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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2026

Humorvolle Geschichte über Moral mit reduzierter Gestaltung

Wo ist mein Hut?
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📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. ...

📖 Inhalt:
Bär ist auf der Suche nach seinem Hut. Er vermisst ihn schmerzlich und fragt daher jeden danach, der ihm begegnet: den Fuchs, den Frosch, den Hasen, ... . Doch niemand will den Hut gesehen haben. Erst, als ihm der Hirsch eine entscheidende Frage stellt, fällt Bär ein, wo er seinen Hut zuletzt gesehen hat.

🗣 Meine Meinung:
Kennt ihr schon Jon Klassen? Der kanadische Schriftsteller und Illustrator wurde kürzlich mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet – einem Preis, der auch als „Nobelpreis für Kinderliteratur“ bezeichnet wird. Nachdem mir seine Bücher in den letzten Jahren immer wieder in der Buchhandlung begegnet und durch ihren ganz eigenen Stil aufgefallen sind, nun also Grund genug, sich eines der Werke endlich näher anzusehen.
„Wo ist mein Hut“ erschien erstmals 2012 in deutscher Übersetzung. Es erzählt die Geschichte von einem Bären, der seinen verlorengegangenen Hut sucht. Der Autor umreißt die Geschehnisse mit nur wenigen Sätzen – im Übrigen ausschließlich wörtliche Rede – und behandelt dennoch bedeutende Themen: Hier geht es um Eigentum und Diebstahl ebenso wie um Ehrlichkeit und Lügen. Die Geschichte veranlasst seine Leser und Leserinnen also dazu an, moralische Werte zu reflektieren. Vor allem das Ende, das eine unerwartete und witzige Pointe bereithält, lädt zum gemeinsamen Austausch ein. Mit diesem feinen Humor spricht „Wo ist mein Hut“ Kinder und Erwachsene gleichermaßen an.
Die Illustrationen Jon Klassens gehen Hand in Hand mit dem Text: Dort, wo der Künstler kein Wort zu viel schreibt, ist auch keiner seiner Pinselstriche überflüssig. Die Bilder sind schnörkellos und reduziert auf das Wesentliche. Durch diesen fast schon plakativen Stil wirken die Zeichnungen überaus kraftvoll. Besonders mag ich ja den Ausdruck der Tiere in ihren Augen – manche Blicke sprechen Bände. Zum Schießen komisch!
Unbedingt erwähnt werden muss außerdem das Zusammenspiel von Illustration und Textgestaltung. Die direkte Rede ist beispielsweise mit Farben so akzentuiert, dass man genau zuordnen kann, welches Tier welche Worte spricht. Einige Sätze sind zudem in Großbuchstaben geschrieben, was die Emotionen der Figuren in der jeweiligen Situation treffend transportiert. An genau solchen vermeintlichen Kleinigkeiten merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, denn sie machen ein gutes (Bilder-)Buch aus!
Vollkommen zu Recht brachte „Wo ist mein Hut“ Jon Klassen im Jahr 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis und verhalf ihm zu seinem Durchbruch. Seither sind etliche weitere Bücher erschienen, auf die ich nun umso neugieriger bin!

Veröffentlicht am 08.04.2026

Eine vielschichtige Geschichte in sanfter, poetischer Sprache – Berührend!

Ein Hund namens Katze
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Inhalt:
Obwohl er ein Hund ist, heißt er Katze. Seine Mutter taufte ihn so, da sie sich wünschte, er würde unabhängig wie eine Katze. Doch der Mischling fühlt sich so gar nicht unabhängig. Nur einsam. ...

Inhalt:
Obwohl er ein Hund ist, heißt er Katze. Seine Mutter taufte ihn so, da sie sich wünschte, er würde unabhängig wie eine Katze. Doch der Mischling fühlt sich so gar nicht unabhängig. Nur einsam. Nachdem er einige Zeit durch die finnische Provinz gestreift ist und vergebens Anschluss gesucht hat, trifft der Hund namens Katze eines Tages in Helsinki auf einen Mann namens Marder. Diese Begegnung wird das Leben beider für immer verändern. …

Meine Meinung:
Was habe ich mich gefreut, als mir die Post diese berührende Bilderbuchgeschichte gebracht hat! "Ein Hund namens Katze" ist bereits vor über 10 Jahren in Finnland erstmals veröffentlicht worden und wurde nun auch ins Deutsche übersetzt.
Die Geschichte erzählt von einem kleinen Hund, der seinen Vater nie kennengelernt hat. Damit er eigenständig und unabhängig wie eine Katze wird, wird er von seiner Mutter Katze genannt, ehe auch sie ihn früh verlässt. Von nun an ist er auf sich gestellt - und fühlt sich unglaublich einsam. Tomi Kontio beschreibt die Lage seiner Hauptfigur mit sanften, beinah poetischen Worten, sodass man von Beginn an auf jeder Seite mitfühlt - einfach herzzerreißend!
In Marder trifft der Hund namens Katze schließlich Jemanden, der so ist, wie er selbst: ein Obdachloser, ein Außenseiter. Er fasst Vertrauen und findet in dem Mann einen unerwarteten Freund.
Die Geschichte feiert jedoch nicht nur die überraschende Freundschaft zweier einsamer Seelen, sondern greift auch die Themen Identität sowie soziale Ungleichheit auf. Da ist Katze, der von reinrassigen Hunden als räudiger Mischling herabgestuft wird. Und da ist Marder, der sich selbst als Penner und Alki bezeichnet.
Die Illustrationen zu Tomi Kontios vielschichtiger Geschichte stammen von Elina Warsta. Sie treffen den Ton (und all die Zwischentöne) des Autors genau und sind damit eine wahre Bereicherung für den Text.
„Ein Hund namens Katze“ ist der Auftakt einer fünfbändigen Reihe. Ich freue mich daher schon auf weitere bezaubernde Geschichten rund um den Hund namens Katze und seinen Freund Marder freuen!

Veröffentlicht am 06.04.2026

Poetische Geschichte mit außergewöhnlichen Illustrationen

Du bist mein Anfang
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Inhalt:
„Wo komme ich her?“, wundert sich der kleine Hase. „Alles Lebendige kommt vom Frühling“, erfährt er von seinen Eltern und begibt sich daraufhin auf die Suche nach dem Frühling. Auf seiner Reise ...

Inhalt:
„Wo komme ich her?“, wundert sich der kleine Hase. „Alles Lebendige kommt vom Frühling“, erfährt er von seinen Eltern und begibt sich daraufhin auf die Suche nach dem Frühling. Auf seiner Reise in Richtung Osten trifft er allerhand Tiere. Das Wildschwein, das Reh, der Fuchs und einige weitere helfen ihm, die richtige Antwort auf seine Frage zu finden – und die liegt näher, als der kleine Hase vermutet.

Meine Meinung:
In ihrer märchenhaften Geschichte erzählt Octavie Wolters von einem kleinen Hasen namens Hops, der den Ursprung des Lebens sucht. Er folgt dafür dem Lauf des Flusses, trifft viele unterschiedliche Tiere und erlebt alle Jahreszeiten. Als er das Ende des Flusses erreicht, erkennt Hops, dass diese Quelle zugleich der Anfang des Gewässers ist. Hier wird ihm klar, wo sein eigener Anfang liegt – eine Erkenntnis, die für junge Kinder womöglich nicht auf Anhieb zu verstehen ist und Erklärung bedarf. Mit seiner philosophischen Botschaft richtet sich das Buch tatsächlich auch laut Verlag nicht nur an Kinder, sondern ausdrücklich auch an Erwachsene.
Die Illustrationen sind nach meiner Auffassung von hohem künstlerischem Wert. Sie sind allesamt als Linolschnitte entstanden, die ausschließlich in schwarz gedruckt wurden. Dadurch ergibt sich eine kontrastreiche und ausdrucksstarke Wirkung. Diese wird dadurch verstärkt, dass die Künstlerin auf eine verspielte, verniedlichende Darstellung verzichtet und stattdessen auf eine reduzierte Formensprache setzt. Mit seiner Gestaltung sticht Octavie Wolters „Du bist mein Anfang“ für mich unter anderen Bilderbüchern heraus – definitiv ein außergewöhnliches Buch!

Veröffentlicht am 05.04.2026

Eine kindgerechte und facettenreiche Englandreise

OTTO fährt los – Eine Reise nach England
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Inhalt:
Für sein fünftes Abenteuer begibt sich der Campingbus Otto nach England. Mit seiner neuen Familie – Papa Martin und seine beiden Kinder Freda und Arthur – fährt er zunächst nach London, wo Tante ...

Inhalt:
Für sein fünftes Abenteuer begibt sich der Campingbus Otto nach England. Mit seiner neuen Familie – Papa Martin und seine beiden Kinder Freda und Arthur – fährt er zunächst nach London, wo Tante Lissy und deren Hund Daisy zusteigen. Gemeinsam bereisen sie anschließend unter anderem die Küste Cornwalls, besuchen den Geburtsort von König Artus und begeben sich auf die Spuren von Robin Hood.

Meine Meinung:
Die Otto-Abenteuer gehen in die nächste Runde. Mit „Eine Reise nach England“ ist der nunmehr fünfte Band erschienen, in dem der sprechende Campingbus eine Familie in den Urlaub bringt. Dieses Mal sind das ein Vater, der von der Mutter seiner beiden Kinder getrennt lebt, sowie seine Tochter und sein Sohn. Gemeinsam besuchen sie die in England lebende Schwester von Papa Martin. Damit bleibt Madlen Ottenschläger auch in diesem Band ihrer Devise treu, unterschiedlichen Familienmodellen eine Plattform zu bieten, was ich sehr unterstütze.
Anders als der letzte Band – Weihnachten in Finnland – zeigt dieses Buch nach der Vorstellung der Familie wieder deren Packliste. Mir gefällt es gut, dass die Vorbereitung auf die Reise damit wieder Teil der Geschichte ist. Auch die außergewöhnliche Anreise mit dem Zug durch den Eurotunnel wird auf den ersten Seiten kindgerecht erklärt und dargestellt. In England angekommen bereist die Familie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten: Sie beginnen mit London, wo sie über die Tower Bridge fahren, den Buckingham Palace ansehen, Sherlock Holmes treffen und vorbei an Westminster Abbey und Big Ben schließlich bei Madame Tussauds landen. Wer hier genau hinschaut, kann auf einer Doppelseite auch Familien ausmachen, die man in den letzten Büchern auf ihren Reisen begleiten konnte. Die weiteren Ziele steuern sie zusammen mit Tante Lissy und deren Hund Daisy an. Die Route lässt sich dabei auf dem Vorsatzpapier nachverfolgen, was die Reise für die kleinen Leser und Leserinnen besonders anschaulich macht. Auf den weiteren Seiten greift die Autorin nicht nur klassische Sehenswürdigkeiten auf, sondern zeigt auch kulinarische Besonderheiten wie Scones und erwähnt die für England so typischen, häufigen Regenschauer. Dass die Urlaubsgegend so facettenreich portraitiert wird, mochte ich schon in den vorhergehenden Bänden sehr. Kinder erhalten dadurch einen sehr umfassenden Einblick in das Leben und die Kultur eines anderen Landes.
In seiner Gestaltung ist der fünfte Band der Otto-Reihe gewohnt altersgerecht. Sprachlich ist die Geschichte einfach gehalten. Die Sätze sind überwiegend recht kurz und nach meinem Empfinden weniger verniedlichend als in einigen der früheren Bände, was ich gutheiße. Dennoch ist das Geschehen für Kinder sehr gut verständlich erzählt. Die Illustrationen sind stets großformatig und farbenfroh. Sie fangen die gemeinsamen Aktivitäten der Familie sowie alle wichtigen Haltepunkte auf der Reise ein und vermitteln ein richtiges Urlaubsgefühl.
Der neue Band „Eine Reise nach England“ knüpft damit an die bekannten Sommer-Abenteuer von Otto an und empfiehlt sich für alle kleinen Campingfreunde und Fernwehgeplagten.

Veröffentlicht am 31.03.2026

Sprachlich anspruchsvolle feministische Literatur

Das Tränenhaus. Roman
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Inhalt:
Obwohl sie nicht verheiratet ist, ist Cornelie schwanger - zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Skandal! Die Schriftstellerin zieht sich in ein Frauenheim zurück, in dem sie ihre Schwangerschaft ...

Inhalt:
Obwohl sie nicht verheiratet ist, ist Cornelie schwanger - zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Skandal! Die Schriftstellerin zieht sich in ein Frauenheim zurück, in dem sie ihre Schwangerschaft verbringt und später ihr Kind diskret zur Welt bringen kann. Während ihres Aufenthalts macht sie Bekanntschaft mit anderen werdenden Müttern und lernt deren Schicksale kennen. Der Umgang der Gesellschaft mit dem unehelichen Nachwuchs der Frauen missfällt Cornelie, sodass sie beschließt, ihren eigenen Weg zu gehen. Doch schon bald muss sie feststellen, welch hohen Preis eine Frau zu zahlen hat, wenn sie nach Unabhängigkeit strebt.

Meine Meinung:
„Das Tränenhaus“ ist eine Neuauflage des 1908 erstmals erschienenen Romans von Gabriele Reuter. Obwohl ich für gewöhnlich vor allem den Inhalt einer Geschichte beschreibe und kommentiere, möchte ich in diesem Fall auch die Gestaltung des Buches erwähnen: Die Oberfläche des Einbandes hat eine ganz besondere Haptik. Sie fühlt sich fast wie Leinen an und lässt die Hardcover-Ausgabe damit sehr hochwertig erscheinen. Wirklich schön gemacht!
Inhaltlich hat der Roman einen außergewöhnlichen Einblick in eine Zeit zu bieten, die für mich beim Lesen teils unvorstellbar wirkte, teils aber auch noch immer aktuell ist. Den Kern der autobiografischen Geschichte bildet die Schwangerschaft von Cornelie sowie den Umgang der Gesellschaft mit dieser. Jungen Frauen, wie die Protagonistin eine ist, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts h*renhaftes Verhalten vorgeworfen, wenn sie uneheliche Kinder austrugen. Sie genossen also kein gutes Ansehen in der Gesellschaft, was dazu führte, dass sie die Schwangerschaft und ihren Nachwuchs zu verheimlichen versuchten. Was aus dieser Not resultierte, war für mich unfassbar zu lesen: Eine der jungen Mütter freute sich beispielsweise, als ihr Neugeborenes kurz nach der Geburt verstarb. Das Baby einer anderen kam gesund zur Welt und sollte deshalb zu einer Pflegemutter gegeben werden. Überlebte wiederum die Mutter die Geburt nicht, erfanden einige Familien gar Geschichten, woran sie gestorben sei, um die Schande von der Familie abzuwenden.
Als einzige der Frauen im Heim beugt sich Cornelie den vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen nicht. Sie schlägt einen eigenen Weg ein und wirkt damit deutlich emanzipierter als ihr Umfeld. Der Roman leistet damit einen wichtigen Beitrag zur feministischen Literatur. Heutzutage herrschen glücklicherweise keine derartigen Zustände mehr, dennoch sind es noch immer häufig die Frauen, denen im Falle einer ungewollten Schwangerschaft ein Fehlverhalten und damit die Schuld an der Situation zugewiesen wird. „Das Tränenhaus“ ist daher in gewisser Hinsicht noch immer aktuell.
Obwohl der Roman aufgrund seines Alters sprachlich anspruchsvoll ist und mir beim Lesen Konzentration abverlangte, ist er für alle lesenswert, die sich für feministische Literatur interessieren.