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Veröffentlicht am 05.05.2021

immer für eine Überraschung gut

Betty
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Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. ...

Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. Elisabeth hat in eine snobistische Familie eingeheiratet. Damals lebte das Oberhaupt, der General, noch. Wir treffen Elisabeth, die gerne als Betty von sich spricht, in einem kleinen Restaurant. John, der englische Doktor, spricht sie an und lädt sie zu einem Getränk ein. Betty lässt sich verführen. Sie schlägt keinen Drink aus. Im Gegenteil: Sie scheint mehr als der Engländer zu trinken. Sie blamiert sich im Lokal, weil sie sternhagelvoll ist. Eine Frau, ebenfalls Gast hier, nimmt sie mit in ihr Hotel und unter ihre Fittische.

Aus dieser Begegnung entwickelt sich die Geschichte von Betty, die vor zwei Tagen ihre Familie verlassen hat und auf der Suche nach einem eigenen Leben ist.

Der Roman wurde 1960 veröffentlicht. Dennoch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Wenn von Telefon gesprochen wird, kann der Leser blitzartig auch das Bild eines Smartphones vor Augen haben. Es war wohl vielleicht mein Wissen um diesen Roman, wenn mir die Geschichte ein Gefühl der 1950er Jahre verlieh. Wie sollte es anders sein, als würde der Pariser Charme einer Zeit von Simon Signoret oder Serge Gainsbourg aus ihm sprechen.

Auch wenn es kein Kriminalroman mit Maigret ist, sollte sich kein Leser täuschen lassen und am Anfang schon glauben er wisse, worauf das alles hin ausliefe.

Georges Simenon ist immer für eine Überraschung gut. Deswegen und vor allem wegen des ruhigen Stils ist der Roman sehr gut zu empfehlen, nicht nur für Paris-Liebhaber.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 29.04.2021

spannender und großartiger Kriminalroman

Der letzte Grund
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Diese Kriminalroman von Volker Pesch ist ein Roman mit interessanten Schauplätzen, einer spannenden Handlung und einem gut verarbeiteten Thema aus der deutschen Vergangenheit.

Wenige Tage vor dem Beginn ...

Diese Kriminalroman von Volker Pesch ist ein Roman mit interessanten Schauplätzen, einer spannenden Handlung und einem gut verarbeiteten Thema aus der deutschen Vergangenheit.

Wenige Tage vor dem Beginn der Hanse-Sail in Rostock ist der Zweimaster „Sansibar“ im Hafen versunken. Wie sich herausstellt, gibt es eine männliche Leiche an Bord. Doch es sind aufwendige Taucherarbeiten notwendig, um die Leiche und das Schiff zu bergen. Die Kommissarin Doro Weskamp beginnt mit ihrem Team zu ermitteln. Ihre Wege führen sie zu Schiffseignern, Sponsoren aus der Windkraftbranche und zu Flüchtlingen aus dem Dritten Reich. Dabei geht es auch um das Thema der Kriegsenkel.

Da ich selbst viele Jahre in Rostock gelebt habe und noch über einige Kontakte dorthin verfüge, hat mir das Wiedersehen mit der Hafenstadt an der Ostsee mittels dieses Kriminalromans besondere Freude bereitet. Aber es war nicht das Lokalkolorit, das mich gefesselt hatte. Dafür waren eher das Aufdecken dunkler Geheimnisse und das des Themas Kriegsenkel verantwortlich.

Jedem Leser sei angeraten, das erste Kapitel, welches verwirrend ist, zu überstehen. (Nicht zu überlesen, denn es ist wichtig! Aber auf keinen Fall das Buch aus der Hand zu legen.) Ich verspreche, im zweiten Kapitel geht es dann richtig los. Auch wenn Clemens zwar nicht seine Träume los wird, nimmt der Segler aber im dritten Kapitel schließlich seine Fahrt auf.

Volker Pesch schlägt einen weiten Bogen, angefangen von dem Toten auf dem gesunkenen Schiff über die Reichsbürger, einem rechtsradikalen Polizisten bis hin zu Kunstgemälden, die einst den jüdischen Bürgern gestohlen und bei Gurlitt versteckt worden waren.

Die Figuren, allen voran Doro Weskamp und der Polizeiseelsorger Tom Schroeder, sind von Volker Pesch sehr spannend, sympathisch und so vertraulich angelegt, dass man als Leser meint, sie tatsächlich schon immer persönlich zu kennen. Mich umfing bei ihrem ersten Auftreten in der Handlung eine wohlige Wärme.

Diesen Kriminalroman kann ich mir gut als den Auftakt einer neuen Reihe vorstellen. Einen entsprechenden Cliffhanger hat Volker Pesch bereits platziert.

»Der letzte Grund» ist ein spannender und großartiger Kriminalroman, einer mit sehr interessanten Themen und sympathischen Figuren. Den Namen des Autors sollte man sich merken.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 20.04.2021

eine interessante Ermittlerin namens Bette Hansen

Hinterland
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Mit diesem Thriller lernte ich die deutsche Autorin Nora Luttmer kennen. Bislang spielten ihre Romane immer im vietnamesischen Umfeld. Dieses Mal hat sie sich einer beschaulichen Gegend im Hamburger Vorland ...

Mit diesem Thriller lernte ich die deutsche Autorin Nora Luttmer kennen. Bislang spielten ihre Romane immer im vietnamesischen Umfeld. Dieses Mal hat sie sich einer beschaulichen Gegend im Hamburger Vorland angenommen und präsentiert die Dove-Elbe als eine mörderische Idylle.

Unteressant ist die Krankheit der Ermittlerin Bette Hansen, die mit 53 Jahren wegen dieser Krankheit aus dem Polizeidienst in den vorzeitigen Ruhestand abgeschoben wurde. Sie hat die Schlafkrankheit und ist bei einem Verhör einfach aus dem Stand heraus eingeschlafen. Damit war sie bei der Polizei nicht mehr tragbar, denn solche Vorfälle könnten auch in anderen Situationen passieren. Das könnte schlimmer enden.

In ihrem letzten Fall, der nicht gelöst wurde, spielt ein besonderes Kreuz eine Rolle. Doch nun, in ihrem beschaulichen und dörflichen Stadtteil Ochsenwerder an der Elbe, stößt sie auf einen Holzscheit mit einem ebensolchen Kreuz. Zwar mag sie nicht an Zufall glauben, aber eigentlich kann es nichts Besonderes bedeuten. Doch es ereignen sich weitere Dinge und Bette gerät in Gefahr. Der Mann, der jetzt ihren Posten als Leiter der Kriminalabteilung innehat, tut die Sache ab und denkt, Bette will sich nur aufspielen wegen ihrer Langeweile im Ruhestand.

So beginnt Bette mit Freunden zu ermitteln. Mit von der Partie sind auch ehemalige Kolleginnen und Kollegen. Schon bald gehen sie davon aus, das Bette von einem mann gestalkt und bedroht wird. Bemerkenswert und interessant ist die Narkolepsie, mit der Nora Luttmer dieser Figur eine besondere Eigenschaft verleiht.

Die Freunde sind alle sympathisch und hilfsbereit, bis auf den neuen Chef. Aber das sorgt natürlich für Konfliktstoff.

Sehr gut gefallen hat mir die Einführung des Täters. Schon frühzeitig lernt man ihn über Kapitel aus seiner Perspektive und mit seinen Gedanken kennen. Während es sich bei Bette darum dreht, wer überhaupt der Täter ist, dreht es sich beim Leser darum, ob und wie Bette ihn stellt. Denn er treibt ein sehr perfides Psychospielchen mit ihr (und mit den Lesern). Und die beschauliche Landschaft, die wunderbar von Nora Luttmer in bildreicher Sprache dargestellt wurde, verliert so einiges von ihrer Sanftheit.

Ein Top-Roman, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Die Fortsetzung dieser Reihe könnte vielversprechend sein.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 08.04.2021

Mechthild Borrmann komprimiert ein ganzes Leben auf wundersame Weise

Glück hat einen langsamen Takt
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Dieses Buch von Mechthild Borrmann ist ein Geschichtenband mit vielen kleinen Geschichten über die Menschen und ihr Leben. Die Amerikaner sprechen hierbei von einem Buch mit short stories, welches keinem ...

Dieses Buch von Mechthild Borrmann ist ein Geschichtenband mit vielen kleinen Geschichten über die Menschen und ihr Leben. Die Amerikaner sprechen hierbei von einem Buch mit short stories, welches keinem Schriftsteller im Portfolio fehlt. Deutsche Autorinnen, wie hier Mechthild Borrmann, haben oft auch solche Bücher im Programm. Leider kommen diese bei den Lesern nicht an. Dabei sind sie hervorragende, kurzweilige Lektüre mit Unterhaltungswert.

Da gibt es zum Beispiel die Geschichte mit der Mutter, die sich so für ihre beiden Kinder engagiert. Sie hat alles gegeben, um dem Sohn ein Fahrrad zu ermöglichen, hat dieses Fahrrad nächtelang aufbereitet und geputzt, das ist nur so strahlt. Doch der Junge hat kein Dankeswort und beklagt sich, dass es kein neues Fahrrad ist. Irgendwann danach steht sie am Fenster und schaut hinaus in den Park einer Klinik.

Oder etwa die folgende Geschichte. Es ist die große Freude über das eigene Haus mit Garten, welches den Blick auf die Rapsfelder freigibt. Doch der Mann holt jedes Jahr zu Weihnachten ein Nadelbaum in einem Topf, um ihn nach Weihnachten in den Garten zu pflanzen. So schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Noch nach Jahrzehnten bittet ihn die Frau, doch endlich mal keinen Baum einzupflanzen. Sie würden ja mittlerweile im Wald leben und könnten nicht mehr aus dem Fenster schauen. Doch der Mann hält es mittlerweile für eine schöne Tradition, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Doch schließlich kann sie endlich konkrete Pläne zur Rodung der Bäume im Garten und zum Blick über die Rapsfelder machen. Gleichzeitig greift sie zum Telefon und ruft den Notdienst.

Neben diesen beiden Geschichten, die ich versucht habe, zusammenzufassen, gibt es viele weitere Lebensgeschichten, die in einer sanften Sprache verpackt ins Herz gehen. Ob es die Geschichte einer jüdischen Familie ist oder die einer jungen Ukrainin, die hofft, ihr Glück als Au-Pair-Mädchen in Westeuropa machen zu können. Es sind nachdenklich machende Geschichten über die Liebe, das Leben, die Trauer und den Hass. Verbrechen werden von Mechthild Borrmann nicht ausgeklammert. In so mancher Geschichte wird der melancholische Unterton, der einen beim Lesen berührt, zu einem Glücksmoment umgewandelt. Das geschieht meisterhaft und manchmal auch humorvoll.

Die Geschichten sind zwar oft nur sehr kurz, trotzdem beschreiben sie manchmal ein ganzes Leben eines Menschen. Der Stil von Mechthild Borrmann erinnert mich den des Hamburger Schriftsteller Siegfried Lenz. Er ist ruhig, unspektakulär, manchmal humorvoll und immer realistisch. Ich hatte das Gefühl, dass nahezu jede Geschichte etwas aus meinem eigenen Leben enthält. Irgendetwas schlug immer in meiner Erinnerung an. Man sollte sich beim Lesen Zeit lassen, was wegen der Abgeschlossenheit der Geschichten problemlos machbar ist. Nicht sofort mit der nächsten Geschichte das Thema wechseln, sondern gerne nachklingen lassen.

In diesem Sinne ist »Glück hat einen langsamen Takt« sehr gut für Zwischendurch geeignet. Die Themenvielfalt bietet ein Spektrum für eine große Leserschaft. Deshalb kann es auch gut verschenkt werden, denn es ist für jeden etwas dabei. Genießen und über das Leben nachdenken wäre meine Empfehlung für dieses wunderschöne Buch.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 08.04.2021

Schrullen und Rätsel bei Miriam Rademacher

Die Farben des Mörders
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Mit diesem Krimi von Miriam Rademacher begibt sich der Leser auf eine amüsante Reise nach England. Wie alle Kriminalromane dieser Reihe ermitteln Colin, Norma und der Pastor Jasper in einem kleinen und ...

Mit diesem Krimi von Miriam Rademacher begibt sich der Leser auf eine amüsante Reise nach England. Wie alle Kriminalromane dieser Reihe ermitteln Colin, Norma und der Pastor Jasper in einem kleinen und beschaulichen Örtchen, welches eine gewisse Ähnlichkeit zu Midsummer von Inspector Barnaby aufweist.

Im Altenheim ist zunächst eine Bewohnerin verschwunden. Doch die nächste Leiche ist nicht weit. Bei der Suche nach der verschwundenen Bewohnerin wird wieder eine weibliche Leiche entdeckt. Die immer auf Streit und Neckereien bedachten Freunde beginnen zu ermitteln. Wie schon bei »Der Tanz des Mörders« ist es Colin, der die Leichen entdeckt und seine Freunde ihn damit aufziehen, irgendetwas mit diesen Leichen zu tun zu haben. Warum sollte er sonst so viele Leichen ausgraben?

Hier kann man also schon ahnen, in welche Richtung der von Humor geprägte Roman geht. Miriam Rademacher schafft es hervorragend, einen lockeren, und doch voller Spannung enthaltenen Krimi zu präsentieren. Das Geplänkel der Clique, ihre dummen Sprüche und das Techtelmechtel mit Luci, deren Brüder alles Verbrecher sind, macht einfach gute Laune beim Lesen.

Jede Figur hat ihre Schrullen und geben allesamt Rätsel auf. Hinter jeder Figur, abgesehen von den Protagonisten dieses Cosy-Crime kann sich der Täter verbergen, auch wenn er oder sie noch so seriös daherkommen.

Ich wünsche jedem, der ein Roman dieser Reihe, die durch ihre flippigen Cover besonders auffällt, ein beschauliches Lesevergnügen. Miss Marple und Pater Brown lassen grüßen!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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