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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2017

Der Kommissar und das Meer…

Schwarzer Sand
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Immer wieder eine gute Kombination: Kriminalfälle vor exotischer Kulisse. Und nun macht der Trend der Urlaubs-Krimis auch vor dem fernen Neuseeland nicht Halt. Angesiedelt am idyllischen Piha Beach auf ...

Immer wieder eine gute Kombination: Kriminalfälle vor exotischer Kulisse. Und nun macht der Trend der Urlaubs-Krimis auch vor dem fernen Neuseeland nicht Halt. Angesiedelt am idyllischen Piha Beach auf der Nordinsel Neuseelands, wo es noch Rettungsschwimmer a la Baywatch gibt, wird hier ein Kriminalfall zwischen Bergen, Meer und Dschungel erzählt.

Nur leider konnte mich Kommissar Parnell nicht so recht mitnehmen. Parnell ist ein abgeklärter Polizist, teilweise auch schon desillusioniert. Er steht an der Schwelle zum Alkoholismus (keine neue Idee für den Helden eines Kriminalromans) und hat ein familiäres Päckchen zu tragen, dessen Hintergründe allerdings seltsam vage bleiben. Wie der Autor, dessen wahre Identität ich nicht kenne – ich vermute er ist Deutscher – seine Hauptfigur ab und zu reden und denken lässt, war für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es hatte Anklänge von Ake Edwardsons Kommissar Winter, der mitunter abgehackt philosophierend daherkommt. Aber es hatte eben für mich nichts Eigenes, kein Alleinstellungsmerkmal.

Der Fall an sich hat eigentlich alles, was für einen guten Krimi notwendig ist: eine unvorhersehbare Entwicklung, Irrungen und Wirrungen sowie eine schlüssige Auflösung. Aber letztlich muss ich eine kurzen Ausschnitt aus dem Buch bemühen: „Es war ein stinknormales Küchenmesser. Keine Fingerabdrücke. Geläufige Marke. Gute Qualität. Annehmbarer Preis. Ein Messer, wie es in jedem zweiten neuseeländischen Haushalt zu finden war.“ Und genau so ist es mit dem ganzen Buch. Es ein stinknormaler Krimi. Ohne Besonderheiten. Geläufige Handlung. Gute Qualität. Annehmbarer Preis. Aber eben auch ein Roman, wie er zuhauf in Buchhandlungen zu finden ist. Leider konnte darüber auch das exotische Setting nicht hinwegtäuschen.

Veröffentlicht am 21.05.2017

Die Generation „Perfektes Leben“

Frag nicht nach Sonnenschein
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Die Schönen und Reichen machen es vor: es Instagram-Foto vom Urlaub auf der Segelyacht im Mittelmeer, eine Twittermeldung aus dem neuesten In-Restaurant, der Facebook-Post vom hipsten Event der Stadt… ...

Die Schönen und Reichen machen es vor: es Instagram-Foto vom Urlaub auf der Segelyacht im Mittelmeer, eine Twittermeldung aus dem neuesten In-Restaurant, der Facebook-Post vom hipsten Event der Stadt… So stellt sich auch Katie ihr Leben in London vor, als sie ihren (schlecht bezahlten) Assistenz-Job bei einer Marketingagentur antritt. Dass das meiste der glamourösen Welt ihrer Kollegen und Freunde nur schöner Schein ist, merkt sie zunächst nicht. Als sie von ihrer ach so tollen Chefin, der Karrierefrau Demeter, auch noch einfach so gefeuert wird, liegt ihre Welt in Scherben.

Um sich nicht bloßstellen zu müssen, erzählt sie ihrem Vater, sie habe 6 Monate Sabbatical genommen und könne problemlos helfen, seine neue Geschäftsidee aufzubauen – eine „Glamping Farm“ (glamping = glamourous/camping). Als plötzlich Demeter mit ihrer Familie auftaucht, um den neuesten Schrei für erholungsbedürftige Londoner auszuprobieren, sieht Katie ihre Chance gekommen sich an Demeter zu rächen. Und das tut sie mit Wonne. Zunächst. Später mit Gewissensbissen. Denn auch Demeter ist nur ein Mensch, wie Katie langsam klar wird. Hinter der Karrieretussi stecken Ängste, Sorgen und eine Menge Unsicherheit… und beide lernen, dass das Leben nicht perfekt sein muss, damit man es genießen kann.

Die Aussage dieses kurzweiligen Romans von Sophie Kinsella hat mir gut gefallen. Weniger ist manchmal mehr und es muss nicht immer alles toll sein. Das Leben ist nun mal nicht immer perfekt. Bei keinem. Diese Aussage ist in eine hübsche Geschichte verpackt – mit Katie als sympathischer Hauptfigur und Demeter als wunderbar dargestellter Karrierefrau. Zwischen den Zeilen klingen die Probleme des digitalen Zeitalters an – die Schnelllebigkeit, die Macht der (retouschierten) Bilder und Internet-Posts. Jeder kann sich eine Welt erschaffen, wie er sie gern hätte – wieviel Wahrheit tatsächlich drin steckt, ist nebensächlich. Hauptsache viele Klicks und Follower.

Auch wenn die Geschichte fluffig und locker daher kommt – es steckt aus meiner Sicht viel Wahres drin. Und schon deshalb lohnt sie sich zu lesen, trotz der ab und zu aufkommenden Längen. Ich hab mich dennoch gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 14.05.2017

Der sympathischste arrogante Fatzke, der mir seit langem untergekommen ist

Schwesterherz
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Dieser Roman polarisiert offenbar – zumindest gibt es sehr weit auseinandergehende Meinungen. Was mir dabei auffiel: wer andere Bücher von Kristina Ohlsson kennt, ist meist enttäuscht. Wer dieses Buch ...

Dieser Roman polarisiert offenbar – zumindest gibt es sehr weit auseinandergehende Meinungen. Was mir dabei auffiel: wer andere Bücher von Kristina Ohlsson kennt, ist meist enttäuscht. Wer dieses Buch als Erstes von ihr gelesen hat, war in der Regel zufrieden damit. Ich gehöre zur zweiten Kategorie, und auch ich muss sagen: es hat mich mitgerissen und ich fand es wirklich gut.

Ich kann – wie gesagt – nicht schreiben, was diesen Roman von Ohlssons anderen Büchern unterscheidet. Aber ich kann sagen, was mir daran gefallen hat (und was nicht). Zunächst mal: Martin Benner ist eine super Hauptfigur. Er ist nicht aalglatt, er hat Macken… sogar ziemlich viele. Er ist – um es auf den Punkt zu bringen – aber der sympathischste arrogante Fatzke (das treffendere Wort darf ich hier wohl eher nicht schreiben), der mir seit langem in einem Roman untergekommen ist. Manchmal hätte ich ihn schütteln wollen, manchmal hab ich die Augen verleiert… und manchmal war er mir irgendwie ganz nah. Ich finde, schon allein für Martin hat die Autorin Beifall verdient.
Auch die Konstruktion des Thrillers ist erstaunlich, denn die Handlung wirkt wie ein Sog. Genauso, wie Martin aus heiterem Himmel in eine riesige, perfide Geschichte hineingezogen wird, so wird auch der Leser in diesen Strudel aus Geheimnissen, Korruption, mafiaähnlichen Strukturen hineingezogen. Ich hatte das Gefühl, gut nachvollziehen zu können, wie Martin an seine persönlichen Grenzen kommt und irgendwann kaum noch einen Ausweg sieht.

Und nun komme ich zu dem Grund, weshalb ich doch einen Stern abgezogen habe: das Ende. Leider ist der Thriller nämlich nicht in sich abgeschlossen. Man hat das Gefühl, es wird einfach zwischendrin abgebrochen. Klar, der Leser soll natürlich auch den nächsten Band kaufen, der clevererweise schon angekündigt ist für Mitte Juni 2017. Hat die Autorin das Ende bewusst so gewählt? Oder ist das ein Schachzug des Verlags, um die Verkäufe der neuen Reihe in die Höhe zu treiben? Mir hätte es besser gefallen, zumindest auf einige offene Fragen bereits im ersten Teil Antworten zu lesen. Denn so hatte ich leider das Empfinden, dass ich mitten im Buch aufhören musste. Und das bleibt leider als negativer Eindruck hängen.

Aber auch ich kann natürlich nicht anders: Band 2 ist schon auf der Wunschliste vorgemerkt. Die Story ist einfach zu gut.

Veröffentlicht am 07.05.2017

Eine Liebeserklärung an menschliches und tierisches Leben aller Art

Weil sie das Leben liebten
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Was ich an Charlotte Roth so mag ist, dass sie sich immer wieder an tolle historische Themen wagt, die so noch von niemandem aufgearbeitet worden sind. In ihrem ersten Roman war das beispielsweise die ...

Was ich an Charlotte Roth so mag ist, dass sie sich immer wieder an tolle historische Themen wagt, die so noch von niemandem aufgearbeitet worden sind. In ihrem ersten Roman war das beispielsweise die Zeit der Wende im geteilten Deutschland und die Emanzipationsbewegung, im zweiten Buch waren es die Olympiade 1936 und das Thema Sportler im dritten Reich. In diesem Buch ist es die Geschichte der Sinti während des Nationalsozialismus und die wechselhafte, oft auch traurige, Geschichte des Berliner Zoos in dieser Zeit.

Und mit diesen wirklich gut recherchierten Themen sticht sie aus der Masse der Romane um das frühe 20. Jahrhundert heraus. Ich habe Frau Roth mittlerweile als Garantin für spannende historische Unterhaltung kennengelernt und so wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht.

Die Personen des Romans haben es mir allerdings diesmal etwas schwerer gemacht. Franka und Carl sind für mich aufgrund ihrer Traumata, die sie durch ihr Leben begleiten, mitunter nicht so greifbar gewesen. Frankas Scheu im Umgang mit Menschen konnte ich teilweise nur schwer nachvollziehen, auch wenn die Autorin wirklich versucht hat klarzumachen, wieso Franka so ist, wie sie eben ist. Carl, der ein ebenso schwieriger Fall war, konnte mich auch nicht so ganz „mitnehmen“. Und auch Adam, die dritte Hauptperson, ein junger Mann mit Sinti-Abstammung, war in mancher Situation für mich etwas schwer nachvollziehbar. Sein Stolz, seine Worte Franka gegenüber… ich empfand es nicht immer als passend, auch wenn die Verbundenheit zwischen den beiden nachvollziehbar geschildert war.

Ein besonderes Highlight des Buches waren aber für mich die Tiere des Berliner Zoos. Man lernte ein paar ganz besondere Exemplare als Begleiter von Franka, Carl und Adam sehr nah kennen. So zum Beispiel das Flusspferd Waltraud, das Zebra Arpad und den Kaiman Heinz-Peter. Im Nachwort erfährt man, dass diesen Tieren tatsächlich zur damaligen Zeit lebende Tiere aus dem Berliner Zoo Pate gestanden haben. Frau Roth hat auch hier wieder gut recherchiert und die Tiere noch einmal lebendig werden lassen und ihnen mit diesem Buch wohl auch ein kleines Denkmal gesetzt.

Jeder, der sich für die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland interessiert und Tiere mag, sollte dieses Buch lesen. Denn es ist nicht vordergründig eine Liebesgeschichte. Oder vielleicht doch: es ist eine Liebeserklärung an menschliches und tierisches Leben in jeglicher Form.

Veröffentlicht am 30.04.2017

Die Braut gab’s im Buch, die Rüben nicht…

Braut und Rüben
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…und damit weiß man schon, dass der Titel letztlich nur darauf aufmerksam machen soll, dass die Geschichte dieses Buches auf dem Land spielt. Wobei ich sagen muss: ich fand dieses Wortspiel im Titel witzig ...

…und damit weiß man schon, dass der Titel letztlich nur darauf aufmerksam machen soll, dass die Geschichte dieses Buches auf dem Land spielt. Wobei ich sagen muss: ich fand dieses Wortspiel im Titel witzig und auch das Cover passt schön dazu – das waren die ausschlaggebenden Gründe, diesen Roman in die Hand zu nehmen.

Ich habe mit dem Buch mein Ziel erreicht: kurzweilige Unterhaltung ohne groß drüber nachdenken zu müssen. Manchmal braucht man sowas einfach. Und das bietet das Buch auch. Allerdings musste ich über diverse Szenen hinwegsehen, in denen mir einfach zu offensichtlich war, worauf es hinauslaufen wird. Beispiel: als Protagonistin Lizzie (heißt man auf dem Land wirklich so?) sich in jeder zweiten Szene einredet, der neue Gast habe ja – wie der Dorftratsch berichtet – psychische Probleme und Suizidgedanken. Der geneigte Leser weiß spätestens, als sie das zum dritten Mal betont: hier stimmt was nicht! Das ist doch nur das Vorspiel einer Verwechslungskomödie… Viele Entwicklungen waren sehr weit vorhersehbar, das hat das Lesevergnügen ein bisschen getrübt.

Wenn man aber über diese dramaturgischen Schwächen hinwegsieht, kann man den Roman wirklich sympathisch finden. Alltag aus – Geschichte an, dann passt das schon. Für ein Highlight – auch der leichten Unterhaltungslektüre - war es mir aber zu wenig, deshalb kann ich guten Gewissens „nur“ 3 Sterne vergeben. Die aber nicht heißen sollen „Finger weg vom Buch!“ sondern eher „Bitte drüber nachdenken, ob Sie mit Vorhersehbarkeit und einigen Kalauern leben können“.