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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.07.2025

Strandgut

Strandgut
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Nachdem mich bereits "Offene See" und "Der perfekte Kreis" vom Autor Benjamin Myers begeistern konnten, war ich sehr auf sein neues Werk gespannt.
Der Schreibstil des Autors ist gleichzeitig poetisch und ...

Nachdem mich bereits "Offene See" und "Der perfekte Kreis" vom Autor Benjamin Myers begeistern konnten, war ich sehr auf sein neues Werk gespannt.
Der Schreibstil des Autors ist gleichzeitig poetisch und klar. Das Buch ist duchzogen von bildlichen und teils beinahe schon ausufernden Bescheibungen. Generell ist die Sprache poetisch, aber auch unaufgeregt. Das Buch ist ein eher ruhiges, die Handlung fließt vor sich hin, es gibt keine großen Ankündigungen und Trubel - wie bei den Büchern des autors üblich und bekannt. Große Spannungsgefälle gibt es nicht, für mich hatte die Handlung jedoch teilweise Längen, bei denen ich das Interesse am Fortgang der Geschichte verloren habe. Das kannte ich von den vorangehenden Büchern des Autors nicht. Bucky und Dinah sind zwei sehr gegensätzliche Charaktere, die jedoch im rechten Moment zueinander finden. Dabei habe ich zu beiden über den Fortgang der Handlung eine Distanz gespürt, die ich nicht recht überwinden konnte - dennoch hab ich ihre Entwicklung gern verfolgt und mich über Charakterentwicklungen gefreut. Insgesamt konnten mich Handlung und Charaktere also nicht so packen, wie ich es mir gewünscht habe. Was mir ebenfalls nicht so gut gefallen hat war die Beschreibung vom Suchtmittelkonsum und der teilweise ungewollte Entzug - für mich hat das für die Handlung keinerlei Mehrwert gegeben und war mir dann insgesamt zu redundant.
Sprachlich, in Übersetzung durch Werner Löcher-Lawrence, ein sehr gelungenes Buch, Handlung und Charaktere konnten mich jedoch nicht so sehr mitnehmen.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

atmosphärisch

Aufstehen
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Ich habe das Buch in kürzester Zeit durchgelesen - es liest sich wirklich sehr gut. Der Schreibstil ist größtenteils sehr flüssig zu lesen und der Autor schafft es eine ganz eigene Stimmung zu zeichnen. ...

Ich habe das Buch in kürzester Zeit durchgelesen - es liest sich wirklich sehr gut. Der Schreibstil ist größtenteils sehr flüssig zu lesen und der Autor schafft es eine ganz eigene Stimmung zu zeichnen. Für meinen Geschmack fangen nur etwas zu viele Sätze mit "Ich ..." an, das war mir absatzweise zu redundant. Die kurzen Kapitel sind insgesamt sehr angenehm und tragen zum flüssigen Leseerlebnis bei. Generell hat mich dieses Buch vor allem mit der Grundstimmung/ Atmosphäre, die es trägt, für sich begeistern können. Diese ist wirklich hervorragend ausgearbeitet, die gewählte Sprache bildet einen passigen Rahmen.

Inhaltlich habe ich nicht ganz gefunden, was ich mir anhand des Klappentextes erwartet habe. Ich hätte mir auch etwas mehr Tiefe in der Erzählung gewünscht, auch etwas mehr Einblick in die Gedankenwelt von Protagonist Nick, damit er greifbarer wird. Protagonist Nick konnte ich durch die gesamte Handlung hindurch nicht so richtig greifen. Er betäubt sich, scheint fasziniert aber zugleich abgeschreckt von den politischen Parolen, hat offensichtlich eine schwierige familiäre Situation. All das wird aber nicht wirklich tiefgehend thematisiert, sondern eher ein "Gefühl" dazu vermittelt. Das finde ich spannend zu lesen, wenngleich ich mit etwas mehr inhaltlicher Tiefe nicht unzufrieden gewesen wäre.

Insgesamt aber ein Buch, das ich gern gelesen habe!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

gemächlich

Pearly Everlasting
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"Pearly Everlasting" von Autorin Tammy Armstrong wurde von Peter Torberg ins Deutsche übersetzt.
Die grundlegende Idee des Buches gefällt mir gut - ein Mädchen, dass eine tiefe Verbindung zu einem Bären ...

"Pearly Everlasting" von Autorin Tammy Armstrong wurde von Peter Torberg ins Deutsche übersetzt.
Die grundlegende Idee des Buches gefällt mir gut - ein Mädchen, dass eine tiefe Verbindung zu einem Bären hat, diesen als ihren Bruder ansieht. Die Geschichte ist von einer wahren Begebenheit inspiriert, wie die Autorin im Nachwort verrät.
Armstrong schafft ein raues Setting, das ich mir Dank der eingehenden Beschreibungen gut vorstellen konnte. Der Umgang ist schroff, das Leben hart. Das Camp, in dem Pearly und Bruno groß werden scheint bedrückend, vom restlichen Leben, wie es im weiteren Verlauf beschrieben wird, isoliert. Weniger intensiv sind meinem Empfinden nach die Charakterdarstellungen. Protagonistin Pearly ist willensstark und durchsetzungsfähig, wirkte darüber hinaus jedoch häufig sehr oberflächlich charaktersisiert, so dass sie mir über die gesamte Handlung hinweg auf Distanz blieb - vielleicht ein Stilmittel, um diesen Wesenszug zu betonen...
Die Handlung war für mich etwas zu langsam voranschreitend, die Beschreibungen zu ausufernd, dafür sehr wortgewandt. Ich hatte nur selten den inneren Drive unbedingt weiter lesen zu wollen, um mehr zu erfahren. So richtig gepackt hat es mich nicht. Das ist schade, denn die Prämisse des Buches finde ich sehr spannend.

Die Gestaltung gefällt mir, wie so häufig beim Diogenes Verlag, sehr gut. Das gewählte Bild "Time For Breakfast" von Bob Coonts passt hervorragend zur Story und fügt sich in einen stimmigen Gesamteindruck ein.

Insgesamt ist "Pearly Everlasting" also ein Buch, dass mir in seiner Gemächlichkeit zwiegespaltene Gefühle hinterlässt. Sprache und Grundidee gefallen mir gut, die Charakterdarstellungen und Erzählgeschwindigkeit waren jedoch nicht so mein Fall.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

ein ungeschönter Erfahrungsbericht

Emotional Female
5

"Emotional Female" von Yumiko Kadota trägt den Zusatztitel "Mein Weg in den Burnout und wieder heraus: Eine junge Ärztin berichtet". Schon hier wird klar, dass die Beschreibungen nichts für all zu zarte ...

"Emotional Female" von Yumiko Kadota trägt den Zusatztitel "Mein Weg in den Burnout und wieder heraus: Eine junge Ärztin berichtet". Schon hier wird klar, dass die Beschreibungen nichts für all zu zarte Nerven werden.
Die Aufmachung des Buches gefällt mir gut. Das Color-Blocking in den kräftigen Farben wirkt stark und auffällig - als würde es sagen wollen "bei diesem Thema muss sich nicht versteckt werden".
Der Schreibstil von Kadota in Übersetzung durch Anke Angela Grube war relativ nüchtern und sachlich, aber für mich sehr flüssig zu lesen. All zu große emotionale und ausschweifende Umschreibungen sind nicht zu finden, was natürlich im Kontrast zum grundlegenden Thema steht.

Kadota beschreibt in verschiedenen Abschnitten Stationen ihres Lebens, geht dabei auf ihre Erlebnisse und Erfahrungen ein. Vor allem die Beschreibungen der Zeit ihres Medizinstudiums, des "Residence" und der Zeit als Assistenzärztin haben es in sich. Es wird über Machtmissbrauch, Rassismus und Sexismus, gleichermaßen über unmenschliche Arbeitsbedingungen und Nichtbeachtung der Gesundheit von angehenden und jungen Ärzt:innen geschrieben. Mich haben die Schilderungen vor allem wütend gemacht. Andererseits wurde auch klar, dass Kadota nicht in der Lage war früher eine Grenze zu ziehen und auf sich selbst zu achten - immer dem Ziel der Facharztausbildung hinterher rennend. Allein diese Schilderungen zu lesen hat in mir ein sehr beklemmendes Gefühl ausgelöst.

Das persönliche Nachwort hat das Buch für mich rund gemacht, auch wenn Kadota hier viel aufmacht und offen lässt... Für mich haben sich hier aber einige offene Gedanken zur Persönlichkeitsstruktur geschlossen und Gedankengänge und Handlungsweisen somit nachvollziehbarer gemacht. Denn natürlich gibt die Autorin in diesem Buch auch einen hohen persönlichen Anteil, so dass man sich als außenstehende Person manchmal fragt, warum sie sich "das alles" gefallen lassen hat. Hier war es für mich die Hürde mich in Kadota hineinzuversetzen und ihre Beweggründe nachvollziehen zu können.

Insgesamt hat mir "Emotional Female" sehr gefallen, es wirkt wie ein ungeschönter Erfahrungsbericht, der als Warnung verstanden werden sollte. Selbstfürsorge ist wichtig, noch wichtiger wären jedoch eine Anpassung grundlegender Strukturen im (australischen) Gesundheitssystem, um solche Situationen künftig zu vermeiden.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Mutationen

Shark Heart
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"Shark Heart" von Emily Habeck wird als einzigartiger Roman über Liebe, Verlust und die Frage nach der Menschlichkeit beworben. Ich finde die Grundidee des Buches - Mutationen vom Menschen zum Tier - extrem ...

"Shark Heart" von Emily Habeck wird als einzigartiger Roman über Liebe, Verlust und die Frage nach der Menschlichkeit beworben. Ich finde die Grundidee des Buches - Mutationen vom Menschen zum Tier - extrem spannend.
Die Geschichte spinnt sich vorrangig um Wren und Lewis, der zu einem weißen Hai mutiert. Dabei umfasst dieser Handlungsabschnitt nur einen Teil des Buches, in dem anderen Teil lernen wir über Wren und ihre Mutter. Dabei steht über beiden Teilen des Buches der Verlust einer geliebten Person im Fokus - schlussendlich ist Wren damit Hauptprotagonistin dieses Buches.
Die Teile des Buches sind geprägt durch relativ kurze Absätze, vieles wird mit einer Szene, ähnlich einer Theaterinszenierung eingeleitet, was Lewis Leidenschaft für Theater aufgreift, ansonsten wenig inhaltliche Bezugspunkte liefert. Diese Aufmachung gefiel mir gut, sie lockerte die Atmosphäre auf und verhalf zu einem zügigen Lesetempo.
Was mich etwas enttäuscht hat, war der Umgang mit dem finalen Mutationsschritt, denn hier hatte ich mir etwas anderes erwartet. Insbesondere bei Lewis und Wren mehr Kontakt zueinander. Ich habe diesbezüglich insgesamt eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Verlust und der Wandlung von Mensch zu Tier erhofft - an diesem Punkt konnte das Buch meinen Erwartungen nicht gerecht werden. Dennoch finde ich die grundlegende Prämisse gut und habe das Buch gern gelesen.

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