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Veröffentlicht am 11.05.2021

Ein Blick hinter die Kulissen der k.u.k.-Monarchie

Das Kaffeehaus - Falscher Glanz
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Der zweite Teil der Kaffeehaus-Saga besticht wieder durch hervorragende Recherche. Die vielen großen und kleinen Anekdoten, die in diesem umfangreichen Buch eingebaut sind, sind fast alle historisch belegt. ...

Der zweite Teil der Kaffeehaus-Saga besticht wieder durch hervorragende Recherche. Die vielen großen und kleinen Anekdoten, die in diesem umfangreichen Buch eingebaut sind, sind fast alle historisch belegt. Und so hat man das gute Gefühl, tatsächlich eine Zeitreise zu machen und das Flair des Kaiserhofes hautnah mitzuerleben.

 

Doch wie der Titel des Buches sagt, ist es ein „Falscher Glanz“, der hier präsentiert wird. Opulente Feste und prächtige Kleider täuschen über Intrigen und Machtmissbrauch hinweg, über Bigotterie und Intoleranz.

 

Mit Sophie, die in diesem zweiten Teil der Reihe zu einer von Sisis Hofdamen ernannt wird, taucht man ein in diese scheinheilige Welt und erfährt viel Interessantes, das aber rein gar nichts mit den gezuckerten Sissi-Romanzenfilmen der 50er Jahre gemein hat.

 

Kaiserin Sisi ist im Jahr 1890, in dem dieses Buch hauptsächlich spielt, Anfang 50. Die Kaiserin ist verhärmt, wahrscheinlich magersüchtig, psychisch stark angeschlagen und von der einst „schönsten Frau Europas“ ist wenig übrig geblieben außer ihrem immer noch kräftigen, fersenlangen Haar (das jedoch aufgrund des Pflegeaufwands auch seine Schattenseiten hat). Die Kaiserin ist rastlos und hasst Wien – wann immer sie kann, reist sie durch ganz Europa. Von ihren Hofdamen verlangt sie unbedingte Loyalität und duldet kaum Widerspruch oder Kritik. Auch untereinander sind sich die Hofdamen uneins, die Ungarinnen spielen die Österreicherinnen aus und umgekehrt.

 

In dieser Schlangengrube muss sich Sophie mit ihren gerade einmal 20 Jahren behaupten. Mir hat sehr gut gefallen, wie man in diesem Buch Sophies Entwicklung mitverfolgen kann. Sie kommt als scheues junges Mädchen an den Hof und ist völlig eingeschüchtert von den vielen Regeln und der strengen Etikette. Im Laufe der Zeit lernt sie aber, sich auf dem gesellschaftlichen Parkett sicher zu bewegen und muss letztlich sogar selbst zu einer List greifen und eine Intrige anzetteln, um sich aus dem goldenen Käfig ihres Hofdamen-Daseins zu befreien. Auf dieser Entwicklung liegt der Schwerpunkt dieses Romans.

Obwohl es eine klassische historische Saga ist, kommt das Buch fast gänzlich ohne Liebesgeschichte der Protagonistin aus – und man vermisst eine solche auch nicht. Erst gegen Ende des Romans trifft Sophie ihre große Liebe Richard wieder öfter und die Leser*innen werden durch die wieder aufflammenden Gefühle auch nicht um eine Love Story betrogen. Aber sie nimmt im Vergleich zum Umfang des Buches sehr wenig Raum ein – was aber völlig hineinpasst in die Entwicklung der Figuren und auch recht realistisch ist für die damalige Zeit.

 

Erwähnen möchte ich auch unbedingt noch das Nachwort, das die Ereignisse noch einmal in den historischen Kontext rückt und Aufschluss darüber gibt, welche Handlungsstränge oder Begebenheiten historisch belegt sind und bei welchen sich die Autorin etwas künstlerische Freiheit genommen hat. Ich bin auch diesmal wieder beeindruckt, wie viel davon tatsächlich stattgefunden hat und wie gut das die Autorin in den Roman „verbaut“ hat!

 

Wie schon Band 1 ist „Das Kaffeehaus - Falscher Glanz“ wieder eine äußerst gelungene Mischung aus historischen Fakten und Fiktion. Ich kann nur jedem raten, sich nicht vom stattlichen Umfang dieser Bücher abschrecken zu lassen, denn diese Romane lesen sich wirklich gut, schnell, leicht und spannend! Wer einmal hinter die Kulissen des Kaiserhofs in Wien zu Sisis Zeiten schauen will, der muss unbedingt diesen zweiten Band lesen (der im übrigen auch sehr gut lesbar ist ohne den ersten Teil zu kennen).



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Veröffentlicht am 10.05.2021

Man ist nie zu alt um einen Mord aufzuklären

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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Wie stellen Sie sich ihren Lebensabend vor? Bingoabende, Sitztanz und Kantinenfutter im Seniorenheim? Nun ja… das ist normalerweise die Realität. Aber man könnte auch einen kleinen elitären Club gründen ...

Wie stellen Sie sich ihren Lebensabend vor? Bingoabende, Sitztanz und Kantinenfutter im Seniorenheim? Nun ja… das ist normalerweise die Realität. Aber man könnte auch einen kleinen elitären Club gründen und Morde aufklären… so wie die vier rüstigen Senioren in Cooper Chase. Sie treffen sich jeden Donnerstag, um in alten Akten zu stöbern und (ebenfalls alte) Kriminalfälle nachzuvollziehen. Bis dann wirklich ein Mord geschieht in ihrem Umfeld und die alten Herrschaften alles daran setzen, diesen aufzuklären.

 

Das Setting in England, noch dazu in einer Seniorenresidenz bietet viel Potential für schrullige Charaktere und skurrile Situationen. Ich hatte mich auf einen Krimi mit viel poinitertem Witz und Situationskomik gefreut – doch dieser Anspruch wurde nur teilweise erfüllt.

Zunächst muss ich sagen – ich fand die Erzählstimmen viel zu langsam. Das ohnehin schon – wohl dem Bewegungsbild der vier Senioren angepasste – Erzähltempo der Story wurde durch das behäbige Lesetempo noch potenziert. Eine dynamische Handlung konnte dabei also leider nicht herauskommen. Ich habe das Hörbuch auf Geschwindigkeit 1,25 gestellt – das war für mich zum Hören deutlich angenehmer.

 

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven, einerseits von einem außenstehenden Erzähler, andererseits aus der Ich-Perspektive von Joyce in einer Art Tagebuch, in dem sie die Leser auch direkt anspricht. Mir haben diese Passagen besser gefallen, weil man dadurch als Leser in die Handlung einbezogen wurde. Joyce ist eine sympathische Frau mit immer wieder durchblickendem Humor, so dass ich ihre Szenen wirklich genossen habe.

 

Die Handlung des Krimis selbst war mir etwas zu phlegmatisch. Manchmal hatte ich den Eindruck, es geht nur im Schneckentempo vorwärts und auch wenn ich unblutige Cosy-Krimis sehr schätze, war mir dieser hier doch etwas zu temperamentlos. Natürlich können die betagten Mörderjäger weder sportliche Höchstleistungen vollbringen noch können sie als Hobbyermittler besonders dynamisch agieren, dafür passt das Setting einfach nicht. Trotzdem hätte ich mir etwas mehr Schwung gewünscht. Deshalb konnte mich das Hörbuch nicht richtig packen und ich bin ab und zu mit den Gedanken auch ein wenig abgeschweift.

Ob ich die angekündigten weiteren Fälle des Donnerstagsmordclubs verfolgen werde, weiß ich noch nicht. Dieser Einstieg jedenfalls konnte mich noch nicht ganz überzeugen, auch wenn die Story schlüssig und der Fall nachvollziehbar war. Vielleicht wirkt die Geschichte ja auch als Buch gefälliger und „runder“? Da ich gesehen habe, dass die Buchform schon viele begeisterte Rezensionen erhalten hat, wäre das durchaus etwas, was man testen sollte.

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Veröffentlicht am 28.04.2021

Auch der zweite Teil überzeugt

Das Grand Hotel - Die mit dem Feuer spielen
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Kaum hatte ich die Kopfhörer eingestöpselt und das Hörbuch gestartet, war ich auch schon wieder direkt im mondänen Grand Hotel Binz und habe Bernadette von Plesow bei der Führung des ersten Hauses am Platz ...

Kaum hatte ich die Kopfhörer eingestöpselt und das Hörbuch gestartet, war ich auch schon wieder direkt im mondänen Grand Hotel Binz und habe Bernadette von Plesow bei der Führung des ersten Hauses am Platz über die Schulter geschaut.

 

Bernadette und ihre beiden noch verbliebenen Kinder Constantin und Josephine müssen auch in diesem zweiten Teil der Hotel-Saga viele Hindernisse aus dem Weg räumen. Constantin ist derjenige, der wohl am meisten „mit dem Feuer spielt“, wie der Titel des Buches sagt. Er führt das Hotel Astor  und ein Varieté in Berlin – doch das dient eigentlich nur dem schönen Schein, denn Constantin ist in dunkle Geschäfte verwickelt. Um den Tod seines Bruders Alexander zu rächen, fasst er einen gefährlichen Plan und versucht seinen Rivalen in der Berliner Unterwelt aus der Reserve zu locken. Gleichzeitig wird seine größte Schwachstelle offenbar: er hat sich in die Hausdame seines Hotels, Marie, verliebt – aber er weiß, dass er durch sie angreifbar und erpressbar wird. Deshalb sträubt er sich gegen seine Gefühle für sie.

 

Bernadette hingegen bekommt einerseits unverhoffte Unterstützung durch Josephine, die ihr Künstlerinnendasein und ihre Stellung als spätere Hotelerbin unter einen Hut bringen möchte und anbietet, Bernadette bei der Führung des Hotels zu helfen, möglicherweise sogar zu expandieren. Im Privaten erfährt Bernadette ein neues, aber kurzes Glück, als ein bisher unbekannter Verwandter ihres verstorbenen Mannes auftaucht.

 

Mit ihrer wendungsreichen Geschichte rund um das Grand Hotel und ihre Besitzer ist Caren Benedikt auch diesmal wieder spannende und gleichzeitig ENTspannende Unterhaltung gelungen. Die Charaktere sind gut gezeichnet, haben Ecken und Kanten, Sorgen und Nöte – einzig Schwiegertochter Margrit, erschien mir ein wenig eindimensional in ihrer Gier nach dem Erbe von Alexander. Bernadette ist und bleibt es, die der Geschichte einen Rahmen gibt, sie ist die starke Frau, die das Hotel führt und (scheinbar) alles im Griff hat. Ich fand es schön, wie die Autorin beschrieben hat, dass sie sich noch einmal verliebt, wie eine gestandene Frau versucht, dem Leben ein neues kurzes Glück abzuringen und versucht zu akzeptieren, dass diese Phase sehr kurz und die Trauer danach groß sein wird. Das ist sehr behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl beschrieben, was mich beeindruckt hat.

 

Noch kurz zur Sprecherin des Hörbuchs (Anne Moll): Sie verleiht den Figuren Leben und spricht das Buch aus meiner Sicht gut mit angenehmer Stimme und nie „verstellt“. Es wirkt rund und man hört ihr gerne zu. Allerdings ist es für mich keine Stimme mit Wiedererkennungswert oder Besonderheiten – einfach eine gute Erzählerin.

 

Die Rückkehr ins Grand Hotel war für mich wieder eine schöne, angenehme Reise und ich freue mich schon darauf, auch beim dritten Teil wieder Gast im Grand Hotel Binz sein zu dürfen!



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Veröffentlicht am 26.04.2021

Clever konstruierter Kriminalfall im historischen Kontext

Verlorene Engel
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Der 6. Fall für Max Heller in der noch jungen DDR hat es sowohl kriminalistisch als auch persönlich in sich für den gestandenen Oberkommissar. Wir schreiben das Jahr 1956 und der Staatsdienst ist geprägt ...

Der 6. Fall für Max Heller in der noch jungen DDR hat es sowohl kriminalistisch als auch persönlich in sich für den gestandenen Oberkommissar. Wir schreiben das Jahr 1956 und der Staatsdienst ist geprägt von Observation. Sei es das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) oder die russischen Geheimdienste – es ist an der Tagesordnung, dass Max Heller sich mit Bespitzelung auseinandersetzen muss. Ein zweischneidiges Schwert, denn einerseits kann das bei Ermittlungen durchaus hilfreich sein, andererseits weiß man nie, ob man nicht selbst permanent beobachtet wird.

 

Schwierige Rahmenbedingungen also auch diesmal wieder, als Max Heller und seine Kollegen versuchen, einen Vergewaltiger zu stellen, der in Dresden sein Unwesen treibt und schon diverse Frauen in seine Gewalt gebracht hatte. Doch bisher überlebten zumindest alle die Angriffe. Als Ende Oktober jedoch eine junge Frau tot aufgefunden wird, geraten die Ermittler unter Druck und müssen schnell Ergebnisse liefern…

 

Max und seine Kollegen tun ihr Möglichstes, um den Täter dingfest zu machen. Doch sie scheinen immer irgendwie hinterher zu hinken, und der Fall entwickelt sich so gar nicht in Richtung Aufklärung…

 

Dazu kommt, dass Max auch privat Sorgen hat. Seine Adoptivtochter Anni wird immer schweigsamer, entzweit sich mit ihrer besten Freundin und hinterfragt ihre Herkunft. Jahrelang haben Max und seine Frau Karin überlegt, wann wohl der beste Zeitpunkt ist, mit Anni darüber zu sprechen, dass sie nicht ihre biologischen Eltern sind. Doch Anni scheint etwas zu ahnen und die beiden Adoptiveltern fühlen sich mit der Situation überfordert, zumal Max gerade so gar nicht den Kopf dafür frei hat.

 

Wie immer in seinen Romanen ist es Frank Goldammer gelungen, ein sehr authentisches Bild vom Leben im früheren Dresden, diesmal in den 1950er Jahren, zu zeichnen. Auch wenn die politischen Verstrickungen diesmal weniger Raum einnehmen und der Kriminalfall deutlich dominiert, ist es auch diesmal wieder ein Vergnügen, Max Heller durch seine (und auch meine) Stadt zu begleiten, seine Gedanken zu lesen, seine Sorgen mitzuerleben und – natürlich – mit ihm auf Mörderjagd zu gehen.

 

Der Kriminalfall hat es diesmal wirklich in sich und ist – wie ich finde – unheimlich clever konstruiert. Bis auf die letzten Seiten ergeben sich immer neue Wendungen. Ich hatte ziemlich früh einen Verdacht bezüglich des Vergewaltigers, fand ihn zwischenzeitlich bestätigt und machte daher den Fehler, nur darauf zu warten, dass er endlich enttarnt wird. Doch kurz vor Ende stellte sich heraus, dass mich mein Gefühl getrogen hatte und auch mein Verdacht Nr. 2 stellte sich schließlich als Irrtum heraus. Nee, also Kriminalkommissarin wäre dann wohl doch keine Alternative zu meinem Verwaltungsjob ;)

 

Fazit:

Auch dieser 6. Fall war wieder spannend bis zum Schluss und bot viel Raum zum Miträtseln und „Mitermitteln“. Ich bin vom Gesamtpaket Krimi + historischer Roman komplett überzeugt und sehe mit einer Träne im Knopfloch dem September entgegen, wenn Max in seinem letzten Fall („Feind des Volkes“) ermitteln wird. Ich hoffe jetzt schon sehr, dass Frank Goldammers Computer bereits voll ist mit neuen Manuskripten und Ideen!

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Huldas Weg geht weiter

Fräulein Gold: Der Himmel über der Stadt
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Also mit Hulda Gold würde ich ja gerne mal einen Kaffee trinken gehen im Berlin der 1920er Jahre. Im Café Winter sitzen, die Damen mit ihrem Bubikopf und den nur noch knielangen Kleidern beobachten, mir ...

Also mit Hulda Gold würde ich ja gerne mal einen Kaffee trinken gehen im Berlin der 1920er Jahre. Im Café Winter sitzen, die Damen mit ihrem Bubikopf und den nur noch knielangen Kleidern beobachten, mir von Hulda ihren Alltag in der Frauenklink schildern lassen… sie ist wirklich eine Hauptfigur, die man sich als Freundin wünscht.

 

Umso spannender ist es auch, ihren Weg zu verfolgen, zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt, wie sie ihre beruflichen Ambitionen, aber auch ihre private Situation hinterfragt. In diesem Teil der Reihe hat Hulda nämlich gleich zwei Baustellen: zum einen beginnt sie ihre neue Stelle als Hebamme in der Frauenklinik und hat damit zu kämpfen, dass sie nur noch für „Vor- und Nacharbeiten“ zuständig ist. Die Begleitung der Geburt ist dem diensthabenden Arzt vorbehalten, und da es sich um ein Lehrkrankenhaus handelt, stehen immer noch diverse Studenten um die Gebärende herum und fachsimpeln. Ein Zustand, der für Hulda mehr als gewöhnungsbedürftig ist, nachdem sie jahrelang als freie Hebamme gearbeitet hat. Mit ihrem Detailwissen kommt sie nach und nach einigen Ungereimtheiten auf die Spur, die im Krankenhaus vor sich gehen.

 

Zum anderen ist ihre Beziehung zu dem Kriminalkommissar Karl North immer noch nicht in geregelte Bahnen gekommen und Hulda sehnt sich einerseits nach einer stabileren Beziehung, andererseits weiß sie nicht, ob Karl der richtige dafür ist. Als sie in der Klinik einen der Assistenzärzte näher kennenlernt, wird sie in ein ziemliches Gefühlschaos gestürzt.

 

Diese beiden Handlungsstränge tragen den Roman und wie schon in den Vorgänger-Bänden, versteht es Anne Stern, die Leser*innen mitten hinein zu ziehen in die Geschichte. Sie schreibt detailliert und bildet die Gefühlswelt ihrer Figuren so ab, dass man sich ganz nah fühlt.

 

Aus meiner Sicht aber blieb dadurch die Handlung und das Tempo des Romans ein wenig auf der Strecke. Der im ersten Drittel angedeutete Kriminalfall (Achtung – könnte jetzt ein kleiner Spoiler sein!) spielt letztlich leider nur eine sehr untergeordnete Rolle und wird zum Schluss recht unspektakulär aufgelöst. Dabei hatte ich mich doch wieder auf eine gemeinsame Ermittlung von Karl und Hulda gefreut! Aber diesmal gibt es keine beruflichen Berührungspunkte. Huldas Weg führt eben scheinbar in eine andere Richtung…

 

Auch die Nebenhandlung um Bert hätte ich mir ein wenig intensiver gewünscht. Nach einigen sehr interessanten Szenen, die viel Spannung versprechen, wird sie erst am Ende des Buches wieder aufgegriffen und auf wenigen Seiten zu einem Ende geführt - auch das fand ich ein wenig schade.

 

Und so bin ich diesmal ein klitzekleines bisschen enttäuscht (aber nur, weil ich die beiden vorigen Romane so überwältigend gut fand!).

 

Huldas dritter Einsatz ist und bleibt ein toller Roman, den man aufgrund ihres neuen Lebensabschnitts in der Klinik auch gut ohne Vorkenntnis der beiden anderen Bücher lesen kann. Und wie bereits geschildert punktet insbesondere Anne Sterns wunderbare bildhafte Erzählweise. Leseempfehlung!

 

P.S. Es wird auch noch einen 4. Band mit Hulda geben – im Herbst erscheint „Die Stunde der Frauen“!

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