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Veröffentlicht am 24.10.2024

Ein Münsterländer Frauenschicksal im 16. Jahrhundert

Am Fluss der Zeiten
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Der historische Roman "Am Fluss der Zeiten" von Ulrike Renk ist der erste Band einer Trilogie über das einfache Leben einer landwirtschaftlich geprägten Familie im 16. Jahrhundert.

Die Familie lebt auf ...

Der historische Roman "Am Fluss der Zeiten" von Ulrike Renk ist der erste Band einer Trilogie über das einfache Leben einer landwirtschaftlich geprägten Familie im 16. Jahrhundert.

Die Familie lebt auf dem Kalmulehof in der Nähe von Lüdenscheid im Münsterland und ist sehr abhängig von den Launen und Wünschen des Amtmannes, dem sie unterstehen.
Durch die Härte ihres Alltages hat die Familie einen sehr starken Zusammenhalt. Doch das Schicksal schlägt über Naturgewalten wie eine Überschwemmung, den Nachwehen der Täufer aus Münster und dem Ausfall des Vaters durch eine schwere Verletzung am Bein gnadenlos zu.
Gerade als es ihnen gelingt, das Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen, verlangt der Amtmann, dass die Tochter des Hauses, Elze, ihren Pflichtdienst als Küchenmagd und Haushaltshilfe in einem Haus in Münster antritt.
Elze verliert dadurch nicht nur zunächst für ein Jahr ihre Familie, sondern trauert auch ihrer ersten großen Liebe hinterher.
Wie wird es Elze in dem Haus in Münster ergehen? Und wie lebt die Familie ohne sie weiter?

Der Roman hat autobiographische Züge, da in der Geschichte Personen auftreten, die es tatsächlich gegeben hat und mit denen die Autorin sogar ein verwandtschaftliches Verhältnis im Nachwort des Buches offenbart.
Ulrike Renk gelingt mit dem Roman ein gekonnter Mix aus Fiktion und historischen Fakten. Wir Leser/innen kommen somit nicht nur in den Genuß einer sehr interessanten und zeitweise spannenden Erzählung, sondern lernen viele geschichtliche Hintergründe und Tatsachen kennen, wie zum Beispiel das Treiben der selbsternannten Täufer, dessen oberstes Mitglied sich sogar zum König von Münster kürt. Auch der Einblick in das Leben der einfachen Leute im 16. Jahrhundert und deren Abhängigkeit von ihren Amtmännern oder Vogten wird so lebendig und bildhaft geschildert, dass man das Erzählte regelrecht vor Augen hat. Die Autorin nimmt sich in den ersten zwei Dritteln des Romans auch alle Zeit, um diese Bilder, die historischen Hintergründe, Personen und Orte den Leser/innen detailiert näher zu bringen, bevor sie dann auch Spannung in die Geschichte hineinbringt.
Sehr aufschlussreich gestalten sich am Ende des Buches ein sehr interessantes Nachwort, ein ausführliches Personenregister und ein Glossar, in dem viele altertümliche Begriffe erläutert werden.
Die Gestaltung des Buches ist sehr schön geglückt. Das Cover ziert eine junge Frau in einfacher Kleidung, auf deren Kleid eine für das Münsterland typische Wasserburg zu sehen ist. Für mich persönlich, gerade bei historischen Romanen, auch immer sehr schön, ist ein eingeklebtes Lesebändchen.

Mit "Am Fluss der Zeiten" ist Ulrike Renk ein toller Einstieg in ihre historische Trilogie gelungen. Die Darstellung der Personen, deren Verhältnisse untereinander und das Lokalkolorit sind dabei so eindrucksvoll, dass ich über ein bisschen fehlender Spannung gerne und wohlwollend hinwegsehe.
Liebhaber/innen von historischen Romanen, die zudem auch noch einen persönlichen Bezug des/r Autor(s)/in haben, werden an dem Buch ihre wahre Freude haben.

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Veröffentlicht am 12.10.2024

Sehr ehrliche, offene und schonungslose Autobiografie

Zwischen zwei Welten
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Norbert Nachtweih beschreibt in seiner Autobiografie "Zwischen zwei Welten - Meine Deutsch-Deutsche Fußballgeschichte" seine Sichtweise über seine Republikflucht aus der damaligen DDR, seine Fußballstationen ...

Norbert Nachtweih beschreibt in seiner Autobiografie "Zwischen zwei Welten - Meine Deutsch-Deutsche Fußballgeschichte" seine Sichtweise über seine Republikflucht aus der damaligen DDR, seine Fußballstationen in der damaligen BRD und in Frankreich und sein mit Höhen und Tiefen gespicktes Privatleben.

Obgleich Norbert Nachtweih für mich persönlich nie der große Sympathieträger im deutschen Fußball war, gebührt ihm für diese so ehrliche und offene und mutige Autobiografie mein größter Respekt und Dank. Hier lesen wir keine selbstherrliche Aufzählung von großen sportlichen Erfolgen und einem gesegneten fußballerischen Talent, sondern eine schonungslose Auseinandersetzung mit einem für sich gewählten Leben in einer fremden Umgebung mit allen glücklichen aber auch selbstkritischen und traurigen Momenten.

Egal ob wir mit ihm zu Beginn mit fiebern, ob ihm aus dem türkischen Bursa mit Hilfe eines ihm völlig unbekannten Amerikaners die Republikflucht gelingt oder nicht, oder wie er dann weiter in den westdeutschen Clubs wie Eintracht Frankfurt, 1. FC Kaiserslautern oder Bayern München klar kommt, wie sich sein privates Leben so neben dem Fußball gestaltet, Norbert Nachtweih lässt uns immer schonungslos ehrlich und unverblümt daran teilhaben. Selbst seine Gedanken über die Familie im ostdeutschen Polleben, die er zurückgelassen hat oder einen kleinen Einblick in seine Stasiaktenpacken und berühren uns Leser/innen enorm stark.

Die zahlreichen privaten und Pressefotos in der Buchmitte lassen diese Autobiografie zudem noch intensiver, anschaulicher und näher auf uns einwirken. Norbert Nachtweih übt in diesem Buch ferner nicht nur an Trainern, Mitspielern oder der Politik Kritik, sondern scheut sich nicht davor auch eine gehörige Selbstkritik und knallharte Selbstbetrachtung insbesondere seines Privatlebens vorzunehmen.

Allen fußballbegeisterten Leser/innen der Generation der Breitners, Grabowskis, Burdenskis und wie sie alle heißen, aber auch all denjenigen, die mal mehr über die gedankliche Auseinandersetzung zwischen den Leben in Ost- und Westdeutschland der 80er Jahre lesen möchten kann ich diese Autobiografie nur wärmstens ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 16.09.2024

Gruseliges Spiel mit der Fantasie

The House Trap
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"The House Trap - Diesem Spiel entkommst Du nicht" von Emma Read ist eine mysteriöse und gruselige Erzählung im Escape-Room-Stil.
Vier Kinder, Claude, Deliah, Sam und Claudes kleine Schwester Amity entfernen ...

"The House Trap - Diesem Spiel entkommst Du nicht" von Emma Read ist eine mysteriöse und gruselige Erzählung im Escape-Room-Stil.
Vier Kinder, Claude, Deliah, Sam und Claudes kleine Schwester Amity entfernen sich von Claudes Elternhaus, um in der Nähe des geheimnisvollen Waldes miteinander zu spielen. Während des Spiels verlieren sie jedoch Amity kurz aus den Augen. Auf der Suche nach ihr müssen sie den verbotenen Wald betreten und entdecken ein geheimnisvolles Haus, welches sie betreten, da sie Amity im Innern vermuten. Sie finden Amity tatsächlich, nur um festzustellen, dass sie nun im Haus gefangen sind. Es beginnt für sie ein Spiel, bei dem sie ständig neue Rätsel lösen müssen, um das Haus des verstorbenen Architekten Elias und seiner Tochter Hypatia wieder verlassen zu können. Aber wird es ihnen auch gelingen?

Emma Read versteht es sehr geschickt, uns Leser/innen gemeinsam mit den vier Jugendlichen ins alte Haus zu nehmen. Dort erwarten uns neben den mysteriösen Rätseln teilweise recht gruselige Begegnungen, bei denen die Grenzen zwischen Leben und Tod zu verschwimmen scheinen. Von Beginn an baut sich ein intensiver Spannungsbogen auf, der sich von Seite zu Seite steigert. Die Hoffnung, dass es den Kindern gelingen möge, das Haus wieder verlassen zu können, lässt uns Seite für Seite durch das Haus nahe zu rasen. Eine dadurch atemlose Spannung entsteht. Die Kapitel sind für die jugendlichen Leser erfreulich kurz gehalten.
Die Charaktere erscheinen uns sehr authentisch und mit den für ihr Alter typischen Sorgen und Bedürfnissen behaftet.
Das Cover erweckt genau das gewünschte Gefühl zwischen Spannung und Grusel, welches der Inhalt dann ja auch erzeugt.

"The House Trap" ist eine hervorragende Lektüre für alle, die ein spannendes Buch gepaart mit einigen Schockelementen lieben. Allerdings ist für mein Empfinden die Altersempfehlung ab 12 Jahre zu jung angesetzt.

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Junges Tagebuch voller Sehnsüchte, Ängste und Hoffnung

It's me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte
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"it's Me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte" ist ein wirklich absolut bezaubernder im Tagebuch-Stil verfasster Lebensausschnitt eines jungen Mädchens mit so faszinierend typischen Sorgen, Ängsten, ...

"it's Me oder Wie mein Leben plötzlich glitzerte" ist ein wirklich absolut bezaubernder im Tagebuch-Stil verfasster Lebensausschnitt eines jungen Mädchens mit so faszinierend typischen Sorgen, Ängsten, aber auch Sehnsüchten und Hoffnungen, wie sie so viele Jugendliche mit ihr teilen.

Die junge Schülerin Gwinny besucht wie gewohnt die Schule. Ihre beste Freundin ist krank. Als Gwinny während des Unterrichts aufgefordert wird, das Klassenbuch zu holen, trifft sie auf Noam, der sie anspricht, sich als männliche Fee ausgibt und ihr drei Wünsche verspricht, wenn sie bereit ist, dafür von ihm gestellte Aufgaben zu erfüllen. Gwinny trifft dieses so unerwartet, dass sie spontan einwilligt.
Ist Noam tatsächlich eine Fee?
Wird sie seine Aufgaben bewältigen können?
Welche Wünsche hat Gwinny, die sie unbedingt erfüllt haben möchte?

Durch die gewählte Form des Tagebuches fühlen wir uns als Leser/innen von Beginn an als Gwinnys ebenfalls beste Freunde/ Freundinnen. Die Spannung ist gleich im ersten Tagesabschnitt des Tagebuches sofort geweckt, da Noam so geheimnisvoll erscheint. Wir durchleben von da an mit Gwinny Tag für Tag ihre alltägliche Gedanken- und Gefühlswelt, lernen ihre nicht ganz einfache Familie, ihre Freundin Leo und ihre liebevolle Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Evi kennen. Dadurch, dass die Abschnitte für ein Tagebuch zweckmäßig in Tage, sogar Stunden und Minuten unterteilt sind, können wir es zwischenzeitlich, auch wenn es schwer fällt, aus der Hand legen, ohne den Faden zu verlieren.

Für alle, die eine sehr humorvolle, in jugendlicher einfacher Sprache erzählte und liebreizende Geschichte über die beginnende Freundschaft - oder möglicherweise auch mehr - zwischen zwei Schülern lesen möchten, um sich in das jugendliche Gefühlschaos in diesem noch jungen Lebensabschnitt erneut zu stürzen, kann ich dieses Buch nur unbedingt wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Musikgeschichte erwacht zum Leben

Adagio
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Maria Regina Kaiser erzählt uns in einem über ca. 34 Jahre dauernden Lebensabschnitt von Clara Schumann in Ihrem biographischen Roman "Adagio" wie sich Clara Schumanns Leben nach dem Tode ihres Mannes ...

Maria Regina Kaiser erzählt uns in einem über ca. 34 Jahre dauernden Lebensabschnitt von Clara Schumann in Ihrem biographischen Roman "Adagio" wie sich Clara Schumanns Leben nach dem Tode ihres Mannes Robert und die Freundschaft von ihr zu dem noch jungen Komponisten Johannes Brahms darstellte.

Clara Schumann lebt mit ihren sieben Kindern zusammen in Baden-Baden. In diese Stadt zieht es nach 1860 viele damalige Künstler. Ob es die Sängerin Pauline Viardot, Iwan Turgenjew, Anton Rubinstein oder aber eben auch Johannes Brahms ist, sie alle treffen in Baden-Baden aufeinander. Natürlich begegnen sich dort auch Clara und Johannes, die sich zusammen gegenüber Richard Wagner musikalisch verbünden.

Wird aus ihrer Freundschaft mehr? Über allem schwebt der große Geist von Robert Schumann, Claras verstorbenen Mann.

Mit gerade 165 Seiten hält man eine vermeintlich überschaubare und leichte Lektüre in den Händen, deren Inhalt es aber in sich hat. Mit einem sehr flüssig zu lesenden Schreibstil tauchen wir Leser/innen gemeinsam mit Clara Schumann in die damalige Zeit und das interessante Lokalkolorit von Baden-Baden ein. Die Protagonisten werden sehr lebendig beschrieben, so dass mit Hilfe von einigen im Buch enthaltenen Fotografien der Personen, diese uns sehr nahe kommen und wir ihre Gefühle, Ängste, Sehnsüchte, Freuden und Sorgen so wunderbar nachempfinden können. Obgleich eher biographisch geschrieben, so existiert sogar eine gewisse Spannung um die Freundschaft zwischen Johannes Brahms und der Hauptprotagonistin und das Schicksal ihrer Familie.

Für alle klassischen Musikliebhaber, Historienfreunde, aber auch allen, die mal einen sehr interessanten Lebensabschnitt einer berühmten deutschen Pianistin miterleben möchten, kann ich "Adagio" von Maria Regina Kaiser nur wärmstens empfehlen. In aller Kürze kann man hier deutsche Musikgeschichte sehr lebendig und einfühlsam miterleben. Hervorzuheben seien hier unbedingt noch die wunderbaren Fotografien, sei es Portraits oder Gebäudeaufnahmen, und der beeindruckende Anhang, bestehend aus Personenregister, Zeittafel, Literaturhinweise, einem kleinen Glossar und Erläuterung der wichtigsten Orte.

Kurz: Ein Buch, das mich mal wieder in eine andere Zeit versetzen und meine Liebe zur Klassik gewaltig intensivieren konnte.

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