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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2019

Schwere Kindheit, trotzdem nicht depressiv erzählt

Der Honigbus
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Im „Der Honigbus“ dürfen wir Meredith bei ihrem erwachsenwerden begleiten. Ihre Eltern trennen sich früh, woraufhin ihre Mutter in eine schwere Depression verfällt. Das Leben von Meredith und ihrem Bruder ...

Im „Der Honigbus“ dürfen wir Meredith bei ihrem erwachsenwerden begleiten. Ihre Eltern trennen sich früh, woraufhin ihre Mutter in eine schwere Depression verfällt. Das Leben von Meredith und ihrem Bruder Matthew wendet sich schlagartig. Sie sind im Haus der Großeltern nur geduldet. Echte Zuneigung erfahren die Kinder höchstens vom Großvater.

Bald entdeckt Meredith eine eigene Welt für sich. Die der Bienen. Ihr Großvater betreut viele Bienenvölker, erklärt ihr das Leben der Bienen im Stock, ihr Verhalten, ihren Zusammenhalt. Immer wieder findet Meredith Antworten, Erklärungen für Fragen in ihrem Leben.

Die Mutter fällt als Bezugsperson für die Kinder wegen ihrer Depression aus. Aber auch die Großmutter verschließt sich vor ihnen und ist mehr Versorger, als liebende Verwandte. Den Grund, bzw. eine mögliche Erklärung erfährt der Leser im Zuge des Buches. Der Vater wird alleine schon aufgrund der räumlichen Entfernung, zum Vater für zwei Wochen im Jahr. Den einzigen Halt erfahren die Kinder vom Großvater, doch auch er kann ihnen nur bedingt Hilfe sein.

Diese schwere Kindheit in so emotionale Wörter zu fassen, ohne eine depressive Stimmung zu vermitteln, ist keine leichte Aufgabe. Doch genau das ist Meredith May wunderbar gelungen. So ganz nebenbei erfährt der Leser eine Menge Interessantes und Neues über Bienen und ihren Staat. Um der gesamten Information, die in diesem Buch steckt, gerecht zu werden, werde ich es mit Sicherheit noch ein zweites Mal lesen.

Die einzelnen Kapitel tragen eine Überschrift, eine Zeitangabe und einen bezeichnenden Satz für die Lektion, die Meredith in diesem Kapitel von den Bienen lernen wird. Diese Einteilung hat mir sehr gut gefallen. Man kann sich nicht nur zeitlich orientieren, sondern auch die Lektion im Hinterkopf mitschwingen lassen.

Ein Buch, das zum Nachdenken, Mitfühlen, Ärgern und Lernen einlädt. Auch wenn es ein schweres Thema behandelt, ist die Biografie in einem flüssigen und leicht lesbaren Stil verfasst. Mit zwei Wörter gesagt: einfach empfehlenswert.

Veröffentlicht am 27.04.2019

Interessanter Aufbau mit durchschnittlicher Geschichte

Hin und weg von dir
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Der Jugendroman „Hin und weg von dir“ von Henriette Wich ist eigentlich aus zwei Sichten erzählt. Einmal aus der Sicht von Jasmin und wenn man das Buch umdreht und auf den Kopf stellt, aus der Sicht von ...

Der Jugendroman „Hin und weg von dir“ von Henriette Wich ist eigentlich aus zwei Sichten erzählt. Einmal aus der Sicht von Jasmin und wenn man das Buch umdreht und auf den Kopf stellt, aus der Sicht von Sandro.

Die Geschichte der beiden Jugendlichen beginnt kurz vor ihrer ersten Begegnung. Wir begleiten sie danach über einen Zeitraum von ein paar Monaten. Immer wieder mit Rückschauen auf ihre jeweilige Vergangenheit.

Jasmin ist lebenslustig, kontaktfreudig und selbstbewusst. Sie genießt ihr Leben, verliebt sich schnell und fragt sich gleichzeitig, warum ihre Beziehungen nicht halten.

Sandro ist still und zurückhaltend. Er hängt immer noch seiner verflossenen Liebe Lotte nach. Als er auf Jasmin trifft, beginnt er allerdings sich aus seiner Spirale zu bewegen.

Das Buch ist ganz nett geschrieben und flüssig zu lesen. Die Idee beide Ansichten in einem Buch zu vereinen, aber nicht in einer Geschichte ist ungewöhnlich. Leider konnte mich die Geschichte trotzdem nicht ganz überzeugen. Was ich nicht ganz nachvollziehen konnte, war der Bruch von beiden mit Leni. Jasmins ehemals bester Freundin. Auch wenn ich mich versuche in Jugendliche zu versetzen, entzieht sich mir hier die Logik.

Es kann allerdings durchaus interessant sein, als junge Jugendliche die Sicht der anderen Seite zu lesen, ohne sich ein typischen Mädchen- oder Jungenbuch besorgen zu müssen.

Veröffentlicht am 22.04.2019

Hoch erotisches Märchen in einer ästhetisch schönen Sprache

Der Maharadscha und ich | Erotischer Roman
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Einem hoch erotischen, modernen Märchen gleich erzählt uns Dorothy Brown die Geschichte der deutschen Sandrine, die mit ihren Freundinnen Urlaub in Indien macht. Dort lernt sie den Maharadscha von Udaipur ...

Einem hoch erotischen, modernen Märchen gleich erzählt uns Dorothy Brown die Geschichte der deutschen Sandrine, die mit ihren Freundinnen Urlaub in Indien macht. Dort lernt sie den Maharadscha von Udaipur kennen. Er zeigt ihr eine Welt der Erotik, des Sex, des Tantra.

Sandrine ist eine selbständige, junge Frau, die Sex liebt. Zuhause hat sie gerade ihre Beziehung mit Dirk beendet. Diese Beziehung war geprägt von Bequemlichkeit und fehlendem Sex. Daher sind ihre Freundinnen mehr als überrascht wie sich Sandrine in Indien entwickelt. Langsam öffnet sie sich ihnen, beginnt zuerst Gespräche über Sex zuzulassen um im Laufe der Geschichte sexuelle Aktivitäten an öffentlichen Orten zu genießen. Manche Szenen sind in meinen Augen nicht alltagstauglich, aber wie gesagt, als modernes Märchen wunderbar zu lesen.

Maharadscha hingegen gefällt es, dass sich Sandrine ihre Eigenständigkeit bewahrt, dass sie nicht sofort vor dem großen, reichen, gutaussehenden Mann in die Frauchenrolle verfällt und ihm die Stirn bietet.

„Der Maharadscha und ich“ ist in einer ästhetisch schönen Sprache gehalten. Einzig gewöhnungsbedürftig ist der Wechsel der Erzählpersonen von dritter Person und Protagonisten, ein Wechsel ohne Ankündigung oder Kapitelwechsel. Durch den Geschichtsverlauf wird aber auch hier innerhalb weniger Worte oder Sätzen deutlich wer spricht, wer erzählt.

Sehr anschaulich sind die Schauplätze der Handlungen, stellenweise auch die Lebensweise der Inder beschrieben. Die erotischen Passagen werden direkt, detailliert, gefühlvoll und in anregender, erregender Weise dem Leser nahegebracht. Die Bezeichnungen wechseln zwischen deutschen und indischen Wörtern. Dieser Wechsel bringt zusätzlich etwas indisches Flair und passt zur Handlungsumgebung.

Das Cover ist im Stil des Bollywood gehalten und vertieft den Märchencharakter. Ich möchte dieses Buch allen ans Herz legen, die sich gerne in eine andere, erotische, farbenfrohe Welt entführen lassen wollen.

Veröffentlicht am 19.04.2019

Reise durch 13 Länder bis zu sich selbst

Weltnah
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Aus einer unbedeutenden Idee geboren, entwickelt sich die Reise von Jakob Horvat zu einer 402 Tage dauernden Reise durch 13 Länder. In seinem Buch „Weltnah“ schildert er seine wichtigsten Stationen und ...

Aus einer unbedeutenden Idee geboren, entwickelt sich die Reise von Jakob Horvat zu einer 402 Tage dauernden Reise durch 13 Länder. In seinem Buch „Weltnah“ schildert er seine wichtigsten Stationen und gibt mitunter sehr persönliche Einblicke.

Wer hier aber einen Reisebericht mit detaillierter Routen- und Landschaftsbeschreibung erwartet, wird enttäuscht werden. Im Vordergrund steht die Reise zu sich selbst. Wird die Reise fruchtbar sein?

Jakob Horvat versucht sich für Neues zu öffnen, sein ICH kennenzulernen, sich immer wieder seinen Ängsten zu stellen und in unbekannte Situationen zu gehen. Manche Erfahrungen sind in meinen Augen grenzwertig, andere werden aus Naivität oder Unvorsichtigkeit beinahe lebensgefährlich.

Doch langsam und stetig bewegt sich der Autor vorwärts. Nicht nur mental, sondern auch reisetechnisch. Wählt er schon mal das Flugzeug, so bewegt er sich immer wieder auch per Anhalter, Bus oder Boot fort. Abschnittweise wird Jakob Horvat von Freunden auf seiner Reise begleitet.

Das Cover zeigt mehrere Eindrücke der Reise. Der feste, raue Einband liegt gut in den Händen und wirkt sehr edel. Mittig finden wir viele Farbfotos mit Erklärungen. Die gesamte Route wird mittels einer Karte zu Beginn und am Ende dargestellt.

Gut gefallen hat mir, dass zu Beginn jedes Kapitels der Reiseabschnitt auf einer Karte dargestellt wird. Als Abschluss der Kapitel gibt es eine Seite mit Ratschlägen, wie der Leser ebenfalls erste Schritte zu sich unternehmen kann, ohne sich auf eine lange Reisen begeben zu müssen. Dazwischen finden wir auch QR-Codes, die Videos der Reise zeigen – sofern man eine App zum Öffnen hat. Durch das gesamte Buch ziehen sich immer wieder Zitate, Ratschläge und Weisheiten die der Autor auf den Weg mitbekommen hat. Oftmals sind sie leider nicht übersetzt worden.

Löst man sich von der Erwartung einen Reisebericht vor sich zu haben, ist dieses Buch wirklich empfehlenswert und interessant. Die wenigsten Leser werden je selbst so eine Reise durch die Welt unternehmen.

Veröffentlicht am 07.04.2019

Lebensgeschichten mit unterschiedlichen Sehnsüchten

Der Muschelsammler
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Anthony Doerr gibt uns mit „Der Muschelsammler“ acht unterschiedlich lange Erzählungen in die Hand. Wir bewegen uns auf verschiedenen Kontinenten, in unterschiedlichen Kulturen. Die Protagonisten müssen ...

Anthony Doerr gibt uns mit „Der Muschelsammler“ acht unterschiedlich lange Erzählungen in die Hand. Wir bewegen uns auf verschiedenen Kontinenten, in unterschiedlichen Kulturen. Die Protagonisten müssen meist mit größeren Veränderungen in ihrem Leben klarkommen. Funktioniert das ohne Probleme? Zerbrechen sie daran? Doch bei einigen scheint das Ende mehr als offen - zumindest für mich.

Mein Favorit der Erzählungen ist „Mkondo“. Zitat: „Mkondo ist das Strömen, Fließen, Laufen ……… zB. Strom, Zug; das Kielwasser eines Schiffes; eine Spur; das Laufen eines Tieres.“ Hier sehr passend für die Protagonistin Naima. Sie läuft und läuft. Wohin? Vor etwas davon? Etwas nach? Ist sie auf der Suche nach dem Sinn im Leben? Kann Ward ihr Leben bereichern, oder engt er sie ein? Lauter Fragen die im Zuge der Erzählung aufgegriffen und meiner Meinung nach gut beleuchtet werden. Auch hier bewegen wir uns auf zwei Kontinenten und sehen die Kulturunterschiede und die Schwierigkeiten der Menschen mit einer Umstellung.

Der Schreibstil hat für mich ab und zu etwas zu lange Schachtelsätze. Doch grundsätzlich gefallen mir die Beschreibungen der Personen und Lebensumstände. Gewöhnungsbedürftig war am Beginn des Buches auch die hohe Zeilenanzahl pro Seite. Nach den ersten Erzählungen wurde dies zwar nicht mehr so störend empfunden.

Zum Cover ist zu sagen, dass es wirklich treffend gewählt ist. In jeder der Erzählungen schwingt Sehnsucht als ein Thema mit. Genau das vermittelt mir dieses einsame Boot auf dem Meer. Sehnsucht – wonach auch immer.