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Veröffentlicht am 03.04.2017

5 Kriminalfälle in einem Buch – da muss man mitdenken!

Selfies
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Es ist diesmal irgendwie eine ganz andere Art von Krimi geworden, den Jussi Adler-Olsen in seinem neuesten Roman erzählt. Diesmal steht nicht ein ganz besonders spektakulärer Cold Case im Vordergrund, ...

Es ist diesmal irgendwie eine ganz andere Art von Krimi geworden, den Jussi Adler-Olsen in seinem neuesten Roman erzählt. Diesmal steht nicht ein ganz besonders spektakulärer Cold Case im Vordergrund, sondern das Buch erzählt das, was grundsätzlich eher wahrscheinlich ist: wie Polizeikommissare fast daran verzweifeln, mehrere Fälle gleichzeitig auf dem Tisch zu haben und mit jedem irgendwie vorankommen zu müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das die tatsächliche Polizeiarbeit eher wiedergibt, als die sonst immer beschriebenen „großen“ Einzelfälle. Aber vom Leser wird dabei auch gefordert mitzudenken – die vielen Handlungsstränge geraten einem im Kopf sonst recht schnell durcheinander.

Alle bekannten Charaktere aus der Sonderdezernat Q –Reihe sind wieder mit dabei: neben Carl Morck sind Assad, Gordon, Morton, Hardy und Rose wieder mit dabei. Letzterer kommt in diesem Buch eine tragische Rolle zu – denn erstmals wird das Geheimnis um ihre psychische Labilität gelüftet und die Ursache ihrer Krankheit kommt ans Licht. Man leidet richtig mit, wenn man liest, wie verzweifelt Carl, Assad und Gordon versuchen, neben ihren anderen Verpflichtungen auch dem Rätsel um Rose auf die Spur zu kommen. Obwohl das ja eher privaten Interessen als den aktuellen Ermittlungen dient. Denkt man zumindest… denn am Ende sind doch irgendwie alle Fälle miteinander verknüpft.

Obwohl man als Leser mehr weiß als die Kommissare (der Autor schreibt auch aus der Perspektive eines bzw. mehrerer Täter), bleibt erstaunlicherweise die Spannung erhalten. Woran das liegt, ist mir nicht richtig plausibel geworden – aber es spricht für den Autor, dass er das hinbekommen hat.

Im Großen und Ganzen wieder ein gutes, interessantes und insbesondere psychologisch spannendes Buch von Jussi Adler-Olsen. Obwohl es mit meinem Favoriten „Verachtung“ (Band 4 der Reihe) nicht mithalten kann.

Veröffentlicht am 28.03.2017

Unheimlich interessantes Thema, aber die Berichtsform ließ es etwas zäh werden

Die Frau des Zoodirektors
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Dieses Buch stand schon eine ganze Weile auf meiner Leseliste. Mich hat es gereizt, die Zeit des 2. Weltkriegs aus der Perspektive einer Polin und vor allem vor dem Hintergrund des Warschauer Zoos zu erleben. ...

Dieses Buch stand schon eine ganze Weile auf meiner Leseliste. Mich hat es gereizt, die Zeit des 2. Weltkriegs aus der Perspektive einer Polin und vor allem vor dem Hintergrund des Warschauer Zoos zu erleben. Dass die Lektüre nicht gerade „schön“ sein würde, war mir klar. Und so war es auch – ich musste mitunter ganz schön schlucken. Besonders die Schicksale der Zootiere gingen mir am Anfang nahe. Im weiteren Verlauf des Buches waren es die ständige Angst und das Bewusstsein, dass jeder Tag der Letzte sein könnte, die mich bei der Lektüre traurig machten.

Dennoch entfaltete das Buch nicht die Sogwirkung, die ich erwartet hatte. Die Zeit und die Umstände, in denen Antonina und ihre Familie lebten, war zwar anschaulich und auch sehr detailgeteu dargestellt. Aber genau das war für mich auch die Krux des Buches – denn ich hatte mich auf eine „Nacherzählung“ in Form eines Romans eingestellt, aber es wird alles sehr berichtsmäßig erzählt und das machte die Lektüre für mich etwas zäh.

Loben muss man die akribische Recherche, die diesem Werk offenbar vorausging. Die Autorin hat sich sehr genau mit dem Leben der Antonina Zabinski auseinandergesetzt, hat ihre Tagebücher studiert, Zeitzeugen und Nachkommen befragt, Archive durchforstet. Das merkt man dem Buch deutlich an. Dennoch sollte man sich eher auf eine Sachbuch-Lektüre als einen Roman einstellen. Ansonsten wird man womöglich – so wie ich – ein klein wenig enttäuscht von dem Buch sein.

Ich bin nun gespannt, wie die Filmadaption des Stoffes aussieht – im Mai 2017 kommt die Verfilmung in die deutschen Kinos.

Veröffentlicht am 26.03.2017

Locker-Leichte Lektüre, aber bleibt sicher nicht im Gedächtnis

Ein Sommer wie kein zweiter
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Variante: Hörbuch im engl. Original ("The Olive Branch")

Wer einen locker-leichten Roman für den Urlaub sucht und wen vorhersehbare Entwicklungen nicht stören, der macht mit dieser Geschichte sicherlich ...

Variante: Hörbuch im engl. Original ("The Olive Branch")

Wer einen locker-leichten Roman für den Urlaub sucht und wen vorhersehbare Entwicklungen nicht stören, der macht mit dieser Geschichte sicherlich nichts falsch. Das Setting im schönen Italien verbreitet Urlaubsstimmung und Jo Thomas holt quasi die Sonne ins heimische Wohnzimmer.

Leider ist das aus meiner Sicht schon der größte Pluspunkt des Romans, denn irgendwie konnte mich die Geschichte nicht fesseln. Sie plätscherte so dahin (und teilweise, das muss ich zugeben, an mir vorbei). Ab und zu musste ich feststellen, wie ich von der Geschichte wegglitt und gar nicht mehr richtig bei der Sache war.

Auch bekam ich keinen wirklichen Draht zu Ruthie Collins, der Hauptfigur. Es blieb immer eine Distanz, die ich trotz gutem Willen und „Durchhalten bis zum Schluss“ leider nicht überwinden konnte. Mit Marco, der männlichen Hauptfigur, hatte ich ebenso zu kämpfen. Das mag allerdings daran gelegen haben, dass Marco von der Sprecherin des Hörbuchs mit einem so fürchterlich starken italienischen Akzent versehen wurde, dass er mir einfach unsympathisch war. Er hatte mehr was von einem Mafioso als von einem Italian Lover

Um es kurz zu machen: es war einfach nicht mein Ding, dieses Hörbuch. Und obwohl ich „Ein Sommer in Galway“, das erste Buch von Jo Thomas, genossen habe, konnte mich der Nachfolgeroman leider nicht im gleichen Maße überzeugen.

Veröffentlicht am 19.03.2017

Er muss nur mal kurz die Welt retten….

James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes
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Ein typischer Bond, den Anthony Horowitz hier abliefert. Horowitz reiht sich ein in die Kette der namhaften Autoren, denen die Ehre von der Ian-Fleming-Estate zuteil wurde, einen Bond-Roman schreiben zu ...

Ein typischer Bond, den Anthony Horowitz hier abliefert. Horowitz reiht sich ein in die Kette der namhaften Autoren, denen die Ehre von der Ian-Fleming-Estate zuteil wurde, einen Bond-Roman schreiben zu dürfen (und wie ich kürzlich erfahren habe, wird er auch den nächsten Bond-Roman veröffentlichen, er ist für 2018 angekündigt). Bisher durften ja z. B. schon Jeffery Deaver oder William Boyd ran.

Ich kenne Horowitz bisher als Autor zweier (wirklich guter!) Sherlock-Holmes-Romane und war nun gespannt, wie er sich Bond zu eigen macht. Offenbar passt er sich dem Stil des Originalautoren gut an, denn der Schreibstil dieses Romans unterscheidet sich beträchtlich von den Sherlock-Romanen. Er passt gut zu der Ära, in der das Buch spielt: die 1950er Jahre. Noch gezeichnet vom zweiten Weltkrieg, aber auch immer auf der Hut vor neuen völkerrechtlichem Zwiespalt wird die Welt als latentes Pulverfass präsentiert.

Und mittendrin Bond, der mit Hilfe seines Doppel-Null-Status (die „Lizenz zum Töten“) wie immer nur mal kurz die Welt retten muss. Und dabei gibt er sich reichlich Mühe, denn das Buch strotzt – wie auch die bekannten Bond-Verfilmungen – vor Action-Szenen. Mal fährt Bond ein Autorennen auf dem Nürburgring, mal muss er sich als Lebendig Begrabener vor dem fast sicheren Tod retten und zu guter Letzt muss er auch noch, während er am äußeren Rahmen hängt, eine fahrende U-Bahn in New York in seine Gewalt bringen. Man kann sich gut vorstellen, wie spektakulär das im Film umgesetzt worden wäre.

Und so ist es ein typischer Bond – für Fans des Agenten ein Fest, für alle anderen Leser sicherlich kein Muss. Wer sich allerdings für die zwischenstaatlichen „Spielchen“ der Großmächte USA und Russland in den 1950er Jahren und den Wettlauf um den Weg ins All interessiert, auch dem sei dieses Buch empfohlen.

Veröffentlicht am 14.03.2017

3 in 1 – Krimi, Kochbuch und Reiseführer in einem :-)

Rotes Gold
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„Rotes Gold“ war mein erstes Buch von Tom Hillenbrand, obwohl es ja schon das zweite Buch der Reihe um den Koch Xavier Kieffer ist. Ab und zu wurde auf Geschehnisse aus Band eins Bezug genommen, aber gestört ...

„Rotes Gold“ war mein erstes Buch von Tom Hillenbrand, obwohl es ja schon das zweite Buch der Reihe um den Koch Xavier Kieffer ist. Ab und zu wurde auf Geschehnisse aus Band eins Bezug genommen, aber gestört hat mich das beim Lesen nicht. Auch habe ich den ersten Band nicht „vermisst“. Man kann dieses Buch also getrost auch ohne Vorkenntnis des ersten Romans lesen.

Diesmal geht es um rotes Gold. Nachdem ich zuerst lange überlegt habe, wieso das Buch wohl so heißt, erschloss sich im Laufe des Lesens der Sinn dieses Titels: Mit dem roten Gold ist weder ein Gewürz gemeint noch ein besonders guter Rotwein (wie ich zuerst vermutet hatte). Nein, es geht um das rote Fleisch des Thunfischs und die leidvolle Geschichte der Thun-Fischerei. Da die Filets besonders großer Fische äußerst wertvoll sind, große Fische aber mittlerweile auch äußerst selten, ist es kein Wunder, dass sich daraus kriminelle Machenschaften entwickeln.

Das Buch bietet neben der Kriminalgeschichte an sich viele Details rund um die Fischfang-Industrie und das zum Teil recht eigenwillige Geschäft mit Sushi & Co. Ich habe viele interessante Einblicke bekommen und hätte nicht erwartet, in diesem Büchlein von knapp 350 Seiten so viel Lehrreiches zu finden.

Dazu spielt bei einem Koch natürlich das gute Essen immer eine vordergründige Rolle, so dass man auch ein paar Küchentipps mitnimmt.

Und nicht zuletzt ist das Buch fast schon ein Reiseführer für das Großherzogtum Luxemburg - wobei „groß“ hier ja wohl ein bisschen übertrieben ist Dank der anschaulichen Beschreibungen von Herrn Hillenbrand habe ich aber richtig Lust bekommen, Orte wie Echternach oder Luxemburg-Stadt zu besuchen. Und ich weiß jetzt, was Bouneschlupp ist! Leider weiß ich jetzt auch, wie man Ortolan zubereitet (die Szene war einfach nur ekelhaft und verursachte mir schon beim Lesen einen leichten Würgereiz). Das war der einzige Moment, in dem ich das Buch am liebsten zugeklappt und weit weg gelegt hätte.

Aber insgesamt haben mich Autor und Protagonist überzeugt, so dass demnächst auch der Nachfolgeband „Letzte Ernte“ auf meinem Leseprogramm steht.