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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2024

Eine perfekte Familie?

Bevor es geschah
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Ein kleiner Roman, der mit viel Gefühl und Wucht von einer Familie erzählt, die nach außen hin perfekt scheint, im Inneren aber gebrochen ist. Die Geschichte spielt an einem sonnigen Sommertag, bei einem ...

Ein kleiner Roman, der mit viel Gefühl und Wucht von einer Familie erzählt, die nach außen hin perfekt scheint, im Inneren aber gebrochen ist. Die Geschichte spielt an einem sonnigen Sommertag, bei einem der reglmäßigen Familienessen. Alle vier Geschwister kommen mit ihren Familien im Haus der Mutter zusammen. Die Mutterfigur, streng, kalt und hart, beeinflusst das Gefüge zwischen den Geschwistern enorm. Angst, Aufbegehren und Nervosität prägen das Bild. Die ersten Kapitel werfen einen kurzen Blick auf die Vorbereitungen. Wie ein Vouyeur wirft der Leser einen Blick in die Schlafzimmer, Ankleiden und Badezimmer der Protagonisten. Schnell wird klar, niemand freut sich auf den gemeinsamen Tag. Was ist es, was diese Familie von innen heraus zerstört? Nach und nach entblättern sich die Geheimnissen und das Grauen hinter der Fassade entblößt sich. Missbrauch, Alkohkol, Macht und Lügen bestimmten die Kindheit und Jugend. Niemand wollte wohl, dass es soweit kommt, aber man ist nicht ehrlich und Probleme werden lieber unter den Teppich gekehrt. Fast jeder hat etwas zu verbergen, kleinere oder größere Geheimnisse, Träume, die nicht in die perfekte Idylle passen und die Geschwister schauen mit Liebe aber auch Neid aufeinander. Während jeder den anderen beobachtet und versucht einen Blick hinter die Gefühle des Gegenüber zu werfen, ihn zu analysieren, ereignet sich im Pool eine Tragödie. Der Unfall des kleinen Thomas wird schon im Prolog angekündigt, ist also kein Spoiler. Unter diesem Ereignis verschmelzen die Geheimnisse und Untiefen der Familie wie unter einem Brennglas. Wer ist schuld? Was führte zu was? Und welche Lüge, welches Schweigen war eines zu viel. Die Figuren sind gut gezeichnet. Manche mehr, manche weniger sympathisch. Dennoch fühlt man eine Nähe zur Familie, die durch die Kälte der Mutter aber immer auf Distanz bleibt. Im letzten Teil wird auch ihre Figur noch näher beleuchtet und greifbarer. Ein Roman, wie ein Thriller. Fast ein Kammerspiel im Garten, wären da nicht die Rückblenden, die immer wieder neue Facetten und Schatten auf die Familienidylle werfen. Großartig.

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Von besseren und schlechteren Menschen

Über Menschen
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Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. ...

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch von Juli Zeh. Wir begegnen Dora, einer Berlinerin, die schon vor den ersten Corona-Monaten aus der Enge der Stadt ausbricht und ein Haus auf dem Land kauft. Als der Lockdown kommt und die Menschen um sie herum, allen voran ihr Freund Robert, immer paranoider werden, verlässt sie Berlin und beginnt ihr neues Leben auf dem Land. Bracken hält für Zugereiste nicht viel bereit. Der Einkauf mit dem Bus wird zur Tagestour, die Nachbarn entpuppen sich als Afd-Wähler und schlimmer noch, als waschechte Nazis mit krimineller Vergangenheit und letztlich verliert sie auch noch ihren Agenturjob und die Perspektive. Die Figuren sind gut beschrieben und eingefangen, man fühlt sich als Leser selbst als Besucher Brackens und stiller Beobachter. Doras Nachbar Gote, eigentlich ein hilfsbereiter Kerl, leider auch der Dorf-Nazi zwingt sie dazu, ihre Perspektive und ihren manchmal etwas selbstgefälligen Blick von oben herab zu ändern und weniger zu bewerten als viel mehr genau hinzuschauen. Dass man als Leser an einigen Stellen sogar Sympathie für Gote und auch die anderen Nachbarn empfindet, ist sicher so gewollt. Es gibt eben kein schwarz und weiß, auch bei Themen, bei denen man eigentlich glaubt eine klare Meinung zu haben. Das Buch liest sich gut, oft muss ich schmunzeln oder etwas länger über die Wahrhaftigkeit der Sätze nachgrübeln. Vieles ist punktgenau aus dem Leben und insbesondere dieser zerrissenen Corona-Zeit gegriffen und trifft mitten hinein in das Selbstverständnis von Städtern, die sich oft über die vermeintlich zurückgebliebene Bevölkerung auf dem Land erhebt. Dennoch ist mir manches zu gewollt, zu konstruiert und zu plakativ. Nichtsdestotrotz finde ich den Roman gelungen und rund und das Ende berührt mich und wahrscheinlich die meisten Leser trotz aller vorgefertigten Meinungen.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Tolle Kulisse

Sternenmeer
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Ich mag die Krimis um Luc Verlain wegen der tollen Kulisse, der Landschaft und des französischen Lebensgefühls. Hier ist wieder von allem etwas dabei. Meer, Dünen, beschauliche Dörfer und ganz viele Leckerbissen. ...

Ich mag die Krimis um Luc Verlain wegen der tollen Kulisse, der Landschaft und des französischen Lebensgefühls. Hier ist wieder von allem etwas dabei. Meer, Dünen, beschauliche Dörfer und ganz viele Leckerbissen. Der Fall spielt in einem Sternerestaurant. Es war interessant, tiefer in die Geheimnisse der gehobenen Gourmetküche einzutauchen. Der Gastrokritiker wird vergiftet. War es jemand aus der Küche? Ein Rivale um die Sterne? Unweltschützer, die es auf Produzenten der Fois Gras abgesehen hatten? Oder doch eine Familientat? Das erste Drittel ist recht spannend. Der Konflikt zwischen Luc und dessen Vorgesetztem auch gut eingebunden. Doch in der Mitte fehlt mir etwas die Spannung. Das Geschehen plätschert so dahin. Auch im Privatleben des Kommissars läuft alles so reibungslos, dass es fast etwas langweilig ist. Insbesondere die Figur von Anouk könnte etwas facettenreicher sein als wunderschön und klug und auch noch eine tolle Mutter. Die Lösung erscheint mir dann etwas konstruiert, ich hätte mir etwas mehr Finesse gewünscht. Insbesondere auch als Rahmen zum tollen ersten Teil des Buches, in dem wir alle Protagonisten kennenlernen. Das Thema ist toll und sehr ansprechend, leider bleibt der Fall an sich dieses Mal hinter meinen Erwartungen zurück. Beim letzten Teil war es andersherum.

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Veröffentlicht am 31.08.2024

Ein Traum wird zum Albtraum

No Escape
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Ein richtig spannendes neues Buch von Lucy Clarke, für mich deutlich spannender als „One of the Girls“. Ich finde auch die Figuren und das Setting interessanter. Lana und Kitty erleben den Sommer ihres ...

Ein richtig spannendes neues Buch von Lucy Clarke, für mich deutlich spannender als „One of the Girls“. Ich finde auch die Figuren und das Setting interessanter. Lana und Kitty erleben den Sommer ihres Lebens, als sie mit einer Gruppe Aussteiger auf einer Segelyacht in Südostasien herumreisen. Schnorcheln, Schwimmen, kühle Drinks, blauer Himmel und die ein oder andere Liebelei. Doch dann spitzen sich Konflikte zu, das Wetter wird stürmisch und einer der Freunde geht über Bord. War es ein Unfall? Suizid? Oder ein Mord? Lana kann die Augen nicht verschließen und es kommt zum Bruch. Monate später sinkt die Yacht. Was ist geschehen? Jeder der Freunde verbirgt etwas. Wem kann man trauen? Der Schreibstil ist packend. Der Wechsel zwischen heute und der Zeit auf dem Schiff bringt immer neue Perspektiven auf das Geschehen. Die Figuren sind facettenreich, die meisten sympathisch. Lana ist manchmal etwas selbstgerecht in ihrer Wut auf ihren Vater. Aber auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet. Insbesondere Aaron, aber auch Joseph. Bis zum Schluss hält die Geschichte einige Wendungen bereit und sogar wenn man denkt, alles ist vorbei, offenbart sich noch einmal das Grauen. Das tolle Cover passt super zur Handlung. Für mich ein packender Sommerthriller.

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Veröffentlicht am 29.08.2024

Bittersüßer Sommerroman

Helle Sommer
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Ein toller Roman über zwei junge Menschen, das Erwachsenwerden und die große Liebe. Billie und Maxime begegnen sich in einem Sommer Anfang der 2000er. Die scheue, starke Billie und der überbehütete Maxime ...

Ein toller Roman über zwei junge Menschen, das Erwachsenwerden und die große Liebe. Billie und Maxime begegnen sich in einem Sommer Anfang der 2000er. Die scheue, starke Billie und der überbehütete Maxime freunden sich an und verbringen einige Sommer miteinander. Billie wohnt bei ihrem Großvater, sie müssen jeden Pfennig zweimal umdrehen, es bleibt wenig Platz für Hoffnungen und Träume. Maxime lebt in Paris und kommt nur in den Ferien um seine Tante zu besuchen. Irgendwann reißt der Kontakt ab und doch gelingt es den beiden immer wieder, sich nicht aus den Augen zu verlieren. Sie begegnen sich, verpassen sich, sehnen sich nacheinander und führen doch ihre eigenen Leben und werden erwachsen. Nach dem Tod des Großvaters muss Billie allein bestehen. Ich bewundere ihren Mut und Kampfgeist. Sie schafft es, ihren Traum zu verwirklichen und letztlich wird das verletzliche Mädchen zu einer starken, unabhängigen Frau. Der Schreibstil ist sehr kurzweilig. Die Kapitel nach Jahren gegliedert, so erlebt der Leser Billies Erwachsenwerden Schritt für Schritt. Ein wunderbarer Roman voll Gefühl, Sommererinnerungen und einem Hauch von Melancholie. Perfekt.

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