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Veröffentlicht am 14.11.2025

Gelungen

Das zweite Königreich
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Auch wenn Das zweite Königreich mein erstes Buch von Rebecca Gablé war, wusste ich natürlich, worauf ich mich da einlasse. Umfangreich und viel Geschichte. Und ja, genau so war’s auch. Nur ehrlich gesagt: ...

Auch wenn Das zweite Königreich mein erstes Buch von Rebecca Gablé war, wusste ich natürlich, worauf ich mich da einlasse. Umfangreich und viel Geschichte. Und ja, genau so war’s auch. Nur ehrlich gesagt: manchmal ein bisschen zu viel von allem.

Klar, Gablé kann schreiben, keine Frage. Man merkt sofort, wie gründlich sie recherchiert hat. Die Schauplätze wirken gelungen, die Figuren echt, und man taucht ziemlich tief ins 11. Jahrhundert ein. Aber zwischen all den historischen Details bleibt die Geschichte stellenweise ein bisschen fad. Es ist einfach sehr, sehr viel, und es fehlt an echten Höhepunkten und Spannungsmomenten. Und manchmal hatte ich das Gefühl, Gablé verliert sich ein bisschen in den politischen Feinheiten und Machtspielchen.

Cædmon, der Protagonist, war für mich aber ein echter Lichtblick. Ein Typ, der zwischen zwei Welten steht: zu englisch für die Normannen, zu normannisch für die Engländer. Das fand ich spannend, weil er so vielschichtig und menschlich ist. Er will das Richtige tun, weiß aber oft selbst nicht genau, was das eigentlich ist.

Trotzdem: 900 Seiten sind eine Ansage. Nicht jede davon war für mich nötig. Manche Kapitel ziehen sich, und die großen Highlights bleiben ein bisschen aus. Es gibt zwar Schlachten, Intrigen und auch eine Liebesgeschichte, aber so richtig gepackt hat mich das alles nicht. Eher solide erzählt, aber selten mitreißend.

Ich will’s aber auch gar nicht schlechtreden, Gablé versteht ihr Handwerk, keine Frage. Sie kann Atmosphäre, sie kann Figuren, und sie kann historische Genauigkeit, wie kaum jemand sonst. Nur für mich persönlich war’s stellenweise etwas zu ausufernd. Ich mochte den Stil, ich mochte die Welt, ich mochte Cædmon, aber ich hätte mir mehr Zug, und einen strafferen Plot gewünscht.

Unterm Strich: stark geschrieben, beeindruckend recherchiert, aber für mich auch kein Pageturner. Großen Respekt an die Autorin. Ob es am Ende aber wirklich über 900 Seiten gebraucht hätte, darf ruhig bezweifelt werden.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Meisterwerk

Jasper Field
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„Jasper Field“ hat alles, was ich gerade an Literatur so mag. Zum Teil ein Wirtschaftskrimi, Politthriller, Coming-of-Age-Story und dazu zwei queere Figuren. Zusammen ergibt das ein Buch, das ich nicht ...

„Jasper Field“ hat alles, was ich gerade an Literatur so mag. Zum Teil ein Wirtschaftskrimi, Politthriller, Coming-of-Age-Story und dazu zwei queere Figuren. Zusammen ergibt das ein Buch, das ich nicht nur verschlungen habe, sondern das mich hinterher regelrecht in eine Leere gestürzt hat, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Dieses seltsame Gefühl, wenn etwas Großes endet und man dafür noch gar nicht bereit ist.

Es wirkt fast so, als wäre dieses Buch für mich geschrieben worden.
Mit Superlativen halte ich mich ja meist zurück: hier kann ich das gar nicht.
Jasper Field ist nicht nur das beste Buch, das ich vermutlich je gelesen habe, sondern wird in Zukunft auch wertungstechnisch zum Maßstab meiner Rezensionen.

Der Autor hat sich mit diesem Buch in die Riege meiner Lieblingsautoren geschrieben. Man mag es zudem kaum glauben, aber das Buch ist im Selbstverlag erschienen. Ich hätte es mit Leichtigkeit in einem großen Publikumsverlag gesehen.

Simon Jarr hat mit diesem Debüt etwas geschaffen, das man nur selten findet: einen Roman, der Thriller, Drama und Gesellschaftskritik mühelos vereint. Einen Polit- und Wirtschaftsthriller, der über sich hinauswächst, der die Macht der Medien, den Wert von Wahrheit und die Grenzen von Moral beleuchtet. Und mittendrin zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Max Sandberg, Erbe eines Zeitungsimperiums, und Jasper Field, der geheimnisvolle Fremde mit einer Vergangenheit, die alles verändert.

Knappe 850 Seiten. Keine zu viel, im Gegenteil, ich hätte locker noch 200-300 Seiten mehr lesen können. Ich wollte einfach nicht, dass diese Geschichte endet.

Jasper Field ist für mich nicht einfach nur Buch, es ist ein literarisches Meisterwerk. Und vermutlich sogar das beste Buch, das ich je gelesen habe.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Stimmig

Das Dünenversteck
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Eine skelettierte Leiche wird in den Nordsumer Dünen entdeckt und plötzlich steht für Kommissar Harring alles auf dem Spiel. Denn der Fall führt mitten in seine eigene Familie. Sein dementer Vater scheint ...

Eine skelettierte Leiche wird in den Nordsumer Dünen entdeckt und plötzlich steht für Kommissar Harring alles auf dem Spiel. Denn der Fall führt mitten in seine eigene Familie. Sein dementer Vater scheint mehr zu wissen, als gut ist, und als Harrings vermisster Cousin in einer anonymen Drohbotschaft des Mordes beschuldigt wird, gerät sein Leben aus den Fugen. Statt sich an Regeln zu halten, beginnt Harring, auf eigene Faust zu ermitteln und bringt sich damit selbst in Gefahr.

„Das Dünenversteck“ ist der vierte Band der Nordsum-Reihe, lässt sich aber problemlos auch ohne Vorwissen lesen. Das Setting ist hervorragend gewählt: die herbe Küstenlandschaft, die die Dünen und das Rauschen des Meeres. Hier gelingt es Martensen, eine besondere Atmosphäre zu schaffen, fernab der üblichen Genrepfade.

Die Handlung ist kompakt erzählt, kommt schnell auf den Punkt und bleibt trotzdem durchgehend spannend. Klar, einiges ist vorhersehbar, und man ahnt früh, wohin die Spur führt. Doch der Autor baut die Geschichte so auf, dass man trotzdem weiterlesen will. Die Auflösung ist logisch, das Ende zufriedenstellend. Vielleicht hätte es hier und da noch einen Tick mehr Überraschungen vertragen können.

Was den Thriller auszeichnet, sind seine Figuren. Bork und Harring sind ein Duo, das gut harmoniert. Der etwas grummelige, erfahrene Bork und der impulsive, emotionalere Harring, zwei Gegensätze, die sich perfekt ergänzen. Ihre Dialoge, ihre kleinen Reibereien, das Zusammenspiel im Ernstfall, wirkt glaubwürdig und bringt Tiefe in die Geschichte.

Vor allem Harring steht diesmal im Mittelpunkt. Der Fall betrifft ihn persönlich, und das macht ihn verletzlich. Er weiß, dass er befangen ist, kann sich aber nicht heraushalten. Also ermittelt er auf eigene Faust, mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Am Ende bleibt ein toller Thriller, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber genau weiß, was er will: Spannung, Atmosphäre und Charaktere, die überzeugen. Wer ruhige, durchdachte Spannung, statt blutiger Schockmomente sucht, der sollte definitiv mal die Nordsum- Reihe genauer unter die Lupe nehmen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Spannend

Der große UFA-Bluff
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„Ein Film, der nie gedreht wurde – und doch das Leben vieler rettete.“

Februar 1945. Deutschland steht vor dem Zusammenbruch. Während in Berlin die Bomben fallen, versucht ein kleines UFA-Filmteam, sein ...

„Ein Film, der nie gedreht wurde – und doch das Leben vieler rettete.“

Februar 1945. Deutschland steht vor dem Zusammenbruch. Während in Berlin die Bomben fallen, versucht ein kleines UFA-Filmteam, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Produktionsleiter Eberhard Schmidt hat eine waghalsige Idee: Unter dem Vorwand, in Tirol einen Propagandafilm für den „Endsieg“ zu drehen, will er mit seiner Crew fliehen. Doch was niemand wissen darf – sie haben keinen Meter Film dabei.

Anton Leiss-Huber erzählt in Der große UFA-Bluff die Geschichte eines riskanten Täuschungsmanövers, das auf wahren Begebenheiten beruht. Inspiriert von Erich Kästners Tagebuch Notabene 45 zeigt er, wie sich eine Gruppe Filmschaffender mit List und Mut dem Untergang entzieht.

Besonders beeindruckt hat mich, wie er die Stimmung jener letzten Kriegswochen einfängt, diese Mischung aus Angst, Erschöpfung und dem Gefühl, dass alles bald vorbei ist, nur dass man es aber noch nicht laut sagen darf. Gleichzeitig zeigt er auch, dass es Menschen gab, die trotz allem Mut bewiesen und sich dem Wahnsinn des Regimes widersetzten.

Besonders Luis Adrian, der fiktive Filmstar der Geschichte, hat mich beeindruckt: Eine Figur, die so echt wirkt, dass man meint, sie hätte tatsächlich existiert. Seine Beziehung zu Lisa Lion bringt Wärme in eine Welt, in der kaum noch Platz dafür war. Unterm Strich ist Der große UFA-Bluff für mich ein spannendes Buch. Es zeigt, wie eng Wahrheit und Täuschung manchmal beieinander liegen, und dass Mut in dunklen Zeiten viele Gesichter haben kann.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

tolle queere Romance

Bluewell University - The Trust You Need
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Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: ...

Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: Bluewell University – The Trust You Need hat mich dann doch abgeholt.

Rockster und Wesley sind zwei Typen, die sich am Anfang am liebsten gegenseitig an die Wand klatschen würden. Und das ist noch nett gesagt. Beide haben genug Päckchen zu tragen: Rockster jongliert zwischen Uni, Nebenjob und seiner kleinen Schwester, um die er sich plötzlich allein kümmern muss, und Wesley kämpft mit einer Vergangenheit, die ihn immer noch verfolgt. Was sich daraus entwickelt, ist eine Geschichte voller Emotionen und einem sehr ehrlichen Blick darauf, was Vertrauen eigentlich bedeutet.

Martina Riemer schreibt locker, witzig und trotzdem mit Tiefgang. Ich mochte, dass die Story nicht nur romantisch ist, sondern auch Themen wie Akzeptanz, mentale Gesundheit und Selbstfindung anspricht. Manchmal leicht, manchmal ernst. Wesley war für mich das Herz des Buches, Rockster der, der lernen muss, loszulassen. Und das Zusammenspiel der beiden funktioniert einfach.

Natürlich gibt’s auch Dinge, die mir weniger gefallen haben: Die Sache mit Rocksters Mutter war mir etwas zu überzeichnet, und ja: der Spice war mir persönlich too much. Aber das Buch hat mich am Ende trotzdem überzeugt. Bluewell University – The Trust You Need ist frech, warm und ehrlich und erinnert uns daran, dass Menschen Fehler machen dürfen und Vertrauen kein Selbstläufer ist.

Für mich persönlich war der Spice etwas too much und der Tonfall an ein paar Stellen etwas zu derb, aber das ändert nichts daran, dass ich die Story mochte. Ein queerer Liebesroman, der nicht nur romantisch, sondern auch menschlich ist.

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