Anders als erwartet
Die Bibliothek meines Großvaters"Die Bibliothek meines Großvaters" von Masateru Konishi ist ein Roman, der gleichermaßen Herz und Verstand berührt und sich ein kein Genre einsortieren lässt. Dieses Buch ist so vielschichtig, dass er ...
"Die Bibliothek meines Großvaters" von Masateru Konishi ist ein Roman, der gleichermaßen Herz und Verstand berührt und sich ein kein Genre einsortieren lässt. Dieses Buch ist so vielschichtig, dass er erst am Ende sein wahren Kern den Leserinnen offenbart. Konishi erzählt die Geschichte von Kaede, einer jungen Lehrerin, die durch geheimnisvolle Zeitungsausschnitte in den Bann einer ungewöhnlichen Spurensuche gezogen wird. Dabei tritt ihr Großvater, ein charmanter, wenn auch von Demenz gezeichneter Mann, in den Mittelpunkt: Mit seinem unerschöpflichen Wissen über klassische Kriminalliteratur und seiner feinen Kombinationsgabe wird er zu Kaedes wichtigstem Verbündeten.
Der Roman entfaltet eine besondere Magie, weil er nicht nur spannende Rätselgeschichten bietet, sondern auch das enge Band zwischen Enkelin und Großvater in den Vordergrund stellt. Es geht um Erinnerungen, um das gemeinsame Erleben von Geschichten und um die tröstliche wie rettende Kraft der Literatur. Konishi schafft es, mit viel Wärme, feinem Humor und poetischen Bildern die Welt der Bücher lebendig werden zu lassen und zugleich eine unterschwellige Spannung aufzubauen, die das Lesen fesselnd macht.
Besonders berührend ist, wie liebevoll und respektvoll das Thema Demenz behandelt wird. Der Großvater verliert zwar vieles, aber nicht seine Leidenschaft für Bücher und seine Fähigkeit, aus Geschichten Stärke zu schöpfen. Dadurch wird er zu einer Figur, die einem lange im Gedächtnis bleibt.
Insgesamt ist "Die Bibliothek meines Großvaters" ein Roman, der den Leserinnen ganz lange im Gedächtnis bleiben wird.