Platzhalter für Profilbild

Cleopatra0103

Lesejury Star
offline

Cleopatra0103 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Cleopatra0103 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2026

Beklemmendes Kammerspiel

Meeresdunkel
0

Ein Ferienhaus auf Mallorca, ein Unwetter, zwei Familien, ein Toter. Was wie ein Traumurlaub beginnt, entwickelt sich schnell zum Albtraum. Das renovierungsbedürftige Haus auf den Klippen ist überraschenderweise ...

Ein Ferienhaus auf Mallorca, ein Unwetter, zwei Familien, ein Toter. Was wie ein Traumurlaub beginnt, entwickelt sich schnell zum Albtraum. Das renovierungsbedürftige Haus auf den Klippen ist überraschenderweise doppelt vermietet. Henrike und ihre Familie und Marie plus Mann und Kind beschließen, das Beste aus der Situation zu machen. Die ersten Stunden verlaufen fast sorglos. Zwischen Henrike und Maries Mann Samuel entwickelt sich eine Romanze, die jugendlichen Zwillinge Esmé und Finn kümmern sich um den kleinen Juri, der an seiner Puppe Hedwig hängt. Onkel Freddy kümmert sich um das Essen für alle. Nur Henrikes Ehemann Hans wirkt seltsam paralysiert. Als die etwas schrullige ältere Dame in der Nachbarschaft auftaucht und unheilvolle Botschaften über das Meer murmelt, als ein Sturm aufzieht und plötzlich einer der Urlauber tot ist, spitzen sich die Ereignisse zu. Der Thriller ist wirklich spannend, wenn er auch im ersten Teil etwas mehr Fahrt aufnehmen könnte. Aber spätestens mit der Geschichte um Henk und Effie hat mich das Buch gepackt. Die Perspektivwechsel gefallen mir, wenn auch Finn oder Esmé oder Freddy ein Kapitel aus ihrer Sicht verdient hätten. Die Geschichte ist bis zum Ende spannend und hält die ein oder andere Überraschung bereit. Aufgrund der räumlichen Begrenzung auf das Ferienhaus erinnert es mich an ein Kammerspiel. Die Figuren sind grundsätzlich gut gezeichnet. Samuel und Henrike sind mir aber leider unglaublich unsympathisch. Das liegt nicht an ihrer Affäre, sie gehen mir einfach auf die Nerven. Ich kann mich überhaupt nicht in sie hineinversetzen. Hans und Marie finde ich da schon spannender. Aber abgesehen davon, habe ich mich gut unterhalten gefühlt und das Ende lässt sogar einige Fäden offen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2026

Spannender Krimi mit tollen Charakteren

Das Gesetz der Elite
0

Dies ist das erste Buch des Autors, dass ich lese. Ich würde es auch eher als Krimi als als Thriller bezeichnen, da meiner Meinung nach die Ermittlungsarbeit und Spurensuche im Mittelpunkt stehen. Das ...

Dies ist das erste Buch des Autors, dass ich lese. Ich würde es auch eher als Krimi als als Thriller bezeichnen, da meiner Meinung nach die Ermittlungsarbeit und Spurensuche im Mittelpunkt stehen. Das spielt für mich aber keine Rolle, ich bin von diesem Buch restlos begeistert. Ein ungewöhnlicher Plot, tolle Schauplätze in Italien, ein packender Schreibstil und vor allem absolut begeisternde Charaktere. Die Hauptfiguren Colomba und Dante haben mich ab der ersten Minute gehabt. Ich kenne die Vorgänger-Romane nicht, dennoch kann ich gut einsteigen und habe nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Ganz im Gegenteil, der einzige kleine Wermutstropfen in diesem Buch sind die vielen Bezüge auf die vergangenen Fälle der beiden. Ich würde sehr gerne mehr darüber erfahren. Leider sind die Bücher in gedruckter Form nicht mehr erhältlich. Ich hoffe, dass die Reihe um den liebenswerten, aber äußerst ungewöhnlichen Assistenten, Dante und die attraktive, taffe Ermittlerin Colombo weitergeht. Ich bin jetzt schon ein Fan.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2026

Facettenreiche Zirkus – Panorama

Wir waren Artisten
0

Die Welt ist Zirkus, der Artisten, der gewagten Kostüme, der Clowns und der Tierdressur übt einen ganz eigenen Zauber aus. Bertha, Tochter aus gutem bürgerlichen Hause ist von der ersten Minute fasziniert. ...

Die Welt ist Zirkus, der Artisten, der gewagten Kostüme, der Clowns und der Tierdressur übt einen ganz eigenen Zauber aus. Bertha, Tochter aus gutem bürgerlichen Hause ist von der ersten Minute fasziniert. Von den Gerüchen, den Kleidern und vor allem von Baptiste. Sie entscheidet sich, ihr gewohntes Leben hinter sich zu lassen und mit ihm zu ziehen. Ob sie weiß, auf was sie sich einlässt? Ich glaube nicht. Das Leben als Fremde in dieser in sich geschlossenen Welt, als „Private“, wie Sie leicht abfällig von den anderen Mitgliedern des Zirkus genannt wird, ist hart. Doch die Liebe zu Baptiste lässt sie alle Widrigkeiten vergessen. Wir folgen Bertha und Baptiste durch die Manegen Europas. Von Skandinavien, über Paris und weitere illustre Orte. Wir erleben Aufstieg und Fall eines begnadeten Artisten. Das Schreibstil flüssig sehr bildhaft und lässt diese besondere Aura des Zirkus vor meinem geistigen Auge entstehen. Ich kann mich dennoch nicht so richtig in die Figuren hineinversetzen. Nichtsdestotrotz berührt mich das Schicksal der Familie Schreiber sehr. Nach einem Schicksalsschlag muss Bertha den Lebensunterhalt ihrer Familie selbst bestreiten. Mit viel Stärke und Kraft gelingt ihr das Unglaubliche. Neben Bertha und der Zirkuswelt erlaubt das Buch aber auch Einblicke in die Frauenbewegung Ende des 19. Jahrhundert in Schweden. Insbesondere die Schwester Julia berührt mich sehr. Sie erlebt mehrere Schicksalsschläge und ist doch immer für die Familie, insbesondere für ihre Schwester da. Ich folge der Familie Schreiber sehr gern und freue mich, wenn die Geschichte weiter erzählt wird. Auch wenn die Welt des Zirkus mir weiterhin etwas fremd und bei aller Faszination auch etwas abweisend erscheint.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2026

Düsterer Thriller, mit dem ich nicht warm werde

Home Before Dark
0

Irgendwie packt es mich nicht. Der Funke springt bei diesem Thriller einfach nicht über. Der Schreibstil gefällt mir, die Perspektiv- und Zeitwechsel ebenso. Das hält die Spannung grundsätzlich hoch. Der ...

Irgendwie packt es mich nicht. Der Funke springt bei diesem Thriller einfach nicht über. Der Schreibstil gefällt mir, die Perspektiv- und Zeitwechsel ebenso. Das hält die Spannung grundsätzlich hoch. Der Leser folgt Marsi und Stina in den 70er und 60er Jahren. Die Schwestern sind sehr unterschiedlich. Stina ist begabt, schön und kommt überall gut an. Marsi ist schüchterner, spröder, nicht so gefällig. Als Stina verschwindet, genau an dem Abend, an dem Marsi sich unter ihrem Namen mit einem geheimnisvollen Brieffreund verabredet hat, gibt Marsi sich die Schuld, schweigt aber. Jahre später will sie das Geheimnis lösen. Nach und nach enthüllt sich aus verschiedenen den verschiedenen Perspektiven der Schwestern, was geschah. Das liest sich grundsätzlich spannend. Ich werde aber mit den Figuren, insbesondere mit Marsi und ihren Eltern nicht warm. Alle wirken seltsam düster, abweisend, spröde. Das ständige Ziehen der Haare, das Verschlucken stoßen mich zeitweise richtig ab. Stinas Figur ist die einzige, die mich beim Lesen bei der Stange hält. Ja, es gibt überraschende Twists, aber manche wirken doch recht konstruiert. Einige Handlungsstränge sind auch nicht ganz logisch. Die Wandlung der Mutter gehört für mich dazu. Das Ende enttäuscht mich. Nicht die Auflösung des Falls an sich, da gehe ich noch mit. Aber die letzten Seiten lösen einen seltsamen Widerwillen in mir aus. Warum hat die Autorin sich dafür entschieden? Ich hatte mir von diesem Buch viel versprochen, leider passt es für mich nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2026

Regt zum Nachdenken an

Sanditz
0

Ich bin in etwa zur gleichen Zeit geboren wie zwei der Hauptfiguren in Lukas Rietzschels Roman „Sanditz“ - Tom und Maria. Ich bin ebenso wie die beiden in den neuen Bundesländern geboren und aufgewachsen, ...

Ich bin in etwa zur gleichen Zeit geboren wie zwei der Hauptfiguren in Lukas Rietzschels Roman „Sanditz“ - Tom und Maria. Ich bin ebenso wie die beiden in den neuen Bundesländern geboren und aufgewachsen, bin nach der Schule und dem Studium nach „drüben“ gegangen und, im Gegensatz zu Maria, auch geblieben. Vieles was im Roman insbesondere in den Jahren nach der Wiedervereinigung geschildert wird, kommt mir bekannt vor, rührt etwas in mir an. Die Geschichte spielt im fiktiven Ort Sanditz, einst wurde hier Kohle gefördert, danach die Gebiete geflutet. Etwas düster ist es dort, die Menschen leben in ihrem Trott, in ihren Gewohnheiten. Hier und da ist etwas Gemeinschaft zu spüren, immer wieder aber auch Trostlosigkeit. Die Handlung spielt in verschiedenen Zeitebenen, von den späten 70er Jahren bis in das Jahr 2022. Der Leser bekommt so einen guten Eindruck über das Leben in der DDR, das Miteinander, das Familienleben, aber auch politische Rahmenbedingungen, die Rolle der Kirche, der Armee. Besonders gefallen hat mir, dass die geschichtlichen und politischen Hintergründe nicht nacherzählt werden. Man ist mittendrin, lebt in seiner Realität, arrangiert sich, ist mal mehr oder weniger glücklich, rebelliert oder auch nicht. Figuren ziehen vorbei, manche blitzen nur für ein oder zwei Kapitel auf und treten wieder ab. Im Mittelpunkt steht die Familie Wenzel, die all die Jahre in dem Bungalow am Stadtrand lebt. An ihr erlebt man über 40 Jahre Geschichte. Dabei entblättert der Autor erst nach und nach das komplexe Familiengeflecht und hält so die Spannung hoch. Doch auch die anderen, kleineren Charaktere sind gut gezeichnet. Es gibt berührende Episoden, erschreckende Erlebnisse und auch unbeschwerte Momente, eine Geschichte, viele Leben. Roland ist für mich eine der interessantesten, tragischsten Figuren im Roman. Voller Ideen und Träume, in den Zeiten der friedlichen Revolution vorn dabei, nach der Wende desillusioniert und einsam. Natürlich geht es auch um Entfremdung, erst durch die Arbeit entfernt von der Familie „im Westen“, später durch Corona. Vieles bleibt ungesagt in der Familie, die aber auch eine tiefe Liebe verbindet. Zumindest nehme ich das so wahr. Tom kann ich bis zum Schluss nicht einschätzen, er entgleitet mir immer wieder. Doch auch seine Lebensgeschichte ist bewegend. Auch die kleinen, scheinbar kurzen Episoden, um den syrischen Soldaten Marouan, den Sparkassendirektor Peter, Dirk haben eine ganz besondere Kraft. Nicht jeder Handlungsstrang ist fertig erzählt, es bleiben einige lose Enden. So hätte ich mir z.B. gewünscht noch etwas mehr von Caro und ihrem Vater zu erfahren. Was ich zugegebenermaßen nicht so richtig verstanden habe, ist die Geschichte der Raben im Prolog. Das schafft Atmosphäre und macht neugierig, aber da fehlt mir etwas der Zugang. Das Bild der Raben am Ende, hat mich allerdings sehr berührt und setzt einen, wenn auch traurigen Rahmen. Ich mochte schon die Vorgänger-Romane des Autors, dieses ist ebenfalls wieder sehr zu empfehlen. Lukas Rietzschel gelingt es durch einen unaufgeregten, sachlichen und trotzdem berührenden Schreibstil, die Geschichte einer ganz normalen Familie im Osten Deutschlands spürbar zu machen, mit guten und schlechten Zeiten, Liebe, Freude und auch Abgründen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere