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Veröffentlicht am 08.01.2022

Familienroman der mitreißt

Der Friesenhof
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„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ spielt Ende der 40er Jahre aber Politik und die Schrecken der Nachkriegszeit stehen hier weniger im Fokus. Viel mehr ist dies ein Familienroman, der mich mit seinen bildhaften ...

„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ spielt Ende der 40er Jahre aber Politik und die Schrecken der Nachkriegszeit stehen hier weniger im Fokus. Viel mehr ist dies ein Familienroman, der mich mit seinen bildhaften Beschreibungen dazu eingeladen hat, mich mitten ins Geschehen zu träumen. Eine wunderbare Lektüre um sich vom Alltag zu entspannen. Ich konnte mir den Bauernhof, die Kühe und die Protagonisten sehr gut vorstellen.
Im Zentrum der Erzählung stehen die beiden Schwestern Hannah und Gesa, die einander sehr nahe stehen. Die beiden sympathischen jungen Frauen versuchen sowohl beruflich Fuß zu fassen als auch ihr Liebesglück zu finden. Der Weg dorthin gestaltet sich für beide schwierig. Nach dem Tod des Vaters möchte Hannah den elterlichen Hof übernehmen, doch einer Bäuerin ohne Bauer wurde damals wenig zugetraut. Erschwerend kommt hinzu, dass Hannah eine Beziehung mit dem Fremdarbeiter Tomek beginnt, der aufgrund seiner Herkunft geächtet wird.
Gesa hat es da beruflich schon leichter, sie beginnt in einem Teekontor, wo sie sich durch ihr Talent für Tee und Verkauf schnell Anerkennung erarbeitet.
Ich fand es sehr interessant, welchen hohen Stellenwert Schwarztee damals (und vielleicht sogar bis heute, ich weiß es leider nicht) in Ostfriesland hatte und mit welcher Begeisterung das tägliche Ritual zelebriert wurde. Auch die Arbeit im Teekontor und die komplizierte Auswahl der Teesorten wurden faszinierend beschrieben.
Die Reihe nennt sich die Teehändler Saga, deswegen hätte ich nichts dagegen, wenn der Fokus im zweiten Band stärker darauf liegen würde. Bisher steht eigentlich der Bauernhof mehr im Mittelpunkt.
Die aufkeimenden Gefühle zwischen Hannah und Tomek sowie bei Gesa und ihrem verheirateten Chef Kuno sind sehr romantisch beschrieben und ich habe mit beiden Paaren mitgefiebert. Alle vier Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen.
„Der Friesenhof – Auf neuen Wegen“ endet relativ rund und doch wird zwischen den Zeilen noch so viel Drama und so viel Hoffnung angedeutet, dass ich unbedingt mehr darüber erfahren möchte.

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Veröffentlicht am 02.01.2022

Einfach genila

GEGENLICHT
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„Gegenlicht“ ist der zweite Band in Bernhard Aichners Bronski Reihe und wieder präsentiert der Autor einen Krimi, den man einfach nur als genial beschreiben kann.
Dieses Mal war ich vorbereitet auf Aichners ...

„Gegenlicht“ ist der zweite Band in Bernhard Aichners Bronski Reihe und wieder präsentiert der Autor einen Krimi, den man einfach nur als genial beschreiben kann.
Dieses Mal war ich vorbereitet auf Aichners sehr spezielle Schreibweise. Kurze, prägnante Sätze, Dialoge im Drehbuchstil und Unterhaltungen, wie sie vermutlich im real life kein Mensch führen würde.
Gerade dadurch hebt sich der Krimi ab, das Tempo ist sehr rasant, die Kapitel kurz und man fliegt nur so durch die Seiten. Man hat auch überhaupt nicht das Bedürfnis, das Lesen zu unterbrechen, denn „Gegenlicht“ ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend.

Bronski und seine Freundin Svenja freuen sich, dass sie ein besonders exklusives Interview und Fotos bekommen konnten. Ein Mann ist aus einem Flugzeug gefallen und in einem Vorgarten gelandet.
Bronski und Svenja wollen mehr über den Toten wissen und reisen dafür sogar bis nach Afrika. Ihre Fragen kommen allerdings nicht bei jedem gut an und spätestens, als Bronski Drohungen erhält und um seine Familie bangen muss, versteht er, in welche Gefahr er sich begeben hat, doch mittlerweile ist es zu spät, um die Sache ruhen zu lassen.

Auch dieser zweite Fall ist brutal und die Bösewichte sind schockierend skrupellos. Bernhard Aichner führt uns in die dunkelsten Abgründe, zu Orten, die man im richtigen Leben niemals aufsuchen möchte, bei denen es allerdings wahnsinnig aufregend ist, wenn man sich gemütlich auf dem heimischen Sofa befindet.

Für mich war dieser Krimi kurz vor Jahresende nochmal ein Highlight und ich freue mich sehr, dass ein dritter Band geplant ist.

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Veröffentlicht am 21.12.2021

Ein richtig schöner Roman

Kinderklinik Weißensee – Jahre der Hoffnung (Die Kinderärztin 2)
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Der erste Band von der „Kinderklinik Weißensee“ hatte mir ja schon ziemlich gut gefallen aber bei der Fortsetzung legt Antonia Blum noch einmal eine Schippe oben drauf. Ihr ist ein bildhafter, mitreißender ...

Der erste Band von der „Kinderklinik Weißensee“ hatte mir ja schon ziemlich gut gefallen aber bei der Fortsetzung legt Antonia Blum noch einmal eine Schippe oben drauf. Ihr ist ein bildhafter, mitreißender Roman gelungen, den ich einfach schön fand und der mich 500 Seiten lang gefesselt hat.
Ein weiteres Mal treffen wir auf die Schwestern Emma und Marlene Lindow, die versuchen, in medizinischen Berufen erfolgreich zu sein. Insbesondere Marlene stößt hier immer wieder auf Widerstand, war es doch 1918 noch äußerst ungewöhnlich, dass eine Frau Ärztin wird. Sie hat einige Unterstützer aber ebenso viele Neider, die wirklich alles versuchen, ihr Steine in den Weg zu legen.
Auch das Privatleben der beiden Schwestern kommt nicht zu kurz und die Irrungen und Wirrungen der Liebe spielen eine große Rolle.
„Jahre der Hoffnung“ wird wirklich zu keiner Zeit langweilig. Glückliche Momente wechseln sich mit dramatischen ab. Der Leser und die Protagonisten werden mit schweren Krankheiten und Schicksalen konfrontiert, die spanische Grippe macht auch vor Weißensee nicht Halt und erinnert manches Mal an die aktuelle Situation, in der wir uns befinden.
Der zweite Weltkrieg ist vorbei, doch die Männer, die an der Front waren leiden noch immer an den Schrecken der Front. Auch Marlenes Liebesglück mit Maximilian scheint daran zu zerbrechen und man fiebert mit dem jungen Paar mit und hofft auf ein Happy-End.
Antonia Blum schreckt nicht davor zurück, ihre Protagonisten durch dunkle Täler und Momente der Selbstzweifel zu schicken, trotzdem empfand ich das Buch als sehr unterhaltsam und sehr gut geeignet um ein paar Stunden abzutauchen.
Das Ende wirkt zunächst sehr rund und fast schon abgeschlossen aber dann wirft die Autorin mit dem letzten Satz noch einen ordentlichen Cliffhanger in die Runde, bei dem man es kaum glauben möchte, dass man nun ein Jahr auf Band 3 warten muss.

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Veröffentlicht am 19.12.2021

Überraschend krimilastig

Die Hafenärztin. Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1)
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„Die Hafenärztin“ ist eins dieser Bücher, die sich als ganz anders entpuppen, als ich erwartet hatte. Aufgrund des Klappentextes rechnete ich mit einem Roman, der sich hauptsächlich mit dem Schicksal der ...

„Die Hafenärztin“ ist eins dieser Bücher, die sich als ganz anders entpuppen, als ich erwartet hatte. Aufgrund des Klappentextes rechnete ich mit einem Roman, der sich hauptsächlich mit dem Schicksal der Frauen in den 20er Jahren und der Arbeit in einem Frauenhaus befasst. Deswegen war ich überrascht, dass es sich hier in erster Linie um einen Krimi handelt.
Ein grausamer Mörder treibt in Hamburg sein Unwesen. Seine Vorgehensweise erinnert an Jack the Ripper, brutal verstümmelt er scheinbar wahllos Frauen und hinterlässt nur wenige Spuren.
Es gibt drei Protagonisten, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird. Die Kapitel sind in etwa gleichlang, so dass allen dreien die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Hier haben wir die Ärztin Anne Fitzpatrick, die in Hamburg unter falschem Namen einen Neuanfang startet. Sie ist von Geheimnissen umgeben und so verschlossen, dass ich sie lange nicht richtig greifen konnte. Es wird immer wieder angedeutet, dass sie etwas zu verbergen hat, aber erst im letzten Drittel lässt sie den Leser ein wenig in die Karten schauen. Mir hat es zu lange gedauert, bis wir mehr über sie erfahren haben, zumal es auch dann nur Brotkrumen sind.
Die zweite Protagonistin ist die Pfarrerstochter Helene, die schnell zu meinem Lieblingscharakter wurde. Sie ist behütet aufgewachsen. Vom Leben der weniger betuchten Leute hat sie keine Ahnung, sie weiß nur, dass sie helfen möchte. In ihrer Unbedarftheit hat sie etwas sehr liebenswertes. Die Kapitel aus ihrer Perspektive haben mich durchgängig gefesselt und ich bin sehr gespannt, welcher Lebenswege noch vor ihr liegt.
Die dritte Hauptfigur ist Kommissar Berthold Rheydt, ein Mann, von gerade einmal Anfang 30, der aber oft viel älter wirkt. Berthold ist ein etwas schwieriger Charakter. Er fühlt sich insgesamt vom Leben eher ungerecht behandelt, sei es im Job, beim Sport oder familiär und ertrinkt seinen Frust gerne im Alkohol. Durch seine Kapitel musste ich mich teilweise etwas durchbeißen, vor allem, wenn es seitenweise um Fußballspiele ging, an denen er in seiner Freizeit teilnimmt.
Trotz kleiner Kritikpunkte hat mir „Die Hafenärztin“ in der Gesamtbetrachtung ausgesprochen gut gefallen. Es handelt sich um den ersten Band einer Reihe und die Geschichte fühlte sich, was das Private anbelangt, auch wie ein ausführlicher Auftakt an. Die Charaktere – insbesondere Anne und Helene – haben noch so viel Potenzial. Hier sind so viele Möglichkeiten denkbar, wie es mit den beiden Frauen weitergehen könnte. Anne hat eine überraschend moderne Einstellung, wenn es um ihre sexuelle Orientierung geht und ihr Privatleben könnte noch sehr interessant werden.
Ich bin in jedem Fall neugierig, was Henrike Engel noch für uns bereithält und freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 10.12.2021

Irrer Thriller mit tollen Charakteren

Die falsche Zeugin
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Wieder ist es Karin Slaughter gelungen, einen absolut spannenden Wälzer von einem Thriller zu schreiben.
Das ist besonders bemerkenswert, da im Grunde von Anfang an klar ist, um was es bei „Die falsche ...

Wieder ist es Karin Slaughter gelungen, einen absolut spannenden Wälzer von einem Thriller zu schreiben.
Das ist besonders bemerkenswert, da im Grunde von Anfang an klar ist, um was es bei „Die falsche Zeugin“ geht. Die Schwestern Leigh und Callie haben ein dunkles Geheimnis und auch dies wird dem Leser sehr früh ausführlich präsentiert.
Ein Psychopath ist ebenfalls hinter die Sünden der Vergangenheit gekommen und treibt nun insbesondere mit Leigh ein grausames Spiel. Genau diese Jagd ist es, was das Buch zu einem Pageturner macht. Andrew ist ein kalter und grausamer Bösewicht, der in seiner ganzen Erscheinung einfach abstoßend ist. Teilweise läuft es einem bei der Beschreibung seiner Person eiskalt den Rücken herunter. Diesem Menschen möchte man definitiv nicht gegenüber stehen.
Die Schwestern Leigh und Callie sind trotz all ihrer Probleme und Schwächen zwei Frauen, die ich wahnsinnig gut leiden konnte. Callie ist eine absolute Antiheldin. Sie betäubt ihre physischen und psychischen Schmerzen mit Drogen und schreckt dafür auch vor Diebstählen nicht zurück. Mir hat ihr trockener Humor und ihre Tierliebe sehr gefallen. Ich konnte sie nie als unzuverlässigen Junkie wahrnehmen, sondern immer als einen Menschen, der viel durchgemacht hat und den man am liebsten vor allem künftigen Unheil beschützen möchte.
Genau das ist auch die Mission ihrer großen Schwester Leigh, die aus Sorge um Callie ihr eigenes Leben teilweise an die Wand fährt.
In Leighs Ehemann war ich übrigens selber ganz verliebt. Er hat in jedem Fall dazu beigetragen, dass ich dieses Buch noch mehr mochte. Auch der demente Tierarzt Dr. Jerry war eine großartiger Charakter und eine Bereicherung für die Geschichte.
Bisher hatte ich die Einstellung, dass ich in Büchern und Filmen am liebsten nichts von Corona hören möchte um besser vom Alltag abschalten zu können.
In „Die falsche Zeugin“ ist Corona sehr präsent. Der Thriller spielt mitten in der Pandemie, es wird desinfiziert und Abstand gehalten, eine Protagonistin war sogar selbst infiziert.
Interessanterweise fühlte ich mich hier dadurch nicht gestört. Die Geschichte wirkte sogar besonders aktuell.
Je näher wir zum Schluss kommen, desto irrer wurde die Handlung und war auf den letzten Seiten gleichermaßen schockierend als auch erschütternd.
Dies war bereits das zweite Karin Slaughter Buch, welches ich in 2021 gelesen habe und von beiden war ich begeistert. Mein Vorsatz für 2022 ist deswegen, auf jeden Fall mehr von dieser Autorin zu lesen.

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