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Veröffentlicht am 23.03.2022

Klimakatastrophen gab es auch schon im 19. Jahrhundert…

Der dunkle Himmel
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Das Jahr 1816 war eines der entbehrungsreichsten der letzten Jahrhunderte. Ausgelöst durch einen gigantischen Vulkanausbruch in Indonesien wurde es als „Jahr ohne Sommer“ bekannt und sorgte auch in Deutschland ...

Das Jahr 1816 war eines der entbehrungsreichsten der letzten Jahrhunderte. Ausgelöst durch einen gigantischen Vulkanausbruch in Indonesien wurde es als „Jahr ohne Sommer“ bekannt und sorgte auch in Deutschland für Hungersnöte.

Dieses Szenario nimmt Astrid Fritz als Ausgangspunkt für ihren Roman „Der dunkle Himmel“ und ich freute mich sehr darauf, denn ich war neugierig, wie die Menschen im kleinen Flecken Hochstetten in der Schwäbischen Alb dieses Jahr meistern würden, was es ihnen abverlangen würde und ob vielleicht irgendein helles Köpfchen dahinter kommen würde, womit dieses ungewöhnlich kalte Jahr zusammenhängt.

Doch leider wurden meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Denn man muss ganz klar sagen: die Klimakatastrophe des Jahres 1816 dient diesem Roman nur als Aufhänger, nicht jedoch als Hauptthema. Dieses wird vielmehr bestimmt durch die (fast) aussichtslose Liebe zwischen dem Schulmeister Friedhelm und Paulina, der Tochter des Schultes (eine Art Ortsvorsteher). Der Schultes hat seine Tochter bereits einem Geschäftsfreund versprochen, der – natürlich! – doppelt so alt ist wie sie, aufdringlich und unansehnlich. (schon etwas klischeehaft…)

Paulina und Friedhelm suchen daher verzweifelt nach einer Möglichkeit, wie sie doch noch heiraten können, scheitern aber immer wieder mit ihren Plänen. Dies ist der tragende Handlungsstrang im Buch und daher würde ich es als einen klassischen historischen Liebesroman bezeichnen. Natürlich bieten 550 Seiten auch viel Raum, um die Umstände und Gegebenheiten zu schildern und so werden die fatalen Auswirkungen des sommer- und erntelosen Jahres besonders in der ersten Hälfte des Buches immer mal wieder thematisiert.

Die zweite Hälfte jedoch spielt dann im Jahr 1817, das wieder ein „ganz normales“ Jahr zu werden verspricht, auch wenn die Auswirkungen des Hungerwinters immer noch stark zu spüren sind. Diese zweite Hälfte des Buches widmet sich dann fast ausschließlich den beiden Protagonisten und ihrer verzweifelten Liebe.

Ich habe ein wenig gebraucht um mit diesem Buch warm zu werden, dann ließ es sich allerdings wirklich gut lesen. Dennoch war es mir zu viel Liebesgeschichte und zu wenig Gesellschaftspanorama (was ich mir anhand des Themas viel zentraler vorgestellt hatte). Die Klimakatastrophe an sich wurde nur zu Beginn, mittendrin in einem Kneipengespräch und zum Schluss anhand einer Tagebucheintragung tatsächlich thematisiert. Das war mir eindeutig zu wenig (auch wenn mir bewusst ist, dass die Menschen das damals nicht in Zusammenhang brachten…). Mir fehlte z. B. eine Figur, die wissenschaftlich interessiert ist und den Verdacht hegt, wie alles zusammen hängen könnte. So etwas hatte ich mir vorgestellt und war deshalb nicht ganz so begeistert von der Geschichte und ihren Figuren. Auch bin ich der Meinung, dass die Handlung gut und gern auch auf 350 Seiten hätte erzählt werden können. An einigen Stellen habe ich schon gewisse Längen gespürt.

Fazit:
Wer klassische historische Liebesromane mag, die opulent dargestellt und erzählt sind, wird mit diesem Buch definitiv auf seine Kosten kommen. Wen allerdings hauptsächlich das Hintergrundthema der Klimakatastrophe von 1816 interessiert, der könnte von dem Buch etwas enttäuscht sein.


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Veröffentlicht am 11.03.2022

Bis heute ungeklärt – das mysteriöse Verschwinden der Agatha Christie

Mrs Agatha Christie
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rIhr Name ist weltweit bekannt, sie ist die erfolgreichste Krimi-Schriftstellerin aller Zeiten: Agatha Christie. Doch nicht nur ihre Bücher waren hochspannend – auch ihr Leben enthielt ein Rätsel, das ...

rIhr Name ist weltweit bekannt, sie ist die erfolgreichste Krimi-Schriftstellerin aller Zeiten: Agatha Christie. Doch nicht nur ihre Bücher waren hochspannend – auch ihr Leben enthielt ein Rätsel, das jedem Kriminalroman zur Ehre gereicht hätte.

Im Dezember 1926 – Agatha war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt – verschwand die Autorin spurlos. Ihr Auto wurde kurz nach ihrem Verschwinden verlassen aufgefunden - mit einem Koffer sowie einem Mantel darin, den sie im winterlichen England gut hätte gebrauchen können, wäre sie nach Verlassen ihres Fahrzeugs zu Fuß unterwegs gewesen. Eine groß angelegte Suchaktion der Polizei begann. Erst 11 Tage später konnte Agatha gefunden werden – bei bester Gesundheit. Doch was in diesen 11 Tagen geschehen war und vor allem warum sie plötzlich verschwand – darüber hat sie Zeit ihres Lebens geschwiegen. Und so ranken sich bis heute Gerüchte und Theorien um diese Begebenheit.

Marie Benedict nimmt dieses Ereignis in den Fokus ihres Romans und entwickelt ihre ganz eigene Version der Ereignisse. Erzählt wird zum Einen aus der Sicht ihres Ehemannes zum Zeitpunkt ihres Verschwindens. Zum anderen schiebt die Autorin dazwischen Kapitel, die den privaten Lebensweg von Agatha Christie beschreiben – vom Kennenlernen ihres späteren Ehemanns bis zum Dezember 1926. Diese sind jeweils überschrieben mit „Das Manuskript“ – aber wieso?

Beide Erzählstränge geben den Lesern Rätsel auf. Einiges scheint unlogisch oder unpassend – auch zum Charakter der Frau, die als Autorin in der damaligen Zeit doch eine sehr selbständige Frau gewesen sein müsste…

Die Auflösung all dieser Rätsel präsentiert Marie Benedict in einem fulminanten Finale – und in allerbester Agatha-Christie-Tradition. Ich war nicht nur überrascht, sondern teilweise auch amüsiert darüber, wie plötzlich alle Puzzlestücke zusammenpassten und muss der Autorin meinen tiefempfundenen Respekt aussprechen. Denn das Buch so zu „komponieren“ ist schon außergewöhnlich!

Ich empfand die relativ kurzen Kapitel und den Wechsel in den Erzählperspektiven als sehr hilfreich für die Geschichte, da sie dem Roman Tempo und viel Spannung verleihen. Nur über den damit einhergehenden Wechseln in den Zeitformen (einmal aus Sicht Agatha- Vergangenheitsform, einmal aus Sicht Archie – Gegenwartsform) bin ich irgendwie immer wieder gestolpert. Es ist zwar logisch, die Erzählform so zu gestalten, aber irgendwie bin ich daran immer wieder hängengeblieben, wenn ein neues Kapitel begann.

Fazit:
Ein cleverer Roman um ein mysteriöses Ereignis, das auch nach fast 100 Jahren nicht aufgeklärt ist. Bester Stoff für ein Buch, gut umgesetzt und pfiffig aufgebaut.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Amüsante Krimiunterhaltung mit „Mutti“

Miss Merkel: Mord auf dem Friedhof
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Es ist ruhig geworden um Frau Merkel. Seit sie nicht mehr an vorderster Front der Regierung steht und Corona- und Flüchtlingskrisen managen muss, hört man wenig bis nichts von der ehemals allgegenwärtigen ...

Es ist ruhig geworden um Frau Merkel. Seit sie nicht mehr an vorderster Front der Regierung steht und Corona- und Flüchtlingskrisen managen muss, hört man wenig bis nichts von der ehemals allgegenwärtigen „Mutti“ der Nation.

Wie ihr Ruhestand in einem kleinen brandenburgischen Städtchen aussehen könnte, beschreibt David Safier amüsant und locker-flockig (bis klamaukig) in den „Miss Merkel“-Krimis.

Mittlerweile ist Angela Merkel bereits zum zweiten Mal auf Mörderjagd in der Provinz und diesmal ist es nicht nur der Kriminalfall, der sie nervös macht. Denn im Zuge ihrer Ermittlungen um den rätselhaften Tod des Gärtners auf dem Friedhof kommt sie immer wieder mit dem smarten Bestattungsunternehmer Kurt Kunkel in Kontakt. Kunkel ist ganz anders, als sein schnöder Name vermuten lässt – belesen, sensibel und ein äußerst gut aussehender Mann in den besten Jahren. Und da Angelas Ehemann gerade auf Wandertour in den Pyrenäen weilt, besteht durchaus die Gefahr, dass Angela dem Charme dieses Herrn erliegt. Dabei will sie doch eigentlich nur einen Mörder dingfest machen!

Wie schon im ersten Band hat David Safier auch diesmal wieder einige schräge Ideen auf Lager. Teilweise sehr amüsant, teilweise für meine Begriffe zu klamaukig. Auf Joachim Sauers Leidenschaft für diverse gesangliche Abwandlungen von „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ hätte ich zum Beispiel durchaus verzichten können.

Dennoch ist der Ton des Buches sehr unterhaltsam und amüsant. Wer mit Miss Merkel auf Mörderjagd geht, wird mit Sicherheit seinen Spaß haben. Und in der Hörbuchfassung lässt Nana Spier die Ex-Kanzlerin auch diesmal wieder sprachlich glänzen, ohne sie zu verunglimpfen.

Nur an einer Stelle haben Autor und Verlag kürzlich – absolut nachvollziehbar - die Reißleine gezogen und nachgebessert: Angelas Mops bekommt in künftigen Auflagen der Miss Merkel-Krimis einen anderen Namen. Wie er selbst kürzlich auf Instagram verriet, schämt sich Mops Putin angesichts der aktuellen Lage für seinen Namen und wird sich deshalb umtaufen lassen. Wie er künftig heißen wird, stand beim Schreiben dieser Rezension noch nicht fest. Aber es gibt sicher einige Herren aus Angelas politischer Vergangenheit, die sich bestens als Namensgeber eignen würden 😉

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Hohe Wellen, lauer Kriminalfall

Aloha. Tod im Paradies
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Hawaii – das sind so Sachen wie Wellenrauschen im Ohr, Blumenketten um den Hals und üppig grüne Landschaften. Was man zunächst weniger mit den idyllischen Inseln verbindet, ist: ein Krimi.

Spätestens ...

Hawaii – das sind so Sachen wie Wellenrauschen im Ohr, Blumenketten um den Hals und üppig grüne Landschaften. Was man zunächst weniger mit den idyllischen Inseln verbindet, ist: ein Krimi.

Spätestens seit der erfolgreichen Serie Hawaii Five-O allerdings verbinden viele auch gute Krimi-Unterhaltung mit den Pazifikinseln. Allerdings legt diese Serie die Messlatte auch recht hoch, so dass ich schon mit gewissen Erwartungen an das Buch herangegangen bin.

Das Buch steigt auch sofort in die Handlung ein – es gibt kein Vorgeplänkel. Gleich in der ersten Szene sind die Leser dabei, wie ein toter junger Surfer an der Küste geborgen wird. Aha, denkt man sich, jetzt sind wir mal gespannt, was sie über den jungen Mann herausfinden…

Doch was passiert? Den Ermittlern kommt erstmal eine Frau in die Quere, die den Diebstahl eines Solarpanels von ihrem Haus anzeigt. Und dann wird über das halbe Buch ermittelt, wo mehrere verschwundenen Solarpanels sein könnten…

Und der tote junge Mann? Hm, von dem ist erstmal überhaupt keine Rede mehr. Mich hat der Aufbau dieses Krimis mehr als verwirrt. Ich als Leser wurde so gar nicht mitgenommen – denn eine schlüssige Erklärung, wieso diese Solarplatten wichtiger sind als die Ermittlungen in einem mutmaßlichen Mordfall, konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Dadurch ging für mich viel Spannung verloren. Es gab keinen Hinweis, ob die Dinge vielleicht zusammenhängen können und so hatte ich bald die Lust daran verloren, den Solarplatten nachzuspüren und hab – was ich sonst selten mal tue – vorgeblättert.

Zwar liefen sich am Ende einige Fäden zusammen, aber das rettete das Buch für mich leider nicht – mehr als „Mittelmaß“ kann ich dem Roman leider nicht attestieren.

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Veröffentlicht am 26.02.2022

Viel Grün, viel Gegacker und viel Musical-Flair – eine gelungene Mischung!

Querbeet ins Glück
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Ich kenne Lisa Kirsch als „Mina Gold“ – denn unter diesem Pseudonym schrieb sie ihre historischen Romane „Elbleuchten“ und „Elbstürme“ und eroberte mein Leserherz damit im Sturm. Ob sie mit ihrem zweiten ...

Ich kenne Lisa Kirsch als „Mina Gold“ – denn unter diesem Pseudonym schrieb sie ihre historischen Romane „Elbleuchten“ und „Elbstürme“ und eroberte mein Leserherz damit im Sturm. Ob sie mit ihrem zweiten Pseudonym als Autorin zeitgenössischer Liebesromane ebenfalls einen Volltreffer bei mir landen könnte?

Sie konnte! Denn „Querbeet ins Glück“ überrascht nicht nur mit einigen wirklich ausgefallenen Ideen für einen Roman, sondern auch mit einer Protagonistin, die sehr nahbar und authentisch rüberkommt.

Die Musicaldarstellerin Maddie hat ein Engagement in einer Hauptrolle ergattert – dritte Besetzung bei „Tanz der Vampire“ in Berlin. Bei der Wohnungssuche musste sie allerdings Kompromisse machen und landete in einer Quasi-WG mit einer älteren Dame (Gabi), die mit Berliner Schnauze und Riesenhase Opa aufwarten kann. Aber Maddie ist glücklich – ihr Karriere-traum ist zum Greifen nah! Jetzt heißt es: ranklotzen! Die Bühne duldet keine Halbherzigkeiten.

Als sich Gabi verletzt, findet sich Maddie aber unversehens als Vertretung in Gabis Gartenkommune wieder. Zwischen Beeten, Apfelbäumen und Hühnern findet sie allerdings Gefallen an der grünen Oase. Und an Mit-Gärtner Moritz und dessen Sohn Elias, genannt Elvis. Und so wird ihr ohnehin schon stressiges Leben zwischen Probebühne, Hasenkötteln und Gewächshaus noch komplizierter – etwas, das Maddie gerade so gar nicht gebrauchen kann…

Lisa Kirsch hat einen wunderbaren Liebesroman geschrieben, der mit vielen originellen Figuren (menschlich und tierisch) und einigen Überraschungen gespickt ist. Ich war begeistert von Huhn Inge und habe trotz der locker-leichten Schreibweise viel über Hühnerglück und -unglück in der heutigen Zeit gelernt. Ein Thema, über das ich definitiv noch nie in einem Roman gelesen habe 😊

Maddie war eine rundum sympathische Hauptfigur und ich mochte vor allem, dass sie immer „logisch“ gehandelt und gesprochen hat. Wie oft liest man ein Buch und wundert sich darüber, wie eine Figur in einer bestimmen Situation reagiert. Man denkt sich „wieso hat sie das jetzt nicht direkt angesprochen? Ich hätte das gemacht…“ Meistens dienen solche kleinen Kniffe dem Aufbau von bestimmten Spannungsfeldern im Roman – können aber eben auch ziemlich aufgesetzt oder unrealistisch wirken. Dieses Gefühl hatte ich bei Maddie nie. Sie hat mich immer in ihre Gedankenwelt mitnehmen können und auch ihre Sorgen rund um ihre Musical-Karriere waren absolut nachvollziehbar geschildert.

Nur zwei ganz kleine Kritikpunkte habe ich (das ist aber nur ein persönliches Empfinden): ich hätte gern mehr Gabi im Buch gehabt (sie taucht hauptsächlich am Anfang und Ende des Buches auf, also fast nur als Initiatorin für die Garten-Sache - ich hätte auch zwischenduch gern gelesen, wie es ihr geht, wie ihre Genesung voranschreitet oder dass sie Maddie per „Fernwartung“ Pflanztipps gibt oder sowas).

Und die Auflösung des Streits zwischen den Musicaldarstellerinnen konnte ich nicht ganz zu 100 % nachvollziehen. (möchte hier nicht mehr ins Detail gehen um nicht zu spoilern)

Fazit:
Mich hat dieses Buch total in Frühlingsstimmung gebracht und der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist perfekt gewählt! 😊 Nach dem Lesen will man am liebsten sofort selbst loslegen, in der Erde buddeln und ins Grüne radeln. Es ist eine wunderbare Geschichte mit tollen (frischen!) Ideen – Huhn Inge war echt der Hit! Ich habe das Buch sehr genossen! 4,5 Sterne mit absoluter Frühlings-Leseempfehlung!

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