Ein toller Titel für einen Sommerabend
Die Hummerfrauen"Die Hummerfrauen" von Beatrix Gerstbeger verspricht vieles: eine bewegende Geschichte über weibliche Solidarität, eine zweite Chance für die Liebe und eine bildstarke Kulisse vor der rauen Küste Maines. ...
"Die Hummerfrauen" von Beatrix Gerstbeger verspricht vieles: eine bewegende Geschichte über weibliche Solidarität, eine zweite Chance für die Liebe und eine bildstarke Kulisse vor der rauen Küste Maines. Tatsächlich gelingt der Autorin hier ein toller Roman mit überzeugenden Figuren, doch bei aller Stärke bleibt nicht alles ohne Schwächen.
Die Autorin beherrscht es besonders gut den Schauplatzes lebendig werden zu lassen. Die Inselwelt, das Hummerfischerdorf, das raue Wetter, die salzige Luft – all das wirkt authentisch und stimmungsvoll. Man glaubt beinahe, selbst barfuß über das nasse Deck zu laufen oder mit den Fischerinnen den ersten Kaffee am Hafen zu trinken.
Auch die Hauptfiguren, insbesondere Ann und Julie, sind kraftvoll gezeichnet. Sie tragen die emotionale Wucht der Geschichte und sind das Herzstück des Romans. Ihre Dialoge sind authentisch, ehrlich, manchmal bitter – aber nie platt. Besonders Ann mit ihrer zurückhaltenden Lebenserfahrung wirkt lange nach und steht für eine weibliche Resilienz, die selten so unsentimental erzählt wird.
Trotz der Atmosphäre fällt auf, dass die Handlung insgesamt recht vorhersehbar verläuft und vor sich hin plätschert. Man ahnt früh, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Auch die Lebensgeschichten der drei Frauen wirken nach der Hälfte des Buches etwas eintönig und langweilig.
Gerade die Liebesgeschichte zwischen Mina und Sam bleibt im Vergleich zu den vielschichtigen Frauenfiguren eher flach. Die emotionale Tiefe, die zwischen Ann, Julie und Mina so überzeugend gelingt, springt bei Mina und Sam nicht in gleicher Weise über. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, bildreich und insgesamt angenehm zu lesen.
"Die Hummerfrauen" ist ein tolles Buch für einen lauen Sommerabend. Jedoch sollte man sich nicht zu viel erhoffen, da der Roman keine große Spannung bietet.