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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2020

Ein spannender, historischer Roman

Der Katalane
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Katalonien im 19. Jahrhundert. Die Lebensverhältnisse sind schwer. Viele Bauern bauen Wein an, aber dessen Qualität reicht gerade mal, um daraus Essig zu machen. Josep ist nicht erster Sohn in der Familie ...

Katalonien im 19. Jahrhundert. Die Lebensverhältnisse sind schwer. Viele Bauern bauen Wein an, aber dessen Qualität reicht gerade mal, um daraus Essig zu machen. Josep ist nicht erster Sohn in der Familie und hat deshalb kein Anrecht auf den Hof. Wie auch in anderen Familien üblich, muss er frühzeitig sehen, wie und womit er seinen Lebensunterhalt verdient. Er lässt sich auf Anraten seines Vaters und dessen Freundes von der Armee anheuern und denkt, damit gut bedient zu sein. Doch die politischen Verhältnisse stehen nicht gerade zum Besten. Josep flieht und findet im Languedoc bei einem französischen Winzer Unterkunft, Arbeit und schließlich Ausbildung. Mehrere Jahre verbringt er dort, um schließlich in seine spanische Heimat zurückzukehren. Seinem älteren Bruder kauft er den Hof ab und beginnt, ihn zu bewirtschaften. Dabei geht ihm der Rat seines französischen Lehrmeisters nicht aus dem Kopf: er solle solchen Wein produzieren, den man auch trinken kann und nicht zu billigen Essig machen muss. So bemüht er sich und durchlebt viele Höhen und Tiefen. Der amerikanische Schriftsteller Noah Gordon hat sich einer historisch authentischen Kulisse bedient, um den Lesern eine andere Art des American Way of Live vorzulegen. Er ermutigt zum Kampf im Leben, nicht aufzugeben, seine Ziele stetig zu verfolgen. Was eignet sich besser, als solch ein Thema in einen Entwicklungsroman zu stecken. Darüberhinaus ist ihm eine packende Geschichte gelungen, die den Leser fesselt. Interessant und lehrreich sind die vielen Hinweise und Tipps, die etwas über die Weinherstellung erzählen. Katalanische Wörter in ihrer Sprache zu belassen und anhand eines angehängten Glossars zu erklären, ist eine sehr gute Methode, den Lesefluss nicht gewaltsam zu unterbrechen und den Leser auf so manche regionale Besonderheit hinzuweisen. Schön, dass diese Methode auch vom Übersetzer Klaus Berr so übernommen wurde. Ein spannender, historischer Roman, der nicht den Mainstream bedient, dafür aber jedem interessierten Leser im Gedächtnis bleiben wird.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2011

Veröffentlicht am 29.04.2020

Frauenpower a la „The Good Fight“

Die perfekte Schwester
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Es war eine Frage der Zeit, bis ich einen Roman der Tochter des legendären Schriftstellers James Lee Burke, Alafair Burke, lesen würde. Jetzt konnte ich den im März erschienenen Thriller von ihr unter ...

Es war eine Frage der Zeit, bis ich einen Roman der Tochter des legendären Schriftstellers James Lee Burke, Alafair Burke, lesen würde. Jetzt konnte ich den im März erschienenen Thriller von ihr unter die Lupe nehmen. Vielen Dank dem Aufbau Verlag für die Bereitstellung!

Chloe ist eine überaus erfolgreiche Chefredakteurin eines kleinen, aber noblen Frauenmagazins. Durch die von ihr initiierte „ThemToo“-Kampagne gelangte sie zu großem Star-Ruhm, aber auch Neider, Hasse und Trolle wurden auf dem Plan gerufen. Sie ist verheiratet mit dem Ex-Mann ihrer Schwester, also mit ihrem Schwager. Mittlerweile seit über 10 Jahren. Sie hat den Sohn ihrer Schwester, ihren Neffen, als Stiefsohn großgezogen, nachdem Adam nach der Scheidung die Sorgerechte zugesprochen bekam. Adam ist in seinem Job als Anwalt unglücklich. Er war Bundesstaatsanwalt, wechselte vor kurzem aber auf Empfehlung von Chloe zu einer privaten Kanzlei, um nicht in ihrem Ruhm unterzugehen. Aber glücklich wurde er damit nicht.

So viel zur Handlung. Aber keine Angst, es wird noch Tote geben, Korruption, Manipulation, Verstrickungen.

Alafair Burke gehört zu einer neuen Generation amerikanischer Schriftstellerinnen, die manchem vielleicht aus TV-Serien bekannt vorkommen zu scheinen. Der Schreibstil ist modern, die Handlung scheint so aktuell, als würden sie in den gerade in den Medien verkündet. Es ist das Hier und Jetzt der USA, gegebenenfalls in einer Großstadt wie New York oder Philadelphia. Der Leser bewegt sich im Umfeld von Anwälten, Polizisten und Geschäftsleuten.

Bis es richtig zur Sache geht, dauert es einige Seiten. Der Leser soll man erstmal das gesamte Umfeld einatmen. Das ist aber nicht weniger spannend, denn Burke lässt meist zum Ende eines Kapitels ein delikaten Cliffhanger stehen. Wir erfahren alles aus dem Munde von Chloe. Und wenn die dann mal so eine Bemerkung fallen lässt, bleibt einem nur ein „oh oh“ übrig.

Große Teile des Romans spielen in einem Gerichtssaal. Die Zeugenaussagen drehen immer wieder alles bis dahin Feststehende in das Gegenteil um. Da wird man als Leser immer wieder geschockt und muss im Kopf alles neu arrangieren. Dabei hilft Burke, natürlich nur, um dem Leser erneut aufs Glatteis zu führen. Herrlich!

Entbehrlich fand ich allerdings die Zitate aus den sozialen Medien. Auch in anderen Romanen ist dies für mich ein Kritikpunkt, weil ich persönlich diese abgehackten Sätze nicht lesen mag. Die habe ich live und brauche sie nicht auch noch in Romanen.

Ein Thriller, der sich lohnt zu lesen, der sehr viel Spaß macht, besonders wenn man Frauenpower a la „The Good Fight“ mag.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

Veröffentlicht am 29.04.2020

Daisy bei einer Party

Sie finden dich nie
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»Sie finden dich nie« von Cara Hunter ist eine spannende Jagd nach einem vermissten, achtjährigen Mädchen. Offenbar ist Daisy bei einer Party von dem Grundstück ihrer Eltern verschwunden. Die Polizei ermittelt ...

»Sie finden dich nie« von Cara Hunter ist eine spannende Jagd nach einem vermissten, achtjährigen Mädchen. Offenbar ist Daisy bei einer Party von dem Grundstück ihrer Eltern verschwunden. Die Polizei ermittelt sofort und befragt Eltern, Gäste und Nachbarn, später auch Lehrer und Mitschüler. Jeder scheint verdächtig, aber ernsthafte Spuren gibt es nicht. Detective Inspector Adam Fowley kommt mit seinem Team nicht voran, bis er schließlich Informationen aus der Vergangenheit einbezieht.

Gefallen hat: die Spannung bis zum Ende, stets neue Informationen , die in eine andere Richtung zeigen, überraschende Wendungen bis zum Schluss und schließlich eine verblüffende Auflösung des Falls.

Gefallen hat: Die Erzählweise aus unterschiedlichen Perspektiven hat mir besonders viel Spaß gemacht.

Nicht gefallen hat: zwei verschiedene strukturelemente, die von der Autorin eingebracht wurden, um dem Leser einen anderen Blick auf die Sachlage zu gewähren. Das sind einerseits die rückblenden, die beim Tag des Verschwindens beginnen und Stück für Stück immer weiter zurückgehen. durch die chronologisch umgekehrter Reihenfolge hatte dies für mich eher Verwirrung als weitere Erkenntnis zur Folge, obwohl ich durchaus erkenne, dass die Autorin damit bezweckte. andererseits sind es die vielen Twitter Meldungen, mit denen die medienmeldungen kommentiert werden. Die sind für mich total belanglos und komplett entbehrlich Punkt lese ich sowas doch in meinem normalen tagesablauf, also muss ich solch Geschwätz nicht auch noch im Roman lesen.

Mein Fazit: unterhaltsam und spannend mit Potenzial zum Überblättern wegen nutzloser Informationen.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

Veröffentlicht am 20.04.2020

geballte Ladung an „tödlicher Kruse“

Tot, aber glücklich!
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In dem Kurzgeschichtenband »Tot, aber glücklich!« zeigt Tatjana Kruso ihr humoristisches Repertoire. Sind ihre Kriminalromane stets mit einem zwinkerenden Auge zu lesen, so zeigt sich bei den zahlreichen ...

In dem Kurzgeschichtenband »Tot, aber glücklich!« zeigt Tatjana Kruso ihr humoristisches Repertoire. Sind ihre Kriminalromane stets mit einem zwinkerenden Auge zu lesen, so zeigt sich bei den zahlreichen Kurzkrimis dieses Buches das variable Können im Schreibstil dieser Autorin. Obwohl viele der hier veröffentlichten Geschichten bereits in Anthologien veröffentlicht wurden, macht die geballte Ladung an „tödlicher Kruse“ in diesem Band einen sehr unterhaltsamen Eindruck. Wie die Autorin im am Schluss abgedruckten Interview freimütig gesteht, sollen die Geschichten Spaß machen und die Leser von denn alltäglichen Sorgen ablenken. Nun gut, das machen sie.

Während bei manchen Geschichten bereits im Titel die Satire erkennbar ist, sind andere Geschichten seriös verfasst und auf Thriller-Niveau. Um so heftiger dann die Pointe. Auf die Pointe kann der Leser in jedem Fall gespannt sein, auch wenn die Figuren wärend der Geschichte schon einiges zum Wiedererkennen und Schmunzeln bereithalten. Und da man nahezu alle Geschichten auch wie in einem Sachbuch als Ratgeber interpretieren könnte, möchte ich hier mal den Versuch wagen.

In Der Nacktschneckensammler lernen wir auf der sonnigen Insel Sylt viele Nackedeis, die lispelnde Inga aus Schweden und eine weibliche Leiche kennen. Dagegen werden uns in Blaubart ohne Bart die Szenen einer Ehe am morgendlichen Frühstückstisch vorgeführt. Bruch kommt von brechen … lehrt uns, dass es zwar schön wäre, mit Schampus reich zu werden. Besonders, wenn man erlesene 6 Flaschen geklaut hat. Aber man sollte auch auf sie achtgeben. Die Leckerschmeckermorde beweisen, dass nicht jeder Verkäuferin in einer Konfisserie zu trauen ist. Konzerte mit Cello, insbesondere in Norddeutschland sind nicht immer eine gute Idee. Besonders, wenn das Cello nach Nirgendwo fährt. Wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin? fragen sich zahlreiche Gäste jedes Jahr bei den Wettkämpfen der CHIO in Aachen. Vielleicht sind damit auch nicht die Pferde, sondern die Scharfschützen gemeint? Und seien wir mal ehrlich, das haben wir doch schon immer gewusst: Die Doris macht das Gift. Man sollte nicht als Aushilfskraft in einer Bibliothek arbeiten wenn man nicht bereit ist, auf einige besonders wertvolle Bücher zu verzichten.

In Die vier großen H des Hallensers Till B. ist der Betreiber des Hanse-Museums sichtlich bemüht, sein kleines Museum noch einige Jahre weiterzuführen. Dank gilt dem Bankräuber und dem Fiesling. Mit Heute kein Kaffee!
lernen wir: Nichts (!) ist wichtiger als funktionierende Kaffeemaschinen. Summsummsesumm erinnert uns an alte Omas und wie sie heutzutage so aussehen: Tanktop, Capri-Jeans, knallrot gefärbte Haare. Nur noch an den Truthahnhälsen und den Altersflecken an den Krallenhänden als Omas zu erkennen. Und dass James Bond, die coolste Sau der Welt ist, war ja immer schon klar. Ungewöhnliche Zugbekanntschaften kann man machen, wenn man in einem Verein tätig ist und zu den Vereinsmeiern gehört. Eine Salzgrotte zu betreten sollte man sich dreimal überlegen, wird uns in Salzgrotten-Fandango mitgeteilt. Ob Trödel wirklich Trödel ist, sollte man jedenfalls bei Trödel Träuble & Sohn lieber zweimal hinterfragen. Einfach einen Heizungsmonteur aus den gelben Seiten? Und dann keine korrekte Arbeit abgeliefert? Ouch! Meister Maik heizt Ihnen ein! .

Des Weiteren erfahren wir vom Liebesleben einer Ermittlerin und ihren Neid auf andere. Aber auch, dass es Dinossaurier doch noch gibt. Und schließlich Die Unsterblichkeitsformel: Verdammter Gin Tonic! Wenn Ihnen jemand sagt, dass er auch joggt und ein Auge auf Sie haben wird, dann sollten Sie sich spätestens jetzt davon machen. Die Liebe einer Mutter zeigt sich erst im Tourbus zu den Drehorten von Sound of Music, denn da riecht Frau Möller den Braten. Bei Futtert Nemo erfahren die Leser die Binsenweisheit, dass man selbst in ausweglosen Momenten besser die Klappe halten sollte. Denn sonst ist man tot, aber glücklich. Manche Senioren, die die Fitnessstudios bevölkern wollen es einfach nicht wahrhaben: Seniorensport ist Mord. Jedoch nicht immer, manchmal ist Sport auch Pflegefall! An Harmlosigkeit nicht zu überbieten: »Sänk you for travelling with schwäbische Eisebahn!« Urlaub kann besonders schön sein, wenn man nicht zeltet, sondern gezeltet wird! Vor allem sollte man darauf achten, wer den Rucksack geschultert hat und das blutende Messer in der Hand hält.
Gute und launige Unterhaltung!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2020

Veröffentlicht am 16.04.2020

Der perfekte Badeurlaub!

Die Tote in der Sommerfrische
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In dem Roman »Die Tote in der Sommerfrische« von Elsa Dix werden wir in das mondäne Norderney des Jahres 1912 eingeladen. Hier verbringt die feine Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs ihren Sommerurlaub. ...

In dem Roman »Die Tote in der Sommerfrische« von Elsa Dix werden wir in das mondäne Norderney des Jahres 1912 eingeladen. Hier verbringt die feine Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs ihren Sommerurlaub. Zu dieser Gesellschaft gehört auch Viktoria Berg, die vor dem Antritt ihrer Stellung als Lehrerin die Sommerfrische genießt. Dass sie als Lehrerin arbeiten möchte, ruft nicht gerade Freudenschreie ihres Herrn Vaters hervor. Als Dame der Gesellschaft arbeitet man schließlich nicht.

Viktoria wird Zeugin, als eine Frau Tod aus dem Meer gefischt wird. Ein junger Mann man hat die Leiche treiben sehen. Es ist Christian Hinrichs, ein aufstrebender Journalist für eine Frauenzeitschrift, der an die See geschickt wurde, um über die Schönen und Reichen zu schreiben. Seine Lehrjahre hatte er zuvor als Kriminalreporter absolviert. Viktoria erkennt die Tote und mag genauso wenig wie Christian an Selbstmord glauben.

Der Kriminalfall, den Elsa Dix konstruiert hat, ist spannend, verworren und rätselhaft. Selbst eingefleischte Leser von Kriminalromanen mit Miss-Marple-Erfahrung werden eine harte Nuss zu knacken haben.

Gleichwohl fasziniert aber auch die Atmosphäre eines Seebades zu dieser Zeit, in der die Handlung spielt. Die leichte Meeresbrise streicht beim Lesen über die Arme und beschert dem Leser Gänsehaut. Der Sprachstil entspricht unserem heutigen Gefühl der damaligen Sprache. Gefühlt ist dabei der Satz „Es schickt sich nicht.“ der wohl am häufigsten verwendete Satz in diesem Roman. Besonders angenehm sind die kleinen plattdeutschen Sprengsel, wenn sich das niedere Volk unterhält. Die Kaiserzeit, die gerade der feinen Gesellschaft besonders hohe Hürden aufbordet und jede Selbstständigkeit von Frauen unterbindet, wird in vielen kleinen Details des Romans spürbar. Ob es die Damen sind oder die Beamten, als Leser in der heutigen Zeit wünscht man sich nicht, auf sie zutreffen.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer und Spaß machender Kriminalroman, den man nicht unbedingt nur im Sommer bei einem Badeurlaub lesen muss.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2020