Profilbild von Dajobama

Dajobama

Lesejury Star
offline

Dajobama ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Dajobama über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2023

Mungo

Young Mungo
0

Young Mungo – Douglas Stuart
Das Cover provoziert, ebenso wie der Inhalt des Romans. Nur wie ich finde, auf einer ganz anderen Ebene, weswegen ich das Cover für nicht optimal gewählt halte. Ja, es geht ...

Young Mungo – Douglas Stuart
Das Cover provoziert, ebenso wie der Inhalt des Romans. Nur wie ich finde, auf einer ganz anderen Ebene, weswegen ich das Cover für nicht optimal gewählt halte. Ja, es geht um die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen zwei Jungs, gerade 15 und 16 Jahre alt, im Glasgow der 90er Jahre. So brisant Homosexualität in diesem Milieu am Rande der Gesellschaft auch war, ist es für mich doch nicht das Hauptthema dieses Buches. Aber von vorne.
Mungo wächst in sozial äußerst schwierigen Verhältnissen auf. Gesellschaftlich in der sozialen Unterschicht angesiedelt, mit einer sehr jungen Mutter, die es nicht schafft, ihrer Verantwortung für die Kinder gerecht zu werden und mehr weg denn da ist. Zwischen Verwahrlosung, Alkohol, Gewalt und Bandenkriegen zwischen Protestanten und Katholiken ist dies zuallererst einmal ein etwas trister Coming of Age Roman.
Erzählt wird in zwei verschiedenen Handlungssträngen. Zum Einen die chronologische Entwicklung der Ereignisse, wie etwa die langsame Annäherung der beiden Jungs – eine wirklich süße Liebesgeschichte. Der zweite Erzählstrang findet etwas später statt. Mungo wird mit zwei Männern zu einem Ausflug an einen See geschickt – um ihn zu einem „Mann“ zu machen. Die Hintergründe und Zusammenhänge werden erst nach und nach klar.
Das eigentliche Thema dieses Werks, das immer wieder auftaucht und schockiert ist Gewalt: von alltäglichen Prügeleien und Übergriffigkeiten, häuslicher Gewalt, Nötigung, Vergewaltigung. Es ist schockierend und trostlos, in welchem Milieu diese Kinder aufwachsen müssen. Und wie unvermögend die Erwachsenen sind, sie davor zu schützen.
Der Autor hat einen recht direkten Schreibstil, der den Inhalt noch verstärkt. Etliche Figuren lässt er auch in einem dialektähnlichen Slang sprechen. Der Umgangston ist rüde, Sprache und Ton derb. Es ist sehr authentisch, aber auch extrem brutal, ekelerregend. Man möchte die Augen vom Text abwenden, ist jedoch zu sehr mittendrin, zu gefesselt. Zum Glück sind da immer wieder diese friedlich schönen Szenen mit Mungos Schwester Jodie. Zwei arme Kinder in einer rauen Welt, die nur einander haben.
Alles in allem eine oft sehr unangenehme, jedoch geniale Leseerfahrung! Mungo hat mich diese Tage sehr beschäftigt. Dies ist wohl eine Figur, die länger im Gedächtnis haften bleibt. 5 Sterne und eine große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2023

Hans

Der Inselmann
0

Der Inselmann – Dirk Gieselmann

Ein Junge und eine Insel. Erst zieht Hans nur widerwillig mit seinen Eltern in die Abgeschiedenheit, regelrecht Isolation, der Insel in einem See Deutschlands. Doch nach ...

Der Inselmann – Dirk Gieselmann

Ein Junge und eine Insel. Erst zieht Hans nur widerwillig mit seinen Eltern in die Abgeschiedenheit, regelrecht Isolation, der Insel in einem See Deutschlands. Doch nach kurzer Zeit wird der Junge sowohl von den Eltern als auch der Insel getrennt. Ein Leben lang bleibt diese Insel nun Herzens- und Sehnsuchtsort.

Mit nur 170 Seiten ist dies ein sehr kurzer Roman. Der Autor benötigt jedoch nicht viele Worte um sehr viel auszusagen, sowohl an Handlung als auch an Emotionen. Sowieso ist die wunderbare Sprache dieses Werkes bewundernswert. In knappen, poetischen Sätzen führt Herr Gieselmann den Leser mitten in die Gedanken- und Gefühlswelt von Hans. Das karge, armselige Leben auf der Insel und Hans‘ kindlicher Umgang damit – das ist einfach grandios erzählt. Dieser ist ein Außenseiter wider Willen, der bereits in jungen Jahren unter der Wortkargheit der Eltern leidet und auch sonst im Leben nirgendwo Anschluss findet.

Es ist ein sehr ruhiges, melancholisches Buch, das dennoch fesselt und zahlreiche Deutungsmöglichkeiten bietet. Mich hat besonders die tolle Sprache und ganz spezielle Atmosphäre beeindruckt. Ein faszinierendes Werk von einem Autor, den ich mir merken werde.

5 Sterne und eine große Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.01.2023

Liz und Joe

Willow Springs – Feeling Home
0

Liz und Joe
Eine nette Liebesgeschichte, die mir dennoch über weite Strecken etwas zu seicht und vorhersehbar war.
Die Protagonisten sind beide sympathisch; man konnte gut mit ihnen mitfiebern. Auch sprachlich ...

Liz und Joe
Eine nette Liebesgeschichte, die mir dennoch über weite Strecken etwas zu seicht und vorhersehbar war.
Die Protagonisten sind beide sympathisch; man konnte gut mit ihnen mitfiebern. Auch sprachlich fand ich den Roman ganz okay.
Für meinen Geschmack ging es ein bisschen viel um das Drumherum. Auch hatte ich das starke Gefühl, dass die Grundlage für weitere Teile einer Reihe gelegt werden sollten. Das war ziemlich offensichtlich, quasi wiederholt mit dem Zaunpfahl...
Insgesamt also ganz nett, aber teils recht unbeholfen und vorhersehbar. Ausbaufähig.
3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2023

Von guten und miesen Tagen

Die Liebe an miesen Tagen
0

Die Liebe an miesen Tagen – Ewald Arenz
Ewald Arenz hat eine wunderbare Art und Weise zu erzählen. Dies hier ist nun ein Liebesroman, sehr ruhig und toll erzählt.
Clara und Elias wissen auf den ersten ...

Die Liebe an miesen Tagen – Ewald Arenz
Ewald Arenz hat eine wunderbare Art und Weise zu erzählen. Dies hier ist nun ein Liebesroman, sehr ruhig und toll erzählt.
Clara und Elias wissen auf den ersten Blick, dass sie füreinander bestimmt sind. Altersunterschied und bestehende Beziehungen spielen plötzlich keine Rolle mehr. Vielmehr scheint es nun an der Zeit zu sein, eine mittelmäßige Beziehung zu überdenken und herauszufinden, was wirklich zählt im Leben. Clara und Elias harmonieren perfekt miteinander. Die erste Hälfte des Romans ist geprägt von ihrem Kennenlernen – eine zauberhafte Liebesgeschichte. Sehr ruhig und nachdenklich kommt der typische Erzählton von Arenz daher. Doch wo andere Liebesromane ihr Happy End finden, geht es hier erst richtig los, auch wenn bereits etwa die Hälfte des Romans erreicht ist. Für das glückliche Paar bauen sich diverse Hindernisse und Schicksalsschläge auf und plötzlich scheint diese Liebe unmöglich. Es sind wirklich richtig miese Tage, die da kommen.
Fand ich diesen Roman in der ersten Hälfte einfach nur schön, konnte ich ihn später kaum mehr aus der Hand legen. Es wird tatsächlich richtig spannend! Dabei ist dieses Werk alles andere als oberflächlich. Melancholisch und tiefgründig stellen sich die Protagonisten den großen Fragen des Lebens.
Hervorragende Literatur, die mich begeistern konnte! 5 Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2023

Faszinierend undurchsichtige Dystopie

Schwerer als das Licht
0

Schwerer als das Licht – Tanja Raich
Eine Frau, allein auf einer Insel. Sie lebt in einer selbstgebauten Festung, fürchtet sich vor irgendwem im Norden. Alles auf der Insel stirbt, Natur und Tiere, auch ...

Schwerer als das Licht – Tanja Raich
Eine Frau, allein auf einer Insel. Sie lebt in einer selbstgebauten Festung, fürchtet sich vor irgendwem im Norden. Alles auf der Insel stirbt, Natur und Tiere, auch die Menschen.
Die namenlose Ich-Erzählerin schwankt zwischen Traum und Wirklichkeit, Wahn und Realität. Ganz sicher kann man sich als Leser allerdings nie sein. Was ist Einbildung, Wahnvorstellung, Verfolgungswahn und was ist echt? Wenig hilfreich ist dabei, dass die Autorin sich an keine Erzählregeln hält. Es gibt keinerlei chronologische Reihenfolge, keine Vorgeschichte, wenig Erklärungen. Die Kapitel sind extrem kurz, meist nur eine halbe Seite lang und strahlen eine extrem düstere Atmosphäre aus.
Es ist eine düstere Dystopie, die ihre Leser ratlos zurücklässt. Zu Lesen ist das Ganze ermüdend, irritierend, dennoch äußerst faszinierend. Da die bruchstückhaften Traum-, Erinnerungsfetzen schwerlich in einen logischen Zusammenhang zu bringen sind, ist man versucht sowohl klimapolitische als auch sozialkritische Bezüge zu finden bzw. hineinzuinterpretieren. Und davon findet man jede Menge. Wenn man so will, werden verschiedene Verläufe oder Hintergründe der Geschichte geliefert. Ich denke, jeder liest hier andere Aspekte heraus und setzt die einzelnen Fragmente ganz individuell zusammen. Hoch interessant!
Sprachlich ist dieses Werk ein Highlight. Wunderbare Beschreibungen dieser Insel, vor und während ihrem Niedergang. Bruchstückhafte Aneinanderreihungen von Sequenzen, die erst im Gesamtüberblick überhaupt so etwas Ähnliches wie einen Sinn ergeben.
Insgesamt ein sehr besonderes, künstlerisches Werk, auf das man sich einlassen muss. 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere