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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2024

Wie wichtig es für Frauen ist, Grenzen zu setzen (und zu wahren!)

Die schönste Version
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In Yannick glaubte Jella, den perfekten Partner gefunden zu haben: Er war gutaussehend, gebildet und sorgte sich rührend um seinen pflegebedürftigen Großvater. Die Beziehung der beiden begann zunächst ...

In Yannick glaubte Jella, den perfekten Partner gefunden zu haben: Er war gutaussehend, gebildet und sorgte sich rührend um seinen pflegebedürftigen Großvater. Die Beziehung der beiden begann zunächst romantisch, doch schon bald steht Jella nicht nur vor den Scherben ihrer einst großen Liebe, sondern findet sich auch auf dem Polizeirevier wieder...

In „Die schönste Version“ erzählt Ruth-Maria Thomas die Geschichte einer Liebe, die aus den Fugen gerät. Wir lernen Jella kennen, die ihre Kindheit und Jugend in einer ostdeutschen Kleinstadt verbringt. In der Pubertät verliebt sie sich zum ersten Mal und beginnt, sich hübsch zu machen, um ihrem jeweiligen Schwarm zu gefallen. Jella hat erste Dates und sammelt Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Dabei lernt sie, was sie tun muss, um bei den jungen Männern gut anzukommen. Thomas zeigt hier deutlich auf, wie häufig die Protagonistin ihre eigenen Grenzen missachtet. Sie schreibt aber auch davon, wie Jellas Befinden in unserer vom Patriarchat geprägten Welt teils von ihren Verehrern ignoriert wird – eine Übergriffigkeit, die nicht nur sprachlos macht, sondern ein Gefühl der Ohnmacht hervorruft. Später lernt Jella Yannick kennen. Die Beziehung der beiden ist intensiv, beinah turbulent. Umso mehr es auf und ab geht, desto gefährlicher wird das Verhältnis zwischen den zweien. Wieder werden Grenzen überschritten, bis Jella die Reißleine zieht.
Ruth-Maria Thomas regt mit ihrem Debütroman dazu an, über ebensolche Grenzen nachzudenken: Wo verlaufen diese und was geschieht, wenn sie überschritten werden? Sie thematisiert Schuld und Unschuld, wobei ihre Geschichte keine platte Schwarz-Weiß-Malerei darstellt. Mit den facettenreichen Charakteren kommen auch alle Grauschattierungen zur Sprache. In Jella zeigt die Autorin mögliche Folgen von psychischer und physischer Gewalt auf: Nach dem Schock über das, was ihr widerfahren ist, stellt sich zunächst eine gewisse Ohnmacht ein. Jella wird von Übelkeit und Erbrechen heimgesucht und entwickelt Panikattacken. Erst sehr spät ergreift sie die Initiative und befreit sich aus der toxischen Beziehung. Thomas‘ Buch kann daher als Appell verstanden werden
- sein wahres Ich nicht zu verstecken, um anderen Menschen zu gefallen
- auf das eigene Bauchgefühl zu hören sowie Grenzen abzustecken und zu wahren
- für sich und seine Bedürfnisse einzustehen.

Veröffentlicht am 22.07.2024

Ein bezauberndes Kinderbuch mit atmosphärischem Setting

Komm, wir trösten den kleinen Stern
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Mit ihrem Hängebauchschwein Rolf lebt Schnipsel auf der Vulkaninsel Ometepe. Gemeinsam schauen die beiden eines Abends in den Himmel. Sie entdecken dort den Stern Ninjesi, der ganz betrübt dreinschaut. ...

Mit ihrem Hängebauchschwein Rolf lebt Schnipsel auf der Vulkaninsel Ometepe. Gemeinsam schauen die beiden eines Abends in den Himmel. Sie entdecken dort den Stern Ninjesi, der ganz betrübt dreinschaut. Ninjesi erzählt ihnen, wie einsam er sich fühlt und dass ihm eine Umarmung guttäte. Mit Hilfe des Mondes machen sich Schnipsel und Rolf auf den Weg in den Himmel und versuchen, Ninjesis Wunsch zu erfüllen.

„Komm, wir trösten den kleinen Stern“ lädt Kinder ab 3 Jahren auf eine fantasievolle Reise ein. Mit einer Geschichte in Reimform entführt Mira Schönegge ihre Leser zunächst nach Ometepe. Sie erzählt davon, wie die Insel einst aus zwei Vulkanen entstand und später von Schnipsel, ihrer Mutter und dem Hängebauchschwein Rolf bezogen wurde. Ich bin ein großer Fan des Settings und der Art, wie die Autorin diese Welt in ihren Illustrationen festhält. Die Bilder sind großflächig gestaltet, strahlen etwas Exotisches aus und sind ganz besonders stimmungsvoll. Wir sehen ein farbenfrohes Häuschen, Palmen und Kakteen, Ylang-Ylang sowie Schnipsel, die mich mit ihren buschigen Augenbrauen ein wenig an Frida Kahlo erinnert. Die Illustrationen sind sehr detailreich, sodass es auf jeder Seite viel zu entdecken gibt.
Als Ninjesi in Erscheinung tritt und um eine Umarmung bittet, treten wir gemeinsam ein Abenteuer zu dem kleinen Stern an. Gut gefällt mir, dass der Mond seine Unterstützung anbietet und Schnipsel und Rolf in den Himmel transportiert.
Mit ihrer Geschichte greift Mira Schönegge eine Vielzahl an Themen auf: Sie zeigt mit Schnipsel, was Diversität bedeutet, gibt den beiden Hauptfiguren eine große Portion Mitgefühl und Mut und schenkt Ninjesi Hoffnung. Vor allem aber weist sie auf den besonderen Wert einer Freundschaft hin.
Ein wirklich schönes und empfehlenswertes Kinderbuch!

Veröffentlicht am 18.07.2024

Eine alltagsnahe Geschichte über die feinen Beziehungen zwischen Menschen

Der Bademeister ohne Himmel
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Am liebsten würde sie vor ein Auto laufen. Obwohl Linda gerade erst 15 Jahre alt ist, möchte sie nicht mehr leben. Einzige Lichtblicke in ihrem Alltag sind die gemeinsamen Zeiten mit Hubert und Kevin. ...

Am liebsten würde sie vor ein Auto laufen. Obwohl Linda gerade erst 15 Jahre alt ist, möchte sie nicht mehr leben. Einzige Lichtblicke in ihrem Alltag sind die gemeinsamen Zeiten mit Hubert und Kevin. Hubert ist 86 und an Demenz erkrankt. Drei Mal pro Woche besucht Linda ihn, um seine polnische Pflegerin zu entlasten und ihr Taschengeld aufzubessern. Kevin ist Lindas einziger Freund. So intelligent er ist, so eigenwillig kann er mitunter sein. Als eines Tages das Schicksal zuschlägt, beginnt Linda ihre Pläne zu überdenken…

Petra Pellini hat mit „Der Bademeister ohne Himmel“ eine berührende Geschichte über die feinen Beziehungen zwischen Menschen geschaffen. In eingängigem und teils humorvollem Schreibstil erzählt sie von Linda und deren Alltag. Neben der Schule verbringt die Protagonistin den Großteil ihrer Zeit bei Hubert. Die Autorin versteht es, dessen Lebensabend einschließlich seiner Demenzerkrankung alltagsnah zu beschreiben. Mit Ewa stellt sie ihm eine Figur an die Seite, die Huberts häusliche Pflege tatkräftig übernimmt und zeitgleich so großherzig und gutmütig ist, dass man sie selbst gerne zur Freundin hätte. Außerdem gibt es da noch den „Nachtfalter“, wie Linda sie nennt. Gemeint ist Huberts Tochter, die zwar dessen tägliche Versorgung organisiert hat, sich selbst jedoch wenig in das Wohlergehen ihres Vaters einbringt. Eine große Rolle in Lindas Leben spielen weiterhin ihre Mutter, die nach der Trennung von dem gewalttätigen Vater alleinerziehend ist, sowie Kevin und dessen Mutter Sara.
Die Charaktere in diesem Roman sind allesamt höchst unterschiedlich und könnten doch kaum lebensechter gezeichnet sein. Ganz zart sind ihre Leben miteinander versponnen. Dabei blitzt an etlichen Stellen des Buches auf, wie wichtig sie füreinander sind: „Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung.“, heißt es an mehreren Stellen. Petra Pellini weist hier insbesondere darauf hin, welchen Wert unterschiedliche Generationen füreinander haben. Junge Menschen brauchen die Älteren und umgekehrt. Mit ihrer Geschichte macht sie uns zudem die Endlichkeit des Lebens bewusst und sorgt damit dafür, das eigene Leben und die Gesellschaft seiner Mitmenschen wieder mehr wertzuschätzen.
Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und kann es nur empfehlen!

Veröffentlicht am 23.06.2024

Die sich wandelnde Beziehung von Geschwistern

Cascadia
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Sam und Elena sind auf der Insel San Juan im Nordwesten der USA in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Zusammen mit ihrer schwerkranken Mutter wohnen sie noch heute in dem kleinen, sanierungsbedürftigen ...

Sam und Elena sind auf der Insel San Juan im Nordwesten der USA in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Zusammen mit ihrer schwerkranken Mutter wohnen sie noch heute in dem kleinen, sanierungsbedürftigen Haus, das einst ihre Großmutter gekauft hatte. Obwohl beide arbeiten gehen, haben sie in den vergangenen Jahren immer größere Schulden für die Arztbesuche und Medikamente ihrer Mutter angehäuft. Die Schwestern träumen von einer besseren Zukunft und so entsteht der Plan, nach dem Tod der Mutter das Haus zu verkaufen und anderswo neu anzufangen. Als eines Tages ein Bär die Insel betritt, ändert sich Sams und Elenas Leben jedoch drastisch...

Julia Phillips erzählt in „Cascadia“ von dem Band zwischen Geschwistern. Dazu erschafft sie mit Sam und Elena zwei Figuren, die sich zunächst recht ähnlich scheinen, im Laufe der Geschichte jedoch kaum gegensätzlicher handeln könnten. Dem Schreibstil der Autorin lässt sich gut folgen, dennoch hatte ich Schwierigkeiten, die Gedanken und das Verhalten insbesondere von Elena gegenüber dem Bären nachzuvollziehen. Hier war die Figur für mich einfach zu realitätsfern gezeichnet, sodass sie mir immer ein wenig fremd blieb. Gleiches gilt für die eine oder andere Textstelle zu Sam, die im Laufe ihres Lebens einige Eigenheiten entwickelt hat. Für den Verlauf der Handlung war das Verhalten der beiden Protagonistinnen jedoch essenziell: Anfangs wirken die Schwestern unzertrennlich. Sie teilen innige Erinnerungen an ihre gemeinsamen Erlebnisse in Kindertagen. Sam und Elena verstehen sich augenscheinlich gut, halten in schweren Zeiten zusammen und ziehen an einem Strang. Erst der Bär offenbart Differenzen zwischen den Schwestern. Es wird deutlich, dass vor allem Elena mit zunehmendem Alter begonnen hat, ein eigenständiges Leben zu führen und sich von Sam abzugrenzen, während diese sich wiederum an die Vergangenheit klammert.
Julia Phillips macht mit ihrem Buch darauf aufmerksam, wie stark sich die Beziehung zwischen Geschwistern mit dem Erwachsenwerden wandeln kann. Während in der Kindheit gemeinsame Erlebnisse und womöglich auch ähnliche Interessen zusammenschweißen, emanzipieren sich Brüder und Schwestern später und verfolgen ihren individuellen Lebensweg.

Veröffentlicht am 22.06.2024

Ein beeindruckendes Bilderbuch über die erste Mondlandung

Armstrong
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Jede Nacht beobachtet eine kleine Maus durch ihr Teleskop den Mond. Schon bald macht sie eine Entdeckung: Die große Kugel am Himmel besteht aus Stein! Aufgeregt erzählt sie der Mäusegemeinschaft von ihren ...

Jede Nacht beobachtet eine kleine Maus durch ihr Teleskop den Mond. Schon bald macht sie eine Entdeckung: Die große Kugel am Himmel besteht aus Stein! Aufgeregt erzählt sie der Mäusegemeinschaft von ihren Erkenntnissen, doch sie muss enttäuscht feststellen, dass ihr niemand glaubt. Um allen einen Beweis erbringen zu können, beschließt sie, als erste Maus zum Mond zu reisen. Ob es ihr mit Erfindungsgeist gelingt, als erster Besucher den Mond zu betreten?

„Armstrong“ ist der zweite Band der Mäuseabenteuer von Torben Kuhlmann. Wie schon im ersten Band „Lindbergh“ nimmt das Buch Bezug auf einen Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. In diesem Fall ist das die erste bemannte Mondlandung und mit Neil Armstrong der erste Mensch auf dem Mond. Kuhlmann entwirft dazu die Geschichte einer Maus, die den Himmelskörper bereits einige Jahre vor den Menschen bereisen möchte. Dadurch stellt sich die Frage: War Armstrong tatsächlich der erste Besucher auf dem Mond?
Die Erzählung zeugt von der beachtlichen Kreativität und dem Einfallsreichtum des Autors. So lässt er seine Maus zuerst einige Erfindungen bauen, ehe sie (im wahrsten Sinne des Wortes) die zündende Idee hat. Man durchlebt mit ihr daher ein Feuerwerk an Emotionen: Mut und Hoffnung als erster Besucher den Mond zu betreten, Enttäuschung über jeden Fehlversuch, Angst entdeckt zu werden, Aufregung nach dem geglückten Start, Freude und Stolz auf den erreichten Erfolg.
Daneben vergisst Torben Kuhlmann auch den wahren Verlauf der Geschichte nicht. Auf den letzten Seiten nämlich beschreibt er die Entwicklung angefangen bei Galileo Galilei über Juri Gargarin bis hin zu Neil Armstrong und Apollo 11. Kinder und Erwachsene können somit gleichermaßen noch etwas über die Raumfahrt lernen.
Einen ganz wesentlichen Beitrag zu diesem besonderen Buch leisten die großartigen Illustrationen. Oft seitenfüllend stellen die Zeichnungen die Erlebnisse der kleinen Maus dar. Ihre Wirkung lässt sich kaum mit einem Wort beschreiben: Die Bilder sind beeindruckend, spektakulär, überwältigend und absolut unvergleichlich. Kuhlmanns Stil sticht unter zahlreichen anderen Bilderbüchern deutlich heraus.
Eine klare Empfehlung für dieses tolle Buch!