abenteuers machen.

Hinter all dem Glitzer und dem Drama verbirgt sich aber eine tiefere Botschaft, nämlich die der Akzeptanz, Zugehörigkeit und die Bedeutung von echter Freundschaft. Von Genster schafft es, die ernsten Themen in einem witzigen Kontext anzusprechen, ohne die Wichtigkeit dahinter aus den Augen zu verlieren. Diese Balance hat mich sehr beeindruckt und zeigt, dass der Autor sein Handwerk versteht.

Der Schreibstil ist frisch, spritzig und voller Witz. Der Autor setzt die Pointen perfekt, gleichzeitig transportiert er eine spürbare Leidenschaft für unsere queere Community, die dem Roman einen authentischen Touch verleiht.

MaspalomasPride ist ein Muss für alle, die sich beim Lesen mal wieder köstlich amüsieren wollen, ohne aber auf Tiefe zu verzichten. Egal ob queer oder nicht: Dieses Buch bringt alle zum Lachen. Wer sich auf die Reise voller Glitzer, Drama und skurriler Momente traut, sollte unbedingt zugreifen. Ich persönlich freue mich schon auf das nächste Werk von Maximillian von Genster.

10/10 Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 22.11.2024

Wie gute Musik

Im wechselnden Licht der Jahre
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Zitat:

„Scheiße, ich werde bald sterben. Ich habe nicht mehr lange, nur noch ein paar Jahre. Und es sind nicht die besten Jahre, die vor mir liegen, sondern eher die nicht mehr ganz so guten.“

Darum ...

Zitat:

„Scheiße, ich werde bald sterben. Ich habe nicht mehr lange, nur noch ein paar Jahre. Und es sind nicht die besten Jahre, die vor mir liegen, sondern eher die nicht mehr ganz so guten.“

Darum geht’s:

Alexander ist mit seinem Leben recht zufrieden. Doch der anstehende sechzigste Geburtstag bereitet ihm Sorgen. Als ein Songwriter in die Nachbarschaft einzieht, den Alexander bewundert, und dieser ihn sogar auffordert, gemeinsam einen Song zu schreiben, hat Alexander das Gefühl, noch einmal richtig durchzustarten. Doch dann geschieht ein tragischer Unfall, der alles infrage stellt …

So hat es mir gefallen:

Der Klappentext des Buches sagt: „Ein Roman wie ein guter Song über Liebe, Leid und Glück.“ Das würde ich genauso unterschreiben. Denn das Buch fühlt sich wie mein Lieblingssong an: mal leise und nachdenklich, mal kraftvoll und bewegend. Die Geschichte berührt auf eine Weise, die authentisch und nachvollziehbar ist: eben direkt aus dem Leben gegriffen. Liehr gelingt es, Alexander mit einer solchen Tiefe zu zeichnen, dass man ihn nicht nur versteht, sondern mit ihm mitfühlt. In seinen Sorgen, Hoffnungen und auch Zweifeln werden sich vermutlich viele Leser:innen wiederfinden können. Der Songwriter und die Tragödie in Alex' Leben geben der Erzählung eine ungeahnte Tiefe und schaffen den Spagat zwischen Höhenflügen und Tiefpunkten.

Tom Liehrs Schreibstil ist angenehm und leichtfüßig. Trotz der emotionalen Schwere macht dies das Buch zu einem Pageturner. Der Autor weiß einfach, wie man mit Worten Bilder entstehen lässt und Stimmungen einfängt, und genau das hebt den Roman von vielen anderen ab. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber doch: die Darstellung der Nebenfiguren. Seine Familie wirkt manchmal ein wenig zu glatt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass mehr Figuren ihr Päckchen zu tragen haben. Im Roman wirkt alles ein wenig zu perfekt, fast schon harmonisch, was den ansonsten so realistischen Tonfall der Geschichte stellenweise etwas untergräbt. Insgesamt tut dies dem Hauptplot freilich keinen Abbruch, dennoch hätte ich mir bei den Nebenfiguren etwas mehr „Drama“ gewünscht.

Im Gesamten ist das Buch ein wundervoller Roman über Liebe, Verlust und die Frage, was wirklich wichtig ist im Leben. Tom Liehr liefert eine tolle Antwort auf diese Frage. Ein gutes Werk, das nachhallt und sich wie ein Ohrwurm im Herzen festsetzt.

9/10 - Leseempfehlung

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