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Veröffentlicht am 11.08.2024

Geheimnisse, Intrigen und menschliche Abgründe

Die Morde von Salisbury
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Alte Morde von Salisbury, das hätte wohl keiner erwartet! In der Grafschaft Wiltshire im sonnigen Südwesten Englands geht es diesen Sommer echt heiß her. Es ist so heiß, dass man fast schmelzen könnte! ...

Alte Morde von Salisbury, das hätte wohl keiner erwartet! In der Grafschaft Wiltshire im sonnigen Südwesten Englands geht es diesen Sommer echt heiß her. Es ist so heiß, dass man fast schmelzen könnte! Und als ob das nicht schon genug wäre, taucht plötzlich im ausgetrockneten Flussbett eine Leiche auf. Du wirst es nicht glauben, aber es ist tatsächlich Lee Geary, der vor Jahren verschwunden war! Da hat sich wohl jemand einen fiesen Scherz erlaubt oder was meinst du? Echt verrückt, was hier in Salisbury so abgeht.

2011 ereignete sich etwas, das eng mit dem Fall der jungen Holly Gilbert verbunden war. Holly fiel damals von einer Brücke und ihr Tod zog enormes Medieninteresse auf sich. Die Menschen wollten Gerechtigkeit für Holly, sie suchten nach einem Schuldigen. Schnell wurden drei Verdächtige verhaftet, und einer von ihnen war Geary. Alle drei starben innerhalb weniger Monate nach Holly. Somit könnte es vor neun Jahren mehrere Morde in Salisbury gegeben haben, die bislang nicht aufgeklärt bzw. anders eingestuft waren.

In der glühenden Hitze kämpfen Inspector Matthew Lockyer und Constable Gemma Broad darum, cool zu bleiben und die verwickelten Fälle von länger zurückliegenden Verbrechen zu lösen. Dabei stoßen sie auf vergessene Geheimnisse, die so manche Person lieber im Verborgenen gelassen hätte.

Diese Geschichte wird dominiert von einem Inspektor, der mit sich und seinen Dämonen kämpft. Ein Umstand, der ihn dadurch umso menschlicher, liebenswürdiger und authentischer werden lässt.

Da ist zunächst seine Mutter, die sich bei einem Besuch im Krankenhaus mit Corona infiziert hatte und dann selbst so abbaut, dass sich Lockyer auf einen Abschied vorbereitet. Außerdem ist da die Nachbarin, die ihm von einer „Leiche im Keller“ berichtet, die der Inspektor tatsächlich findet. Was soll er machen? Er ist Polizist. Muss er diese Leiche und die Nachbarin melden?

Schließlich erfährt er, dass sein Bruder, der bei einer Messerstecherei getötet worden war, mit Drogen gedealt hatte. Eine Tatsache, die er nie für möglich gehalten hätte, weil er glaubte, seinen Bruder gekannt zu haben. Nun, Jahre später, stellt er fest, dass er seinen Bruder nie gekannt hatte. Er wusste nicht, dass der sich an den Hof des Vaters gekettet gefühlt hatte, weil er, der große Bruder, in die Stadt gegangen war, um Polizist zu werden.

Mit solchen Konflikten schafft Katherine Webb in »Die Morde von Salisbury« so viel Menschlichkeit und Spannung in den Roman, dass man auf die Verbrechen selbst fast verzichten kann. Man klebt an den Figuren, die diese Roman ausmachen. Dazu gehören auch die noch junge Polizeipartnerin Broad, die für einen der Verdächtigen ein besonderes Gefühl entwickelt, als auch die Aussteigerin Jody, die Lockyers Vater auf dem Hof hilft und anscheinend auch mit den Vorgängen von vor neun Jahren etwas zu tun haben könnte. Zu ihr fühlt sich der Inspektor besonders hingezogen.

Auf vielen hundert Seiten erzielen die Ermittler keine vielversprechenden Erfolge. Alle ihre Theorien zerplatzen immer wieder wie Seifenblasen. Immer wieder scheinen sie in Sackgassen zu laufen. Doch wie oben beschrieben, gewinnt der Roman seine Spannung nicht aus den Ermittlungen sondern aus den Figuren und deren Konstellationen. Dadurch bleibt es spannend.

Erst auf den letzten hundert Seiten von »Die Morde von Salisbury« scheinen die Ermittlungen voranzukommen nachdem aus einem der vielen Gespräche eine Möglichkeit erkannt wird, wie es tatsächlich alles hätte sein können. Dann geht es ganz rasant zu, und die schließlich Verdächtigen werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Und die Überraschung liegt schließlich doch beim Leser, der sich vielleicht zwar auch in diese Richtung hin bewegt mit seinen Vermutungen hatte, der aber keine Ahnung von den Motiven hätte haben können, die zu den Taten führten. Diese Überraschung sollte sich kein Leser entgehen lassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der menschelnde Krimi um vier Tote nicht nur eine spannende Geschichte bietet, sondern auch eine tiefgründige Betrachtung der menschlichen Natur darstellt. Der Inspektor, der sich intensiv mit den Fällen auseinandersetzt, zeigt uns, wie stark Emotionen und persönliche Verbindungen unser Handeln beeinflussen können. Die Entdeckung einer Leiche bringt zudem die Möglichkeit eines Zusammenhangs zu den anderen drei Toten auf, was den Fall noch rätselhafter und fesselnder macht. Als Leser werden wir mitgerissen von der Suche nach der Wahrheit und dem Streben des Inspektors nach Gerechtigkeit.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

Veröffentlicht am 08.08.2024

Die Geschichte einer Jerusalemer Tragödie - Geschichte anhand von menschlichen Schicksalen

Ein Tag im Leben von Abed Salama
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In diesem Jahr hat Nathan Thralls Buch »Ein Tag im Leben von Abed Salama« den Pulitzer Preis in der Kategorie Sachbücher gewonnen. Für mich ist es weniger ein Sachbuch als vielmehr eine biografische Erzählung ...

In diesem Jahr hat Nathan Thralls Buch »Ein Tag im Leben von Abed Salama« den Pulitzer Preis in der Kategorie Sachbücher gewonnen. Für mich ist es weniger ein Sachbuch als vielmehr eine biografische Erzählung über das ereignisreiche Leben des Palästinensers Abed Salama. Es bietet nicht nur Einblicke in seine persönlichen Erlebnisse, sondern auch in die Geschichte des palästinensischen Volkes seit der Teilung Palästinas in ein jüdisches und ein arabisches Gebiet im Jahr 1947.

Dazu gehört auch eine tragische Liebesgeschichte, denn Abed scheint kein wirkliches Glück zu finden. Seine Freundin kann er nicht heiraten, weil jemand aus der Familie der Freundin strikt dagegen ist, da das Mädchen aus einer verfeindeten Familie stammt, ähnlich wie bei Romeo und Julia. Das Mädchen, das er letztlich heiratet, verehrt ihn zwar, doch er kann ihre Liebe nicht erwidern. Um ihr jedoch nicht zu schaden, da sie im Fall einer Scheidung die gemeinsamen Kinder nicht mehr sehen dürfte und wieder bei ihren Eltern leben müsste, erwägt Abed, eine zweite Frau zu nehmen. Doch auch dies stellt keine endgültige Lösung dar.

Vor den Toren von Jerusalem passiert etwas Schreckliches: Ein Lastwagen kracht in einen Schulbus, in dem palästinensische Kinder sitzen. Der Bus geht in Flammen auf. Aber leider sind die Zuständigkeiten nicht geklärt und die Bürokratie im Grenzgebiet ist sehr langsam. Deshalb können die Rettungskräfte nicht schnell genug helfen. Doch am Unfallort kommen Israelis und Palästinenser zusammen und versuchen gemeinsam, den Kindern zu helfen. Diese Geschichte erzählt von den verschiedenen Lebensgeschichten der Menschen, die alle durch dieses Ereignis miteinander verbunden sind.

In seinem auf Tatsachen basierenden Buch verleiht Nathan Thrall der Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts ein zutiefst menschliches und bewegendes Antlitz. Mit einer schonungslosen Ehrlichkeit und einfühlsamen Erzählweise enthüllt Thrall die herzzerreißenden Auswirkungen der israelischen Siedlungspolitik auf den Alltag im Westjordanland.

Dies hat mich tief bewegt; ich habe so viel über die Lebensweise und Verhältnisse im Westjordanland gelernt. Es ist atemberaubend geschrieben und fühlt sich kaum wie ein Sachbuch an, sondern hat eine poetische Anmutung. Daran ist zweifelsohne auch der brillante Übersetzer Lucien Deprijk nicht ganz unschuldig. Und doch hatte ich mit all den arabischen Namen und Bezeichnungen hin und wieder Schwierigkeiten. Sie sind einem nicht so geläufig wie Namen der westlichen Welt. Wenn ein Name nach vielen Seiten erneut auftauchte, fiel es mir schwer, sofort den Zusammenhang zum vorherigen Auftauchen herzustellen. Aber dies möchte ich hier nicht kritisieren, sondern lediglich bemerken.

Angenehm waren deshalb auch die erläuternden Worte zu den Organisationen, deren Schreibweisen und vor allem auch die Bilder und Karten, die Gelegenheit bieten, sich besser in die Örtlichkeiten einzufinden.

»Ein Tag im Leben von Abed Salama« ist ein wunderschönes Buch, mit dem sich der Blick auf den Nahost-Konflikt durchaus ändern kann. Wer sich gerne mal mit den Schicksalen der Menschen in Israel, Gaza und Westjordanland beschäftigen möchte, bekommt mit diesem Buch eine herrliche Möglichkeit.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

Veröffentlicht am 30.07.2024

Der Aufbruch in eine neue Zeit

Gut Greifenau - Morgenröte
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Dies ist der dritte Band einer Familiensaga von Hanna Caspian, die als „Gut Greifenau“-Trilogie im Handel verfügbar ist. Die ersten drei Bände erschienen bis März 2019. Doch ich muss unbedingt erwähnen, ...

Dies ist der dritte Band einer Familiensaga von Hanna Caspian, die als „Gut Greifenau“-Trilogie im Handel verfügbar ist. Die ersten drei Bände erschienen bis März 2019. Doch ich muss unbedingt erwähnen, dass es sich schon lange nicht mehr um eine Trilogie handelt. Da das Leben immer wieder fortschreitet, waren die Leser und auch die Autorin gespannt, wie es mit den Figuren nach diesem dritten Band weitergeht. Und siehe da, es gibt weitere drei Bände um das Landgut Greifenau und derer von Auwitz-Aarhayn.

1918, der Frieden mit Russland, er ist zum Greifen nahe. Der Zar wurde hingerichtet. Russland wird von Lenin, Trotzki und den Bolschewiki beherrscht.

Nach einem Mordanschlag ist es fraglich, ob Konstantin das noch erleben wird. Als er wieder in die Heimat schwerkrank zurückkehrt, kommt er bei der Dorflehrerin Rebecca unter, die ihn aufopferungsvoll pflegt. Nur sein Vater Graf Adolphis erfährt davon und ist indes verzweifelt, während er Rest der Familie davon ausgeht, dass Konstantin tot ist.

Durch den Kauf von Kriegsanleihen ist das Gut hoch verschuldet. Wie in alter adeliger Tradition scheint nur eine Heirat den Schuldenberg verringern zu können.

Gräfin Feodora hingegen drängt deshalb die Tochter Katharina zur Hochzeit mit dem Scheusal Ludwig, einem Neffen des Kaisers. Diese Verbindung wird zur Überlebensfrage für Gut Greifenau. Doch Katharinas Herz schlägt für den Industriellensohn Julius aus Potsdam. Kurz vor der Hochzeit flieht sie. In Berlin gerät sie mitten in die Wirren der Novemberrevolution.

Schließlich ist der Krieg zu Ende und der Kaiser selbst geflohen. Die Arbeiter- und Bauernräte wollen den Adel enteignen. Doch auch die Landarbeiter und Pächter bangen um ihren Lebensunterhalt.

Vergleichbar mit Downton Abbey hat Hanna Caspian ein allumfassendes Universum rund um ein fiktives Gut Greifenau geschaffen. In den Romanen dieser Reihe dreht sich alles um das Leben einer Adelsfamilie und die Schicksale ihrer Mitglieder. Gleichzeitig werden aber auch die Geschichten und Schicksale der Dienstboten eingebunden. Die Reihe gibt uns einen faszinierenden Einblick in die sozialen Unterschiede und das Zusammenleben in einer vergangenen Zeit.

In diesem Roman gibt es viele verschiedene Geschichten, die Menschen aus allen Gesellschaftsschichten betreffen. Sowohl bei den Angestellten als auch bei der adeligen Familie, den Pächtern, den Dorfbewohnern und den Bekannten gibt es Geheimnisse und Komplikationen. Viele Probleme müssen gelöst werden. Die Autorin hat es großartig geschafft, den Weg zum Ziel zu gestalten. Das bedeutet, dass es anfangs nicht auf eine Lösung am Ende des Romans oder der Trilogie hinausläuft. Man verstrickt sich förmlich in den Verwicklungen der einzelnen Figuren, fühlt mit ihnen mit, freut sich mit ihnen und wünscht ihnen das Schlimmste. Am Ende will man nur noch wissen, wie es mit den einzelnen Charakteren weitergeht.

In diesem fesselnden Roman wird die Geschichte einer fiktiven Familie erzählt, die eng mit den turbulenten Ereignissen des Ersten Weltkriegs und dem Sturz des Kaisers verbunden ist. Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland zu dieser Zeit und erzählt die bewegenden Schicksale der Familienmitglieder, die von den Auswirkungen des Krieges betroffen sind. Eine packende Geschichtserklärung, die den Leser mitnimmt auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit.

»Morgenröte« bietet genau wie die anderen Bände dieser Reihe umfangreiche Informationen zur Geschichte, die von Hanna Caspian akribisch recherchiert und detailreich aufbereitet sind. Die Informationen sind entlang des Themas sehr vielfältig und werden faszinierend zu einer Geschichte mit vielen kleinen Geschichten verwoben. Es ist eine Quelle, die sowohl Liebhaber als auch Neulinge von historischen Romanen gleichermaßen anspricht und begeistert.

Für mich persönlich gilt: Einmal Greifenau, immer Greifenau! Ich wünsche es von ganzem Herzen jedem neuen Leser, jeder neuen Leserin.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

Veröffentlicht am 22.07.2024

Ein Bär und das Chaos beginnt

Cascadia
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Dieser Roman spielt im Nordwesten der USA, genauer gesagt auf der Insel San Juan, teilt Sam mit ihrer älteren Schwester Elena und ihrer schwerkranken Mutter ein bescheidenes Dasein. Während Sam als Angestellte ...

Dieser Roman spielt im Nordwesten der USA, genauer gesagt auf der Insel San Juan, teilt Sam mit ihrer älteren Schwester Elena und ihrer schwerkranken Mutter ein bescheidenes Dasein. Während Sam als Angestellte auf der Fähre tätig ist und die wohlhabenden Urlauber zu ihren Ferienresidenzen bringt, jobbt Elena als Kellnerin im Golfclub. Beide hegen den Wunsch nach einem verbesserten Leben und träumen davon, an einem anderen Ort einen Neuanfang zu wagen.

In einer Nacht entdeckt Sam plötzlich einen Bären, der in den dunklen Gewässern vor der Küste schwimmt. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch keine Vorahnung davon, dass dieses wilde Tier das Leben von ihr und ihrer Schwester auf den Kopf stellen und ihren lang gehegten Traum gefährden wird.

Ich muss zugeben, dass ich mir als Konflikt etwas anderes vorgestellt hatte. Doch der Konflikt ist tatsächlich, oberflächlich betrachtet, der Bär. Es wird in detailreichen Beschreibungen die Situation der beiden Schwestern während ihrer Kindheit und auch in der Gegenwart in ihren Jobs auf der Fähre und im Golfclub beschrieben. Leser lernen die beiden unheimlich gut kennen, man kann ihre Motive plausibel und nachvollziehbar oder dumm und naiv finden. Das bleibt natürlich den Lesern überlassen.

Doch im Fortschritt des Romans schält sich immer mehr heraus, dass der eigentlich Konflikt der zwischen den beiden Schwestern ist. Der Bär, den die große Schwester Elena sehr mag und vor dem die kleine Schwester Sam ungeheure Angst hat, fördert den Konflikt zwischen den beiden zutage. Es wird offenbar, dass es zwischen ihnen beiden eigentlich keine Gemeinsamkeiten gibt, von denen zu Beginn des Romans gesprochen wird. Schließlich stellt sich heraus, dass Sam … Belassen wir es dabei. Denn alles steuert auf eine fürchterliche Katastrophe zu, mit der die Leser nicht rechnen konnten. Solch ein Drama.

Aber die Spannung bleibt in diesem an sich wunderschönen Roman etwas auf der Strecke. Die Beziehungen zu den Kollegen und Nachbarn im Ort könnten vor Leidenschaft nur so überbrodeln, aber sie werden leider nicht in ihrer vollsten Intensität dargestellt. Doch die dramatische Zuspitzung am Ende und das unerwartete, atemberaubende Ende reißen einem den Boden unter den Füßen weg und versöhnen restlos mit dem Verlauf der Handlung.

Deshalb mag ich diesen Roman empfehlen, weil er zart und anmutig ein Leben in der Abgeschiedenheit beschreibt, zu der man sich hingezogen fühlen kann.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

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Veröffentlicht am 17.07.2024

spannend wie von Karen Sander gewohnt

Der Sturm: Vernichtet
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Endlich ist der dritte Teil aus der Sturm-Serie von Karen Sander zu lesen. Damit endet eine fesselnde Reise durch ihre zweite Serie von Kriminalromanen, die uns auf das wunderschöne Fischland entführt ...

Endlich ist der dritte Teil aus der Sturm-Serie von Karen Sander zu lesen. Damit endet eine fesselnde Reise durch ihre zweite Serie von Kriminalromanen, die uns auf das wunderschöne Fischland entführt hat. Dennoch dürfen wir uns freuen, da Karen Sander im Nachwort verrät, dass eine dritte Serie auf dem Weg ist. Es ist beruhigend zu wissen, dass jeder Teil ihrer Serie eigenständig genossen werden kann, solange man nicht den dritten vor dem ersten liest. Jede ihrer Serien hat uns in den Bann gezogen und von Anfang bis Ende mitgerissen.

Die Identifizierung der beiden Leichen, die nach einem Sturm an der Darß-Küste gefunden wurden, ist nun abgeschlossen. Allerdings gibt es weiterhin keine Hinweise auf den Mörder. Kriminalhauptkommissar Tom Engelhardt und Kryptologin Mascha Krieger stehen erneut vor einem Rätsel. Die Untersuchung wird dadurch erschwert, dass die Sturmschäden viele Spuren verwischt haben. Die Ermittler hoffen jedoch, dass eine tiefergehende Analyse der Fundstücke und die Befragung der Anwohner neue Hinweise liefern könnten. Zudem wird erwogen, Kollegen aus anderen Abteilungen hinzuzuziehen, um mögliche Verbindungen zu früheren Kriminalfällen zu überprüfen.

Es stellt sich heraus, dass die Frau sieben Jahre nach dem Mann getötet und in den Dünen verscharrt wurde. Haben die Ermittler die ganze Zeit eine falsche Spur verfolgt? Besteht überhaupt eine Verbindung zwischen den Opfern? Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, denn obwohl die Morde Ähnlichkeiten aufweisen, gibt es keine offensichtlichen Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern. Die Untersuchungen konzentrieren sich daher auch auf das Umfeld der Opfer, in der Hoffnung, mögliche Verbindungen zu entdecken, die bisher übersehen wurden.

Es scheint eine Verbindung zwischen den Morden und einem Einbruch zu geben, der vor fünfzehn Jahren stattfand. Bevor Mascha und Tom jedoch den Fall erneut untersuchen können, wird nach einem weiteren Unwetter ein toter Körper entdeckt. Tom ist schockiert, da er die Verstorbene kennt …

Eine fesselnde Vielfalt an Figuren entfaltet sich im Ensemble des Personals dieses Romans, das bereits in der ersten Serie »Der Strand« mit akribischer Detailverliebtheit erschaffen wurde. Aufgrund der Handlung des Thrillers in den alten Bundesländern tragen viele Figuren das reiche Erbe ihrer DDR-Vergangenheit in sich. Diese Vergangenheit ist subtil dargestellt, verleiht den Menschen dieses Thrillers jedoch eine tiefe und komplexe Motivation, die die Leser in ihren Bann zieht. Die Figuren überzeugen durch ihre Authentizität und besondere Note, wodurch sie lebendig und greifbar wirken, ohne dass ihre Geschichte verurteilt wird. Neben charismatischen und liebenswerten Figuren gibt es auch solche, die vor Wut am liebsten entsorgt werden sollten …

Die Spannung und Dynamik entstehen üblicherweise nicht nur durch die äußerst kurzen Kapitel, sondern auch durch die vielschichtige Handlung. Kira, eine junge Kollegin, die mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Naivität alle nervt, ist immer noch nicht aufgetaucht. Neben den Ermittlungen zum Täter hat die Suche nach der Kollegin ebenso hohe Priorität.

Das lokale Ambiente hat zweifellos eine bedeutende Auswirkung. Die lebendigen Darstellungen wecken den Wunsch, den Wind an der Ostseeküste im Herbst oder Winter zu spüren. Aus eigener Erfahrung kann ich einen Aufenthalt auf dem Fischland während des Herbstes nur wärmstens empfehlen. Sich an der Ostsee-Küste den rauen Wind um die Ohren wehen zu lassen, hat schon was.

Die Wortwechsel und Gespräche von Karen Sanders wirken wie präzise abgestimmte Werkzeuge, die direkt aus der Realität gegriffen scheinen. Sie und lassen uns das Empfinden entwickeln, eine Verbindung zu diesen Menschen herzustellen und in ihr Inneres einzudringen.

Verpasst nicht die Gelegenheit, Teil dieser außergewöhnlichen Geschichte zu werden und in die tiefen Abgründe menschlicher Intrigen einzutauchen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2024

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