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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Informativ und hochwertig

Der Stoff, aus dem die Dinge sind
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Wer weiß schon, welche Pflanzen überall in unseren Alltagsgegenständen sind? Natürlich kennt man das ein oder andere, aber es gibt doch auch immer wieder Dinge, die mich überraschen, die mich in diesem ...

Wer weiß schon, welche Pflanzen überall in unseren Alltagsgegenständen sind? Natürlich kennt man das ein oder andere, aber es gibt doch auch immer wieder Dinge, die mich überraschen, die mich in diesem Buch überrascht haben. Der Untertitel "Was wir aus Pflanzen machen" beschreibt schon ganz gut, um was es in diesem Buch geht. Nämlich genau darum. Wo machen wir uns welche Pflanze zu nutze, wo benutzen wir Pflanzen.

Mein erster Eindruck des Buches war sofort wahnsinnig positiv. Vom Format her ist das Buch ziemlich groß und wirkt direkt ansprechend und extrem hochwertig. Ich liebe die Haptik des Buches. auf dem Cover wird der Text als Hochprägung hervorgehoben, so wie auch einige weitere Elemente. Dies führt dazu, dass ich immer wieder über das Cover streichen muss, weil ich es einfach wirklich toll finde. Ich mag es sehr, wenn bei Büchern nicht nur der Inhalt überzeugt, sondern auch das Äußere. Natürlich gibt es auch die Redensart "Never judge a book by its cover" und da ist auch was dran. Aber gerade hier finde ich einfach das Gesamtpaket sehr stimmig und das Cover trägt zum hochwertigen Eindruck extrem viel bei. Ich bin mir sicher, dass das Buch in Buchhandlungen der absolute Blickfang ist.

Im Inneren geht es zunächst mit einer kleinen Einleitung weiter, in der der Autor ein bisschen etwas über Pflanzen erzählt und schon einmal einen kleinen Ausblick auf das Buch selbst gibt. Die folgende Inhaltsangabe zeigt nochmal übersichtlich, welche dreißig Pflanzen in dem Buch thematisiert werden. Von Vanille, über Korkeiche, Mais, Löwenzahn, Buche, Kürbis bis hin zu Tomate, Kokospalme und Erdnuss.

Jeder Pflanze wird eine optisch hochwertige und ansprechende Doppelseite gewidmet. Dabei ist auf der rechten Seite immer die Pflanze selbst mit ihren Einzelteilen zu sehen und auf der linken Seite gibt es die Informationen, wofür die Pflanze verwendet wird bzw. was ihre Geschichte ist. Gerade die geschichtlichen Hintergründe fand ich wahnsinnig spannend. Wie sich die Verwendung von Pflanzen geändert hat oder auch wie sie erstmals entdeckt wurden, war schon sehr cool. Man bekommt also gleich noch ein bisschen geschichtliches Wissen mit.

Alle Seiten sind durchweg farbig illustriert, was ich ebenfalls sehr gelungen finde. Gerade die Pflanzen selbst und ihre Einzelteile sind wirklich wahnsinnig toll und detailliert dargestellt. Das hätte ein Foto kaum besser können. Nach wie vor liebe ich hochwertige Illustrationen von echten Illustratoren, deshalb finde ich es ganz große Klasse, dass hier in diesem Buch so viel Wert darauf gelegt wurde. Man hat einfach das Gefühl man bekommt ein Gesamtkunstwerk, das sehr gut durchdacht wurde.

Auf der Rückseite des Buches steht "Ein Buch für die ganze Familie" Und das kann ich genauso unterschreiben. Ursprünglich für meine Kinder gedacht, war ich selbst total fasziniert und gefesselt von dem Buch. Da ich mir auf keinen Fall alles merken kann, werde ich sicherlich immer mal wieder nachschlagen, wie das denn jetzt mit den einzelnen Pflanzen gewesen ist. Denn auch wenn manche Verwendung scheinbar offensichtlich scheint, so wartet das Buch doch mit der einen oder anderen Überraschung auf den Leser. Und auch meine Kinder werden es sicherlich öfter in die Hand nehmen und - so wie ich sie kenne - wahllos darin herumblättern und an interessanten Stellen hängen bleiben. Genauso sollte es sein. Der Autor schreibt ganz am Ende, dass er das Buch Menschen widmet, die neugierig sind und gerne viele Fragen stellen. Wenn das nicht auf Kinder zutrifft, auf wen dann?

Ich bin total fasziniert von diesem rundum gelungenen Buch. Optisch ein absolutes Meisterwerk. Die Haptik extrem hochwertig. Ein Buch, welches ich unbedingt frontal in unser Regal stellen muss. Auch der Inhalt weiß neben der Optik auf ganzer Linie zu überzeugen. Reich illustrierte Innenseiten, machen das Buch sowohl für Kinder als auch Erwachsene kurzweilig und sorgen dafür, dass man richtig Spaß hat, mehr über die jeweiligen Pflanzen zu lernen und zu erfahren. Eine ganz klare Buchempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Wunderschön, melancholisch, gefühlvoll

Blue Sparrow Girls – The Melody of You and Me
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Olives Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen, als ihre Mutter überraschend bei einem Unfall stirbt. Völlig in ihrer Trauer gefangen, geht sie an den Ort, an dem ihre Mutter viel Zeit verbracht ...

Olives Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen, als ihre Mutter überraschend bei einem Unfall stirbt. Völlig in ihrer Trauer gefangen, geht sie an den Ort, an dem ihre Mutter viel Zeit verbracht hat. Nach Nashville. In Form von Liedern versucht Olive ihre Trauer und ihren Schmerz zu bewältigen. Doch aller Anfang ist schwer und es dauert eine Weile bis sie eine Wohnung gefunden hat. Als sie endlich fündig geworden ist, stellt sie fest, dass in der Männer-WG, die sich direkt gegenüber befinde ausgerechnet Drew wohnt. Drew, dem sie ihr Herz ausgeschüttet hat, als sie ihn in einer Bar getroffen hat und dem sie sich näher als jedem anderen Menschen gefühlt hat. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Männer der WG sind absolut tabu und so tut Olive alles dafür sich nicht ausgerechnet in Drew zu verlieben.

"Blue Sparrow Girls - The Melody of You and Me" ist der erste Band einer Dilogie. Und ich muss sagen, dass mir das Buch extrem gut gefallen hat. Es fängt schon beim Schreibstil an, der wahnsinnig einfühlsam und emotional ist. Vielleicht lag es auch ein bisschen daran, dass ich total mit Olive mitfühlen konnte. Meine Mama ist zwar nicht bei einem Unfall gestorben, aber an Krebs. Diese allumfassende Trauer, dieser tiefe Schmerz, der Wunsch danach nichts zu fühlen. All das kam mir sehr bekannt vor. Und so berührte mich der Schreibstil auf einer ganz besonderen Ebene. Ich finde die Autorin Laura Willud schafft es genau den richtigen Ton für dieses doch nicht so einfache Thema zu treffen und transportiert die Gedanken und Gefühle von Olive ganz wunderbar.

Auch darüber hinaus ist der Schreibstil wirklich toll. Ich kam so gut in die Geschichte rein, habe überhaupt keine Anlaufzeit gebraucht. Die Seiten flogen nur so dahin. Die meist recht kurzen Kapitel taten ihr übriges, dass ich doch immer noch weitergelesen habe, obwohl ich eigentlich müde war.

Die Charaktere fand ich ebenfalls gelungen. Sie haben alle gewisse Ecken und Kanten und auch Eigenheiten, sind aber so für den Leser ziemlich unverwechselbar. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten mich an sie zu gewöhnen. Natürlich ist mir der eine sympathischer gewesen, als der andere, aber das ist ja ganz normal und auch genau richtig so. Wenn alle Charaktere zu nett und lieb sind, dann ist die Geschichte nicht besonders vielschichtig. Eine gewisse Dynamik gehört auch dazu.

Der Verlauf der Geschichte und die Thematik haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Ich bin zwar tatsächlich niemand, der viel mit Musik - zumindest was Musik selbst machen angeht - anfangen kann, aber die Beschreibungen von Nashville und wie Olive ihren Schmerz in ein Lied packt, fand ich schon sehr beeindruckend und schön zu lesen. Natürlich war die ein oder andere Entwicklung vorhersehbar, aber das hat mich absolut gar nicht gestört, da ich das Buch nicht deshalb gelesen habe. Bzw. habe ich ja sogar darauf gehofft.

Die Liebesgeschichte ist ebenfalls so wunderschön. Sie entwickelt sich langsam, aber man merkt von Anfang an das Knistern und das mochte ich so gerne. Außerdem bekommen wir hier so viel mehr als nur eine simple Liebesgeschichte. Das Buch erzählt von zwei Charakteren, die beide keine einfache Zeit hinter sich haben, die beide an einem Punkt im Leben sind, an dem sie nicht so richtig weiter wissen und die sich hierbei gegenseitig Halt geben und dafür sorgen, dass die Welt des anderen wieder ein kleines bisschen in Ordnung kommt. Ich habe so sehr mit den beiden mitgefiebert und schon jetzt freue ich mich auf den zweiten Teil, wenn wir ein anderes Liebespärchen bekommen.

Das Buch war für mich rundum gelungen. Ich hatte hier mal wieder eine Lektüre, die ich einfach nur genossen habe. Ich konnte abschalten, darin versinken und dabei Gefühle zulassen, die ich eigentlich nicht so gerne zulasse - die Erinnerungen an meine Mama. Die Geschichte hat mich auf so vielen Ebenen so sehr berührt und mitgenommen und ich bin so froh, dass ich sie gelesen habe. Ein wunderbares Buch, mit so viel Tiefgang und klugen Gedanken, welches mich restlos überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Einige Hochs, viele Tiefs

Real Americans
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Lily ist das Kind chinesischer Einwanderer in Amerika. Als junge Erwachsene lernt sie den Amerikaner Matthew kennen. Die beiden verlieben sich und beginnen eine Beziehung. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, ...

Lily ist das Kind chinesischer Einwanderer in Amerika. Als junge Erwachsene lernt sie den Amerikaner Matthew kennen. Die beiden verlieben sich und beginnen eine Beziehung. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, wird Lily von einem Tag auf den anderen in ein Leben voller Luxus und Geld geworfen. Trotz aller Unterschiede heiraten die beiden und bekommen ein Kind. Doch ihre Wege trennen sich. Jahre später lebt Lily allein mit ihrem Sohn Nick, der nichts über seinen Vater weiß. Als er sich auf die Suche nach diesem macht, stößt er auf Dinge, die er nicht unbedingt wissen wollte und wird nicht nur einmal vor eine Herausforderung gestellt.

Ich muss zugeben, dass ich mit hohen Erwartungen an das Buch gegangen bin. Die Suche nach der eigenen Identität sowohl auf der Seite von Lily, als auch von Nick, klang reizvoll und spannend. Doch zu großen Teilen wurde ich leider enttäuscht. Das Buch konnte mich zunächst zu Beginn absolut nicht abholen. Der Schreibstil war zwar gut und einfach zu lesen, aber die Geschichte strotzte nur so vor Belanglosigkeiten. Eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, die die Geschichte für mich nicht vorwärts brachten, sorgte dafür, dass die Geschichte meine Aufmerksamkeit sehr schnell verlor. Es fiel mir extrem schwer, längere Zeit an der Geschichte dran zu bleiben.

Zudem war die Geschichte total unstrukturiert. Manchmal wechselt die Zeit bzw. die Szene innerhalb eines Abschnitts. Bis ich das kapiert habe, hat es eine Weile gedauert. Das sorgte auch dafür, dass mir alles total durcheinander vorkam und mich nicht wirklich fesseln konnte. Mit dem weiteren Verlauf der Geschichte, wurde das etwas besser. Aber eigentlich auch erst nach ca. 400 Seiten. Und das finde ich dann einfach zu lang. Zu diesem Zeitpunkt hatte mich die Geschichte eigentlich schon verloren.

Ich gebe es zu, dass mir das letzte Viertel des Buches deutlich besser, als der Rest der Geschichte gefallen hat. Die Geschichte bekam plötzlich eine unerwartete Tiefe und die politischen Spannungen rund um den Kommunismus fand ich extrem spannend, weil ich mich mit dieser Thematik noch gar nicht beschäftigt hatte. So konnte ich definitiv auch noch etwas lernen und aus dem Buch mitnehmen. Doch das reichte für mich einfach nicht aus, um völlig begeistert zu sein.

Die Charaktere fand ich ebenfalls schwierig. Oft fehlte mir das Verständnis für gewisse Verhaltensweise. Einiges löste sogar eher Unmut bei mir aus. Dies kam sicherlich auch durch die schnellen Szenenwechsel. So hatte man als Leser gar keine Chance, die Charaktere besser und in einer gewissen Tiefe kennenzulernen. Auch dies wurde tatsächlich gegen Ende besser, da man hier Dinge erfährt, die bestimmte Verhaltensweisen erklären und vor allem einen Charakter sehr tief beleuchten.

Ich bin ein bisschen traurig, dass dies erst Richtung Ende der Fall war, denn die Geschichte hatte viel Potential. Der Titel "Real Americans" passt tatsächlich sehr gut zur Geschichte. Lilys Probleme sich einer Kultur zugehörig zu fühlen wurden schön beleuchtet und sehr deutlich gemacht. Da konnte ich auch sehr mitfühlen und fand das wirklich schön beschrieben. Der innere Konflikt und der Wunsch einfach nur akzeptiert zu werden, wurde sehr gut herausgearbeitet.

Trotzdem ist das für mich einfach zu wenig. Ich verstehe nicht ganz, was die Autorin damit bezweckt hat, ganze Seiten mit völlig belanglosen Dingen zu füllen, bei denen ich aufpassen musste, dass ich nicht komplett querlese. Hätte ich das Buch nicht in einer Leserunde gelesen, hätte ich es vermutlich sogar abgebrochen und nicht zu Ende gelesen. Die Geschichte hat mich nicht verloren, sie hat mich tatsächlich nie ganz einfangen können. Die Sogwirkung blieb für mich komplett aus. Das Buch hat mich absolut nicht gefesselt.

Warum es dann trotzdem drei Sterne bekommt, liegt vor allem daran, dass der letzte Teil gut gemacht war. Diesen habe ich im Verhältnis zum Rest tatsächlich recht gerne und vor allem zügig gelesen. Das Buch konnte mich zu dem Zeitpunkt dann auch überzeugen und ich wünschte mir, dass die Geschichte die ganze Zeit so gewesen wäre.

Ich wollte das Buch so gerne mögen. Aufgrund des Klappentextes und den vielen positiven Stimmen, hatte ich echt hohe Erwartungen. Vielleicht auch zu hohe Erwartungen, wer weiß. Aber leider bin ich eher enttäuscht als zufrieden und kann dem Buch nicht mehr, als eine mittelmäßige Wertung geben.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Wenn einem die Worte fehlen

Tief
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Kommissar Heinzle steht vor seinem wohl emotionalsten Fall. Am Ufer des Bodensees wird eine Kinderleiche mit einer Botschaft auf dem Bauch gefunden. Noch nie musste er in so einem schrecklichen Verbrechen ...

Kommissar Heinzle steht vor seinem wohl emotionalsten Fall. Am Ufer des Bodensees wird eine Kinderleiche mit einer Botschaft auf dem Bauch gefunden. Noch nie musste er in so einem schrecklichen Verbrechen ermitteln. Doch das Kind bleibt nicht die einzige Leiche. Je mehr Tote auftauchen, desto größer wird die Frage nach Schuld und Moral und es wird klar, dass es sich oft lohnt, auch ein zweites Mal hinzuschauen.

Als ich begonnen habe den Thriller "Tief" zu lesen, war mir nicht klar, welche Reise mich erwarten würde. Ich habe schon sehr viele Krimis und Thriller in meinem Leben gelesen und ich bin auch relativ hart im Nehmen, was blutige Details angeht. Doch dieses Buch hat mich auf eine emotionale Reise geschickt, die ich lange nicht mehr vergessen werde. Der Titel "Tief" passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Geschichte, denn hier geht alles tiefer, als man zunächst denkt.

Rebekka Moser hat mich mit ihrem Schreibstil tief beeindruckt. Grundsätzlich finde ich es immer wahnsinnig toll, wenn Menschen die Gabe haben, Gefühle und Geschichten so in Worte zu packen, dass sie den Leser auf eine Reise mitnehmen. Doch Rebekka Moser hat für mich die Schreibkunst nochmal auf ein ganz neues Level gehoben. Selten habe ich so einen eindrücklichen und bewegenden Schreibstil zu lesen bekommen. Die Wortgewalt ist nicht von dieser Welt. Dabei zeichnet die Autorin besonders aus, dass sie nicht davor zurückschreckt, dem Leser weh zu tun. Und das ist bei den Themen, die dieses Buch enthält, auch unerlässlich. Mein Herz ist während des Lesens nicht nur einmal gebrochen. Viele Dinge habe ich angefangen zu hinterfragen. Begonnen bei Menschlichkeit und was uns zu den Personen macht, die wir sind. Wann wird ein Mensch zum Mörder? Und wann fangen wir an unsere Probleme zu lösen, bevor sie so eskalieren, wie es in diesem Buch der Fall ist.

Um die Geschichte von allen Seiten beleuchten zu können, bedient sich Rebekka Moser mehrere Zeitebenen, die nach und nach ineinander greifen. Im Verlauf der Geschichte wird deutlich, wie sehr der Blick in die Vergangenheit gebraucht wird, um die Zukunft verstehen zu können.

Die Themen die "Tief" behandelt sind hart. Deshalb würde ich tatsächlich auch eine Triggerwarnung für angemessen halten. Das beginnt natürlich beim Tod des Kindes, der mich selbst sofort extrem mitgenommen hat. Es geht aber mit genauso harten und schwierigen, sowie auch kontroversen Themen weiter. Ob politisch / religiös radikalisierte Personen, Vertuschung, Abschiebung oder auch der Flucht in einem Schlepperboot. All dies sind Themen, die unsere Gesellschaft aktuell wieder mehr beschäftigen, denn je. Rebekka Moser wirft hier Fragen auf und beleuchtet die Dinge von zwei Seiten. Dabei schreibt sie dem Leser keine Meinung vor, viel mehr regt sie durch ihre Geschichte zum Nachdenken an. Sie zeigt, dass auch festgefahrene Meinungen überdacht werden können und dass wir manchmal falsch handeln, obwohl wir versuchen das Richtige zu tun.

Emotional hat mich dieses Buch auf einer ganz anderen Ebene erreicht, als es die meisten Bücher in der letzten Zeit getan haben. Es war so schwer zu lesen und dabei ist es so wichtig. Dass das Buch schwer zu lesen war, meine ich an dieser Stelle auch völlig ohne Wertung. Es war einfach schwer, aufgrund der Härte der Themen. Aber für mich macht genau so etwas das Lesen aus. Bücher, die mir einen Mehrwert bieten. Bücher, die Geschichten von fiktiven Personen erzählen, die aber stellvertretend für so viele echte Opfer stehen. Bücher die moralische Fragen aufwerfen und mich daran zweifeln lassen, was richtig und was falsch ist. Rebekka Moser hat es geschafft mich mit einem Thriller so zu berühren, wie es noch nie ein Thriller zu vor geschafft hat.

Natürlich ist die Geschichte neben allen emotionalen Komponenten, auch extrem spannend. Es handelt sich schließlich um einen Thriller. Hierbei steht aber mehr das warum, als das wer im Vordergrund und das finde ich eine wahnsinnig spannende Perspektive. Zu keiner Zeit konnte ich erahnen, was mich auf der nächsten Seite erwarten würde und genau das sollte doch einen guten Thriller ausmachen.

Die Protagonisten sind hierbei ebenfalls ein wertvoller Teil der Geschichte. Sie haben Ecken und Kanten und hören auch dann nicht auf zu ermitteln, wenn es schwierig wird und ihnen ein Widerstand nach dem anderen vor die Nase gesetzt wird. Dabei sind sie tatsächlich auch nicht immer sympathisch und haben ebenfalls teilweise moralisch fragwürdige Einstellungen. Aber auch diese spiegeln unsere Gesellschaft extrem gut wider.

Die Überschrift meiner Rezension macht deutlich, dass mir nach während des Lesens und auch nach Ende des Buches die Worte gefehlt haben und auch jetzt habe ich das Gefühl, die Rezension ist nicht genug, um zu verdeutlichen, wie wichtig dieses Buch ist. Ich würde mir sehr wünschen, dass es so viele Leser bekommt, wie es nur geht. Ich würde mir wünschen, dass solche Bücher dazu genutzt werden, dass wir miteinander in den Dialog gehen und versuchen wieder mehr Verständnis füreinander zu haben. Und dass wir wieder besser lernen zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, damit am Ende nicht die falschen Personen unter Entscheidungen leiden, die andere für sie treffen. Denn eines macht die Geschichte ganz klar. Man muss näher hinschauen. Man darf sich nicht von offensichtlichen Dingen täuschen lassen und man muss vielleicht auch manchmal Menschen und Entscheidungen und im Grunde auch die eigenen Moralvorstellungen hinterfragen.

Ich bin unheimlich dankbar für dieses Leseerlebnis. Auch wenn mein Herz hundertfach gebrochen ist, so habe ich das gebraucht, um wieder ein Stück mehr dankbar für meine eigene Realität, mein eigenes Leben zu sein und Wut darüber zu empfinden, wie hilflos man doch denen gegenüber ist, die all unsere Hilfe gebrauchen könnten.

Für mich ein Meisterwerk an Tiefe, Spannung, sprachlicher Eloquenz und der unmissverständlichen Botschaft, dass wir nicht wegschauen dürfen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Cozy & crime = die perfekte Mischung

Mord & Breakfast
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Melody erbt ganz unerwartet das B&B ihrer Tante, nachdem diese unglücklich von ihrer Terrasse in den Tod gestürzt ist. Eine Tante, über die Melody gar nichts weiß, da sie seit vielen Jahren keinen Kontakt ...

Melody erbt ganz unerwartet das B&B ihrer Tante, nachdem diese unglücklich von ihrer Terrasse in den Tod gestürzt ist. Eine Tante, über die Melody gar nichts weiß, da sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr hat. Etwas widerwillig fährt sie nach Schottland, um sich ihr Erbe zumindest mal anzuschauen. Dort angekommen fällt ihr schnell auf, dass im beschaulichen Seagull Bay irgendetwas überhaupt nicht zu stimmen scheint. Niemand scheint traurig zu sein, dass ihre Tante gestorben ist. Und war ihr Tod wirklich ein Unfall? Melody beginnt nachzuforschen und stößt dabei auf Dinge, die sie lieber nicht gewusst hätte.

Bei "Mord & Breakfast" handelt es sich um den ersten Fall für Melody Moss. Ein cozy Krimi, der uns ins raue Schottland mitnimmt und dabei sowohl zu unterhalten, als auch zu fesseln weiß. Ich mochte die Mischung unheimlich gerne, da sie dafür sorgt, dass das Buch sehr kurzweilig ist. Mit nur knapp 270 Seiten, habe ich nicht viel länger als einen Tag gebraucht, bis ich mit der Geschichte durch war. Und das lag natürlich auch am sehr angenehm zu lesenden Schreibstil.

Der Einstieg in die Geschichte war super einfach und ich war sofort im Geschehen drin. Schnell nimmt die Geschichte an Fahrt auf und wir werden mitten reingeworfen in einen Unfall, der vielleicht gar keiner war. Ich lese grundsätzlich sehr gerne cozy Geschichten und auch hier mochte ich die Beschreibungen des wunderschönen Schottland, sowie des B & B sehr gerne. Sofort bekam ich den Drang dort Urlaub zu machen und mir das B&B mit eigenen Augen anzuschauen.

Im Verlauf der Geschichte wird immer deutlicher, was nicht stimmt, welches Geheimnis Melodys Tante hatte. Schockierende Tatsachen kommen ans Licht und die möglichen Verdächtigen werden immer mehr. Und auch daran hatte ich großen Spaß. Ich liebe es in einer Geschichte mitzurätseln, wer der Täter sein könnte und warum. Dafür war die Geschichte perfekt geeignet. Motive gab es zu Hauf, mögliche Verdächtige auch. Sobald einer ausgeschlossen werden konnte, gab es einen neuen Verdächtigen.

Melody ist eine Protagonistin, die hartnäckig bleibt und nicht so schnell aufgibt. Obwohl sie auf viele Widerstände stößt und immer wieder gegen Wände rennt, sowie alles andere als mit offenen Armen empfangen wird, scheut sie sich nicht davor, immer tiefer zu graben. Und obwohl sie die Ermittlungen weitesgehend alleine erledigt, stärken ihr einige Charaktere den Rücken. Allen voran ihr alter Kindheitsfreund Dean, aus dem Durchaus auch mehr werden könnte. Dies spielt aber in dieser Geschichte keine große Rolle.

Das Ergebnis der Ermittlungen hat mich tatsächlich überrascht. Ich hatte lange Zeit eine Person in Verdacht und lag falsch. Das mag ich ja besonders gerne, wenn ich auch am Ende noch überrascht werde. Und das ist Anne Gordon hier gelungen. Schlüssig wird das wer und warum aufgeklärt. Am Ende des Buches wird auch schon der zweite Band angekündigt, für nächstes Jahr im März, was mich besonders freut.

Denn ich habe die Geschichte unheimlich gerne gelesen. Ohne blutige Details, erzeugt Anne Gordon trotzdem die ganze Zeit Spannung. Nach jedem Kapitel hatte ich den Drang unbedingt weiterlesen zu wollen, weil es neue Erkenntnisse gab. Und dazu kommen eben die bereits erwähnten wunderschönen Beschreibungen von Seagull Bay, Schottland und dem B & B. Ich liebe die Mischung sehr und habe mich beim Lesen so wohlgefühlt. Und genau dieses Gefühl mag ich sehr gerne. Es muss nicht immer reißerische Spannung sein. Nein manchmal überzeugen Geschichten auch einfach durch ihr stimmiges Gesamtpaket, so wie diese.

Und daher kann ich das Buch jedem empfehlen, der die Mischung cozy & crime mag und sich gerne in ein malerisches Schottland entführen lassen möchte. Ich werde auf jeden Fall nächstes Jahr im März wiederkommen.

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