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Veröffentlicht am 05.09.2024

Musikgeschichte erwacht zum Leben

Adagio
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Maria Regina Kaiser erzählt uns in einem über ca. 34 Jahre dauernden Lebensabschnitt von Clara Schumann in Ihrem biographischen Roman "Adagio" wie sich Clara Schumanns Leben nach dem Tode ihres Mannes ...

Maria Regina Kaiser erzählt uns in einem über ca. 34 Jahre dauernden Lebensabschnitt von Clara Schumann in Ihrem biographischen Roman "Adagio" wie sich Clara Schumanns Leben nach dem Tode ihres Mannes Robert und die Freundschaft von ihr zu dem noch jungen Komponisten Johannes Brahms darstellte.

Clara Schumann lebt mit ihren sieben Kindern zusammen in Baden-Baden. In diese Stadt zieht es nach 1860 viele damalige Künstler. Ob es die Sängerin Pauline Viardot, Iwan Turgenjew, Anton Rubinstein oder aber eben auch Johannes Brahms ist, sie alle treffen in Baden-Baden aufeinander. Natürlich begegnen sich dort auch Clara und Johannes, die sich zusammen gegenüber Richard Wagner musikalisch verbünden.

Wird aus ihrer Freundschaft mehr? Über allem schwebt der große Geist von Robert Schumann, Claras verstorbenen Mann.

Mit gerade 165 Seiten hält man eine vermeintlich überschaubare und leichte Lektüre in den Händen, deren Inhalt es aber in sich hat. Mit einem sehr flüssig zu lesenden Schreibstil tauchen wir Leser/innen gemeinsam mit Clara Schumann in die damalige Zeit und das interessante Lokalkolorit von Baden-Baden ein. Die Protagonisten werden sehr lebendig beschrieben, so dass mit Hilfe von einigen im Buch enthaltenen Fotografien der Personen, diese uns sehr nahe kommen und wir ihre Gefühle, Ängste, Sehnsüchte, Freuden und Sorgen so wunderbar nachempfinden können. Obgleich eher biographisch geschrieben, so existiert sogar eine gewisse Spannung um die Freundschaft zwischen Johannes Brahms und der Hauptprotagonistin und das Schicksal ihrer Familie.

Für alle klassischen Musikliebhaber, Historienfreunde, aber auch allen, die mal einen sehr interessanten Lebensabschnitt einer berühmten deutschen Pianistin miterleben möchten, kann ich "Adagio" von Maria Regina Kaiser nur wärmstens empfehlen. In aller Kürze kann man hier deutsche Musikgeschichte sehr lebendig und einfühlsam miterleben. Hervorzuheben seien hier unbedingt noch die wunderbaren Fotografien, sei es Portraits oder Gebäudeaufnahmen, und der beeindruckende Anhang, bestehend aus Personenregister, Zeittafel, Literaturhinweise, einem kleinen Glossar und Erläuterung der wichtigsten Orte.

Kurz: Ein Buch, das mich mal wieder in eine andere Zeit versetzen und meine Liebe zur Klassik gewaltig intensivieren konnte.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Eine fantastische Sage im wahrsten Sinne des Wortes

Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe
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"Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe" ist ein fantastischer Roman, der in drei Bücher unterteilt ist.
In den drei Büchern wird die Geschichte der verschiedenen Völker des sogenannten Geborgenen Landes ...

"Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe" ist ein fantastischer Roman, der in drei Bücher unterteilt ist.
In den drei Büchern wird die Geschichte der verschiedenen Völker des sogenannten Geborgenen Landes erzählt.
Im ersten Buch dreht sich fast alles um den albischen Künstler Amânoras, der mit seinen selbst geschaffenen Statuen versucht, das Andenken des untergegangenen Reiches von Dsôn Khamateion zu bewahren. Dabei muss er jedoch darauf bedacht sein, nicht entdeckt zu werden.
Im zweiten Buch versucht ein Zwerg in Brandenwall das Volk der Albae aufzuspüren. Die junge Albin Sajùtoria möchte ihre Heimat verlassen, um höhere Ziele zu erlangen und ihre Zauberkraft zu steigern.
Im dritten Buch schließlich treffen die Völker Meredith und Elben aufeinander, um jeweils an die Macht zu gelangen und ein seltenes Artefakt zu finden.
Das bindende Glied der drei Bücher ist die beeindruckende Figur des Telìnâs, der seine ganz eigene Art und Weise entwickelt hat, die Geschicke der einzelnen Personen, die seinen Weg kreuzen zu lenken.

Markus Heitz lässt uns Leser/innen in seinem 510 Seiten starken Roman tief in ein geheimnisvolles und sagenumwobenes Land eintauchen. Sehr schnell sind wir durch den sehr flüssigen und anschaulichen Schreibstil mit den einzelnen Protagonisten vertraut und entwickeln Sympathie wie auch Antipathie ihnen gegenüber.
Die Beschreibungen der Landschaften, Städte und Dörfer sind so detailliert beschrieben, dass man förmlich die Protagonisten auf ihren Reisen mit begleiten kann.
Das Cover des Buches verstärkt diesen Eindruck noch. Hinter der vordergründigen Figur des Telìnâs wird - im Hintergrund farblich hervorragend aufeinander abgestimmt - Untergang und aufstrebende Macht dargestellt.
Durch den Protagonisten Telìnâs erhält die Sage zum einen ihren roten Faden und zum anderen einen sehr gelungenen Spannungsbogen, der alle drei Bücher durchläuft.
Ein der Sage vorangestelltes Glossar, in dem sowohl alle in den einzelnen Büchern vorkommenden Personen erläutert werden als auch die eigene Zeitrechnung, Orte, Titel und Bezeichnungen und die Völker und Arten beschrieben sind und vor allen Dingen auch eine Übersichtskarte des Geborgenen Landes und der Stadt Brandenwall runden das Lesevergnügen wunderbar ab.
Allen Leser/innen, die sich schon an Sagen wie "Der Herr der Ringe" oder auch "Games of Thrones" begeistern konnten oder es einfach lieben, in ein fantastisches neues Reich mal abzutauchen, kann ich diesen Roman nur unbedingt ans Herz legen. Einziger Kritikpunkt: Das Schicksal eines Hauptprotagonisten bleibt so völlig offen und verblasst ein wenig, daher "nur" 4 statt 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Wenn ein Freundschaftsbesuch zu einem spannenden Abenteuer wird

Luca und der vergessene Tunnel
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Auch der vierte Band der beliebten Luca-Reihe von Tom J. Schreiber hat es wieder in sich!

Luca und seine Freunde haben Ferien und überlegen sich, wie sie diese verbringen sollen. Ihnen kommt die grandiose ...

Auch der vierte Band der beliebten Luca-Reihe von Tom J. Schreiber hat es wieder in sich!

Luca und seine Freunde haben Ferien und überlegen sich, wie sie diese verbringen sollen. Ihnen kommt die grandiose Idee, ihren ehemaligen Schulfreund Felix an seiner neuen Schule zu besuchen. Ein Bulli wird organisiert und dann machen sich Luca, Johannes, Max, Lucas Freundin Maria, seine Brüder Alex und Stephan und Nici auf den Weg zum Schloß, der neuen Schule von Felix. Sogar Buddy, ein Hund, den Luca aus den Fängen eines Tierquälers befreit hat, darf mitkommen. Am Ziel angekommen dauert es nicht lange und seltsame und mysteriöse Vorkommnisse lassen die Abenteuer gewohnten Freunde ihre detektivischen Instinkte wecken. Das vierte Abenteuer kann beginnen und der vergessene Tunnel spielt dabei eine dramatische Rolle.

Tom J. Schreiber gelingt es sofort wieder bei seinen jungen aber auch erwachsenen Leser/innen Sympathien für die charmante Clique zu wecken. Wunderbar baut sich erst langsam, so lange die Reise erst anhält, aber dann am Zielort auch sehr schnell, ein Spannungsbogen auf, der bis zum Ende des Abenteuerromans anhält. Der Autor spricht sehr gekonnt auch wieder sämtliche Gefühlsregungen seiner Leserschaft an. Egal ob es sich um die Bewältigung von Ängsten, die große Liebe, pubertäre Auseinandersetzungen oder Sehnsüchte und Wünsche handelt. Und das tolle dabei: Es passt so wunderbar in den Handlungsstrang, dass diese Gefühlsregungen einfach so nebenher laufen, ohne die Spannung wegzunehmen oder gar zu stören.

Zum ersten Mal gibt es von dem Autor auch ein Nachwort, welches ich allen Leser/innen auch nur sehr ans Herz legen kann.

Mit "Luca und der vergessene Tunnel" habt ihr in jedem Fall wieder ein spannendes und mitreissendes Abenteuerbuch in den Händen, dass Euch Spaß und Spannung bereiten wird. Das Buch kann ohne Vorkenntnis seiner drei Vorgänger gelesen werden. Ich kann allerdings auch diese nur empfehlen und einige Zusammenhänge sind dann natürlich leichter sofort zu erfassen. Der vierte Band erhält eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir.

Gerne mehr von Luca!!

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Veröffentlicht am 28.06.2024

Wenn Südtirol einfach nicht zur Ruhe kommt.

Bombenjahre
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In Holger J. August Südtirol-Thriller "Bombenjahre" werden uns Leser/innen die terroristischen 1960er Jahre gepaart mit einem aktuellen Mordfall noch einmal vor Augen geführt.

In Gossensass einem kleinen ...

In Holger J. August Südtirol-Thriller "Bombenjahre" werden uns Leser/innen die terroristischen 1960er Jahre gepaart mit einem aktuellen Mordfall noch einmal vor Augen geführt.

In Gossensass einem kleinen Ort vor dem bekannteren Ausflugsziel Sterzing wird die Leiche eines älteren Mannes gefunden. Offenbar ist dieser ermordet worden. Doch wer hat Interesse bzw ein Motiv den 83jährigen Alfred Kerschbaumer zu erschiessen? Die junge Journalistin Marie, die über ihren Informanten, einem Carabinieri, zum Tatort gerufen wird, bekommt eine verschlüsselte Nachricht und lässt von da an an dem Fall nicht mehr los. Ihr älterer deutscher Berufskollege Tom Bauer glaubt zunächst nicht an eine aufregende und interessante Story und unterlässt Marie gegenüber seine Unterstützung. Die junge Journalistin jedoch bleibt hartnäckig, so dass sich die Schlinge(n) immer enger um sie herum zieht und sie selber in Gefahr gerät.

"Bombenjahre" spielt über einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat und ist in drei Teile gegliedert. Der Autor stellt den einzelnen Kapiteln in jedem der drei Teile das entsprechende Datum vor Kopf, sodass wir hautnah miterleben können wie zäh und zerreissend zum Teil eine derart schwierige Ermittlung in einem Mordfall sein kann. Durch die Nennung bekannter Orte, Straßen, Berge und Sehenswürdigkeiten wirken die Schauplätze noch realer und authentischer. Auch die Protagonisten werden durch kleine, den Lesefluss nie stoppende, persönliche Situationen sehr nah und real uns dargestellt, so dass auch bei ihnen eine emotionale Bindung zustande kommt.

Durch den Bezug zu den tatsächlich stattgefundenen Terroranschlägen in den 1960er Jahren in Südtirol entsteht ein sehr schöner Spannungsbogen, der in einem turbulenten und rasanten Finale glaubwürdig endet. Das Cover ist für mich ein wenig blass gestaltet. Vor dem verschwommen dargestellten Zwölferturm der Stadt Sterzing steht eine junge Frau in einem warmen Mantel. Der Grundton des Covers ist ein kräftiges Rot. Der Name des Autors und des Buchtitels heben sich durch ihr strahlendes Weiss kräftig von diesem Hintergrund ab.

Mit "Bombenjahre" ist Holger J. August ein spannender und sehr interessanter Thriller gelungen, der durch ein wunderbares Lokalkolorit und den historisch reellen Bezug besticht. Eine kleine Länge im ersten Drittel des Buches wird durch einen sehr reisserischen Showdown am Ende des Thrillers mehr als wett gemacht.

Allen Leser/innen, die eine spannende Erzählung gepaart mit belegter Historie vor der Kulisse Südtirols lieben, kann ich "Bombenjahre" uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 08.06.2024

Gemeinsam sind wir stark

Das Licht in den Birken
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"Das Licht in den Birken" ist mein erster Roman von der Autorin Romy Fölck, die mich bisher als Kriminalroman-Autorin stets überzeugen konnte. Aber auch in diesem Genre kann Romy Fölck überzeugen und zeigt ...

"Das Licht in den Birken" ist mein erster Roman von der Autorin Romy Fölck, die mich bisher als Kriminalroman-Autorin stets überzeugen konnte. Aber auch in diesem Genre kann Romy Fölck überzeugen und zeigt ihre Stärken.

Zum Inhalt des Romans:

Benno Findeisen lebt alleine auf einem Gnadenhof mit seinen Tieren und hat sich über die Jahre hoch verschuldet. Thea lebte über mehrere Jahre in Portugal und arbeitete dort als Ziegenhirtin, bevor sie sich dann doch entschloß, wieder in ihre norddeutsche Heimat zurückzukehren. Die Dritte im Bunde ist Juli, eine sehr junge Frau, die sich mit ihrer Mutter zerstritten hat und nun in Gedenken an ihren Großvater entschlossen hat, zu Fuß nach Amsterdam zu wandern. Das Schicksal lässt die drei Protagonisten sich auf Bennos Hof zusammenfinden. Nach und nach rücken diese drei Menschen immer näher zusammen, vertrauen sich den jeweils beiden anderen immer mehr an und haben ein gemeinsames Ziel: Die Rettung des Hofes. Aber wird es ihnen auch gelingen? Die Zeit läuft ihnen immer mehr davon und eigene Probleme sind dabei auch nicht gerade förderlich.

Romy Fölck erzählt uns ihre Geschichte aus der Sicht jedes einzelnen der drei Protagonisten. Jedem der Drei ist jeweils ein Kapitel gewidmet, so daß die Leser/innen Thea, Benno und Juli sehr gut kennenlernen und ihre Sicht- und Denkweisen schnell nachvollziehen können. Die Schicksale der drei Protagonisten erscheinen dabei sehr überzeugend und realistisch und lassen die Geschehnisse sehr authentisch wirken. Durch die eigenen Sorgen und Probleme jedes einzelnen kommt zudem zusätzliche Spannung auf, ohne den Lesefluss abnehmen zu lassen. Am Ende des Buches wirkt alles sehr schlüssig und die kleinen aber wichtigen Botschaften, die uns die Autorin mit auf den Weg gibt, regen zum Nachdenken an und verschaffen positive Energien.

Mein Fazit: Allen Leser/innen, die es lieben Romane über menschliche Schicksale und Beziehungen verknüpft mit wunderschönen Lokalkoloriten und in die eigentliche Geschichte geschickt verpackte Ratschläge für unser aller Leben zu lesen, kann ich "Das Licht in den Birken" wärmstens empfehlen. Den Liebhaber/innen von Romy Fölcks Krimis kann ich nur raten: Lasst euch mal auf etwas neues ein. Es lohnt sich!

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