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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.07.2025

Leise Spannung, starke Figuren - ein Thriller, wie eine gut durchdachte Partie Schach

Blindspiel
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Das Buch Blind Spiel hat mich auf eine ganz eigene Art gepackt. Nicht nur durch Tempo oder Action, sondern auch durch diese kühle, nachdenkliche Spannung, die sich langsam aufbaut, wie bei einer Schachpartie, ...

Das Buch Blind Spiel hat mich auf eine ganz eigene Art gepackt. Nicht nur durch Tempo oder Action, sondern auch durch diese kühle, nachdenkliche Spannung, die sich langsam aufbaut, wie bei einer Schachpartie, bei der man nicht weiß, wer gerade führt. Dies zieht sich wie ein unsichtbarer Faden durch das ganze Buch - das Gefühl, dass jemand vorausdenkt und im Verborgenen spielt.

Im Mittelpunkt steht Milo, ein privater Ermittler und Profiler, der sich eher im Hintergrund aufhält, dabei aber genau beobachtet. Ich mochte seine ruhige, verletzliche Art und das ständige Nachdenken, was ihn immer wieder belastete.
Besonders fand ich die Verbindung zu seinem Stiefvater, denn diese Beziehung ist vielschichtig. Er hat ihn geprägt, gefordert und auch bedrückt. Sie erklärt, warum Milo so denkt, wie er denkt und warum er sich in der Welt manchmal fremd fühlt.

Max Seeck gelingt es, diese emotionale Tiefe mit einem klugen Kriminalfall zu verbinden. Hier geht es nicht nur um Schuld oder Unschuld, sondern auch um verschiedene Motive, Macht und Kontrolle. Den Titel des Buches finde ich sehr passend, den alle Figuren sind hier auf gewisse Weise blind, teils für sich selbst, aber auch für andere.

Der Schreibstil ist, wie ich ihn bei nordischen Krimis am liebsten mag - klar, zurückhaltend und sehr wirkungsvoll. Keine überladenen Beschreibungen, sondern Sätze, die sitzen und zum Nachdenken anregen. Auch das Tempo ist ruhig, nie zäh und die Spannung wird die ganze Zeit gut aufgebaut und bis zum Ende gehalten.

Alles in allem ein stiller, psychologisch starker Reihenauftakt und Thriller mit einem besonderen Ton.
Milo ist eine Figur, die im Kopf bleibt und das Spiel zwischen seiner Vergangenheit und der Gegenwart ist tiefgründig und klug erzählt. Hier taucht man Zug um Zug immer tiefer ein und ich freue mich schon auf die folgenden Bände.

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  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 27.04.2025

Eine besondere und herzzerreißende Liebesgeschichte

Pack Up the Moon
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In dieser Geschichte geht es um den Verlust des Ehepartners und Trauerbewältigung. Josh und Lauren sind frisch verheiratet, verliebt und freuen sich auf die gemeinsame Zukunft. Doch bei Lauren wird eine ...

In dieser Geschichte geht es um den Verlust des Ehepartners und Trauerbewältigung. Josh und Lauren sind frisch verheiratet, verliebt und freuen sich auf die gemeinsame Zukunft. Doch bei Lauren wird eine unheilbare Krankheit diagnostiziert und wir begleiten abwechselnd Lauern und Josh, wie sie alles verarbeiten. Josh ist zudem im Autismus Spektrum und keiner versteht in besser als seine Frau. Sie hilft ihm nach ihrem Tod mit Briefen und Aufgaben das erste Jahr zu überstehen und in ein neues Leben zu finden.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Themen Trauer, Liebe und Verlust wurden wirklich gut bearbeitet. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Rückblickend aus ihren Erinnerungen und seiner Trauerbewältigung in der Gegenwart. Da die Kapitel eher kürzer sind und sich wirklich leicht lesen lassen, nimmt man als Leser sämtliche Emotionen im Wechsel mit. Hier kann man lachen, furchtbar weinen, fassungslos den Kopf schütteln, bangen, hoffen und sich freuen.

Die Autorin hat wirklich gut recherchiert und lässt uns als Leser am Ende mit einen positiven Gefühl zurück, was ich persönlich sehr gut fand. Josh und Lauren sind sympathisch und authentisch, und wachsen einem dadurch schnell ans Herz. Auch die Ängste und Gefühle der beiden sind schön beschrieben.

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen, denn es zeigt, nach dem Verlust eines geliebten Menschen gibt es auch wieder Hoffnung.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Spannender Aufbruch in die norwegische Krimi–Welt

Kalt wie die Nacht
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Der ehemalige Kommissar Wolf braucht, nach dem Tod seiner Frau, einen Neuanfang.
Er zieht von Oslo in die abgeschiedene Telemark um Ruhe zu finden und beginnt dort als Privatermittler selbstständig zu ...

Der ehemalige Kommissar Wolf braucht, nach dem Tod seiner Frau, einen Neuanfang.
Er zieht von Oslo in die abgeschiedene Telemark um Ruhe zu finden und beginnt dort als Privatermittler selbstständig zu arbeiten. Sehr schnell kommt er zu seinem ersten Fall, indem nichts so ist, wie es erst den Anschein hat.
Bei seinen Ermittlungen trifft er auf die introvertierte Journalistin Sanna, die in stressigen Situationen manchmal nicht sie selbst ist. Beide werden zu einem, mal ganz anderem Team.

Der Autor selbst lebt und arbeitet in der Telemark und das liest und spürt man in jeder Zeile. Die Umgebung mit ihren Bewohnern sind sehr atmosphärisch beschrieben. Nach und nach lernt man die verschiedenen Personen in Wolfs Umfeld mit ihren Eigenarten kennen. Sie wirken authentisch und einzigartig. Und immer wenn man das Gefühl einer Vorahnung hat, kommt eine unerwartete Wendung.
Der Erzählstil bleibt bis zum Ende konstant, was ich persönlich mit am besten fand. Und durch den ausgereiften Schreibstil lassen sich die knapp 380 Seiten an einem Wochenende lesen – man kann einfach nicht aufhören zu lesen und will einfach immer wissen, wie es weiter geht.

Das war ein absolutes Leseerlebnis und ich freue mich schon auf die kommenden Bände.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Tragisch berührend

Aimée und Jaguar
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Eine wahre Geschichte um die grenzenlose Liebe zwischen zwei Menschen.

Berlin in den Jahren 1943 bis 1945. Die Liebe zwischen zwei Frauen und ihre gemeinsame Geschichte. Lilly Wust (verheiratet, 29, vier ...

Eine wahre Geschichte um die grenzenlose Liebe zwischen zwei Menschen.

Berlin in den Jahren 1943 bis 1945. Die Liebe zwischen zwei Frauen und ihre gemeinsame Geschichte. Lilly Wust (verheiratet, 29, vier Kinder und deutsch) und Felice Schragenheim (21 und jüdisch) verlieben sich ineinander. Beide schrieben sich Briefe und Gedichte in denen man spürt, wie eng ihre Verbindung zueinander war und wie schwer der Verlust.
Durch aufbereitete Tagebucheinträge und weiteren schriftlichen Dokumenten, bekommt man einen Einblick in diese Zeit.

Es war keine leichte Lektüre und ich habe das Buch zwischendurch pausieren müssen, aber es ging mir nicht mehr aus dem Sinn.

Erica Fischer ließ sich dies alles von der 80-jährigen Lilly erzählen. Und die Art mit der sie Lillys und Felices Geschichte und Liebe im Buch wieder gibt, ist einfühlsam, mitfühlend und respektvoll.

Auch die politischen Einflüsse und dessen Wirkung in den Leben der Menschen zu dieser Zeit sowie nach dem Kriegsende, zeigen ein klares ungeschöntes Bild, sehr vieles steht zwischen den Zeilen.

Ich fand diese Lektüre sehr wertvoll und finde jeder sollte sich mit Geschichte auseinandersetzen, um zu verstehen und um aus ihr zu lernen.

Ein solches Buch zu bewerten, finde ich grundsätzlich schwierig, denn es ist nicht nur grausam und schmerzhaft sondern auch sehr intim (auf zwischenmenschlicher Ebene). Aber ich finde es auch wichtig darüber zu sprechen, zu lesen und dies weiter zu geben.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Hin und her gerissen zwischen zwei Herzen in einer Brust, die Geschichte eines Schriftstellers

Die Leuchttürme der Stevensons
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In „Die Leuchttürme der Stevensons“ geht es um die Lebensgeschichte des gleichnamigen Autors Robert Louis Stevenson. Er ist unter anderem bekannt für seine Werke „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. ...

In „Die Leuchttürme der Stevensons“ geht es um die Lebensgeschichte des gleichnamigen Autors Robert Louis Stevenson. Er ist unter anderem bekannt für seine Werke „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ und „Die Schatzinsel“.
Er lebte im viktorianischen Schottland, wo seine Familie und Ahnen berühmte Ingenieure und Leuchtturmerbauer waren. R. L. Stevenson sollte in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters treten, was in ihm einen innerlichen Kampf auslöste, denn er schrieb für sein Leben gerne und liebte die Literatur.
Durch das enge gesellschaftliche Korsett war ihm sein Lebensweg vorgeschrieben und er versuchte sein Bestes zu geben, wollte aber die Kunst des Schreibens und Erzählens nicht missen und geriet so immer wieder mit seinem Vater aneinander.

Auf der einen Seite erfährt man viel über die Geschichte der Leuchttürme und deren Entstehung mit allen Schwierigkeiten in diesem Zeitalter und auf der anderen Seite einiges über die damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten und auferlegten Zwänge. Durch die humorvollen Anekdoten und kleinen Zeitsprünge bekommt das Buch eine Leichtigkeit und es bleibt durchweg spannend. Selbst etwas über Leuchttürme zu erfahren, hat überraschenderweise Spaß gemacht.
Die Geschichte über R. L. Stevenson zu erfahren, war anders und auch schwerer als erwartet. Trotz allem hat er seine Freude, Humor und Phantasie nie verloren und das fand ich sehr beeindruckend.

Sabine Weiss hat seine Lebensgeschichte nicht nur gut recherchiert erzählt. Ich hatte während des Lesens das Gefühl eine Zartheit mit zu erleben. Seine Mutter und er waren gesundheitlich sehr angeschlagen und dennoch war er stark und blieb sich selbst treu.
Auch hatte ich zwischendurch den Eindruck, verstehen zu können, wie er auf die Idee zu Dr. Jekyll und Mr. Hyde kam. Er selbst war hin und her gerissen. Zum einen die große Erwartungshaltung seiner Familie zu erfüllen und auf der anderen Seite seine Liebe zur Literatur.

Das Buch selbst ist unheimlich hübsch. Die Farben des Covers harmonieren gut zusammen und es passt zum stürmischen und turbulenten Inhalt.

Im Ganzen ist es ein eindrucksvolles Buch und ich werde es noch einmal als Hörbuch hören.

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