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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2018

Prag im Winter - voller Melancholie

Wintersterne
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Am Anfang dachte ich noch, es wird ein Wohlfühlroman. Ich stellte mir das so romantisch vor – eine Geschichte von drei Pärchen, die Prag im Winter erleben und als Leser ist man ganz vorn mit dabei. Ja, ...

Am Anfang dachte ich noch, es wird ein Wohlfühlroman. Ich stellte mir das so romantisch vor – eine Geschichte von drei Pärchen, die Prag im Winter erleben und als Leser ist man ganz vorn mit dabei. Ja, so ähnlich war es am Anfang auch. Aber unterschwellig war da immer Melancholie und irgendwas Bedrohliches. Vielleicht ging es mir nur so, weil ich den Roman gelesen habe, als ich mich selbst nicht wohlfühlte und mit einer fetten Virusgrippe tagelang fiebrig im Bett lag. Aber für mich sind es jetzt im Nachhinein keine „Wohlfühlmomente“, an die ich denke, wenn ich das Buch Revue passieren lassen. Damit hatte das Buch zwar eine starke Wirkung auf mich, aber leider nicht die, die ich mir gewünscht hätte.

Denn statt mit schönen Bauwerken und Adventszauber verbinde ich dieses Buch mit dem Gefühl starker Trauer, psychischer Labilität und Sinnkrisen. Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist sicher gut und gibt an vielen Stellen auch Anlass, sich selbst zu hinterfragen, seine Zielstellungen im Leben, Wünsche, Träume usw. Aber es hat mich leider in einem Moment getroffen, als ich selbst mich schwach und hilflos fühlte und den großen Gefühlen wie Trauer, Schmerz, Schuld usw. nicht gewachsen war, die sich hier am Ende offenbaren.

Und so hinterlässt das Buch zwiespältige Gefühle in mir. Es ist gut erzählt, es birgt große Überraschungsmomente und es ist auch anrührend. Es war nur für mich in diesem Moment leider nicht ganz das richtige Buch, um mir auf meiner „Krankenstation“ Freude und Wohlfühlmomente zu bringen.

Veröffentlicht am 04.02.2018

Mysteriöse Stimmung und ein dunkles Kapitel der irischen Geschichte

Tu Buße und stirb
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Dieser Roman über ein dunkles Kapitel in der irischen Geschichte verschenkt aus meiner Sicht ein wenig von seinem Potential. Ich fand es sehr interessant, mehr über die sogenannte „Magdalenen-Heime“ zu ...

Dieser Roman über ein dunkles Kapitel in der irischen Geschichte verschenkt aus meiner Sicht ein wenig von seinem Potential. Ich fand es sehr interessant, mehr über die sogenannte „Magdalenen-Heime“ zu erfahren, in denen – insbesondere im katholischen Irland – ledige Mütter einen Zufluchtsort haben sollten. Die Realität sah leider oft anders aus - so wurden die Kinder ihren Müttern gegen deren Willen weggenommen und an zahlungskräftige Adoptionswillige (oft aus dem Ausland) „verschachert“. Diese Zustände der 1960er/1970er Jahre greift dieser Krimi auf.

Da er sich aber an vielen Stellen nicht so recht entscheiden kann, ob er betont humorvoll sein will oder aber – dem Grundthema angemessen – eher ernst und düster, kommt ein merkwürdiger Mix dabei heraus, bei dem ich den Eindruck hatte, es sei weder Fisch noch Fleisch.

Der Kriminalfall an sich ist interessant und da er zu großen Teilen in einem Kloster spielt, kommt eine gewisse mysteriöse Grundstimmung dazu. Aber die Umsetzung hätte besser sein können, auch wenn die Ermittler Tom, Ray und Laura sympathische Akteure waren.

Veröffentlicht am 30.01.2018

Warum mussten es 500 Seiten sein für diese Geschichte?

Ein letzter Tanz in Havanna
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Ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht war… es war nur irgendwie viel zu lang. Diese Familiengeschichte zwischen Großbritannien und Kuba hatte viele kleine Verstrickungen und erzählte in Rückblenden ...

Ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht war… es war nur irgendwie viel zu lang. Diese Familiengeschichte zwischen Großbritannien und Kuba hatte viele kleine Verstrickungen und erzählte in Rückblenden auch die Geschichte von Elisa, die als junges Mädchen von Havanna nach Bristol gekommen war, und ihrer unglücklichen Liebe zu dem Revolutionär Duardo. Aber ich denke, man hätte diesen Roman um 200 Seiten kürzen können und hätte trotzdem die Handlung noch gut untergebracht. Dann wäre es vielleicht auch eher ein Lesegenuss gewesen. So muss ich zugeben, dass ich einige Passagen nur quergelesen habe (ohne Wichtiges zu verpassen!).

Auch mit einigen Charakteren habe ich mich schwer getan, allen voran Duardo. Der stolze Kubaner konnte ihr auch nach Jahrzehnten nicht verzeihen, dass sie damals nach England gegangen ist. Sie erklärte ihm, man habe ihr gesagt, er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Damit habe sie nichts mehr in Kuba gehalten. Duardo aber hat ihr vorgeworfen, sie habe nur nicht genug versucht herauszufinden, ob er nicht doch noch lebt, und ihn einfach „fallenlassen“. Also mal ehrlich! Was ist denn das für ein affektierter A… ? Selbst als er rausfand, das seine Mutter der treibende Keil war damals, hat er seiner Mami natürlich verziehen. Elisa war immer noch die Böse, weil sie ihn ja im Stich gelassen hat. Und Elisa liebt ihn natürlich trotz dieser Zurückweisungen auch nach 50 Jahren noch. Das empfand ich als vollkommen unrealistisch.

Es ist sicherlich eine nette Lektüre, dieses Buch, wenn man mal abtauchen will in ein anderes Land (wobei auch die Handlung in Bristol einen relativ großen Teil einnimmt). Aber wie gesagt – es hat bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst und war für mich auch teilweise nicht ganz nachvollziehbar.

Veröffentlicht am 25.01.2018

Rosamunde Pilcher mit Mord

Je tiefer man gräbt
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Eigentlich hatte ich mir unter „Je tiefer man gräbt“ eine andere Art von Krimi vorgestellt. Der Titel ließ wenig Gutes erahnen und so erwartete ich eine Story, die eher in die düstere Richtung geht. Wahrscheinlich ...

Eigentlich hatte ich mir unter „Je tiefer man gräbt“ eine andere Art von Krimi vorgestellt. Der Titel ließ wenig Gutes erahnen und so erwartete ich eine Story, die eher in die düstere Richtung geht. Wahrscheinlich hätte ich den Klappentext besser lesen sollen, denn dieser weist darauf hin, dass man als Leser hier auch eine gehörige Portion Landschaft und Cornwall-Feeling bekommt.
Und so hatte ich dann beim Lesen auch den Eindruck, ich sei in ein Rosamunde-Pilcher-Buch gestolpert, nur dass hier auch noch Mord geboten wird. Das soll auch gar nicht abwertend klingen, denn schließlich hat Frau Pilcher nicht umsonst eine riesige Fan-Gemeinde.

Und ich fand die Geschichte und ihre Hauptfigur Margaret „Mags“ Blake sehr sympathisch. Sie entwickelte sich zu einer CosyCrime-Story, die gut zur Abendlektüre geeignet ist, wenn man nicht zuviel Blut und Action haben will. Und Entspannen am Wochenende mit diesem Buch ist auf jeden Fall auch gut machbar. Dann aber auch die Scones und den Tee nicht vergessen, um das Ganze standesgemäß zu zelebrieren!

Gestört hat mich jedoch am Ende ein wenig, dass das Motiv für den zweiten Mord in diesem Buch meines Erachtens nur unzureichend erläutert wird. Es machte den Eindruck, als bräuchte man nach der Hälfte der Geschichte noch einen Toten um die Spannung zu halten. Am Ende wurde für mich jedoch nicht wirklich deutlich, weshalb die Person das Zeitliche segnen musste. Und leider beschränkte sich die im Klappentext angekündigte „Ermittlerarbeit“ von Mags darauf, immer zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um den nächsten Schritt im Krimi hautnah mitzuerleben.

Auch wenn ich mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt habe, kann ich daher nur 3 Sterne vergeben. Aber ich werde gern auch das nächste Buch von Mary Ann Fox (im übrigen, wie so oft, das Pseudonym einer deutschen Autorin) ausprobieren – schließlich kann man sich mit jedem Buch steigern und wenn sie das tut, wird mir der nächste Roman sicher gut gefallen!

Veröffentlicht am 21.01.2018

Der tägliche Kampf ums Überleben nach dem Krieg

Tausend Teufel
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Es ist kalt in diesem Februar des Jahres 1947 in Dresden. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und kaum Kohlen oder Holz zum Heizen. Nur eiskaltes Wasser. Und wenn man Glück hat, ab und zu ein paar ...

Es ist kalt in diesem Februar des Jahres 1947 in Dresden. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und kaum Kohlen oder Holz zum Heizen. Nur eiskaltes Wasser. Und wenn man Glück hat, ab und zu ein paar Kartoffeln oder mit Eichelschrot gestrecktes Brot. Man kann sich heutzutage nicht mehr vorstellen, welche Entbehrungen die Leute damals auf sich nehmen mussten. Und während ich in meinem kuschlig warmen Wohnzimmer saß und dieses Buch gelesen habe, regte sich das schlechte Gewissen, als ich nach einem guten 12-Uhr-Mittagessen schon um 16 Uhr ein Stück Apfelkuchen und einen frisch gebrühten Kaffee genießen konnte.

Oft habe ich mich während dieser Lektüre gefragt, ob das was der Autor hier beschreibt, wirklich sein kann: dass jemand kilometerweite Fußmärsche bei Minusgraden unternimmt, obwohl er den ganzen Tag nichts gegessen hat. Und am Vortag so gut wie nichts. Würde ich das überhaupt schaffen, ohne entkräftet hinzufallen? Es ging damals wohl, weil es gehen musste. Und wie schon bei „Der Angstmann“ hat mich neben dem gut und undurchsichtig aufgebauten Kriminalfall vor allem das zeitgeschichtliche Bild meiner Stadt gefesselt. Der Leser bekommt einen Eindruck von dem täglichen Kampf ums Überleben in einer geschundenen, zerrissenen Stadt.

Während sich noch ein paar eingefleischte Alt-Nazis unter den Bewohnern befinden, beherrschen die Offiziere der sowjetischen Besatzer die Stadt. Keiner weiß mehr, wem er trauen kann. Und sowieso ist sich in diesem eiskalten Winter jeder zwangsläufig selbst der Nächste. Das ist ein Minenfeld, das für einen guten Kriminalroman wie geschaffen ist. Und den hat Frank Goldammer zweifelsfrei geschaffen. Auch wenn mir sein Oberkommissar Heller ein kleinwenig zu viel Gutmensch ist. Dass jemand vor dem hier geschilderten Hintergrund so hochmoralisch bleiben kann wie Heller, kann ich mir fast nicht vorstellen. Mir fehlen an ihm noch ein paar Ecken und Kanten. Aber die können ja noch kommen in den nächsten Bänden – und auf die freu ich mich jetzt schon! (Band 3 ist zum Glück schon für Juni 2018 angekündigt).