Profilbild von Caillean

Caillean

Lesejury Star
offline

Caillean ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Caillean über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2025

Wer dieses Buch liest, sollte hart im Nehmen sein.

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
0

In diesem Buch werden viele schwer auszuhaltende Themen angesprochen, die fassungslos machen. Zwar geht Autorin
Susanne Abel sehr respektvoll und feinfühlig damit um, aber ich habe mich gefragt, ob es ...

In diesem Buch werden viele schwer auszuhaltende Themen angesprochen, die fassungslos machen. Zwar geht Autorin
Susanne Abel sehr respektvoll und feinfühlig damit um, aber ich habe mich gefragt, ob es nicht manchmal ein wenig viel war, was in diesen Roman hineingepackt wurde. Um potentiellen Lesern einen Eindruck zu geben, worauf sie sich einlassen, hier die Themen, die im Buch eine Rolle spielen:
Physische und psychische Misshandlung, Gewalt gegenüber Kindern, sexuelle Gewalt, lebenslange Traumata bzw. posttraumatische Belastungsstörungen (mit psychischen Erkrankungen als Folge), vererbte Traumata in nachfolgenden Generationen und sogar ein Amoklauf… es ist schon ganz schön viel, was den Lesern hier zugemutet wird.

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass die Autorin die Geschichte absolut nachvollziehbar aufbaut und sie an geeigneten Stellen auch mit Situationskomik und Humor auflockert, so dass man immer wieder durchblicken sieht, dass die Figuren die Hoffnung nicht gänzlich verlieren. „Das Leben muss ja weitergehen“ stellte schon Hape Kerkelings patente Oma in „Der Junge muss an die frische Luft“ fest – und genau so eine Frau ist auch Hauptfigur Margret, die man in diesem Roman von der Kindheit bis ins Alter begleitet. Erschütternd ist auch das Schicksal ihres Mannes Hardy, der als kleines Kind in den Kriegswirren seine Familie verlor, in verschiedenen Kinderheimen aufwuchs und massive Gewalt erfuhr. Auf zwei Zeitebenen begleitet man Margret und Hardy und lernt, wie tief das Erlebte sitzt, dass es die beiden auch im Alter nicht loslässt.

Ich empfehle dieses Buch unbedingt weiter – zumindest wenn man sich in der Lage sieht, die oben genannten Themen für sich verarbeiten zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Leider sind Gro und ich keine Freundinnen geworden

Die Frau und der Fjord
0

Ich wollte die Geschichte so gern mögen, aber Protagonistin Gro und ich sind leider keine Freundinnen geworden. Mir ist bewusst, dass man bei Trauerbewältigung andere Maßstäbe anlegen muss. Dennoch fand ...

Ich wollte die Geschichte so gern mögen, aber Protagonistin Gro und ich sind leider keine Freundinnen geworden. Mir ist bewusst, dass man bei Trauerbewältigung andere Maßstäbe anlegen muss. Dennoch fand ich beispielsweise die Entscheidung, als Einsiedlerin im Polarwinter bewusst auf Handy und Internet zu verzichten, nicht nur gewagt, sondern einfach leichtsinnig. Über ihre Tat bei der Beisetzung ihres Mannes (ich will nicht spoilern, daher nichts Näheres) war ich entsetzt. Und dass die Schwiegermutter so eindimensional negativ gezeichnet war, während Gro diejenige war, die ihren Mann natürlich immer verstanden hat... ich konnte es nicht wirklich glauben.

Wirklich gut gefallen haben mir an dem Roman eher die kleinen Nebenhandlungen. Wie Gro den kleinen Vogel aufpäppelt. Wie sie versucht, alles nachhaltig zu nutzen was die Natur ihr bietet... da konnte ich mich in sie hineinversetzen. In vielen anderen Momenten leider nicht, so dass es für mich "nur" ein durchschnittliches Leseerlebnis war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2025

Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

Storybook Ending - Bis ans Ende aller Seiten
0

Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

 

Die Idee an sich ist echt süß: Um den Mitarbeiter einer Buchhandlung kennenzulernen, hinterlegt April einen Brief in einem Buch. Eine wirklich niedliche Sache ...

Verwechslungskomödie mit kleinen Schwächen

 

Die Idee an sich ist echt süß: Um den Mitarbeiter einer Buchhandlung kennenzulernen, hinterlegt April einen Brief in einem Buch. Eine wirklich niedliche Sache - aber, wie sich jeder Leser denken kann, recht fehleranfällig. Und so kommt es wie es kommen muss. Statt dem Buchhändler Westley hält plötzlich Kundin Laura das Buch (und damit den Brief) in den Händen. Und so nimmt die Verwechslungskomödie ihren Lauf…

 

Aufgepeppt wird die Handlung noch durch den „Störfaktor“ Filmdreh. Just zu dieser Zeit finden in dem Buchladen Dreharbeiten für einen Independent Film statt und die Filmcrew macht den Mitarbeitern das Leben schwer. Zur grundsätzlichen Handlung trägt das eigentlich nichts bei, außer dass man einer Nebenfigur einen Love Interest beschert und noch ein bisschen Wirbel in den sonst eher ruhigen und gediegenen Buchladen bringt.

 

Deshalb wirkte die Story auf mich auch ein bisschen unausgegoren. Zwei Schwerpunkte, die aber eigentlich nichts füreinander tun und sich damit quasi parallel durch den Roman bewegen… hätte ich so nicht gebraucht.

 

Die Verwechslungsgeschichte an sich fand ich wirklich entzückend und könnte ich mir tatsächlich gut als Idee für einen Film vorstellen. April und Laura sind Figuren, mit denen man sich gut identifizieren kann. Beide haben so ihre Baustellen: April die Einsamkeit in ihrem Homeoffice-Job, Laura den Spagat zwischen Familie und Beruf als arbeitende Single Mom einer 7-jährigen. Dadurch werden sie sehr nahbar und sind als Figuren durch und durch sympathisch.

 

Durch die vielen Zwischenszenen zum Filmdreh zog sich die Verwechslung dann tatsächlich bis kurz vor Ende des Buches (was die Story dafür allein nicht wirklich hergab, das muss man einfach mal so klar sagen). Und letztlich wurde dann kurz vor Schluss nochmal ordentlich Drama generiert, bevor sich (natürlich! - Achtung Spoiler! ) alles auflöste und es schnellen Schrittes in Richtung Happy End ging.

 

Jetzt aber wirklich ein kleiner Spoiler, der allerdings für mich einen Kritikpunkt darstellte, deshalb muss es erwähnt werden: Auf den letzten paar Seiten wurden dann allen drei Hauptfiguren und auch einigen Nebenfiguren noch schnell neue Partner und damit ein ganz klassisches Happy End an die Seite geschrieben. Das ging mir deutlich zu schnell, war ein wenig klischeehaft und ich war nicht so ganz happy mit dem End.

 

 

Sollte jemand noch etwas Würze in der Liebessuppe suchen: Spice sucht man vergeblich in diesem Roman. So ist das Buch nicht konzipiert und das hätte auch an keiner Stelle wirklich gepasst.

 

Und zum Schluss mal noch ein Kompliment an diejenigen, die viel zu selten genannt werden: Cover-Designer. Ich finde, dieses Buch ist tatsächlich zur Zeit eines der schönsten auf dem Markt. Das Cover ist einfach nur wunderschön, verspielt und hat einen absoluten Wohlfühl-Look. Ich war hier ein richtiges Cover-Opfer und auch wenn das Buch mich nicht zu 100 % überzeugen konnte - die Gestaltung konnte es definitiv!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Das harte Leben einer verlorenen Generation

Die Verlorene
0

Dieser Roman ist etwas Besonderes. Er ehrt eine Generation von Menschen, die harte Zeiten überstehen mussten - viel härter, als wir in unserer weichgespülten Gegenwart sie uns vorstellen können. Was die ...

Dieser Roman ist etwas Besonderes. Er ehrt eine Generation von Menschen, die harte Zeiten überstehen mussten - viel härter, als wir in unserer weichgespülten Gegenwart sie uns vorstellen können. Was die Kriegsgeneration, und besonders die Menschen in Schlesien, durchgemacht haben - dafür gibt es kaum Worte. Miriam Georg findet trotzdem welche.

 

Entstanden ist ein Roman, der - wenn ich mich an ihre ersten Bücher zurückerinnere - viel mehr Tiefgang hat, ein ganzes Stück vielschichtiger ist und Figuren entwirft, die unheimlich lebensnah und greifbar sind. Auch wenn sie bei weitem keine perfekten Held(inn)en sind.

 

Die Rahmenhandlung bildet ein Ereignis im Jahr 2019. Änne, die Mutter von Ellen und Großmutter von Laura, stirbt mit über 90 Jahren, kurz nachdem ihr ein Gemälde zugeschickt wurde. Ein Gemälde, auf dem der Name Luise vermerkt ist. Ellen ist außer sich, denn gefühlt passt nichts zusammen. Vieles aus ihrem „ersten Leben“ in Schlesien hat Änne für sich behalten, nur Bruchstücke konnte Ellen erahnen. Doch Enkelin Laura begibt sich kurzerhand auf Spurensuche und fährt nach Schlesien, um den „Pappelhof“ zu suchen - das Gut, auf dem die Familie seit vielen Generationen lebte. Und nicht ahnend, dass damit die gesamte Familiengeschichte auf den Kopf gestellt werden wird.

 

Die Grundidee des Romans ist also nicht neu - Familiengeheimnisse aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, ein Familienmitglied, das Antworten finden will und eine Erzählung auf zwei Zeitebenen - grundsätzlich ein typischer Aufbau für einen Familienroman. Der große Pluspunkt dieses Buches ist aber aus meiner Sicht, WIE Miriam Georg diese Geschichte erzählt und ihre Figuren strickt, denn das hebt sich aus meiner Sicht deutlich aus der Masse solcher Romane heraus und steht für meine Begriffe ebenbürtig neben Autorinnen wie beispielsweise Susanne Abel, deren „Stay away from Gretchen“ zu Recht ein riesiger Erfolg war.

 

Vielleicht liegt es daran, dass Miriam Georg hier (auch) Teile ihrer eigenen Familiengeschichte bzw. Erlebnisse ihrer Vorfahren einfließen lässt. Die Figuren sind erkennbar mit Liebe geformt und haben trotzdem alle ihre Ecken und Kanten. Niemand ist eindimensional nur gut oder nur böse. Sie alle treffen gute und schlechte Entscheidungen - der/die eine mehr, der/die andere weniger. Insbesondere die Hauptfiguren, die Schwestern Änne und Luise, sind absolut gelungen. Und obwohl ich eine doch ein wenig lieber mochte als die andere, konnte ich immer irgendwie auch verstehen, was die andere in ihren Handlungen antrieb. Letztendlich fühlte sich insbesondere der historische Erzählstrang absolut echt an und deckte sich auch an vielen Stellen mit Erzählungen meiner eigenen Großeltern über die Zeit des zweiten Weltkriegs.

 

Es gab allerdings auch ein, zwei Wendungen, die mir ein wenig „too much“ erschienen, insbesondere am Ende, bei der Auflösung der (doch sehr komplexen) Familienstrukturen. Ich möchte das jetzt nicht explizit benennen, um nicht zu spoilern. Das Interessante ist aber: wenn ich im Nachgang darüber nachdenke und das Buch gedanklich für mich „einordne“, stört mich das nicht. Der Gesamteindruck des Buches ist einfach so kraft- und gehaltvoll, dass ich gar nicht anders kann als 5 Sterne zu vergeben. Dieser Roman ist sehr berührend, aber auch aufwühlend und zum Teil verstörend. Dennoch bleibt er dabei immer respektvoll gegenüber den Menschen, die in dieser Zeit Entscheidungen treffen mussten - auch wenn diese vielleicht anderen Menschen Leid zufügten. Ohne Zweifel Miriam Georgs bisher bestes Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.08.2025

Spurensuche auf der exotischen Insel Sri Lanka

Die Nelkentochter (Die Blumentöchter 3)
0

Die „Blumentöchter“-Serie von Tessa Collins (dies ist das Pseudonym einer deutschen Autorin) ist von der Konzeption her angelehnt an die 7-Sisters-Reihe von Lucinda Riley, die ja ein Riesenerfolg war. ...

Die „Blumentöchter“-Serie von Tessa Collins (dies ist das Pseudonym einer deutschen Autorin) ist von der Konzeption her angelehnt an die 7-Sisters-Reihe von Lucinda Riley, die ja ein Riesenerfolg war. Und auch Tessa Collins lässt junge Frauen ihre familiären Wurzeln auf der ganzen Welt ergründen. Dieser dritte Band führt die Leser nach Sri Lanka auf eine Teeplantage und hält wieder viele Geheimnisse, aber auch viel Fernwehpotential bereit.

 

Wir begleiten diesmal Lali, die im heimischen Cornwall orientierungslos von einem Job zum nächsten trudelt, aber bei keiner der Tätigkeiten wirklich Freude verspürt. Sie lebt mit ihrem Vater zusammen, ihre asiatisch-stämmige Mutter hat die Familie verlassen, als Lali noch ein kleines Kind war. Als die junge Frau nun ein Notizbuch entdeckt, in dem ihre Mutter Gedichte hinterlassen hat, spürt sie in sich den Drang, ihre Wurzeln zu ergründen und selbst nach Sri Lanka zu reisen.

 

Es wird eine Reise zu ihrer Familiengeschichte, aber auch zu sich selbst und natürlich findet Lali auf Sri Lanka auch ihre große Liebe (das ist, glaube ich, bei solchen Büchern kein Spoiler)

 

Auch wenn die groben Züge der Story natürlich absolut vorhersehbar sind, wie es in diesen Familiengeschichten eben üblich ist, hat mich das Buch wunderbar unterhalten. Denn es bringt einem auch die sehr wechselvolle und leider auch gewaltträchtige Geschichte Ceylons / Sri Lankas näher und weckt andererseits Fernweh mit vielen intensiven Beschreibungen der Landschaften dieser exotischen Insel.

 

Lalis Weg zur „Selbstfindung“ ist sehr nachvollziehbar beschrieben und ich konnte die junge Frau an vielen Stellen verstehen bzw. ihre Entscheidungen nachvollziehen. Natürlich ist das eine oder andere „Drama“ ein wenig zugespitzt und Lali agiert auch mal ein wenig gekünstelt naiv - aber das ist einfach der Dramaturgie solcher Romane geschuldet und fiel hier nicht allzu sehr ins Gewicht.

 

Mich persönlich haben leider die Gedichte von Lalis Mutter überhaupt nicht angesprochen. Sie waren oft nach dem Muster „reim dich oder ich schlag dich“ gestrickt und wirkten auf mich einfach gekünstelt und nicht wirklich echt. Zumal ich im Hinterkopf hatte, dass die Geschichte dem Grunde nach in Cornwall spielt und sie dadurch eigentlich in Englisch verfasst wären - hier aber auf deutsch und dann auch noch in klassischer Reimform im Buch enthalten waren. Das passte für mich irgendwie überhaupt nicht.

 

Ansonsten hat mich das Buch absolut in seinen Bann ziehen können, von der Stimmung her, vom exotischen Setting her, aber auch mit den zwischengeschobenen Kapiteln, die die tragische Geschichte von Lalis Großmutter Saliya erzählen - das war super spannend und ich habe oft gedacht „wie konnten Menschen so etwas nur aushalten“??? Tatsache ist, dass Saliyas Geschichte wohl leider exemplarisch für einige Schicksale steht. Und ich finde es gut, dass die Autorin versucht, diese tragischen Begebenheiten aufzuarbeiten und den Lesern näherzubringen, welch gewaltvolle Geschichte die Insel in der jüngeren Vergangenheit hatte.

 

Nachdem mich Band 1 (Mexiko) der Blumentöchter absolut begeistert hatte und ich von Band 2 (Island) leider ein wenig enttäuscht war, konnte mich Tessa Collins mit diesem 3. Teil wieder von der Reihe überzeugen. Es ist wunderbare Entspannungslektüre, die einen immer wieder in ferne Länder entführt und mit der man eine Auszeit auf Terrassien oder Balkonien mit richtig viel Urlaubsstimmung füllen kann! Ich freu mich auf den nächsten Teil, der im Januar erscheinen und uns Leser ins ferne Neuseeland führen wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere