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Veröffentlicht am 12.06.2019

sehr gern von mir empfohlen

Licht in den Wolken
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Nicht zum ersten Mal überraschen das Schriftstellerehepaar Iny und Elmar Lorentz mit einem Thema und einem Stoff, der nichts mit ihren ersten erfolgreichen Romanen zu tun hat. Der vorliegende Roman spielt ...

Nicht zum ersten Mal überraschen das Schriftstellerehepaar Iny und Elmar Lorentz mit einem Thema und einem Stoff, der nichts mit ihren ersten erfolgreichen Romanen zu tun hat. Der vorliegende Roman spielt in der Zeit von 1864 bis 1870. Geschildert wird das Erwachsenwerden des Mädchens Rike, eigentlich Frederike von Gantzow, die aus einem uralten Adelsgeschlecht stammt und deren Vater preußischer Offizier ist. Wohlhabend kann man die Familie nicht gerade nennen. Und auch nicht liebenswürdig.

Zu Beginn des Romans wird Rike auf eine Höhere-Töchter-Schule mit Internat geschickt. Dierse Schule wird von alten, jungfräulichen Schwestern betrieben. Vier Jahre soll sie hier absolvieren und lernen, wie man sich als Ehefrau, Mutter und Dame benimmt und den Haushalt verwaltet. Finanziert wird ihr dieses Internat von ihrer Großtante, die dabei aber ihre eigenen Ziele verfolgt, weil sie kinderlos ist. In solch einem Internat gibt es die älteren und die jüngeren Jahrgänge, womit gleich am ersten Tag die fortan gültigen Regeln scheinbar festgeklopft werden sollen. Doch Rike ist selbstbewusst, lässt nicht alles mit sich und ihrer gerade kennengelernten Mitschülerinnen Gunda machen. Rike und Gunda werden beste Freundinnen und bestreiten fortan das Leben gemeinsam. Je älter beide werden, umso bedeutender werden die männlichen Bekanntschaften, die zur damaligen Zeit einer extrem strengen Etikette unterliegen.

Der Roman gubt immenses Detailwissen zu den historischen Hintergründen preis. Die Kriege Preußens gegen Dänemark, Österreich und Frankreich spielen besonders für das Verhalten der männlichen Figuren eine Rolle. Letztendlich sind dann aber auch die weiblichen Figuren davon betroffen. Lorentz schaffen es immer wieder, auf unterhaltsame Weise diverses historisches Hintergrundwissen an die Leser zu bringen. Was mit einem "Zickenkrieg" beginnt, reicht bis Mord und andere Verbrechen. Spannung zieht die Geschichte also nicht nur aus den Beziehungen von Weiblein und Männlein. Die Konflikte in den Familien bilden ausreichend Stoff, Leser in ihren Bann zu ziehen.

In Stil und Sprache haben sich die Autoren fantastisch auf die Zeit von Damals eingelassen. Liest man Bücher die zur damaligen Zeit entstanden sind (zum Beispiel "Wanda" von Karl May), erkennt man, wie weit sich beide auf diese Zeit eingelassen haben. In einem umfangreichen Nachwort gibt es weitere Hintergrundinformationen zur damaligen Zeit.

Dieser Roman wird sehr gern von mir empfohlen!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 05.06.2019

besondere politische Dimension zum schnellen Seitendrehen

3 2 1 - Im Kreis der Verschwörer
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London befindet sich im Ausnahmezustand. Der britische Premierminister und der amerikanische Präsident eröffnen eine Großveranstaltung. Alle Sicherheitsfirmen beider Staaten sind in höchster Bereitschaft. ...

London befindet sich im Ausnahmezustand. Der britische Premierminister und der amerikanische Präsident eröffnen eine Großveranstaltung. Alle Sicherheitsfirmen beider Staaten sind in höchster Bereitschaft. Die Zeremonie wird in allen Medien live übertragen. Plötzlich peitschen Schüsse über den Trafalgar Square, als alles gut zu laufen schien. Ein Politiker bricht vor den Kameras zusammen. Zwar ist er kein Staatschef, aber dennoch von nicht geringem Rang. Trotz allem gelingt es im Chaos, den Attentäter festzunehmen. Doch die Politik kann sich nur für kurze Zeit beruhigen, denn am nächsten Morgen wird der Attentäter tot in seiner Zelle aufgefunden. Für den Anwalt Michael Devlin und der jungen CNN Reporterin Sarah Truman beginnt ein Wettlauf auf Leben und Tod.

Der Thriller spielt im heutigen London. Da das Attentatsopfer ein Politiker ist, der sich für die Friedensvereinbarung zwischen England und Nordirland eingesetzt hat, spielt der Konflikt in Nordirland eine wesentliche Rolle. Man kann sich leicht vorstellen, was hinter den Kulissen bei den Brexit-Gesprächen innerhalb des Parlaments abgeht, obwohl der Brexit keinerlei Rolle spielt.

Kent hat Figuren geschaffen, die man lieben wird oder nur hassen kann. Neben den bereits genannten beiden Protagonisten gibt es einen weiteren der die Handlung vorantreibt: Geheimdienstmitarbeiter Joe Dempsey. Die rasante Handlung wird nicht groß durch Rückblenden und Parallelstränge unterbrochen. Um auf Tempo zu kommen wird der Perspektivwechsel für die Erzeugung der Spannung genutzt. Von Kapitel zu Kapitel schreitet die Handlung chronologisch voran, aber jeweils aus anderer Sicht. Obwohl man zwar als Leser in einem Kapitel fortfahren möchte, um der dortigen Handlung zu folgen, weiß man, dass das nächste Kapitel – sprich: die nächste Perspektive - wieder neue Aspekte in die Szene bringt. Dabei ist das Ganze mitnichten ein Diskutierclub von Politikern und Geheimdienstlern. Jede Menge Action sorgt dafür, dass die Seiten nur so durch die Finger gleiten. Explodierende Autos, Schießereien, Prügeleien stehen auf der Tagesordnung. Während Michael und Sarah kurze Zeit nach ihren Ermittlungen auf der Flucht sind, macht sich Joe auf die Jagd nach den Hintermännern des Attentats. De Männer werden von ihrer Vergangenheit eingeholt und offenbaren ungeahnte Fähigkeiten.

Mir hat ganz besonders die politische Dimension und die actionreiche Flucht und Jagd gefallen. Das miese Verhalten der Politiker wird offensichtlich und nur zu gern möchte man glauben, dass es tatsächlich so ist. Der Plausibilität diese Handlung wurde also Genüge getan.

Dieser Thriller erhält ein Prädikat „Pageturner erster Güte" von mir.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 22.05.2019

Spannender Roman zuu schwerem Thema

Das Haus der Verlassenen
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Die Autorin Emily Gunnis hat sich in diesem Roman eines Themas bedient, welches in den Kreisen der katholischen Kirche auch heute noch nach Möglichkeit totgeschwiegen wird. Es geht um die Mutter-Kind-Häuser ...

Die Autorin Emily Gunnis hat sich in diesem Roman eines Themas bedient, welches in den Kreisen der katholischen Kirche auch heute noch nach Möglichkeit totgeschwiegen wird. Es geht um die Mutter-Kind-Häuser Irlands und Englands, die von den sogenannten „Barmherzigen Schwestern" betreut wurden. In diesen Heimen konnten junge, ledige Mädchen, die ein Kind erwarteten, entbinden. Sie wurden allerdings gezwungen, diese Kinder zur Adoption freizugeben und in den heimeigenen Wäschereien unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Auch der Roman „Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" von Rebecca Michéle hat dieses schwere Thema zur Grundlage.

2017 findet die Journalisten Sam bei ihrer Großmutter einen Brief von einer Ivy. Ihre Großmutter sagt, dass der Brief in den Hinterlassenschaften des Großvaters, eines Antiquitätenhändlers, lag. Die alleinerziehende Sam ist stark beeindruckt von seinem Inhalt, in welchem Ivy ihrem Liebsten anfleht, sie aus dem Heim herauszuholen. Sam wittert aber auch eine große Story, die sie in ihrem Job und auf der Karriereleiter weiterbringen könnte. Doch je tiefer sie nachforscht, umso mehr mysteriöse Todesfälle fördert sie an die Oberfläche. Ihre Nachforschungen werden immer gefährlicher, denn ihre eigene Familiengeschichte scheint immer mehr mit dem dunklen Kloster zu tun zu haben, in dem Ivy 1956 eingesperrt war.

Gunnis hat einen feinsinnigen Plot entwickelt, der vor Gräueltaten in diesen Heimen nicht Halt macht. Das letzte dieser Heime wurde erst 1996 geschlossen. Damit wird der Roman zu einem sehr beeindruckenden und beklemmenden Roman, der es aber nicht an Spannung vermissen lässt. Man sitzt manchmal nur mit dem Buch in der Hand und mag nicht glauben, dass es sowas gegeben hat. Doch mit den Todesfällen wird aus der Geschichte noch ein Thriller par excellence. Möchte Sam anfangs nur dem Geheimnis der Briefe auf die Spur kommen, so entwickelt sie sich zu einer ausgesprochenen Ermittlerin, welche die damaligen Missstände und deren Verursacher an die Öffentlichkeit bringen möchte. Wenn man sich als Leser von den bedrückenden Geschehnissen nicht abhalten lässt, wird man in den starken Sog des Romans gezogen und wird von dessen Spannung getrieben.

Dennoch gibt es Wehrmutstropfen die nicht verschwiegen werden sollten. Diese Magdalen-Häuser hat es in dieser grausamen Auswirkung hauptsächlich in Irland gegeben. Gunnis sagt auch im Nachwort, dass sie sich in der Beschreibung der Gräueltaten auf ihre Recherchen in irischen Häusern stützt. Trotzdem hat sie ihre Handlung im britischen Sussex verortet. Obwohl es in England auch ca 200 solcher Heime gab, ist von solch extremer Gewalt ist in England nicht annähernd so viel bekannt wie aus Irland. Der Authentizität wegen hätte die Geschichte besser in Irland spielen sollen. Ein weiteres kleines Manko sind die relativ vielen Figuren aus verschiedenen Generationen. Insgesamt leben noch sieben Generationen gleichzeitig, was ein Ding der Unmöglichkeit ist. Oder was sollte es sonst bedeuten, wenn die Urgroßmutter von ihrer eigenen Großmutter zum Essen eingeladen wird. Etwas besser rechnen zu können, hätte mehr Klarheit gebracht.

Wegen der Spannung, dem Sog und dem schweren Thema, das behandelt wird, gebe ich dennoch vier Sterne. Diese Taten sollten nie vergessen werden, auch wenn die meisten bereits ungesühnt blieben.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 15.05.2019

Trotz Streit und Konflikt präsentiert der Roman eine nette Atmosphäre.

Gelateria Paradiso
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Die Autorin ist für ihre Romane mit italienischem Flair bekannt. So wundert es nicht, dass auch dieser Roman über das Eiscafé Paradiso mit einem Background in Italien daherkommt. Während die Haupthandlung ...

Die Autorin ist für ihre Romane mit italienischem Flair bekannt. So wundert es nicht, dass auch dieser Roman über das Eiscafé Paradiso mit einem Background in Italien daherkommt. Während die Haupthandlung im Rheinland der Gegenwart spielt, geht es zwecks Vergangenheitsbewältigung in die 1960er Jahre zurück. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild einer Eisdiele mit radebrechendem Personal mit italienischem Akzent.

Francesca war in der Eisdiele aufgewachsen und hatte den Kontakt zu ihren Eltern vor vielen Jahren abgebrochen. Ihr war die Eisdiele zuwider, ihre Eltern hatten nie Zeit für sie, sie musste im Geschäft mithelfen, machte dort auch die Hausaufgaben. In der Schule wurde sie als „Itaker" beschimpft und wegen ihrer Körperfülle gehänselt.

Susanne war nach der Geburt von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben worden. Ihre leiblichen Eltern hat sie nie kennengelernt, die Adoptiveltern hatten sie stiefmütterlich behandelt. Auch sie brach den Kontakt ab und suchte sich eine „Ziehmutter", Tilly, eine überaus gute Freundin mit einem behinderten Sohn. Zusammen führen sie einen Antiquitätenladen. Als im Nachbarort eine stillgelegte Eisdiele verkauft und aufgelöst werden soll, begegnen sich Sabine und Francesca zum ersten Mal. Es wäre gelogen, wenn man jetzt behaupten würde, dass diese Begegnung keine Folgen hätte.

Mir hat besonders diese spezielle Stimmung gefallen, die Rückblenden, die die eine oder andere Erinnerung an meine eigene Kindheit hervorriefen. Die bildhaften Beschreibungen der Autorin ließen das Geschirr in meinem Kopf klirren, den Geschmack von Vanilleeis im Gaumen anklingen, die Gerüche von Pasta in die Nase ziehen.

In Rückblenden erfahren wir, wie es zu der Eisdiele kam. Ganz allmählich wird das Geheimnis um Susanne und Francesca, deren Herkunft gelüftet. Diesen Spannungsbogen zu verfolgen, zieht mindestens oder gar stärker in den Roman als die romantischen Abenteuer der Protagonistinnen. Denn gleich mehrere Liebesgeschichten sorgen für zusätzliche Spannung, die es bequem macht, den Roman in einem Rutsch durchzulesen. Und so manche Figur wächst dabei über sich hinaus und sorgt für überraschende Wendungen. Zwei Figuren wuchsen mir dabei besonders ans Herz. Lennart mit seiner geistigen Behinderung hat im richtigen Moment den richtigen Sprüche auf Lager und sorgt in den unmöglichsten Situationen für die nötige Portion Wahrheit. Gerstenberger hat es geschafft, mich für diesen Mann einzunehmen. Die zweite Figur ist Dario, der mit dem unverkennbaren italienischen Akzent spricht. Einfach spitze. Es macht Spaß, seine Dialoge zu lesen und seine Worte im Kopf nachklingen zu lassen.

Fazit: Liebenswürdige Figuren, die unheimlich ans Herz wachsen, Spannende Fragen, deren Antworten man wissen will, Nebenfiguren die man hassen muss. Trotz Streit und Konflikt präsentiert der Roman eine nette Atmosphäre. Beste Empfehlung meinerseits.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 11.05.2019

Rasend spannend, nachdem man durchhält

Dein Ende
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Man könnte diesen Thriller auch mit Szenen einer Ehe titulieren. Denn es geht um die Beziehung zweier Menschen, ihr Kennenlernen, ihre Annäherung, ihr Leben und schließlich ihr Zusammenbruch.

Die Oberärztin ...

Man könnte diesen Thriller auch mit Szenen einer Ehe titulieren. Denn es geht um die Beziehung zweier Menschen, ihr Kennenlernen, ihre Annäherung, ihr Leben und schließlich ihr Zusammenbruch.

Die Oberärztin Diana Jaeger hat vor einigen Jahren in ihrem Blog viele Männer gegen sich aufgebracht. Ihre feministischen Gedanken ging vielen zu weit, besonders den IT Leuten ihrer Klinik, in der sie arbeitete. Sie erntete einen Shitstorm, der in sämtlichen großen Medien landesweit überkochte. Das ging soweit, dass sie kündigte und die Stadt verließ, um in einer anderen Klinik weit weg eine neue Anstellung zu finden. Ihr gestörtes Verhältnis zu Männern ist extrem. Doch sie lernt bei einem Problem an ihrem Dienst-PC Peter Elphinstone, den IT-Supporter bei ihrem neuen Arbeitgeber, kennen. Der krempelt ihr gesamtes Leben um. Bis er plötzlich verschwunden ist und Diana von der Polizei verdächtigt wird, etwas mit seinem Verschwinden zu tun zu haben.

Zunächst einmal möchte ich voranstellen, dass es sich um eine sehr spannende Geschichte handelt. Aber - und das führt zu einem Punktabzug - die Montage der Szenen ist teils chaotisch, der Beginn ist katastrophal und ich brauchte etwa 80 bis 100 Seiten, um hinein zu kommen. Dann aber zog er mich richtig hinein und ließ mich nicht los. Es wird also jeder reichhaltig belohnt, der die ersten 80 Seiten durchhält. Bis dahin unterdrücken lange Monologe und Gedanken der Protagonisten die Lust am Leben. Hervorragend dagegen dann wieder die Erzählform in der ersten Person, mit der der Leser Dianas Blick, ihre Sichtweise auf das Geschehen erfährt. Bei dem Geschehen handelt es sich um einen Unfall, der durch Streifenpolizisten aufgeklärt werden soll. Zwischen der Polizistin und ihrem neuen Kollegen beginnt es zu knistern, was die Spannung zusätzlich erhöht. Während die Arbeit der Polizei und die eines Journalisten aus normaler Perspektiven im parallelen Strängen erzählt wird, werden manche Geschehnisse aus der Sicht von Diana zwar redundant erzählt, aber es ist schließlich auch eine wirklich komplett andere Sichtweise. Erst dadurch wird der Leser gezwungen, seine Theorien, die er sich in seinem Kopf zu dem Hergang des Unfalls gebildet hat, immer wieder aufs Neue umwerfen. Nichts, absolut nichts, ist, wie es scheint. Und dieses nicht nur auf das Ganze bezogen, sondern tatsächlich auch in jedem Strang.

Am Ende des letzten Satzes stand nur ein einziger Gedanke in meinem Kopf: Wow! Schade, dass der Anfang so verwirrend war. Gut, dass ich durchgehalten habe. Fulminante Empfehlung meinerseits mit der Bitte durchzuhalten.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019