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Veröffentlicht am 12.05.2026

Mit Woll-idarität zum Ziel!

Widdersehen
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Schafe sind wirklich gemütliche Tiere. Weiden, widerkäuen, ein bisschen dösen… und schon ist die Herde zufrieden. Doch der Frieden wird jäh gestört, als Schäferin Rebecca plötzlich verschwunden ist. Die ...

Schafe sind wirklich gemütliche Tiere. Weiden, widerkäuen, ein bisschen dösen… und schon ist die Herde zufrieden. Doch der Frieden wird jäh gestört, als Schäferin Rebecca plötzlich verschwunden ist. Die Herde ist sich einig – das kann nichts Gutes bedeuten. Und wer soll ihnen nun vorlesen, wie sie das aus ihrem Schafsalltag mit Rebecca gewöhnt sind?

 

Den cleveren Vierbeinern, allen voran Miss Maple, schwant Böses. Hier geht eindeutig etwas nicht mit rechten Dingen zu und Rebecca schwebt vermutlich in großer Gefahr. Wer, wenn nicht ihre Schafherde, kann sie nun noch retten?

 

Und so besinnen sich die Zotteltiere auf ihre „Woll-idariät“ und machen sich auf die Suche nach Rebecca. Nicht immer mit einem Plan, aber dafür mit viel Enthusiasmus.

 

Leonie Swann hat ihre Erfolgsfiguren aus „Glennkill“ und „Garou“ nun zum dritten Mal auf großes Schafsabenteuer geschickt und wie immer punktet sie mit trockenem Humor und absurden Einfällen. Und wer hätte gedacht, dass selbst einem Leitwidder mal die Erkenntnis kommt, dass das „Paradies“ nicht immer erstrebenswert ist? 😉

 

Bei den Schafsromanen von Leonie Swann muss man wissen worauf man sich einlässt. Mit etwas schrulligen Figuren und irrwitzigen Szenen muss man einfach rechnen – genau dafür lieben viele ihre Bücher. Ich habe mich ab und zu über Wortabwandlungen oder -neuschöpfungen amüsiert („Alibäh“ statt Alibi, Woll-idarität usw.), die dem Text noch einmal eine ganz eigene humorvolle Note geben.

 

Besonders ins Herz geschlossen habe ich das runde Lamm, das sich als mutig, clever und entschlossen erweist. Und Madouc, das „Schaf auf Probe“, das eigentlich eine Ziege ist und mit seiner hibbeligen Art die Herde aufmischt. Alle haben ihre Eigenheiten, aber auch ihre besonderen Fähigkeiten – ganz genau wie wir Menschen. Und das macht die gesamte Herde so sympathisch. Vielleicht wird sich auch der eine oder die andere in den Wesensarten der Schafe ein wenig wiedererkennen. 😊

 

Ich habe es sehr genossen, mit den Wuscheltieren auf Mörderjagd zu gehen und die Wiesen und Weiden ihrer Heimat zu erkunden. Es war kurzweilig, amüsant, spannend und zuweilen auch ein wenig anrührend. Das Konzept des „Schafskrimis“ sehe ich bei weitem noch nicht als abgenutzt an – gern bin ich bei weiteren Abenteuern von Miss Maple und ihren Freunden wieder mit von der Partie!



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Veröffentlicht am 05.05.2026

Auf den Spuren deutsch-türkischer Geschichte

Ein Ort, der bleibt
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Sandra Lüpkes ist es auch in ihrem neuesten Roman wieder gelungen, Fakten aus der Geschichte so aufzubereiten, dass sie einen gelungenen und unterhaltsamen Roman ergeben. Die historischen Tatsachen rund ...

Sandra Lüpkes ist es auch in ihrem neuesten Roman wieder gelungen, Fakten aus der Geschichte so aufzubereiten, dass sie einen gelungenen und unterhaltsamen Roman ergeben. Die historischen Tatsachen rund um den Professor Alfred Heilbronn und seine Gattin Magda hat sie mit viel Recherche und ein wenig künstlerischer Freiheit zu einer spannenden Geschichte aufgearbeitet.

 

Im Mittelpunkt steht aber neben verschiedenen historisch belegten Figuren vor allem ein Ort: der botanische Garten von Instanbul. Seine wechselvolle Geschichte ist eng verknüpft mit dem Schicksal von Alfred und Magda sowie Alfreds Assistentin Mehpare. Wie ihre Leben miteinander verwoben sind, ist ein spannender Teil dieses Romans.

 

Doch wie kam die Familie Heilbronn eigentlich nach Istanbul? Wie so oft liegt die Wurzel dessen im aufkommenden Nationalsozialismus. Obwohl Alfred nicht sehr religiös handelt, ist seine Abstammung auf dem Papier jüdisch. Und so werden die Zeiten in den 1930er Jahren in Deutschland rauher für ihn. Er selbst sieht die Probleme noch nicht einmal kommen, doch seine Frau Magda ist da sensibler und drängt ihn, ein Angebot aus Istanbul anzunehmen, dort einen botanischen Garten anzulegen und zu pflegen. So übersiedelt die gesamte Familie an den Bosporus und findet in der sogenannten „Kolonie B“, die vorrangig aus emigrierten Deutschen besteht, eine neue Heimat.

 

Und so erzählt der Roman vom Zurücklassen, vom Gehenlassen, aber auch von neuen Anfängen und der Integration in eine andere Kultur – so wie wir Deutschen es später von türkischen Gastarbeitern kennen, mussten auch Magda, Alfred und ihre Familie Fuß fassen und Sprachbarrieren überwinden.

 

Neben dem historischen Erzählstrang wird in der Gegenwart auch die Geschichte von Imke erzählt. Sie soll bei der Erstellung eines Gutachtens zur Zukunft des Botanischen Gartens aus stadtplanerischer Sicht assistieren. Wir begleiten die junge Erwachsene auf ihrem beruflichen und privaten Weg, während sie einige Wochen in Istanbul verbringt. Und wie man sich denken kann, verlässt sie die Stadt mit Erfahrungen, Erlebnissen und näher bei sich selbst.

 

Ich habe den Roman sehr gern gelesen und war wie schon bei Sandra Lüpkes bisherigen Romanen begeistert davon, wie sie es schafft historischen Figuren (die allerdings wenig bekannt sind) Leben einzuhauchen. Der historische Teil des Romans hat mir persönlich etwas mehr gefallen als der Erzählstrang in der Gegenwart und ich hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn es sich in Gänze um einen historischen Roman gehandelt hätte. Wer gut aufgearbeitete historische Stoffe zu schätzen weiß, wird mit diesem Buch definitiv auf seine Kosten kommen!

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Veröffentlicht am 29.04.2026

(Über-)Leben, wenn die Welt am Abgrund steht

33 Place Brugmann
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Ein Haus erzählt seine Geschichte. Diese Grundidee ist nicht neu, erst vor kurzem ist in der deutschsprachigen Literatur mit „Treppe aus Papier“ ein ähnlicher Plot erzählt worden. Und dennoch sind die ...

Ein Haus erzählt seine Geschichte. Diese Grundidee ist nicht neu, erst vor kurzem ist in der deutschsprachigen Literatur mit „Treppe aus Papier“ ein ähnlicher Plot erzählt worden. Und dennoch sind die Bücher ganz unterschiedlich. In „33 Place Brugmann“ ist die Adresse der Ausgangspunkt, um die Schicksale der Bewohner dieses Hauses zu verfolgen. Einige werden stärker beleuchtet, einige weniger. Aber alle sind Rädchen in einem großen Uhrwerk und versuchen in einer Zeit, in der Menschlichkeit abhanden kommt, zu leben und zu überleben.

 

Der Roman lebt von der Atmosphäre, von den Charakteren der Hausbewohner, deren Leben auf vielfältige Weise miteinander verwoben sind. Am nächsten habe ich mich Charlotte gefühlt, einer Kunststudentin, die ein Geheimnis hütet – denn sie ist farbenblind. Und dennoch versucht sie ihren Traum zu leben und ist eine mutige junge Frau, die ihren Platz in der Welt sucht.

 

Zu Beginn des Buches rüttelt ein Ereignis an den Grundfesten der Bewohner: die Raphaels, eine jüdische Familie aus dem 3. Stock, ist von einem Tag auf den anderen verschwunden. Das bekannte Gefüge beginnt sich zu verändern, jeder macht sich einen anderen Reim auf die Geschehnisse, die im Licht der politischen Situation mehr als bedrohlich wirken. Wie es nach diesem Zeitpunkt mit jedem der Bewohner weitergeht, erzählt das Buch wie ein Kaleidoskop, während es hin und wieder auch in Rückblenden auf die bisherige Geschichte der Protagonisten eingeht.

 

So wirkt der Plot nicht rasant und durchgetaktet, sondern eher fließend, aber er stellt gekonnt die Verflechtungen und Beziehungen der Personen in den Mittelpunkt und beleuchtet damit den Zeitraum des Nationalsozialismus aus mehreren Perspektiven (z. B. ist einer der Bewohner ein Kunsthändler, ein anderer ist Anwalt). Das Buch reflektiert moralische Dilemmas genauso wie Entscheidungen vor dem Hintergrund von Zwang oder Widerstand. Es setzt Denkanstöße, aber nimmt dem Leser das Denken nicht vorweg. Damit ist es kein Roman zum „Durchsuchten“, sondern eher ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Durch die vielen unterschiedlichen Figuren, die ihre Gedanken aus der Ich-Perspektive schildern, ist man sehr nah an ihnen dran, allerdings setzt sich dadurch auch nur langsam eine wirkliche Handlung zusammen. Damit bin ich persönlich nicht ganz so gut zurechtgekommen wie ich es mir erhofft hatte.

 

Ich empfinde das Buch insbesondere als passend für Leser*innen, die über den Tellerrand hinausschauen und ein vielschichtiges Bild des zweiten Weltkriegs aus vielen Perspektiven in nur einem Buch erhalten wollen. Wer handlungsgetriebene Plots liebt, sollte aber eher zu einem anderen Buch greifen.

 

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Go girls!

Die Frauen von Oxford
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„Die Frauen von Oxford“ zeigt am Beispiel von vier jungen Frauen, wie sich nach Jahrhunderten, in denen in Oxford nur männliche Studenten zugelassen waren, die Frauen ihre Rolle an den Universitäten eroberten. ...

„Die Frauen von Oxford“ zeigt am Beispiel von vier jungen Frauen, wie sich nach Jahrhunderten, in denen in Oxford nur männliche Studenten zugelassen waren, die Frauen ihre Rolle an den Universitäten eroberten. Dabei setzt die Autorin nicht den erhobenen Zeigefinger an, sondern bettet ihr Thema in einen gefälligen, unterhaltsamen Roman ein. (Fun Fact: Auch Königin Camilla findet diesen Roman toll und stellt ihn in ihrem Buchclub @thequeensreadingroom auf Instagram vor!)

 

Mit ganz unterschiedlichem Hintergrund kommen im Jahr 1920 Theodora, Beatrice, Marianne und Ottoline ans St Hughes College in Oxford. Erstmalig dürfen auch Frauen offiziell ein Studium aufnehmen – und einen richtigen Abschluss machen. Bisher war es Frauen zwar erlaubt, bestimmte Kurse zu besuchen und Prüfungen abzulegen, allerdings ohne dafür ein Abschlusszeugnis und ein Degree zu erhalten.

 

Die vier Frauen stürzen sich ins Studium und ins Leben, erleben Neid, Hass und Missgunst, aber auch Erfolge, Unterstützung und Freundschaft. Sie werden ein sehr enges „Kleeblatt“ und trotzdem hat jede auch ihre ganz eigenes Geheimnis…

 

Diese Geheimnisse kommen im Verlauf des Buches ans Licht und als Leser begleitet man die Vier auf ihrer Reise ins Leben. Obwohl das Buch kurz nach dem Ersten Weltkrieg spielt und damit natürlich auch von Themen wie Kriegstraumata oder dem Frauenwahlrecht geprägt ist, hat die Geschichte doch auch immer einen leichten und unbeschwerten Touch. Ganz so wie es halt in der Jugend ist – auch schwere Themen werden mit einer gewissen Leichtigkeit hingenommen und angegangen.

 

Die vier Protagonistinnen sind alle ganz unterschiedlich, stammen aus unterschiedlichen Klassen und familiären Hintergründen, ergänzen sich aber ganz wunderbar. Ich fand jede auf ihre Art sehr sympathisch, besonders angetan hatte es mir aber die gleichzeitig burschikose und mondäne „Otto“ (Kurzform von Ottoline). Sie stammt aus einer reichen Familie und kann das im richtigen Moment auch zur Schau stellen bzw. für ihre Zwecke nutzen, hat aber das Herz am rechten Fleck und tritt bedingungslos für ihre neuen Freuninnen ein.

 

Wenn man das Buch liest, möchte man am liebsten ebenfalls ein Teil ihres Freundeskreises sein und diese studentische Reise (und auch die Reise ins Erwachsenenleben) mit den jungen Frauen teilen. Ich habe sie sehr gern begleitet und ihre Abenteuer in Oxford mit Spannung verfolgt. Da das Buch nur das erste Studienjahr umfasst, habe ich mich gefragt, ob es vielleicht noch weitere Bände mit diesen Protagonistinnen geben wird. Das Ende des Buches lässt das offen, aber da es in sich eine geschlossene Erzählung ist, in der die geteaserten Erzählstränge alle zu Ende geführt werden, gehe ich eher nicht davon aus. Schade eigentlich!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Immer noch eine meiner Lieblings-Krimireihen!

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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Jedes Mal wenn ich höre, dass es bald einen neuen Fall für Rasmus Nyborg und Vibeke Boisen geben wird, freue ich mich wie ein kleines Kind. Die Reihe verfolge ich schon einige Jahre und zwar am liebsten ...

Jedes Mal wenn ich höre, dass es bald einen neuen Fall für Rasmus Nyborg und Vibeke Boisen geben wird, freue ich mich wie ein kleines Kind. Die Reihe verfolge ich schon einige Jahre und zwar am liebsten als Hörbuch. Gesprochen von der wunderbaren Vera Teltz, deren Stimme den deutsch-dänischen Ermittlern viel nordisch-spröden Charme verleiht und ihnen in jeder Lebenslage gerecht wird. Vera passt einfach hervorragend zu dieser Reihe bzw. die Reihe zu ihr!

 

Der Fall erstreckt sich auch diesmal grenzübergreifend von Flensburg bis ins südliche Dänemark und führt Rasmus und Vibeke gleich zu mehreren Tatorten mit mehreren Toten. Während den Ermittlern die Zeit davonläuft, hat Rasmus auch privat noch einiges an der Backe. Seine Beziehung zu Kollegin Maja droht daran zu scheitern, dass diese mittlerweile seine Vorgesetzte ist. Gleichzeitig kommt er langsam aber sicher den Todesumständen seines Sohnes auf die Spur und verfolgt neben der Arbeit noch ganz eigene, nicht ganz ungefährliche Interessen.

 

Die Dynamik zwischen Rasmus und Vibeke ist wie immer grandios, mittlerweile funktioniert ihre Zusammenarbeit wie ein gut geölter Motor. Doch auch zwischenmenschlich stehen sie sich mittlerweile so nahe, dass sie auch über schwierige, persönliche Sachverhalte sprechen können. Mir gefällt ihr Miteinander sehr gut und sie agieren immer nachvollziehbar.

 

Natürlich gibt es auch in diesem Fall wieder viel mitzurätseln, einige falsche Fährten und vor allem spannende Unterhaltung (ich frage mich wirklich, warum die Reihe bisher noch nicht verfilmt wurde – es würde sich aus meiner Sicht absolut anbieten!). Und nachdem dieser Fall mit einem ordentlichen Cliffhanger endet, gehe ich natürlich davon aus, dass es auch nächstes Frühjahr wieder weitergeht mit meinen liebsten Nordlichtern! Ich freue mich jetzt schon drauf – natürlich wieder im Hörbuch-Format mit Vera Teltz!

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