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Veröffentlicht am 31.12.2022

Ein wunderbarer Kriminalroman nicht nur für Eifelaner

Totholz
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Bei diesem Krimi handelt es sich um einen hausgemachten Eifel-Krimi. Der Autor Ralf Kramp stammt aus der Eifel, lebt in der Eifel, arbeitet in der Eifel und schreibt Eifelkrimis. Der Leser wird dezent ...

Bei diesem Krimi handelt es sich um einen hausgemachten Eifel-Krimi. Der Autor Ralf Kramp stammt aus der Eifel, lebt in der Eifel, arbeitet in der Eifel und schreibt Eifelkrimis. Der Leser wird dezent in die Eigenheiten und die Schönheiten der Eifel und ihre Einwohner eingeführt. Ohne jeglichen Klamauk, dafür aber mit Charme und einer Portion Liebe, werden die Figuren beschrieben. Die Beschreibung der Eifel ist aber nicht der Kern des Romans, sondern der ist und bleibt ein Kriminalroman. Darum geht es:

Die ersten Kapitel führen scheinbar auf unterschiedliche Handlungsstränge ein, zwischen denen der Leser kaum einen Zusammenhang herstellen kann. Da ist zunächst der ominöse Deal, bei welchen Briefe und Urkunden aus dem Dritten Reich mit Unterschrift von Adolf Hitler und seinen engsten Mitarbeitern den Besitzer wechseln. Dann ist da die Sache mit den beiden Jungs aus dem Dorf, die den Hof ihrer Familie in die Medien bringen wollen, damit die Touristen kommen. Sie chauffieren eine angeblich verschwundene Kuh in geheimer Mission in die unglaublichsten Ecken der Eifel, wo sie dann zufällig von jemandem gesehen und fotografiert wird. Schließlich ist da die Amerikanerin, die einen Mühlenhof erworben hat, weil sie den Wurzeln ihrer Herkunft nach spüren wollte. Verlassen von ihrer Lebensgefährtin zergeht sie in tiefer Trauer.

Doch nun dauert es nicht mehr lange, bis die erste Leiche auftaucht, und Dr. Jo Frings der Meinung ist, ermitteln zu müssen. Von nun an lernt der Leser viele Eifelaner mit den unterschiedlichsten Eigenschaften kennen. Da wären einerseits die schlitzohigen Eifelaner, andererseits die dödeligen, aber auch die cleveren, die korrekten und gesetzestreuen, genau so wie die schrulligen, welche nicht in der heutigen Zeit zu leben scheinen. Es wird eifeler Platt gesprochen genauso wie Hochdeutsch. Humorvolle Dialoge geben Auskunft über das Miteinander der Figuren. Sie ziehen den Leser genauso in den Bann wie die Spannung und die Verwirrungen um den Täter. Anders, als in vielen seiner Kurzgeschichten schafft der Autor einen Roman ohne viel Klamauk und Komödie. Immer wieder bestechend sind die detaillierten Beschreibungen der Natur, die nur von jemandem stammen können, der sich viel auf Wiesen und Feldern und in Wäldern aufhält. Das Leben mit und in der Natur schafft die besten Möglichkeiten solch bildreiche Beschreibungen hiervon zu liefern.

Ein wunderbarer Kriminalroman nicht nur für Eifelaner, der sich in einem Stück gut weglesen lässt, weil er mit seinen bildreiche Naturbeschreibungen und zahlreichen Verwirrungen um den Tod einer Künstlerin den Leser in den Bann zieht.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

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Veröffentlicht am 31.12.2022

hervorragend spannende Unterhaltungslektüre

In Sachen Signora Brunetti
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In diesem Jahr hat der Sommer endlich Deutschland erreicht und ich dachte mir, bei diesen sommerlichen Temperaturen, müsste ein Donna- Leon-Roman zum Wetter passen. Und richtig warְ’s.

Es beginnt mit ...

In diesem Jahr hat der Sommer endlich Deutschland erreicht und ich dachte mir, bei diesen sommerlichen Temperaturen, müsste ein Donna- Leon-Roman zum Wetter passen. Und richtig warְ’s.

Es beginnt mit dem Klingeln des Telefons am frühen Morgen. Brunetti wird nicht zum ersten Mal aus dem Schlaf geholt, wenn es um dienstliche Belange geht. Doch diesmal scheint ihm der Grund des Anrufers aus dem Präsidium etwas übertrieben: Es ist ein Akt von Vandalismus verübt worden. In einem Reisebüro wurden die Scheiben eingeworfen. Doch bevor sich Commissario Brunetti über diese Lappalie von nächtlicher Ruhestörung aufregen kann, muss er feststellen, dass der Täter kein kleiner Ganove ist. Sein Kollege aus dem Präsidium eröffnet ihm, dass es sich um eine Täterin, und zwar Signora Brunetti, handelt. Der Kommissar ist sprachlos. Auch ahnt er noch nicht, dass dies zu einem ausgewachsenen Konflikt mit seiner Frau werden kann. Doch sie hat für sich handfeste Gründe, die im Sextourismus begründet sind, warum sie das Reisebüro attackiert hat. Brunetti denkt im ersten Moment an den Skandal, den seine Frau damit hervorrufen kann und an seine Karriere, die damit wohl bei der Polizei beendet sein wird. Doch dann passiert etwas ganz Unvorhergesehenes: Der Inhaber des Reisebüros wird tot aufgefunden, der Mörder hat einen Bekennerbrief hinterlassen, in dem er sich gegen Pädophilie ausspricht. Für Signora Brunetti wird es eng.

In gewohnter Weise führt die amerikanische Schriftstellerin Donna Leon, die in Italien lebt, die Leser durch ihr Venedig. Neben dem Rätsel, welches es aufzuklären hilft, gestaltet sie die Familiengeschichte von Paula und Guido Brunetti und deren Kinder in geschickter Weise weiter. Der venezianische Kosmos um die Questura spart auch nicht die Konflikte aus, die Brunetti mit seinen Kollegen auszufechten hat, als da wären Scarpa oder sein Chef Vice-Questore Patta. Hilfe bekommt Brunetti von seinem Partner Sergente Vianello und von der liebreizenden Sekretärin des Vice-Questore, Signorina Elettra. Die Welt des Commissarion Brgunetti ist eine in sich abgeschlossene Welt, in denen immer wieder neue Figuren einbrechen und Unruhe stiften.

Donna Leon schafft es hervorragend, eine spannende Unterhaltungslektüre kreieren, die man sehr gerne gelegentlich zum Ausgleich in die Hand nimmt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2015

Veröffentlicht am 31.12.2022

Anna-Maria Caspari spannt einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart

Ginsterhöhe
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Dies ist ein Roman, der in erschreckender und beklemmender Weise einen Bogen von der Vergangenheit zum Heute spannt und zeigt, wie wenig sich die Menschheit gewandelt wird und dass bei Kriegen immer nur ...

Dies ist ein Roman, der in erschreckender und beklemmender Weise einen Bogen von der Vergangenheit zum Heute spannt und zeigt, wie wenig sich die Menschheit gewandelt wird und dass bei Kriegen immer nur die Unschuldigen verlieren.

Die Handlung liegt zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg auf dem Lande im Dorf Wollseifen in der Eifel. Albert Lintermann kehr mit einer schlimmen Verletzung aus dem Krieg zurück. Seine Gesichtsverletzung scheint ihn zu einem Monster zu machen. Doch das Leben muss weitergehen und so beginnt er, den Hof wieder richtig zu bewirtschaften. Den Bauern geht es schlecht, weil die Politik kaum Anstalten machte, ihre Lage zu verbessern. Da agieren unterschiedliche Gruppen, um gegen die praktizierten Regeln vorzugehen. Unter anderem auch die aufkommenden NSDAP-Nazis mit ihren braunen SA-Truppen. Als schützende Hand geben sie vor, sich für die Bauern einzusetzen.

Das Leben in Wollseifen wird immer schwerer, die Ungerechtigkeit macht sich breit, nachdem die Nazis beschlossen haben, die Burg Vogelsang als Reichsausbildungsstätte und einen Flugplatz dort zu bauen. Zwar bringen die Bauarbeiter etwas Aufschwung für die Menschen der Region, aber mit Beginn des zweiten Weltkrieges wird das Dorf mit seinen Wehrmachtsstützpunkten ein beliebtes Bombardierungsziel.

Albert Lintermann mag in dieser Situation nicht einfach nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden. Er ist der Meinung, dass man sich nicht bedingungslos jeder neuen Strömung anschließen sollte.

»Ginsterhöhe« ist die Geschichte eines Menschen, seiner Familie, seines Dorfes und einer ganzen Region. Albert ist vom ersten Weltkrieg gezeichnet und dennoch muss er zusehen, wie Deutschland erneut auf einen Krieg zusteuert. Es spielen sich viele dramatische Szenen zwischen den im Charakter so unterschiedlichen Figuren ab, die manchmal beklemmend wirken. Natürlich gibt es die „Guten“, aber das Leid, welches sie durch engstirnige, vertrottelte Menschen erleiden müssen ist so immens, dass die Freundschaft zwischen Albert und dem italienischen Kneiper Simonis wohltuend wirkt.

Anna-Maria Caspari hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur damaligen Zeit zwar düster und manchmal beklemmend wirkt, aber immer wieder helle Momente hat.

Die Dorfgemeinschaft in der Eifel wird mikroskopisch auseinandergenommen. Die Figuren mit ihren Eigenschaften bilden den Mittelpunkt. Dabei bleibt es nicht nur bei Albert und seiner Familie. Die Leser lernen sehr viele andere Leute kennen. Detailreich werden deren Einstellungen und Handlungsweisen begründet, so dass man manche Handlungen zwar nicht gutheißen, aber doch verstehen kann.

Die Ausstattung dieses Buches bietet noch ein weiteres Vergnügen. Zunächst sind Zitate aus dem Aufzeichnungen und Tagebüchern des Lehrers von Wollseifen zwischen die Kapitel gestreut. Zeitlich passend zum Kontext belegen sie, was tatsächlich geschah bzw. dass das Geschehen wirklich so gewesen sein konnte, wie die Autorin es geschrieben hat.

Außerdem gibt es in der vorderen Umschlagklappe eine Landkarte rund um Wollseifen, welche einem Hilfe gibt, die einzelnen Ortschaften geografisch einzuordnen. In der hinteren Umschlagklappe sind einige Fotos der damaligen Zeit abgebildet. Das alles passt perfekt.

Der empfehlenswerte Roman »Ginsterhöhe« von Anna-Maria Caspari zeigt einen Spiegel der heutigen Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor fast einhundert Jahren spielt. Ein wunderschöner Roman, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

Veröffentlicht am 15.12.2022

Mönch mit Schwert und Streitaxt

Tankred: Weihrauch und Schwert
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»Tankred – Weihrauch und Schwert« von Michael Römling ist ein historischer Roman, der in Deutschland, genauer gesagt in der Eifel, des neunten Jahrhunderts spielt. Ich glaube, für mich war es das erste ...

»Tankred – Weihrauch und Schwert« von Michael Römling ist ein historischer Roman, der in Deutschland, genauer gesagt in der Eifel, des neunten Jahrhunderts spielt. Ich glaube, für mich war es das erste Mal, einen Roman aus der Eifel zu lesen, der kein Krimi im klassischen Sinne ist. Umso schöner war es, all die bekannten Ortsnamen zu lesen, die ich aus Krimis oder persönlichen Besuchen kenne.

Tankred ist seit zwölf Jahren ein Benedektinermönch mit einer eigenartigen Vergangenheit. Im Kloster war er zum Bibliothekar ausgebildet worden und er liebt die Schriften über alles. Aber zuvor war er der Sohn eines Adeligen intensiv in Waffen und Kampfkunst ausgebildet worden. Nun ist er also ein Mönch, der sehr wohl mit Schwert und Streitaxt umgehen kann.

Zu Beginn der Handlung wird das Kloster Prüm, in welchem Tankred lebt, von den Wikingern bedroht. Es sind Dänen, die als Nordmänner von den Engländern vertrieben wurden und jetzt plündernd durch Europa ziehen. Über Rhein und Maas sind Sie von Norden kommend in die Region der Eifel eingefallen.

Neben dieser großen Bedrohung, die sich als Bogen über den Roman spannt, gibt es weitere Konflikte im Bereich der Figuren. Bevor Tankred ins Kloster musste, hatte er sich um seine kleine Schwester gekümmert und dann für sie eine Heimstatt in Aachen gefunden. Auf der Flucht vor den Dänen quält ihn die Angst um die kleine Schwester, die bald eine junge Frau sein muss. Besonders schlimm wird es, als er in Aachen Informationen über ihren Verbleib erfährt.

Auffallend und reizend ist die Erzählweise in der ersten Person aus der Sicht von Tankred selbst, die sich mit Passagen in der dritten Person abwechselt.

Zunächst war es für mich angenehm, aus der mir bekannten Region zu lesen. Aber spannend fand ich die Konflikte zwischen den einzelnen Figuren. Neben Freunden lernt der Leser auch Feinde von Tankred kennen. Die Leser erfahren außerdem in der Erzählung von seiner Herkunft, wie es dazu kam, dass er im Kloster lebt, wie es zum Zwist mit seinem Vater kam und vieles mehr. Das sind alles interessante Aspekte.

Die Spannung hat Michael Römling gut zusammengeknüpft und reichlich mit historischem Wissen verbunden.

An manchen Stellen waren zu viele erzählende Passagen enthalten. Wären daraus einzelnen Szenen mit Dialogen gemacht worden, hätte die Geschichte noch viel lebendiger wirken können. Aber glücklicherweise hat der Autor trotzdem noch viele Szenen lebendig mit Schlachten und Zweikämpfen gestaltet. Und der Humor mancher Weggefährten ist auch nicht zu übersehen. Wenn Tankred etwas zurückhaltend ist, braucht er halt einen Anstupser.

Alles in allem ist »Tankred – Weihrauch und Schwert« ein unterhaltsamer, historischer Roman, der lange Zeit vor dem „üblichen“ Mittelalter spielt und seine Ähnlichkeit mit Serien wie „Vikings“, „The Last Kingdom“ (Uthred-Saga), „Barbaren“ oder „Die Chroniken von Bernicia“ nicht verbergen kann oder sich dahinter gar verstecken muss.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2022

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Veröffentlicht am 08.12.2022

Eine bewegende Geschichte

Ich glaube nicht, dass Ihr diese Zeilen erhalten werdet
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Mit dem Roman hat sich Klaus Heimann ein ganz besonderes Herzensprojekt vorgenommen. Der mit seiner Figur des Essener Kommissars Sigi Siebert bekanntgewordene Krimiautor hat schon immer mit besonderen ...

Mit dem Roman hat sich Klaus Heimann ein ganz besonderes Herzensprojekt vorgenommen. Der mit seiner Figur des Essener Kommissars Sigi Siebert bekanntgewordene Krimiautor hat schon immer mit besonderen Themen geliebäugelt. Nach dem Afrika-Krimi »Serengeti wird sterben« erschien dann der vorliegende Roman, in welchem der Autor die Geschichte seiner Großeltern und seines Vaters erzählt, der seine Jugend im Zweiten Weltkrieg und als Kriegsgefangener erlebte.

Anlass, die Geschichte seines Vaters zu erzählen, waren Briefe und Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit. Klaus Heimann hat aus diesen Bruchstücken einen historischen Roman gemacht und die echten Fakten in eine fiktionale Geschichte eingebettet, die dem Titel „Roman“ durchaus gerecht wird und über eine herkömmliche Biografie hinausgeht.

Für den Aufbau hat sich Klaus Heimann eine Struktur in zwei Strängen ausgewählt, deren Kapitel zudem mit Zitaten des damaligen Schriftwechsels garniert sind.

In der obersten Ebene erleben wir den Schriftsteller selbst, wie er bei einer Haushaltsauflösung auf die Briefe zwischen seinem Vater Franz und seinem Großvater Hermann stößt.

Immer wieder entdeckt er Dokumente und Fotos, die ihn festhalten, nachdenklich machen und nie wieder loslassen.

Der zweite Strang ist in der Vergangenheit angelegt und beschreibt die Erlebnisse von Franz und seinen Eltern. Dieser Teil kommt dem Leser fast ebenfalls wie zwei Stränge vor, denn die Kapitel von Franz sind genauso eigenständig wie die seiner Eltern. Sie spielen aber parallel zur selben Zeit. Während wir als Leser sehen, wie es Franz geht, erfahren wir in der in den Gegenkapiteln, wie die Eltern um ihren Sohn bangen, der mit 17 Jahren noch während der Schulzeit aus ihren Armen gerissen wurde.

Klaus Heimann erzählt uns die Geschichte in wohlgewählten Worten und sorgsam aneinander gefügten Sätzen. Sie sind gespickt mit den nachdenklichen Gedanken zum Krieg, zum Sinn eines Krieges, der nichts als Unheil über unschuldige Menschen bringt. Hiermit zieht der Autor unwillkürlich eine Parallele zum Krieg in der Ukraine, stets verbunden mit der Frage, ob Gott das wirklich alles gewollt hat.

Die Spannung zieht der Roman aus der Frage, wie und wann der Vater aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kommt und wie es ihm nach dem Kriege geht. Ob er wohl seine Träume noch wird wahr machen können?

»Ich glaube nicht, dass Ihr diese Zeilen erhalten werdet« ist ein berührender und emotionaler Roman über Menschen, die von einem Verbrecher in einen Krieg hineingezogen wurden und trotzdem nicht aufgeben und weitermachen. Der Autor selbst ist Beweis dafür.

Eine bewegende Geschichte und ein sehr empfehlenswerter Roman.

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