Nicht ganz so stark wie die Vorgänger
Das Schwert der Wahrheit 4Der Einstieg hingegen macht zunächst genau das, was man sich wünscht: Er knüpft nahtlos an den Vorgänger an, ist flüssig erzählt und baut schnell wieder Spannung auf. Das überraschende Auftauchen einer ...
Der Einstieg hingegen macht zunächst genau das, was man sich wünscht: Er knüpft nahtlos an den Vorgänger an, ist flüssig erzählt und baut schnell wieder Spannung auf. Das überraschende Auftauchen einer vermeintlich alten Liebe Richards, die ihn heiraten will (später als Intrige Shotas entlarvt), die Einführung eines Halbbruders sowie das Erscheinen eines Günstlings Jagangs, der Richard gezielt ausschalten soll, sorgen für einen dynamischen und vielversprechenden Auftakt. Auch die actionreiche Verfolgungsjagd Kahlans durch die Katakomben der Stadt und die Burg der Zauberer trägt ihren Teil dazu bei, das Tempo hochzuhalten.
Ab etwa Seite 250 jedoch kippt das Bild deutlich. Die Handlung verliert zunehmend an Straffheit, wird zäh und teilweise unnötig ausgedehnt. Immer gleiche Dialogmuster und vorhersehbare Monologe bremsen den Lesefluss erheblich. Besonders die Konflikte zwischen Kahlan und Richard ziehen sich über viele Seiten, ohne neue Erkenntnisse zu liefern – man ahnt die Versöhnung längst, lange bevor sie tatsächlich ausgesprochen wird. Das wirkt nicht nur redundant, sondern nimmt der Geschichte auch viel von ihrer emotionalen Wirkung.
Auch die Pest-Epidemie und die Versuche, sie einzudämmen, bleiben hinter ihrem erzählerischen Potenzial zurück. Obwohl das Szenario eigentlich dramatisch genug wäre, verliert es sich in ausführlichen Beschreibungen und trägen Dialogen. Zeitgefühl und Erzähltempo geraten dabei zunehmend aus dem Gleichgewicht: Während im Text scheinbar Tage vergehen, sind es tatsächlich nur wenige Stunden – wodurch die Dynamik spürbar leidet.
Positiv hervorzuheben sind die wiederkehrenden Nebenhandlungen rund um Nathan sowie Zedd und Ann. Diese Abschnitte wirken oft frischer und interessanter als die eigentliche Hauptstory und wecken stellenweise sogar den Wunsch, ihnen mehr Raum zu geben.
Erst im letzten Drittel findet das Buch wieder zu seiner Stärke zurück. Der Schlussakt um den Tempel der Vier Winde ist spannend inszeniert, überraschend in seiner Wendung und insgesamt sehr gelungen. Genau hier zeigt sich wieder das erzählerische Niveau, das bereits der Anfang versprochen hatte.
In der Gesamtwertung bleibt ein gemischtes Bild: Ein starker Auftakt und ein überzeugendes Finale stehen einem deutlich zu langen und zähen Mittelteil gegenüber. Letztlich ergibt sich daraus eine solide, aber unausgewogene Lektüre – insgesamt drei Sterne.