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Veröffentlicht am 01.04.2021

»Mord in Venedig« mit viel Lokalkolorit

Mord in Venedig
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Auf diesen Roman hatte mich der Klappentext neugierig gemacht. Tatortfotografen als Protagonistin und Ermittlerin ist schon etwas Besonderes. Im Hintergrund dazu die Kulisse von Venedig. Das klang und ...

Auf diesen Roman hatte mich der Klappentext neugierig gemacht. Tatortfotografen als Protagonistin und Ermittlerin ist schon etwas Besonderes. Im Hintergrund dazu die Kulisse von Venedig. Das klang und klingt vielversprechend.

Die in Berlin lebende Cat ist alleinerziehend von 14 jährigen Zwillingen. Sie arbeitet für die Polizei und hat als Fotografin besondere Ermittlungserfolge, weil sie ein besonderes Auge für Fotos hat. Sie sieht etwas auf ihren Fotos, was andere Leute nicht sehen. Und sie hat eine besondere Interpretation dessen, was sie auf ihren Fotos sieht. Ihr Vater, der bei Europol arbeitet, hat sie zur Berliner Polizei und in diesem Roman an die Polizei von Venedig vermittelt. Beziehungen sind halt das halbe Leben. Denn hier in Venedig wurde eine berühmte alternde Filmdiva tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Doch Cat ist mit der Vermittlung nach Venedig gar nicht glücklich, denn schließlich will sie hier mit ihren pubertierenden Kindern Urlaub machen. Aber der Vater duldet keinen Widerspruch. Doch auch die Kommissarin Conti aus Venedig ist wenig begeistert von der Hilfe durch die deutsche Kollegin.

Soweit so gut. Die Leser können sich auf ganz viel Venedig einstellen. Detailreich werden viele herausragende Punkte der Lagunenstadt beschrieben. Zwischen den Terminen bei der Polizei findet die Protagonistin immer wieder eine Gelegenheit, mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. Das wird dann ausgewalzt und gibt den venezianischen Flair. Daneben wird er sehr viele Möglichkeiten der Fotobearbeitung beschrieben. Passt zwar zu einer Tatortfotografin, aber als Leser des Romans möchte ich keinesfalls Fotograf werden.

Bei all der Liebe zum Detail war mir persönlich die Spannung etwas auf der Strecke geblieben. Als Liebhaber von Venedig und oder Italien fasziniert der Roman mit den Informationen zu dieser Stadt. Als Liebhaber von Krimis lässt mich der Roman etwas im Stich. Zumindest eine lange Zeit.

Erst die Hinzunahme der Flüchtlingsthematik gibt dem Ganzen dann etwas mehr Schwung. Es werden Möglichkeiten aufgebaut, die Morde aus anderer Sicht zu sehen. Und damit fängt das kriminelle Moment viel besser an zu drehen.

Empfehlenswert und informativ ist der Roman allemal. Auch unterhaltsam, aber als spannenden Krimi sollte man ihn nicht unbedingt erwarten.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 30.03.2021

Am Rande des Highways

Frostmond
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Der Roman von Frauke Buchholz führt die Leser in das rauhe Kanada und stellt sperrige und wenig liebenswürdige Protagonisten vor. Dies ist ein herausragendes Merkmal, das sehr gefallen hat.

Am Rande des ...

Der Roman von Frauke Buchholz führt die Leser in das rauhe Kanada und stellt sperrige und wenig liebenswürdige Protagonisten vor. Dies ist ein herausragendes Merkmal, das sehr gefallen hat.

Am Rande des Highways wird ein totes Mädchen gefunden, die aus einem Reservat stammt. Sie war 15 Jahre alt und eine Cree. Kaum jemand mag die Zahlen verschwundener und toter Mädchen mit indigener Herkunft nennen, die in den letzten Jahren entlang des Transcanada unsichtbar wurden. Betroffen waren sehr viele Fälle, die nie aufgeklärt wurden, deren Täter nie inhaftiert oder gar verurteilt wurden. Die Polizei im französischsprachigen Teil setzt den Ermittler LeRoux dem nur englisch sprechenden Profiler Ghana zur Seite. Beide lernen sich von ihrer ersten Begegnung an intensiv zu hassen. Sie wollen eigentlich nur ihr eigenes Ding machen und nichts miteinander zu tun haben.

Frauke Buchholz, die in Aachen lebt und sich mit Kanada-Themen befasste, bringt sehr viele Informationen über das Leben in Kanada und den Reservaten mittels eines spannenden Krimis unter. Die Menschen der indigenen Völker stehen permanent im Zwiespalt mit den Vorgehensweisen ihrer Völker und dem modernen Leben der heutigen Gesellschaft. Deshalb geben Reservate auch heute noch in vielen Fällen ein Bild von Obdachlosigkeit, Armut, Alkoholismus und Misswirtschaft ab. All dies und das Verhalten der anderen Kanadier zu den Ureinwohnern wird detailliert und plastisch geschildert im Rahmen dieser kriminellen Geschichte.

Schonungslos beschreibt Frauke Buchholz die Charaktere der Figuren LeRoux und Garner. Ihre Kapitel sind jeweils mit ihren Namen übertitetelt. Aber auch in manchen Kapiteln wird der Charakter des Cree Leo, ein Cousin des 15-jährigen Mädchens, dargestellt.

Das Verhalten der Männer wird geprägt durch deren Ansichten, wenn z.b die Ermittlungsarbeit in einem Bordell zum Erliegen kommt, wenn sich der Cop sich durch sexuelle Handlungen bestechen lässt.

Die Geschichte wird aus der Sicht der beiden Polizisten erzählt, die auch privat nicht gerade ein leichtes Leben haben. Eine weitere Sichtweise und damit offenbar eine ganz andere Geschichte scheint der Cree Leo zu erzählen. In seinen Kapiteln erfährt der Leser, wie sich vielleicht tatsächlich abgespielt haben haben könnte.

»Frostmond« von Frauke Buchholz ist spannend und informativ. Er präsentiert den Leser mit einem Milieu, was besonders für die deutschen Leserinnen und Lesern interessant und neu sein könnte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 21.03.2021

Lebensstationen rund um die Hauptfigur

Als wär das Leben so
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Der Roman von Rainer Moritz ist ein stiller Roman, der das Leben von Lisa schildert. Ohne Spannungselemente zu vermissen, kann man Lisa auf ihrem Weg durchs Leben begleiten und sich ihren Höhen und Tiefen ...

Der Roman von Rainer Moritz ist ein stiller Roman, der das Leben von Lisa schildert. Ohne Spannungselemente zu vermissen, kann man Lisa auf ihrem Weg durchs Leben begleiten und sich ihren Höhen und Tiefen anpassen, sie zumindest sehr gut nachvollziehen.

Die Darbietung der Lebensstationen rund um die Hauptfigur ist besonders gestaltet und lässt das Interesse wachwerden. Rainer Moritz erzählt die Geschichte aus der Sicht einer dritten Person. Wobei es aber manchmal den Anschein hat, als wären es die Gedanken der Protagonistin. Ich denke, dieser Effekt ist von Rainer Moritz gewollt. Als Leser ist man sehr nah dran.

In welchem Lebensabschnitt sich Lisa und damit der Leser gerade befindet, erfährt er anhand von Lisas Alter. Stets am Kapitelanfang – nicht bei jedem, aber bei wesentlichem Wechsel – wird kurz das Alter von Lisa erwähnt. Damit weiß man, wann sie auf die Vierzig zugeht und so weiter. So begleiten wir Lisa von der Kindheit bis hin zu …

Wenn ich eingangs auch von Spannung geschrieben habe, so baute Rainer Moritz diese mit kleinen textlichen Beilagen ein, in denen die Protagonistin sich bemüht, ihren Eltern einen Brief zu schreiben. Ist es ein Abschiedsbrief? Ist es eine Entschuldigung nach einem Zerwürfnis? Es sind stets Anfänge, die verworfen werden und aus Lisas Gedanken erfahren wir warum. Das Kopfkino fängt sehr zu laufen an, man spekuliert um es sich bei dem Brief handeln könnte. Was Lisa den Eltern noch mitteilen möchte.

Das Ergebnis gibt es erst am Schluss des Romans. Es befriedigt für das Verständnis des Romans, weniger für das Leben der Figur Lisa.

Ein ruhiger Roman, der einem Freude und Melancholie bereitet. Eine tolle Lebensgeschichte, die ich sehr gerne empfehle.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 19.03.2021

Lisa Jackson thrillert und crimet par Excelence

Paranoid
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Im rasanten Kriminalroman von Lisa Jackson geht es um ein tödliches Spiel von Rache und Schuld.

Alles begann vor zwanzig Jahren. Einige Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen der Highschool hatten ...

Im rasanten Kriminalroman von Lisa Jackson geht es um ein tödliches Spiel von Rache und Schuld.

Alles begann vor zwanzig Jahren. Einige Schülerinnen und Schüler der höheren Klassen der Highschool hatten sich zu einem Ballerspiel in der alten Fischfabrik verabredet. Sie wollten mit Softair-Waffen aufeinander schießen. Es sollte eine Mordsgaudi werden. Doch es kam anders! Luke wurde von einer echten Waffe angeschossen und verstarb auf dem Weg ins Hospital. Er war an der Highschool der Schwarm aller Mädchen. Außer Rachel, denn sie war seine Halbschwester. Zudem wurde sie im ersten Moment verdächtigt, den tödlichen Schuss auf ihrem Bruder abgegeben zu haben. Damals und teils auch heute glaubte sie es selbst. Dann wurde sie von mehreren Zeugen und Schulkameradinnen entlastet. Das Mündungsfeuer kam nicht von ihr, sondern von irgendwo hinter ihr.

Heute, auf den Tag genau zwanzig Jahre später, ist eine der Zeuginnen ermordet worden. Rachel bekommt ominöse SMS. Ihr Ex-Mann, ein Cop, nimmt sich der Sache an. Nicht zuletzt, um seine beiden Kinder und Rachel zu beschützen. Doch dann wird auch die zweite Zeugin und Mitschülerin von damals ermordet.

Lisa Jackson hat mit »Paranoid« einen unheimlich rasanten Krimi geschrieben, der einem Thriller, gar einem Psychothriller, in nichts nachsteht. Im Vordergrund stehen nicht unbedingt die Ermittlungen der Polizei, sondern das Geschehen um Rachel, die SMS-Nachrichten, die Attacken gegen sie, wie ihr glauben machen, sie hätte doch Schuld an dem damaligen Tod ihres Bruders.

Lisa Jackson hat die Stränge professionell so zerpflückt und auf Spannung und Cliffhanger getrimmt, dass man sich dem kaum entziehen kann. Jedes Detail scheint wichtig und von Szene zu Szene hat sich über einen möglichen Ausgang des Ganzen geändert.

Sehr gefallen haben mir auch in die Figuren. Alle ihre Ecken und Kanten. Das beinhaltet auch , dass man über Rachel erfährt, dass sie einen Ex Mann. Dennoch sind viele der Figuren, einschließlich des Ex-Mannes, einfach sympathisch. Selbst die pubertären Kinder von Rachel.

Für mich war dies der erste Roman von Lisa Jackson. Jetzt wird sie auf die Liste meiner Lieblingsautorinnen kommen. Ich habe echt keine Ahnung, warum ich nicht schon viel früher auf sie gestoßen war. Dieser Roman ist eine Top-Empfehlung wert.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 12.03.2021

Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart

Die Farbe des Nordwinds
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Für diesen Roman hat sich Klara Jahn, auch unter bürgerlichen Namen als Julia Kröhn bekannt, in ein umfassendes Thema eingearbeitet und präsentiert es in einem literarischen Roman. Es geht um Umweltschutz, ...

Für diesen Roman hat sich Klara Jahn, auch unter bürgerlichen Namen als Julia Kröhn bekannt, in ein umfassendes Thema eingearbeitet und präsentiert es in einem literarischen Roman. Es geht um Umweltschutz, Küstenschutz, Vogelschutz, sowie das Leben auf den Halligen. Und es geht vor allem um Menschen und ihre Freundschaften.

Nach zwanzig Jahren kehrt Ellen, die hier kurze Zeit im Alter von 16 Jahren mit ihrer Mutter gelebt hat, auf die Halligen zurück. Damals hatte sie sich in diese vom Meer umspülten Flecken Erde verliebt. Sie hatte in all den Jahren ein mal mehr, mal weniger turbulentes Leben und hofft, hier als Halliglehrerin nun auch in ihrem Leben anzukommen. Doch nicht jeder auf der Hallig ist begeistert von ihrer Rückkehr. Besonders ihre damalige Stiefschwester Liske ist spröde und abweisend.

Ellen will sich nicht einschüchtern lassen und zieht Kraft aus der von ihr geliebten Landschaft.

Begleitet wird die Geschichte in der Gegenwart von den historischen Ereignissen der Jahrhundertflut um 1825. Eine Chronik von damals bildet die Grundlage eines kleinen Theaterstücks, welches Ellen mit den Schülerinnen und Schülern anlässlich des bevorstehenden Halligfestes einstudiert.

Dieser Teil ist, wie ich finde, hervorragend integriert. Jedes Kapitel aus der Gegenwart beinhaltet einen Abschnitt „Damals“, der sich mit den historischen Ereignissen befasst. Dennoch ist auch dieser Teil fiktiv aufgearbeitet, um ihn spannend zu gestalten. So erhält der Leser eine zweite Geschichte innerhalb des Romans. Wer möchte, kann auch alle „Damals“-Kapitel am Stück lesen. Die Querverbindungen zur Gegenwart können trotzdem gezogen werden, um den Zusammenhang zu verstehen. Die Parallelen sind dafür ohnehin erkennbar.

Klara Jahn, die viele Bestseller unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht hat, hat eine sehr gute Arbeit geleistet, um den Leser an die problematischen Situationen, die mit dem Leben auf einer Hallig einhergehen, heranzuführen.

Das Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart ist optisch gut aufbereitet, der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Bei allen Konflikten der Halliglüd (Halligleute – Menschen, die auf einer Hallig leben), ist der Roman zudem unterhaltsam und spannend. Stets möchte man wissen, wie es mit einer Beziehung oder mit einem Projekt weitergeht. Sowohl in der Geschichte der Jahrhundertflut als auch in der der neuen Halliglehrerin Ellen.

Ich glaube, Julia Kröhn hat ihre selbstgesteckte Aufgabe, den Klimawandel und seine Auswirkungen in der heutigen Zeit auf den Halligen zu beschreiben, mit Bravour geleistet. Es ist ein sehr lesenswerter Roman!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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