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Veröffentlicht am 28.07.2024

Coole Atmosphäre vor Hollywood-Nostalgie

Eve
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Ich habe kürzlich erst „ein Gentleman in Moskau“ gelesen, wodurch mir der Autor noch recht frisch im Gedächtnis war. Dachte anhand des Covers erst es geht mal wieder um Marilyn, aber weit gefehlt: Hollywood ...

Ich habe kürzlich erst „ein Gentleman in Moskau“ gelesen, wodurch mir der Autor noch recht frisch im Gedächtnis war. Dachte anhand des Covers erst es geht mal wieder um Marilyn, aber weit gefehlt: Hollywood Flair trifft taffe Frau, die weiß was sie will. Spektakulär erzählt und wahnsinnig und sehr unterhaltsam.

Zum Inhalt: Eve bricht ihr Leben in New York hinter sich ab und reist kurzentschlossen nach L.A., was sie dort tun wird, steht in den Sternen. Dann trifft sie auf die berühmte Schauspielerin Olivia de Havilland und ihre einnehmende Art öffnet ihr auch sonst Türen, sodass die faszinierende Eve bald schon die Paparazzi und Gauner von Hollywood aufmischt.

Heute würde man Eves Job als Public Relations Managerin beschreiben, stumpf gesagt ist sie die Frau fürs grobe, die dafür sorgt, dass das blütenweiße Image ihrer Wahlklientin und Freundin Olivia, einer unschuldigen Hollywood-Beauty, erhalten bleibt. Koste es was es wolle.

Die Geschichte wird aus der wechselnden Sicht der Personen erzählt, die auf Eve treffen und von ihrer schillernden Persönlichkeit eingenommen werden. Die Geschichte baut sich um den Mythos ihrer Person auf- ihre Vergangenheit ungewiss, ihre Motive undurchsichtig, sie selbst einnehmend und strahlend.

Und plötzlich wird aus dieser Geschichte, die zuerst wie eine Art Sozialstudie anmutete, ein spannender Fall, der zwischenzeitlich Krimicharakter hatte. Für mich hatte die Geschichte den Flair eines Film Noir, sehr atmosphärisch, düster angehaucht mit einem Hauch Verruchtheit.

Habe das Buch sehr genossen und bin selbst großer Fan von Eve und ihrer Art völlig verfallen. Ich wollte nicht, dass diese Geschichte jemals endet.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Vom Leben und dem Schreiben

Die Geschichten in uns
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Das Buch bietet nicht nur tiefe Einblicke in Wells eigenes Leben, es zieht auch Querverbindungen zu anderen Autoren und den Büchern, die Wells beeinflusst haben. Ich mochte den ehrlichen Erzählton, wie ...

Das Buch bietet nicht nur tiefe Einblicke in Wells eigenes Leben, es zieht auch Querverbindungen zu anderen Autoren und den Büchern, die Wells beeinflusst haben. Ich mochte den ehrlichen Erzählton, wie offen er auch über das Scheitern, die Kritik und Ablehnung schreibt, über die Selbstzweifel und den Druck etwas wirklich Gutes abzuliefern.

Bei all dem kommt Benedict Wells wahnsinnig sympathisch rüber, man merkt dass er selbst sehr kritisch mit seinen eigenen Werken umgeht, auch im Nachhinein nicht mehr 100% von seiner eigenen Arbeit ist und einiges anders machen würde. Das zuzugeben verlangt eine gewisse Reife und Größe und ich finde es beeindruckend wie viel er tatsächlich von sich selbst preisgibt.

Vom Schreibratgeber habe ich mir ehrlich gesagt nicht viel erhofft, da ich selbst nicht schreibe. Muss aber sagen, dass ich die gelieferten Einblicke sehr interessant fand. Wells beschriebt quasi die Etappen, wie ein Buch entsteht. Auch hier bezieht er sich viel auf persönliche Erfahrungen und Gefühle und schildert viel am Beispiel seiner eigenen Werke. Dass „Hard Land „und „Vom Ende der Einsamkeit“ so ein bisschen im Fokus standen, was meine Lieblingsbücher von Wells sind, hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich diese Seiten gerne und interessiert gelesen habe.

Neben Wells eigenen Gedanken mochte ich die Verweise auf und Zitate von anderen bekannten Autoren. Mich hat dieses Buch zwar nicht zum Schreiben angeregt, aber Lust gemacht, einige der erwähnten Bücher (nochmal) zulesen und auch die Bücher von Wells betrachte ich jetzt nochmal mit anderen Augen.

Hat mir richtig gut gefallen, Benedict Wells hat einfach einen sehr angenehmen Schreibstil, den ich gerne lese.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Eine besondere Freundschaft

Leonard und Paul
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Ich hatte das Buch schonmal zu seinem Erscheinungstermin auf dem Schirm, habe es aber erst im Zuge der Nominierung zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gelesen und muss sagen: diese Nominierung ist mehr ...

Ich hatte das Buch schonmal zu seinem Erscheinungstermin auf dem Schirm, habe es aber erst im Zuge der Nominierung zum Lieblingsbuch der Unabhängigen gelesen und muss sagen: diese Nominierung ist mehr als gerechtfertigt. Ein wunderschönes, bewegendes und auf feinsinnige Art humorvolles Buch. Habe es sehr geliebt.

Zum Inhalt: Leonard und Paul sind jeder für sich Einzelgänger, aber füreinander beste Freunde. Beide führen ein eher beschauliches Leben, bei dem sie sich jeweils im Hintergrund halten. Doch plötzlich tut sich im Leben der beiden was, sodass die Ruhe durchbrochen wird und beide sich neuen, ungeahnten Herausforderungen stellen.

Leonard und Paul haben jeder für sich allein, aber auch zusammen eine ganz besondere Dynamik, die auch mit der Abwesenheit jeglicher Dynamik beschrieben werden könnte. Jeder für sich fällt wohl in die Kategorie „Außenseiter“ und „schräger Vogel“, weshalb sie füreinander auch so wichtige Bezugspersonen sind. Sie machen einfach jeder ihr Ding, fallen nicht auf, bis sie es dann eben doch tun.

Ich finde ihre jeweiligen Interessen und Lebenswege überzeugend und authentisch dargestellt. Besonders Paul ist mir im Verlauf der Geschichte sehr ans Herz gewachsen. Beide Männer machen eine starke charakterliche Entwicklung durch, begeben sich aus ihren jeweiligen Komfortzonen heraus und stehen für sich ein. Das hat mir richtig gut gefallen und war sehr unterhaltsam zu lesen. Vor allem wie sie sich manchmal etwas unbeholfen, aber sehr offen und ehrlich dem Leben und ihren Problemen stellen.

Die Erzählung selbst verläuft eher in ruhigen Bahnen, was perfekt zu den Figuren passt. Der unaufgeregte Erzählton ist angenehm zu lesen und man kann sich innerhalb der Geschichte gut treiben lassen, die vor allem von der bildlichen Beschreibungen dieser zwei hinreißenden Charaktere lebt. Einfach wundervoll

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Entsetzlich

Tote Augen
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Karin Slaughter schreibt Geschichten, aus denen Albträume gemacht sind. Und sie ist so gut darin, dass sie mich mit ihren Beschreibungen regelrecht in diese Horrorszenarien versetzt. Definitiv nichts für ...

Karin Slaughter schreibt Geschichten, aus denen Albträume gemacht sind. Und sie ist so gut darin, dass sie mich mit ihren Beschreibungen regelrecht in diese Horrorszenarien versetzt. Definitiv nichts für schwache Nerven.

Zum Inhalt: Dr. Sara Linton arbeitet in einem Krankenhaus in Atlanta, als eine junge Frau eingeliefert wird, die Teil eines schrecklichen Autounfalls war. Aber nicht nur das: ihr Körper zeigt Spuren von Unterernährung, Missbrauch und Folter. Das GBI übernimmt den Fall, denn die Frau war nicht das einzige Opfer.

Der Fall selbst ist abgründig, brutal und erschreckend, um nicht zu sagen abstoßend. Die Beschreibungen der Orte und Gewaltszenarien sind keine leichte Kost, Slaughter erzeugt hier eine gewaltdurchtränkte, grausige Atmosphäre. Gleichzeitig bekommt das Verbrechen im Verlauf der Handlung einen psychologische Komponente.

Das Team um Will und Faith wird in diesem Fall durch Sara Linton verstärkt, die mit ihrem scharfen Verstand und ihrer sehr menschlichen Art eine große Bereicherung ist. Gleichzeitig offenbart Will hier will von sich selbst, seiner Vergangenheit und den Wunden seiner Seele. Das schafft einen spannenden und angenehmen Kontrast zu den Gewaltbeschreibungen. Bezüglich Figurenentwicklung für mich ein sehr starker Band.

Eine Geschichte, die mich das gruseln lehrt und bei der es mir kalt den Rücken herunterläuft. Absolut abgründig und perfide geplottet und wahnsinnig packend von der ersten bis zur letzten Seite.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Flucht und Sinnsuche

Haus aus Wind
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Zum Inhalt:Johanna entflieht ihrem Leben und flüchtet sich in ein Surfcamp an der Algarve. Doch statt am Ende ihres Urlaubs heimzukehren, beschließt sie zu bleiben, nimmt einen Aushilfsjob an und verliebt ...

Zum Inhalt:Johanna entflieht ihrem Leben und flüchtet sich in ein Surfcamp an der Algarve. Doch statt am Ende ihres Urlaubs heimzukehren, beschließt sie zu bleiben, nimmt einen Aushilfsjob an und verliebt in zwei Frauen. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein und die leichte Blase langer Sommernächte beginnt langsam zu platzen.

Ich hab mich ganz merkwürdig in die Geschichte geworfen gefühlt. Normalerweise macht mir das nichts aus und gefällt mir sogar, aber hier habe ich mich sehr schwergetan ein Gefühl für Johanna und ihre Situation zu bekommen.
Die Protagonistin wirkte auch mich vor allem anfangs fast schon kindlich naiv, aber je mehr Seiten ich gelesen habe, desto verständlicher wurde sie mir.

Was mich immer so ein bisschen aus dem Lesefluss gerissen hat, waren die englischen Dialoge. Die habe ich verstanden, waren ja auch denkbar einfach gehalten, aber dieser Switch von Deutsch zu Englisch und wieder zurück war irgendwie nicht so meins. Hatte jetzt auch nicht unbedingt das Gefühl, dass es als Stilmittel besonders zur Stimmung oder so beigetragen hätte.

Viele ihre Gedanken und Gefühle empfand ich als überraschend nahbar, wie es plötzlich aus ihr herausbricht, als wäre da kein Raum mehr in ihr um den aufgestauten Frust, die Ängste und Verzweiflung zu verstecken. Der Schreibstil und die Sprache tragen sehr gut dazu bei zu vermitteln, was da in Johanna brodelt, wie es in ihr arbeitet und was das mit ihr selbst und ihrem Selbstbild macht. Dazu Rückblicke in Johannas Kindheit und Jugend. Zu Momenten, die sie geprägt haben. Sie ist wahnsinnig selbstreflektiert, reflektiert aber ihr gesamtes Umfeld direkt mit, was sie zunehmend strauchelnd lässt und in regelrechtes selbst-bashing ausartet

Das Buch hat eine wunderschöne, teils richtig poetische Erzählstimme. Die Geschichte wird auf eine feinsinnige Art erzählt, die sich ganz wunderbar lesen lässt. Es ist kein klassischer Sommerroman, überzeugt aber mit den tiefsinnigen Untertönen.

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