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Veröffentlicht am 21.12.2022

Familie Steiner über die Jahrzehnte

Die Sehnsucht nach Licht
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In diesem Buch begleitet der Leser eine ganze Generation von Bergarbeitern und deren Familienmitgliedern im Schlematal im Erzgebirge von 1908 bis 2019. Fünf Generationen von Menschen erlebt der ...

In diesem Buch begleitet der Leser eine ganze Generation von Bergarbeitern und deren Familienmitgliedern im Schlematal im Erzgebirge von 1908 bis 2019. Fünf Generationen von Menschen erlebt der Leser mit, die Hoffnungen und Ängste der einzelnen Familienmitglieder und das Bewusstsein der Leute, dort jede gemeinsame Minute auszukosten da so mancher Bergarbeiter nicht aus dem Berg zurückkehrt.

Dies ist eine ganz wunderbare und sehr berührende Geschichte über eine ganze Familie von Bergarbeitern. Die Autorin versteht es sehr gut die einzelnen Personen der Familie authentisch zu beschreiben und gut auszuarbeiten. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und tiefgründig, ich habe die Welt im Schlematal hautnah miterleben dürfen und ich wurde richtig in die vergangenen Zeiten zurückversetzt.

Die Autorin hat verschiedene reale Hintergründe sehr passend und schön in die fiktive Geschichte eingearbeitet, so zum Beispiel die Arbeit im Bergwerk selbst, aber auch der Kurort mit dem Radiumbad oder das Leben unter sowjetischer Belagerung werden sehr authentisch gezeigt. Ich fand es immer wieder faszinierend wie eine Stadt und eine Familie mit all den historischen Ereignissen umgegangen ist und dennoch kamen auch die einzelnen Schicksale der Familienmitglieder immer wieder ganz hervorragend zu Tragen. Wie ist es wenn man gerade sein Haus gebaut hat und es dann gleich wieder verliert, wie ist es als junge Mutter sein Baby nach wenigen Wochen in einer Krippe fremdbetreuen zu lassen, weil man selbst wieder arbeiten muss...

Ich habe mit allen Mitgliedern der Familie Steiner mitfiebern könne, ganz besonders ans Herz gewachsen sind mir aber Wilhelm und Irma. Gegen Ende war ich sogar so gerührt, das ich das ein-oder andere Tränchen in den Augen hatte. Ausserdem hat die Autorin das Schlematal so toll beschrieben, dass ich nach diesem Buch große Lust verspüre selbst einmal dort hin zu fahren.

Fazit: Eine tolle und sehr bewegende Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte im Schlematal. Sehr zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 19.12.2022

Lesenswerte Dystopie mit neune Ideen und wichtigen Themen

Die Töchter der ersten Mutter
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Nur wenige Menschen haben den Untergang der damaligen Zivilisation überlebt und eine neue Gesellschaft ist entstanden. Hier leben Kelihn und ihr Stamm im Einklang mit der Natur. Eine Gleichberechtigung ...

Nur wenige Menschen haben den Untergang der damaligen Zivilisation überlebt und eine neue Gesellschaft ist entstanden. Hier leben Kelihn und ihr Stamm im Einklang mit der Natur. Eine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt es nicht, die Frauen übernehmen alle wichtigen Posten und fühlen sich als die "Auserwählten der Mutter Natur", während Jungen mit Beginn der Pubertät die Gemeinschaft verlassen müssen und später als Trumbadore alleine durch die Lande ziehen. Kehlin und die Mädchen werden stattdessen früh im Qua’man unterrichtet, einer geheimnisvollen Macht von Mutter Erde. Irgendwann ist es auch für Kelihn und ihren besten Freund Eolo soweit und sie werden getrennt. Kehlin erhält eine Ausbildung bei den Tu-a-teh, den hohen Meisterinnen des Qua’man und erst Jahre später treffen die Freunde wieder aufeinander....

Der Schreibstil des Buches ist unglaublich bildhaft und so hat mich die Geschichte sehr schnell in seinen Bann gezogen und ich war gefesselt von dieser neuen Welt, die so ganz anders ist wie die Unsere. Anfangs hat sich die Geschichte fast etwas paradisisch gelesen, alle Menschen leben im Einklang mit Natur und Tieren, es gibt keine Gewalt und jeder kann hier gut leben. Doch je weiter man liest, desto mehr fragt man sich in dieser Geschichte, ob dies nicht alles nur eine schöne Fassade ist und es dahinter nicht schon lange zu bröckeln begonnen hat. Ich fand diese Gedankengänge sehr fasznierend und spannend.

Die Autorin schafft es unheimlich toll die neue Welt der Natur zu beschreiben, die grünen Hügel, die Wälder, die Wiesen auf denen Pferde Weiden. Und doch gibt es immer wieder "Mahnmale" oder Erinnerungen der alten Welt, zerstörte Städte, alte Autowracks oder auch eine kaputte Autobahnbrücke. Ich fand dies sehr gelungen, da man sich so immer wieder vor Augen führen konnte, dass diese Geschichte nicht in einer Fantasywelt spielt, sondern das dies früher unsere Erde war. 

Die ganze Handlung wird in leisen Tönen erzählt, und dennoch macht es die Geschichte nicht weniger mitreißend. In mir wurden viele Gedanken angestoßen während des lesens, die von Spiritualität über Umweltschutz und Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gegangen sind und die nach dem lesen noch eine Weile nachhallen.

Einen Stern ziehe ich lediglich ab, da für mich in der zweiten Hälfte des Buches einige Abschnitte hätten gekürzt werden dürfen. Das Ende ist dafür ziemlich actiongeladen und geht Tierliebhabern etwas an die Nieren. Die Geschichte hat keinen richtigen Cliffhanger und man könnte sie auch so stehen lassen, dennoch ist es ein sehr offenes Ende und lädt zu einem nächsten Teil ein. 

Fazit: Eine Dystopie mit ganz neuen Ideen und Gedankenanstößen. Mir hat sie gut gefallen und ich empfehle sie gern weiter.

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Veröffentlicht am 16.12.2022

Erschütternd und dennoch sehr berührend und wichtig

Das letzte Versprechen
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Die kleine Anna lebt 1944 in Siebenbürgen gemeinsam mit ihrer Mutter und den Großeltern. Am Weihnachsabend wird sie brutal von ihrer jungen Mutter getrennt. Sie selbst wird in ein jugoslawisches ...

Die kleine Anna lebt 1944 in Siebenbürgen gemeinsam mit ihrer Mutter und den Großeltern. Am Weihnachsabend wird sie brutal von ihrer jungen Mutter getrennt. Sie selbst wird in ein jugoslawisches Kinderheim verschleppt, ihre Mutter muss ins Arbeitslager nach Sibirien. Dank der Hilfe ihre Großeltern gelingt es Anna schließlich sich dort zu befreien und sich wieder mit den Großeltern zu vereinen. Als Anna sechs Jahre später endlich wieder mit ihrer Mutter zusammen sein kann, ist ihre Mutter eine schwer traumatisierte Frau, die keine Liebe mehr geben. Und im Nachkriegsdeutschland hat niemand Zeit für Mitgefühl...die Autorin beschreibt hier ein sehr entbehrungsreiches und erschütterndes Leben einer Frau, die auch nach dem Krieg immer wieder von Schicksalsschlägen getroffen ist und man sich fragt: Wie viel muss ein Mensch aushalten können?

Der Schreibstil der Geschichte ist leicht verständlich und dennoch sehr eindrücklich beschrieben. Schonungslos und ehrlich beschreibt die Autorin wie Anna schon als Kleinkind grauenhafte Dinge miterleben muss. Ich war von Anfang an tief erschüttert und betroffen was ein kleines Kind alles aushalten kann und muss, dennoch ist es so wichtig auch solche Geschichten aus den (Nach-)Kriegsjahren zu erzählen, dass diese nicht dem Vergessen anheimfallen.

In habe schon ziemlich viel um die Zeit des zweiten Weltkriegs gelesen und dachte mich kann nicht mehr viel erschüttern, aber wie mit diesen Donauschwaben umgegangen worden ist, ist einfach unmenschlisch und barbarisch gewesen. Oft musste ich schwer schlucken und es fällt schwer zu begreifen was Menschen sich antun können.

Aber auch die Zeit nach dem Krieg war für Anna alles andere als einfach und mit dem Wissen von heute kann man über die Handlungen der Menschen damals nur den Kopf schütteln. Ich hatte so viel Mitleid mit Anna und habe sehr gehofft, dass sie irgendwann so richtig glücklich werden kann. Aber auch als (junge) Frau treffen Anna Schicksalsschläge und man fragt sich oft "hat diese Frau nicht schon genug gelitten".

Dennoch ist es auch bemerkenswert, wie Anna trotz der Schicksalsschläge immer wieder Kraft findet weiter zu machen, mit anzupacken und all ihre Liebe zu geben. Eine starke Frau, die man sich nur zum Vorbild nehmen kann!

Die Sprecherin des Hörbuchs hatte eine sehr angenehme Stimme und hat das Hörbuch gut vorgetragen. Es kamen die Emotionen schön rüben, aber immer in einem guten, angenehmen Rahmen und nie zu weit drüber.

Fazit: Eine erschütternde Lebensgeschichte, die es sich zu lesen/hören lohnt.


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Veröffentlicht am 15.12.2022

Immer wieder viel zu grausam für ein Kinderbuch

Redwall Band 1
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Im Moosblumenwald leben Mäuse, Dachse und andere Tiere friedlich und im Einklang zusammen, bis die furchteregende Ratte Cluny mit seiner Bande dort einfällt und die Abtei von Rotwall besetzen ...

Im Moosblumenwald leben Mäuse, Dachse und andere Tiere friedlich und im Einklang zusammen, bis die furchteregende Ratte Cluny mit seiner Bande dort einfällt und die Abtei von Rotwall besetzen will! Die einzige Hoffnung der Tiere ist eine alte Legende um ein Schwert, das der legendären Maus Martin gehört hat. Die junge Maus Matthias tut alles um dieses Schwert zu finden um so den Bewohnern von Rotwall Hoffnung auf den Sieg zu machen...

Dies ist der Auftakt rund um die "Redwall-Reihe". Einige kennen die Geschichten wohl noch von früher, mir waren diese jedoch nicht bekannt.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und ohne schwierige Worte, sodass sich das Buch eigentlich auch gut für Kinder eignen könnte. Der Einstieg ist mir leicht gefallen und das Buch beginnt fast Märchenhaft mit den friedlichen Mäusen in ihrer Abtei, die der schrecklichen Ratte gegenüberstehen. Das Buch richtet sich an Kindern ab 10 Jahren, meiner Meinung nach ist der Schreibstil jedoch viel zu grausam und barbarisch für 10jährige Leser! Ich würde dieses Buch meinem 10 jährigen Kind nicht zu lesen geben und kann es ab 13 oder 14 Jahren frühestens empfehlen. Es gibt im Buch Szenen, die selbst mich als erwachsene Leserin zum gruseln und schlucken gebracht haben...

Die Protagonisten wirken etwas sterotyp und sind wirklich "nur" gut oder böse, da mag ich es lieber wenn jemand mehr Ecken und Kanten besitzt. Dafür gibt es aber einige Nebencharaktere die orginell sind und etwas Abwechslung und Spaß in die Geschichte bringen wie Hirsch-Hase oder die alte Maus Methusalem, ein Bücherwurm der sehr viel Wissen besitzt. Die Spatzen sind in meinen Augen etwas zu originell geraten mit ihrer ganz eigenen Sprache, die die deutsche Grammatik völlig durcheinander würfelt. Mir haben die Passagen leider eher Kopfschmerzen verursacht und als junger Leser muss man sich wohl sehr konzentrieren, wenn man den Text verstehen möchte. Also ein einfallsreicher Ansatz, der für mich jedoch nicht wirklich funktioniert hat.

Die Handlung an sich ist für Erwachsene recht vorhersehbar, es gibt aber auch durchaus Abschnitte, die mich sehr positiv überrascht haben zu Beispiel die Rätsel die es zu lösen gibt. Einige überraschende Wendungen haben der Geschichte ebenfalls gut getan, ansonsten aber war das Ende doch recht vorhersehbar und keine wirkliche Überraschung. Der Weg dahin war voll Action und teils sehr grausamen Szenen, die Geschichte ist nur so mit Leichen gepflastert, wie es das oft nicht mal in Erwachsenenbüchern gibt.

Fazit: Für Erwachsene ist die Geschichte etwas vorhersehbar, für Kinder jedoch viel zu grausam und barbarisch in meinen Augen. Ich würde es meinem Kind frühestens mit 13 oder 14 Jahren zu lesen geben!

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Veröffentlicht am 15.12.2022

Hat sich wie ein langer Prolog gelesen

Der Herr der Meere
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Der zwölfjährige Suli lebt mit seiner Familie im Wasserkönigreich Faranon und verdient sich als Stallbursche der Seepferdchen etwas dazu. Eines Tages findet er in der Verbandskammer einen Dolch, der ihn ...

Der zwölfjährige Suli lebt mit seiner Familie im Wasserkönigreich Faranon und verdient sich als Stallbursche der Seepferdchen etwas dazu. Eines Tages findet er in der Verbandskammer einen Dolch, der ihn sofort in seinen Bann zieht. Gemeinsam mit seiner Adoptivschwester Bonka versucht er auf seine Fragen Antworten zu finden und wird schließlich in den Eispalast des Meeresgottes eingeladen, indem man vielleicht das Rätsel um den Dolch lösen könnte. Doch bedrohliche Ereignisse geschehen in Faranon und hindern Suli daran das Königreich zu verlassen...

Der Schreibstil ist kindgerecht und einfach und deshalb gut von Kindern oder Jugendlichen lesbar. Es gibt in der Geschichte einige Worte, die sich die Autorin augedacht hat wie zum Beispiel fremde Wörter für die Uhrzeiten. Dies verleiht der Geschichte etwas eigenes und fantasievolles und hat mir gut gefallen, noch schöner hätte ich allerdings ein Verzeichnis mit diesen Wörtern gefunden, da die Wörter in der Geschichte nur "nebenbei" erklärt wurden und es für Kinder vielleicht nützlich ist diese nochmals nachschlagen zu können. 

Ich bin gut in die Geschichte reingekommen, auch wenn es für ein Kinderbuch anfangs vielleicht etwas viele Namen auf einmal gibt. Dies lichtet sich jedoch im Lauf der Geschichte und man kann sich die Namen der Protagonisten dann auch gut merken. Schön fande ich, dass gerade zu Beginn einiges nützliches Wissen über den Ozean und seine Tierwelt ganz nebenbei eingeflossen ist und Kinder so noch etwas lernen können. In der ersten Hälfte wird man sehr gut in die fantastische Meereswelt von Faranon eingeführt und ich habe die Kinder gerne begleitet. Ab der Hälfte der Geschichte ungefähr hatte ich dann jedoch leider das Gefühl nicht mehr wirklich vorran zu kommen in der Handlung. Man hat nicht mehr über den geheimnisvollen Dolch erfahren, sondern hat am Ende der Geschichte sehr viele Fragen und kaum Antworten gehabt. Ich habe das Gefühl, dass die Geschichte nach diesem Buch erst so richtig losgeht und habe im Nachhinein das Gefühl eher eine Art langen Prolog gelesen zu haben. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Geschichte in den nächsten Bänden Fahrt aufnehmen wird, denn das Buch endet vielversprechend. 

Fazit: Eine sehr schöne Idee für ein fantastisches Kinderbuch, bei dem es sich aber für mich so angefühlt hat als würde das richtige Abenteuer erst richtig in den Folgeromanen beginnen.

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