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Veröffentlicht am 22.10.2025

tolle queere Romance

Bluewell University - The Trust You Need
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Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: ...

Ich sag’s gleich vorweg: Ich bin ja wirklich nicht der Typ für große Liebesgeschichten. Wenn dann noch so Begriffe wie Enemies to Lovers oder Forced Proximity fallen, bin ich normalerweise raus. Und trotzdem: Bluewell University – The Trust You Need hat mich dann doch abgeholt.

Rockster und Wesley sind zwei Typen, die sich am Anfang am liebsten gegenseitig an die Wand klatschen würden. Und das ist noch nett gesagt. Beide haben genug Päckchen zu tragen: Rockster jongliert zwischen Uni, Nebenjob und seiner kleinen Schwester, um die er sich plötzlich allein kümmern muss, und Wesley kämpft mit einer Vergangenheit, die ihn immer noch verfolgt. Was sich daraus entwickelt, ist eine Geschichte voller Emotionen und einem sehr ehrlichen Blick darauf, was Vertrauen eigentlich bedeutet.

Martina Riemer schreibt locker, witzig und trotzdem mit Tiefgang. Ich mochte, dass die Story nicht nur romantisch ist, sondern auch Themen wie Akzeptanz, mentale Gesundheit und Selbstfindung anspricht. Manchmal leicht, manchmal ernst. Wesley war für mich das Herz des Buches, Rockster der, der lernen muss, loszulassen. Und das Zusammenspiel der beiden funktioniert einfach.

Natürlich gibt’s auch Dinge, die mir weniger gefallen haben: Die Sache mit Rocksters Mutter war mir etwas zu überzeichnet, und ja: der Spice war mir persönlich too much. Aber das Buch hat mich am Ende trotzdem überzeugt. Bluewell University – The Trust You Need ist frech, warm und ehrlich und erinnert uns daran, dass Menschen Fehler machen dürfen und Vertrauen kein Selbstläufer ist.

Für mich persönlich war der Spice etwas too much und der Tonfall an ein paar Stellen etwas zu derb, aber das ändert nichts daran, dass ich die Story mochte. Ein queerer Liebesroman, der nicht nur romantisch, sondern auch menschlich ist.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Starkes Debüt

Tod unter Wacholdern
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Ein Krimi, der uns direkt in die wunderschöne, aber auch geheimnisvolle Vulkaneifel entführt: das ist Tod unter Wacholdern, das Debüt von Jo Ann Martin. Auf den ersten Blick wirkt das kleine Dorf Loogh ...

Ein Krimi, der uns direkt in die wunderschöne, aber auch geheimnisvolle Vulkaneifel entführt: das ist Tod unter Wacholdern, das Debüt von Jo Ann Martin. Auf den ersten Blick wirkt das kleine Dorf Loogh friedlich, doch schon bald wird klar: Hinter den hübschen Fachwerkhäusern lauern dunkle Geheimnisse.

Ein Mann wird in einem Wacholderschutzgebiet tot aufgefunden, grotesk drapiert auf einer Bank. Kommissar Leo Werner aus Daun übernimmt die Ermittlungen, obwohl der Fall eigentlich nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Doch irgendetwas an diesem Mord lässt ihn nicht mehr los. Der Tote war wohlhabend, besaß eine Villa in Südfrankreich und eine Geliebte. Nur: warum musste er sterben?

Während die Polizei noch im Dunkeln tappt, mischt sich Biologin Alex Cameron ein. Eigentlich wollte sie mit Freunden nur entspannte Wochenenden in der Eifel verbringen, doch als eine Nachbarin Opfer eines Stalkers wird, kann sie nicht länger tatenlos zusehen. Bald merkt sie, dass die Gefahr viel näher ist, als alle denken.

Was mich sofort überzeugt hat, war die Atmosphäre. Jo Ann Martin fängt das Leben in der Eifel wunderbar ein: mit Dialekt, Eigenheiten und dieser Mischung aus Herzlichkeit und Verschwiegenheit, die man in kleinen Dörfern so gut kennt. Dazu kommt ein Schreibstil, der flüssig, klar und spannend ist. Die Kapitel sind kurz, die Perspektiven wechseln regelmäßig, das sorgt für einen tollen Lesefluss.

Besonders stark fand ich, wie realistisch die Autorin das Thema Stalking aufgreift. Sie zeigt, wie hilflos Betroffene oft sind, wenn Behörden nicht handeln, und wie schwer es ist, sich zu wehren. Und trotz der ernsten Themen kommt der Humor nicht zu kurz. Immer wieder gibt es kleine Szenen oder Dialoge, die auflockern. Dieser Balanceakt ist gut gelungen. Tod unter Wacholdern ist ein richtig gelungenes Krimidebüt, das mich sowohl durch die Story als auch durch das Setting begeistert hat. Es gibt viel Spannung, glaubwürdige Figuren und einen Hauch schwarzen Humor. Absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Richtig gut

KRYONIUM
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Was, wenn du eines Tages in einem Schloss aufwachst: ohne Erinnerung und ohne Vergangenheit? Genau hier beginnt KRYONIUM. Der (noch) namenlose Erzähler erwacht in einem Schloss, das sich verändert wie ...

Was, wenn du eines Tages in einem Schloss aufwachst: ohne Erinnerung und ohne Vergangenheit? Genau hier beginnt KRYONIUM. Der (noch) namenlose Erzähler erwacht in einem Schloss, das sich verändert wie ein lebendiges Wesen. Räume verschieben sich, Türen verschwinden wieder und außerhalb des Schlosses wartet ebenfalls nichts Gutes. Das Schloss scheint ein eigenes Bewusstsein zu haben, als würde es mit ihm spielen, ihn prüfen, ihn festhalten wollen.

Der Einstieg war für mich noch etwas holprig, fast märchenhaft, aber dann hat mich die Geschichte gepackt und nicht mehr losgelassen. KRYONIUM ist kein Thriller, kein Science-Fiction-Abenteuer, sondern etwas Drittes: ein philosophisches Kammerspiel über Erinnerung, Identität und die Frage, was uns zu dem macht, was wir sind.

Der Weltenbau ist unglaublich atmosphärisch. Zimmermann erschafft eine Welt, die gleichzeitig märchenhaft und technisch wirkt, als würde man zwischen Vergangenheit und Zukunft festhängen. Besonders beeindruckend fand ich die Sprache. Mal feierlich und altmodisch, dann wieder präzise. Ich musste mich anfangs einlesen, aber danach floss der Text ganz natürlich. Man streift mit dem Erzähler durch das endlose Schloss, sucht nach einem Hinweis, einer Tür, einem Ausweg, oder vielleicht nach sich selbst.

Das Cover möchte ich an dieser Stelle wirklich loben: die Schneekugel, das Schloss, der Schlüssel mit der Nummer 1001, alles passt perfekt zur Geschichte.

KRYONIUM ist ein modernes Märchen, aber kein verträumtes. Es ist kühl, klar, manchmal beängstigend, aber immer auch faszinierend. Es spielt mit Wahrnehmung, Virtualität und der Frage, was Erinnerung eigentlich bedeutet. Nichts ist so, wie es scheint und jedes Mal, wenn man glaubt, etwas verstanden zu haben, entgleitet einem die Geschichte wieder. Großartig.

Wer beim Lesen gerne denkt, wer Sprache liebt und sich auf etwas Experimentelles einlässt, sollte hier unbedingt zugreifen.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

Toller Roman

Noto
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Konrad verliert seinen Partner Adriano durch einen tragischen Unfall. Mit einem Teil seiner Asche macht er sich auf den Weg nach Sizilien, genauer gesagt nach Noto, einer kleinen barocken Stadt im Süden ...

Konrad verliert seinen Partner Adriano durch einen tragischen Unfall. Mit einem Teil seiner Asche macht er sich auf den Weg nach Sizilien, genauer gesagt nach Noto, einer kleinen barocken Stadt im Süden der Insel. Dort, wo die beiden sich einst ein Haus gebaut und eine zweite Heimat geschaffen hatten, möchte Konrad Abschied nehmen. Begleitet wird er von seinem Hund und dem lebenslustigen Santi, der das Leben mit einer Leichtigkeit nimmt, die Konrad fast befremdlich vorkommt.

Was wie eine einfache Reise beginnt, geht schnell tiefer. Es ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Trauer, mit Erinnerungen, mit der Frage, wie man weiterlebt, wenn der wichtigste Mensch plötzlich fehlt. Zwischen der sizilianischen Sonne und der ungestümen Landschaft entfaltet sich eine ruhige, aber eindringliche Geschichte.

Adriano Sack erzählt in „Noto“ sehr unaufgeregt, aber präzise. Man spürt auf jeder Seite, dass er weiß, wovon er schreibt. Die Geschichte wirkt echt und nachvollziehbar. Trauer ist hier nichts, das man überwinden muss, sondern etwas, mit dem man leben lernt.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Konrad in seinen Gedanken immer wieder mit Adriano spricht. Diese Gespräche verleihen der Geschichte eine besondere Nähe. Man hat das Gefühl, als sei Adriano nie ganz weg, sondern auf eine andere Weise noch da. Das ist toller erzählerischer Kniff.

Sizilien selbst wird in diesem Roman fast zu einer eigenen Figur. Sack beschreibt die Insel mit all ihren Gegensätzen: schön und rau, lebendig und still, sonnig und doch schwer. Man merkt, dass er eine persönliche Verbindung zu diesem Ort hat. Zudem mochte ich die Sprache sehr. Sie ist bildhaft, aber nicht überladen. Man sieht die Landschaft vor sich, riecht das Meer, spürt die Hitze auf der Haut. Sack schafft es, all das mit wenigen, klaren Worten einzufangen. Auch die Figuren sind stimmig. Niemand wirkt perfekt, alle haben Ecken und Kanten.

Kleine Schwächen gibt es trotzdem. Manchmal verfällt der Autor dann eben doch in unnötige Ausschweifungen. Der Stil neigt an manchen Stellen dazu, sich in (irrelevanten) Details zu verlieren. Das ändert aber nichts daran, dass „Noto“ ein starkes Debüt ist, das authentisch ist und nachklingt. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Gelungen

Essex Dogs
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Mit Essex Dogs wagt sich Dan Jones, den man sonst eher aus dem Sachbuchbereich kennt, erstmals auf das Terrain der historischen Romane. Der britische Historiker ist für seine fundierten, aber gleichzeitig ...

Mit Essex Dogs wagt sich Dan Jones, den man sonst eher aus dem Sachbuchbereich kennt, erstmals auf das Terrain der historischen Romane. Der britische Historiker ist für seine fundierten, aber gleichzeitig unterhaltsamen Bücher über das Mittelalter bekannt. Dass er nun einen Roman über den Hundertjährigen Krieg schreibt, fand ich sofort spannend. Ich war neugierig, ob er es schafft, seine historische Expertise mit einem spannenden Erzähltalent zu verbinden und ja, das gelingt ihm erstaunlich gut, auch wenn mich nicht alles überzeugt hat.

Die Handlung führt uns ins Jahr 1346. Der englische König Edward III. landet mit seiner Armee an der französischen Küste. Mitten im Chaos begleiten wir die „Essex Dogs“, eine Truppe aus zehn Söldnern, die als Vorhut für die englische Armee kämpfen. Sie sind ein wilder Haufen: Pismire, der flinke Späher, Scotsman, der Riese, Millstone, der Beschützer, der abgedrehte Father und natürlich Loveday, der erfahrene Anführer, der seine Männer irgendwie lebend durchbringen will.

Jones zeigt das Mittelalter nicht als romantisierte Welt voller Ritter und Glorie, sondern so, wie es wohl wirklich war: brutal, schmutzig und gnadenlos. Gleichzeitig lässt er die Figuren so nah an uns heran, dass man meint, neben ihnen durch den Matsch zu ziehen. Besonders Loveday ist dabei eine Figur, die hängen bleibt: müde vom Töten, aber entschlossen, seine Leute zu retten.

Die Sprache ist direkt, rau und bodenständig, perfekt passend zu dieser Truppe. Und obwohl Jones Historiker ist, verliert er sich nicht in Fakten. Stattdessen fließt sein Wissen ganz natürlich in die Handlung ein, was die Geschichte glaubwürdig macht.

Natürlich merkt man, dass Jones eher aus dem Sachbuchbereich kommt. Der Roman ist sehr genau, fast dokumentarisch. Die Schlachten sind eindrucksvoll, aber im Mittelteil zieht es sich etwas. Zudem fehlt mir eine übergeordnete Handlung. Wir folgen eher den persönlichen Figuren, und ihren Geschichten, klar ergibt das am Ende auch ein großes Ganzes, dennoch wäre ein zentraler Plot nicht schlecht gewesen. Dennoch und das will ich auch nochmal sagen, bleibt das Ganze spannend, allein weil die Figuren gut ausgearbeitet sind und man Interesse an ihrem Schicksal hat.

Wer historische Romane mag, in denen es nicht um Glanz und Gloria, sondern um das Leben „von unten“ geht, sollte hier auf jeden Fall mal reinschauen. Aber auch Leser, die sonst vielleicht eher zu Thrillern oder Action greifen, könnten überrascht sein, wie spannend und mitreißend das Mittelalter sein kann, wenn man es mal ohne Romantik betrachtet.

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