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Veröffentlicht am 28.04.2023

exotische Ermittler – Herbie und sein imaginärer Freund Julius

Blaues Blut
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Dieser Krimi von Ralf Kramp ist ein weiterer Fall für Herbie Feldmann und seinem Partner Julius in der Eifel. Es ist ein Eifelkrimi mit viel Humor und einigen kriminalistischen Rätseln.

Herbie wird gelegentlich ...

Dieser Krimi von Ralf Kramp ist ein weiterer Fall für Herbie Feldmann und seinem Partner Julius in der Eifel. Es ist ein Eifelkrimi mit viel Humor und einigen kriminalistischen Rätseln.

Herbie wird gelegentlich zu Rate gezogen, wenn kriminalistischer Spürsinn gefragt ist. Mit seinem Partner Julius, der allerdings ausschließlich in seiner Fantasie und gar nicht real existiert, hat Herbie schon so manchen Fall gelöst.

Alles beginnt mit seinem echten Kumpel Köbes, der Herbie die Chance geben möchte mit einem vollautomatisierten Kochautomaten „Thermomagic“ chinesischer Herstellung einen Batzen Geld zu verdienen. Herbie ist eh immer knapp bei Kasse, Geld kann er immer gebrauchen. Dieses Thermomix-ähnliche Gerät soll sogar dafür geeignet sein, Eierlikör zu machen. Köbes hat eine ganze Lkw-Ladung dieses Geräte „gefunden“. Kein Mensch kräht danach. Die können schnell vertickt und zu Geld gemacht werden. Kenner von Herbie Feldmann werden sofort sagen: Denkste!

Aber dies alles ist nur Nebenhandlung im Roman. In Wirklichkeit wird Herbie bei der Hausentrümpelung der Burg Fahrenfels von Graf Vico darum gebeten, Nachforschungen über den Unfalltod dessen Verlobten vor einem Jahr anzustellen. Herbie und sein imaginärer Freund Julius nehmen diese Herausforderung an.

Ralf Kramp hat mit diesem exotischen Ermittlerduo eine unterhaltsame Methode geschaffen, eine besondere Situationskomik und ungeahnte Dialoge zu schaffen. Nur wenig eingeweihte Wissen von Julius und so erlebt so mancher einen Herbie Feldmann mit vielen Selbstgesprächen.

Das Ensemble an skurrilen und lebenslustigen Figuren ist eine interessant zusammengewürfelte Mannschaft, die der für seinen Humor bekannte Autor für diesen Roman geschaffen hat. Eine Figur kann kaum schräger als die andere sein, obwohl alle ziemlich liebenswert sind.

Die mit viel Witz ausgestatteten Dialoge treiben den Leser mit einem Schmunzeln auf den Lippen von Seite zu Seite. Dabei wird man gleichzeitig in die verwunschene Bergwelt der Eifel mitgenommen. Wer am Ende des Romans noch nicht den Wunsch geäußert hat, dort einmal Urlaub machen zu wollen, sollte den Roman vielleicht ein zweites Mal lesen. Spaß macht er jedenfalls. Die kriminalistische Fährte ist denen der sogenannten Cosy-Crime-Romanen geschuldet.

»Blaues Blut« ist ein Ratekrimi mit viel Humor und Witz, der den Krimis einer Agatha Christie nicht unähnlich ist. Ein toller Roman zum Entspannen, Rätseln, Unterhalten und Eifel kennenlernen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 28.04.2023

Großer Bedarf an literarischer Medizin

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu
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Dieser Roman von Nina George ist der Nachfolgeroman Ihres Welterfolges »Das Lavendelzimmer«. Zehn Jahre haben die Leser darauf warten müssen, um zu erfahren, wie es Monsieur Perdu und seiner literarischen ...

Dieser Roman von Nina George ist der Nachfolgeroman Ihres Welterfolges »Das Lavendelzimmer«. Zehn Jahre haben die Leser darauf warten müssen, um zu erfahren, wie es Monsieur Perdu und seiner literarischen Apotheke zusammen mit Catherine im Süden Frankreichs geht. Nun ist es endlich soweit und die Sehnsucht der Leser kann gestillt werden.

Vier Jahre lebt Jean Perdu nun schon zusammen mit Catherine im Süden Frankreichs im Aigues-Mortes. Aus seinem Schiff war ein Restaurant geworden, welches von lieben Freunden betrieben wurde. Monsieur Perdu hat sich quasi in den Ruhestand begeben und genießt das Leben.

Die Feier zu seinem 60. Geburtstag wird von seinen Freunden im kleinsten Kreise organisiert. Die Geschenke für ihn sind umwerfend. Von Victoria, der Tochter seiner ersten großen Liebe Manon und seine Vielleicht-Tochter, erhält er ein Enkelchen und soll gleich dem Fast-Schwiegersohn Max beibringen, wie mein Vater ist.

Seine Freunde Samy und Salvo schenken ihm das Schiff zurück. Sie haben Pläne, ein Restaurant an Land In San Sebastián im Baskenland weiterzuführen. Doch Monsieur Perdu solle mit dem Schiff seine literarische Apotheke wieder neu eröffnen.

Für Jean Perdu muss ein Plan zur Rückkehr aus dem Ruhestand und zur Rückführung seines Schiffes nach Paris her. Auf dem Weg zurück lernt man zusammen mit der kleinen Schiffsbesatzung viele Menschen kennen, und Merline. Man erlebt einen Jean Perdu, der hin und hergerissen wird zwischen der modernen digitalen und der nostalgischen analogen Welt.

Von Nina George ist man sinnliche Romane voller Emotionen und hinreißenden Gedanken gewohnt. Man wird mit dem vorliegenden Roman diesbezüglich nicht enttäuscht. Sie ist sich treu geblieben und komponiert die Worte zu einem Gemälde, anstatt sie einfach nur aneinanderzureihen. Wer Zitate liebt, wird sehr viel Gelegenheit haben, in dieser Geschichte passende Passagen anzustreichen. Wortgewandt und gefühlsbetont erzählt Nina George eine Geschichte für alle Sinne der Leser. Ob es die Speisen sind, die auf die Teller geladen, oder die Landschaften und Straßenzüge sind, die gestreift werden. Man spürt alles, riecht alles und schmeckt alles.

Für die Spannung braucht es nicht viel, denn man möchte von Anfang an wissen, wie es mit den Figuren weitergeht. Wird die Liebe und Freundschaft bestand haben? Wird der Neustart in Paris gelingen? Wie wird die Reise dorthin? Nina George hat dafür gesorgt, dass beim Lesen genügend Fragen im Kopf entstehen, um an der Geschichte kleben zu bleiben. Witz und Humor wurde nicht vergessen, so mancher Situation, so manche wörtliche Rede zaubert ein Schmunzeln auf’s Gesicht.

Da der Protagonist Monsieur Perdu nach der Aufgabe seines Schiffes vor vier Jahren versucht hat, eine literarische Enzyklopädie mit dem Titel »Große Enzyklopädie der kleinen Gefühle – Handbuch für Buchhändlerinnen, Buchhändler und andere literarische Pharmazeuten« zu schreiben, sind die Zitate aus dieser Enzyklopädie am Ende eines jeden Kapitels ein besonderes Highlight. Dort werden Begriffe wie „Leselust“, „Bücherfreundschaften“, „Heimatsuchende“ und dergleichen mehr sinnlich erläutert. Nina George teilt auf diese Weise Gedanken zu den verschiedensten Themen menschlichen Zusammenlebens mit. Die Idee zu dieser Enzyklopädie und zur Darbietung der Zitate hat mir wunderbar gefallen. Regen gerade diese Sätze doch zum Nachdenken an.

Ein empfehlenswerter Roman voller Gefühl und Liebe und ein herzliches Dankeschön an Nina George, dass ich erfahren durfte, wie es Monsieur Perdu ergangen ist.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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Veröffentlicht am 17.04.2023

von einem Sommer, der alles verändert

Unser letzter Sommer am Fluss
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Dieser Roman von Jane Healey ist ein sanfter Roman über das Verhältnis von Mutter und Tochter, ihren Begehrlichkeiten und einigen Geheimnissen zwischen ihnen.

Die 17jährige Maeve war viele Jahre krank, ...

Dieser Roman von Jane Healey ist ein sanfter Roman über das Verhältnis von Mutter und Tochter, ihren Begehrlichkeiten und einigen Geheimnissen zwischen ihnen.

Die 17jährige Maeve war viele Jahre krank, musste Chemotherapien über sich ergehen lassen. Sie ist nun aber geheilt und nachhause zurückgekehrt. Ihre Mutter Ruth und Ihr Vater zogen nach über zwanzig Jahren in das prachtvolle Anwesen von Ruths Eltern zurück. Hier werden Erinnerungen wach und es finden Begegnungen statt.

Ruth erinnert sich an ihre Jugend 1973, als sie hier mit ihren Freundinnen alte Gemälde darstellten, welche quasi neu arrangiert auf Fotos gebannt wurden. Alle freuen sich an diesem Spiel und Ruth verliebt sich hier in ihren Jugendfreund Stuart.

24 Jahre später, zurück auf dem viktorianischen Anwesen, erhält die Familie Besuch von Stuart, dem alten Jugendfreund von Maeves Eltern. Er wird eingeladen, einige Zeit hier zu verbringen. Stuart ist Fotograf und hat ähnlich vor, wie damals, Motive alter Gemälde für die Linse zu arrangieren. Maeve ist fasziniert von diesem Menschen. Ihren Vater, Ruths Ehemann, hingegen scheint sie zu hassen.

Vielleicht sollten manche Geheimnisse nie ans Tageslicht kommen.

Der Schreibstil von Jane Healey ist leicht und locker. Der Roman ist als Sommerlektüre geeignet. Sowohl 1973 als auch in der Romangegenwart gibt es keine von außen hereinkommenden Konflikte. Die Figuren sind ganz mit sich und ihren Gedanken beschäftigt.

Seine Spannung bezieht der Roman aus einer Ahnung, die einen von Beginn an beschleicht. Die Beziehung von Ruth und ihrer Tochter Maeve zu Stuart wird lange Zeit völlig unabhängig voneinander erzählt. Als Leser scheint man etwas zu ahnen. Aber man wird von der Autorin noch nicht darin bestätigt. Man muss einfach abwarten bzw. weiterlesen, bis man die Auflösung erfährt und eine ziemlich große Überraschung erlebt. Das ist superb gemacht.

Erzählt wird jeweils aus beiden Perspektiven, der von Ruth und der von Maeve. Und in beiden Strängen dreht sich alles um Stuart. Die Leichtigkeit der Erzählung erinnerte mich an die Bücher des amerikanischen Schriftstellers Truman Capote. Als lockere Lektüre ist dieser Roman allemal zu empfehlen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

Veröffentlicht am 15.04.2023

ein Roman, der gleich mehrere Genres bedient

Freischwimmer
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Der Debütroman von Gabriel Herlich ist ein gefühlvoller Roman, der sich als Gegenwartsroman gleich in mehrere Schubladen stecken lässt. Leser lieben Schubladen für ihre Bücher.

Der Roman ist einerseits ...

Der Debütroman von Gabriel Herlich ist ein gefühlvoller Roman, der sich als Gegenwartsroman gleich in mehrere Schubladen stecken lässt. Leser lieben Schubladen für ihre Bücher.

Der Roman ist einerseits ein Roadmovie, denn die Protagonisten begeben sich auf eine abenteuerliche Reise. Gleichzeitig ist er aber auch ein Entwicklungsroman, denn ein Protagonist ist noch dabei, erwachsen zu werden, obwohl er es altersmäßig schon längst sein sollte. Schließlich und endlich ist es ein Liebesroman, weil die abenteuerliche Reise des männlichen Protagonisten wegen eines Mädchens erfolgt.

Der 21-jährige Donnie befindet sich mit seinen Freunden Alwin und Marlon im Freibad. Dort trifft er auf Meggie und ihre Freundin. Die beiden jungen Frauen werden von seinen Kumpels dumm angemacht. Das gefällt Donnie zwar nicht, aber er ergreift auch nicht Partei für die Frauen. Schließlich sind Marlon und Alwin seine einzigen beiden Freunde. Es sind Menschen, die zu ihm stehen.

Im Gegensatz zu seinem Vater, dem Galeristen, der ihn nicht nur nicht liebt, sondern ihn auch vor anderen Menschen bloßstellt. Donnie fühlt sich von seinem Vater im Stich gelassen.

Doch er hat mit dem Kumpels auch richtig Mist gebaut und muss in einem Altenheim Sozialstunden ableisten, weil sein Vater die Strafe nicht bezahlen will.

Im Altenheim trifft er auf Menschen, die offenbar in einer anderen Welt leben als er. Und er trifft Meggie wieder, mit der er sich schließlich auf eine Reise nach Frankreich begibt.

Gabriel Herlich hat einen hinreißender Roman über das Erwachsenwerden, die Freundschaft und die Liebe geschrieben, der ein ernstes Thema mit einer angenehmen Leichtigkeit aufnimmt, ohne dabei einen Zeigefinger zu erheben.

Die Geschichte mit ihren verschiedenen Strängen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart ist spannend verknüpft. Es sind immer wieder Momente, deren Ausgang man entgegenfiebert. Letztendlich möchte man auch wissen, was aus dem Nichtschwimmer Donnie wird, wenn der Roman schon »Freischwimmer« heißt.

Die Figuren sind fein gezeichnet und der Kontrast zwischen der sehr erwachsenen Meggie und dem noch unfertigen Donnie kann beim Leser ein Kribbeln hervorrufen.

Gabrielle Herlich führt alles zu einem guten Ende, wie es ein großer Roman verlangt. Aber das Happy End ist nicht unbedingt eines, was die Leser erwarten. Doch es ist eines, mit dem man sich nach dem Zuschlagen des Buches zurücklehnen kann und sagt: Wunderschön!

»Freischwimmer« ist ein Roman über die Suche nach den eigenen Wurzeln, nach dem Ich, nach dem, was Halt gibt im Leben, nach der Liebe und dem Glück, über die Suche nach Jakob.

Ich wünsche diesem Roman aus dem Hause Pendragon viele Leserinnen und Leser und sehr viel Aufmerksamkeit. Es ist ein sehr toller Roman und er hat mich begeistert.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

Veröffentlicht am 11.04.2023

Gelungener Auftakt der Colter-Shaw-Reihe

Der Todesspieler
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Dieser Thriller ist ein Pageturner erster Güte. Die Jagd nach einem durchgeknallten Täter zieht einen einfach in den Bann. Hier im Blog habe ich bereits Kurzgeschichten von Jeffery Deaver rezensiert. Mit ...

Dieser Thriller ist ein Pageturner erster Güte. Die Jagd nach einem durchgeknallten Täter zieht einen einfach in den Bann. Hier im Blog habe ich bereits Kurzgeschichten von Jeffery Deaver rezensiert. Mit denen habe ich den Thrillerautor kennengelernt.

»Der Todesspieler« ist der erste Roman aus der Reihe um Colter Shaw. Kein Wunder also, dass dieser Protagonist ausführlich vorgestellt wird und sein Leben einen umfassenden Teil der Geschichte einnimmt. Aber ich verspreche euch, Colters Leben ist nicht langweilig.

Colter Shaw verdient einen Teil seines Lebensunterhalts mit Belohnungen. Er ist ein Belohnungsjäger. Er sucht vermisste Personen für deren Auffinden irgendjemand eine Belohnung ausgesetzt hat. Colter besteht darauf, dass er kein Kopfgeld- oder Kautionsjäger ist. Er sucht vermisste Kinder genauso wie demente Senioren, aber auch aus dem Gefängnis entflohene Häftlinge.

In dem vorliegenden Thriller wird ein junges Mädchen vermisst. Der Vater hat $10000 ausgesetzt, vor lauter Verzweiflung und obwohl er sich das eigentlich nicht leisten kann.

Colter Shaw macht sich in seinem Wohnmobil auf dem Weg ins Silicon Valley, wo der Klient mit seiner Tochter lebt. Shaw gerät schnell in die Szene der Video- und Computerspiele, hinter der eine immense Industrie mit Finanzen steht.

Alles sieht so aus, als würde der Täter mit der Entführung des Mädchens ein Computerspiel namens „Der flüsternde Mann“ in die Realität umsetzen.

Abgesehen von dem kriminellen Plot, der mich beim Lesen stets weiter trieb, hat mir das vorgestellte Figurenensemble besonders gefallen. Jeffery Deaver ist ein Meister der Figuren. Sie treffen so zufällig aufeinander, wie sich Menschen auch in der realen Welt zufällig begegnen, kennenlernen und Beziehungen knüpfen.

Obwohl über den Protagonisten so viel erzählt wird, bleibt Colter Shaw, ein Mann der kaum lächelt, auch am Ende noch ein Geheimnis. Das fasziniert! Die Frauen, auf die er in dieser ersten Geschichte trifft, sind Frauen mit eigenen konfliktreichen Leben. Dennoch lassen sie sich auf die eine oder andere Art mit Colter Shaw ein. Das ist sympathisch, plausibel und unheimlich interessant gemacht! Hiervon muss man einfach mehr lesen wollen. Ich habe bereits einen weiteren Thriller der Colter-Shaw-Reihe, diesmal als amerikanisches Original, auf meinem SUB liegen.

Wenn das nicht schon Empfehlung genug ist, dann weiß ich nicht, wie ich diesen Autor und diesen Roman sonst noch empfehlen kann. Man muss einfach die Welt von Colter Shaw betreten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2023

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